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[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: FC Bayern München

11. Januar 2010, 12:40 geschrieben von Francescoli, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Wo steht der FC Bayern? Wir nehmen die Hinrunde des Rekordmeisters, der seit Mai 2008 nicht mehr Tabellenführer gewesen ist, unter die Lupe und geben eine Prognose für die Rückrunde.



Bayern München


Tabelle nach der Hinrunde

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
1. Bayer Leverkusen 17 35:13 35
2. FC Schalke 04 17 26:13 34
3. FC Bayern München 17 34:15 33
4. Hamburger SV 17 34:19 31
5. Borussia Dortmund 17 23:17 30
6. SV Werder Bremen 17 32:16 28



Die Hinrunde

Der FC Bayern ging wieder einmal mit sehr hohen Erwartungen in die neue Saison. Mit Louis van Gaal hatte man einen erfahrenen Trainer geholt, der es besser machen sollte als der in München gescheiterte Jürgen Klinsmann. Doch die Bundesligasaison begann ernüchternd: Nach zwei Unentschieden in Hoffenheim (1:1) und zuhause gegen Werder Bremen (1:1) sowie einer Niederlage in Mainz (1:2) fanden sich die Münchner nach drei Spieltagen auf Rang 14 der Tabelle wieder. Das Mittelfeld lief nicht rund, der Sturm bekam kaum brauchbare Bälle.


Der Saisonverlauf

Platz: 3
Punkte: 33 – 9 S/6 U/2 N
Heim: 19 – 5/4/0
Auswärts: 14 – 4/2/2
Bester Schütze: Gómez 8
Bester Scorer: Gómez 12 – 8 Tore/4 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 69.000 / Auslastung: 100%
Fair-Play-Wertung: Platz 1 / 16 Punkte

Für die erfolgsverwöhnten Münchner war dies ein Fehlstart. Entsprechenderweise war die Stimmung an der Säbenerstraße nicht die beste, zumal mit dem VfL Wolfsburg (H), immerhin amtierender deutscher Meister, und der wiedererstarkten Borussia aus Dortmund (A) zwei schwere Gegner auf dem Programm standen. Zwar gelang es den Bayern, beide Spiele für sich zu entscheiden – Wolfsburg wurde mit 3:0 und Dortmund mit 5:1 klar besiegt –, doch die Ergebnisse spiegelten nicht die spielerischen Probleme wider, mit denen der Rekordmeister in beiden Partien zu kämpfen hatte. Es war in erster Linie die individuelle Klasse eines Arjen Robben und eines Franck Ribéry, die den Unterschied ausmachte und sechs Punkte einbrachte. Bereits am nächsten Spieltag mussten sich die Bayern gegen defensiv aufgestellte Nürnberger zu einem knappen 2:1-Heimsieg mühen.

Als der FC Bayern nach sechs Spieltagen auf Rang drei geklettert war, richteten sich die Blicke selbstbewusst auf die Tabellenspitze, die der Rekordmeister schon seit Mai 2008 nicht mehr erklimmen konnte. Jedoch erhielt der Optimismus einen gehörigen Dämpfer, als man etwas unglücklich 0:1 in Hamburg verlor und nicht über ein torloses Unentschieden im Heimspiel gegen Köln hinauskam. Tabellenplatz 8 und acht Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter Leverkusen sorgten für Unruhe; van Gaals Spielsystem mit nur einer Spitze geriet in die Diskussion.


zusammen mit Thomas Müller die große Überraschung der Saison: Holger Badstuber / Foto: www.red-power.de


Was folgte, waren fünf Spiele, die nicht verloren wurden. Gegen die Kellerkinder Freiburg (A) und Frankfurt (H) sprangen zumindest knappe Siege heraus (jeweils 2:1), jedoch waren die Bayern nicht in der Lage, gegen die direkten Mitkonkurrenten zu gewinnen: in Stuttgart 0:0 und zuhause gegen Schalke und Leverkusen jeweils ein 1:1. Nur weil die anderen Großen der Liga ebenfalls Punkte liegen ließen, rutschte der FC Bayern nicht noch weiter in der Tabelle ab. Platz 7 nach 13 Spieltagen, mit 21 Punkten bzw. sechs Punkten Rückstand auf die Spitze, waren zwar nicht das, was sich der Ligaprimus vorgestellt hatte, aber immerhin hatte der Pragmatiker van Gaal mit seinem Sicherheitsfußball wieder Ordnung ins Bayern-Spiel gebracht und eine erste ernsthaftere Krise überstanden.

Uli Hoeneß erkannte gar einen Aufwärtstrend und verkündete, dass der FC Bayern Herbstmeister würde. Tatsächlich legten seine Jungs eine Serie mit vier Siegen in Folge hin: Hannover wurde auswärts mit 3:0 geschlagen, gegen die erstaunlich starken Gladbacher gab es zuhause einen hart erkämpften 2:1-Sieg, und dann folgten zum Abschluss zwei hohe Siege gegen die Krisenklubs aus Bochum (5:1) und Berlin (5:2).

Die Hinrunde beendete der FC Bayern schließlich mit nur zwei Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze. Platz 3 und 33 Punkte sorgten für einen halbwegs versöhnlichen Jahresausklang, zumal auch die Gruppenphase der Champions League (mit einigem Zittern) überstanden wurde und man im Achtelfinale des DFB-Pokals steht. Aus spielerischer Sicht scheinen sich die Bayern im Verlauf der Hinrunde stabilisiert zu haben. Die Gegner werden zumeist durch eine hohe Ballbesitzquote dominiert, und es werden wieder mehr Torchancen herausgespielt – und genutzt.


Personalien

Trainer Louis van Gaal wurde vergleichsweise spät verpflichtet und konnte daher nur beschränkt Einfluss auf die Zusammensetzung des Kaders nehmen. Außerdem erschien ihm der Kader zu groß. Nachdem Lúcio (Inter Mailand), Luca Toni (ausgeliehen an den AS Rom), José Sosa (ausgeliehen an die Estudiantes aus Buenos Aires), Alexander Baumjohann (Schalke 04) sowie Breno und Andreas Ottl (beide ausgeliehen an den 1. FC Nürnberg) abgegeben wurden, stehen nun 21 Spieler im Kader, wobei zu erwarten ist, dass mit David Alaba, Mehmet Ekici oder Diego Contento noch einer der hoffnungsvollen Talente aus der zweiten Mannschaft hochgezogen wird.

Von dort kamen bereits zwei Nachwuchskicker, die wohl niemand auf der Rechnung hatte und die ohne Zweifel als die Gewinner der Hinrunde gelten können: Holger Badstuber und Thomas Müller. Beide spielen für ihr Alter sehr stark und haben es in den Notizblock des Bundestrainers gebracht. Überaus überzeugend präsentierte sich auch Ivica Olić. Als er, nach einer sechswöchigen Verletzungspause, am 14. Spieltag wieder voll einstieg, belebte er das bis dato eher müde Offensivspiel der Bayern. Der Sieg in Hannover ging vor allem auf sein Konto und läutete den Münchner Schlussspurt mit vier Siegen in Folge ein. Nicht wenige Beobachter meinen, dass Louis van Gaal dem kleinen Kroaten seinen Job zu verdanken hat.

In die Reihe der Gewinner ist auch Daniel van Buyten zu stellen. Der Belgier konnte sich in seiner vierten Saison beim FC Bayern endlich einen Stammplatz erspielen. Sehr gut spielte auch Arjen Robben, der erst kurz vor dem vierten Spieltag aus Madrid an die Isar wechselte und sofort seine Extraklasse unter Beweis stellte. Wiederkehrende Knieprobleme zwangen den Holländer zwar zu zwischenzeitlichen Pausen, aber wenn er auf dem Platz stand, hatte das Offensivspiel eine besondere Qualität. Positiv überrascht hat auch Hans Jörg Butt, der Michael Rensing aus dem Tor verdrängte und eine bislang mehr als solide Saison spielt.


bereits Publikumsliebling in München: Ivica Olić / Foto: www.red-power.de


Sorgen bereitet hingegen Franck Ribéry. Der Franzose litt offenkundig unter dem Theater, das Real Madrid lange veranstaltete, um ihn für viel Geld aus München loszueisen. Hoeneß blieb hart und verweigerte sogar die Verhandlungen. Ribéry ging mit Trainingsrückstand in die Saison und hatte dann über die gesamte Hinrunde mit Problemen an der Patellasehne zu kämpfen, so dass er insgesamt nur sechs Spiele (davon nur eins über die volle Distanz) bestreiten konnte. Nur wenige Einsätze bekam Hamit Altintop. Derzeit scheint der erfahrene Mittelfeldspieler keine große Rolle in van Gaals Überlegungen zu spielen. Ähnliches gilt für Andy Görlitz und Christian Lell, die nicht eine einzige Minute auf dem Platz standen und nahe gelegt bekamen, sich einen neuen Verein zu suchen.

Bislang nicht überzeugen konnten die Neuzugänge Anatoliy Tymoshchuk, Edson Braafheid und Danijel Pranjic. Der Ukrainer spielt weit unter seinen Möglichkeiten und hatte am Ende der Hinrunde seinen Platz in der Stammelf verloren. Auch der junge Braafheid und der erfahrene Pranjic kamen nur schwer in Tritt, wobei zumindest Pranjic klar aufsteigende Form bewies. Rätsel gibt Martín Demichelis auf. Der in der Saison 06/07 so überragend auftrumpfende Argentinier spielt nun seit anderthalb Jahren weit unter seinen Möglichkeiten und wäre wohl schon längst zum Bankdrücken verurteilt, wenn der junge Badstuber weiter in der Innenverteidigung spielen würde.

Etwas Zeit benötigte Mario Gómez. Der teuerste Einkauf in der Geschichte des FC Bayern fand sich nach anfänglich guten Leistungen überraschenderweise auf der Bank wieder, erkämpfte sich aber seinen Stammplatz zurück. Am Ende der Hinrunde lief es für den Ex-Stuttgarter sogar richtig gut; er scheint nun voll in München angekommen und hat mittlerweile einen besseren Draht zum Trainer, der ihm zwischenzeitlich falsche Laufwege vorgeworfen hatte. Wer sein Sturmpartner sein wird, bleibt abzuwarten. Miroslav Klose hatte eine enttäuschende Hinrunde mit wenigen Einsatzzeiten und ohne Torerfolg in der Bundesliga. Aber er ist ein Kämpfer und wird alles tun, um seinen Platz zurückzuerobern. Gesetzt sind Kapitän Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger. Beide haben in den letzten Spielen eine überzeugende Rolle im zentralen Mittelfeld gespielt. Gerade Schweinsteiger zeigte auf der zentralen Position Qualitäten, die ihm viele Experten und Fans nicht zugetraut hätten.


Mario Gómez ist in München angekommen / Foto: www.red-power.de


Insgesamt steht Louis van Gaal ein mit Top-Spielern bestückter Kader zur Verfügung, der in der Winterpause nicht weiter verstärkt wird. Interessant wird sein, für welche taktische Grundordnung sich der Holländer in der Rückrunde entscheiden wird. Sofern Franck Ribéry und Arjen Robben gleichzeitig fit sind, spräche alles für ein 4-3-3 oder ein 4-5-1 mit nur einer echten Spitze und starkem Spiel über die Außen. In keinem Fall irritieren lassen wird sich der Trainer von seinem Präsidenten Uli Hoeneß, der eine klare Festlegung auf ein 4-4-2 gefordert hatte. Der Holländern konterte: Wenn Ribéry und Robben zurück sind, “dann spiele ich mit einem Stürmer. Das ist dann ein halbes 4-4-2 und ein halbes 4-3-3. Das hängt davon ab, wie stark unsere Gegner sind und ob wir offensiver oder defensiver spielen wollen.”


Trainer und Umfeld

Louis van Gaal hat klare Vorstellungen von Fußball, die er in der Öffentlichkeit sehr deutlich vertritt (Video). Ob er sich mit dem sehr speziellen Münchner Umfeld arrangieren wird, bleibt abzuwarten. Nicht abzusehen ist ebenso, ob er mit seiner offenkundig unbeugsamen und bisweilen sehr autoritären Art diese Mannschaft, diese Ansammlung von 22 sehr unterschiedlichen Menschen, auf Dauer führen kann. Zumindest hat er in Christian Nerlinger und Uli Hoeneß kompetente Gesprächspartner, die wie der Trainer eins wollen: den maximalen Erfolg.


Louis van Gaal strebt die Erfolge an, die Jupp Heynckes in München schon hatte / Foto: KSmediaNET


Die Saisonziele, Prognose

Alles andere als die Meisterschaft würde als Misserfolg gewertet. Noch sind 17 Spieltage zu absolvieren, in denen der FC Bayern auf hoch motivierte Gegner trifft. Erfolg oder Misserfolg hängen von drei wesentlichen Faktoren ab. Erstens: Trainer und Mannschaft brauchen Zeit und Konzentration, um sich weiter zu finden und einen Fußball zu entwickeln, der weniger berechenbar ist und auch die direkten Titelkonkurrenten vor Probleme stellt. Zweitens: Sofern Schlüsselspieler wie Franck Ribéry und Arjen Robben trotz der zusätzlichen Belastung durch den DFB-Pokal und die Champions League von Verletzungen verschont bleiben und es konkret gelingt, das Spiel nach vorne kreativer und präziser aufzuziehen, wird mit den Bayern zu rechnen sein. Drittens: Der FC Bayern muss das Auflodern von Bränden, wie sie Philipp Lahm Anfang November gelegt hatte, vermeiden. (Dazu ein Kommentar im MAG) Die Medien gieren nach Schlagzeilen und suchen permanent nach möglichen Konfliktpunkten in den Reihen des FC Bayern.

Sollten die in der Hinrunde erstaunlich starken Klubs aus Leverkusen und Schalke eine Schwächephase haben, muss der FC Bayern da sein und sich nach über anderthalb Jahren wieder an die Spitze setzen. Die Teams von Jupp Heynckes und Felix Magath dürften noch vor dem HSV und, mit Abstrichen, Werder Bremen die ärgsten Konkurrenten werden. Dass ein Klub aus dem Tabellenmittelfeld wie der VfL Wolfsburg in der vergangenen Saison eine extrem starke Rückrunde spielt und Meister wird, kommt nicht allzu häufig vor.

Insofern halten die Bayern ein sehr gutes Blatt in der Hand. Es wird Zeit, dass die Schale wieder zum Marienplatz kommt.


Links

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