Ärger bei der Eintracht. Frankfurts Trainer Skibbe droht mit Rücktritt!
10. Januar 2010, 16:40 geschrieben von Mario, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Eintracht Frankfurt ist noch nicht ganz aus dem Trainingslager im türkischen Belek zurück, da brodelt es beim hessischen Traditionsklub gewaltig. Trainer Skibbe droht mit Rücktritt aus seinem bis Sommer 2011 laufenden Vertrag.
In einem Interview mit dem hessischen Rundfunk gab der Trainer unverhohlen zu Protokoll, dass sich sein Weg und der der Eintracht trennen würden, falls man weiterhin nicht in der Lage sei, sich sportlich zu verbessern. Wörtlich meinte er: diesen Zustand des Stillstandes könne ein Trainer nicht lange hinnehmen. Sein Team sei an eine natürliche Grenze gestoßen. Dies sei auch durch besseres oder mehr Training nicht zu verändern. Eine Veränderung des Kaders sei zudem schon alleine wegen der zahlreichen Verletzten unumgänglich.
Man darf gespannt sein, wie der Vorstand auf die Worte Skibbes reagiert. Nicht zum ersten Mal, dass der Trainer die Öffentlichkeit sucht, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Kein Geld für Transfers
Michael Skibbe, sich selbst als Lokomotive eines Vereins bezeichnend, ist angefressen. Die Hiobsbotschaften um geplatzte Transfers wollen nicht abreißen. Skibbe verschaffte sich schon unmittelbar nach der peinlichen 0:4-Schlappe am 12. Spieltag in Leverkusen Luft und mahnte die mangelnden sportlichen Perspektiven der Eintracht an. Falls man sich nicht in allen Bereichen stetig verbessern würde, sei es eine Frage der Zeit, dass man in der Tabelle unweigerlich abrutscht und nach unten durch gereicht wird.
Skibbe machte auch kein Geheimnis daraus, dass sein Team höheren Ansprüchen nicht genüge, er aber keine Lust habe, regelmäßig gegen die großen Klubs der Liga eine Lehrstunde erteilt zu bekommen. Außer Pirmin Schwegler, den man für kleines Geld aus Leverkusen geholt hat, habe keiner seiner Akteure das Format mit dem Niveau der ganz großen mitzuhalten.
Er, Skibbe, zeigte sich angesichts des geplatzten Transfers seines Wunschspielers Lincoln, den er in Istanbul bei seiner letzten Trainerstation selbst trainiert hat, ziemlich konsterniert. Ein Spieler dieser Qualität würde die Offensive auf Anhieb um 30% verbessern. Es sei schade, dass man nicht in der Lage ist, sich die Dienste des Brasilianers zu sichern. Auch der nächste Wunsch des Trainers, Theofanis Gekas zu verpflichten, den er ebenfalls als Spieler kennt und schätzt, wurde nicht erfüllt. Gekas, und das hat Skibbe wohl am meisten enttäuscht, unterschrieb beim Tabellenletzten in Berlin, anstatt in Frankfurt anzuheuern. Und wiederum kam der viel sagende Satz des Übungsleiters: “Es ist schade, dass wir nicht in der Lage sind, uns sportlich zu verbessern.”

Selbsternannte Lokomotive des Vereins: Michael Skibbe /Foto: www.zaunsturm1905.de
Vorstands-Chef Bruchhagen, selbst ernannter Feind des finanziellen Risikos, hatte zwar stets Verständnis für die Enttäuschung seines Angestellten. Aber auch er machte kein Geheimnis daraus, dass mit ihm kein Weg der Unwägbarkeiten möglich ist. Eintracht Frankfurt handele nach wie vor nach den kaufmännischen Grundgesetzen. Um Spieler zu verpflichten sei man nicht gewillt Geld auszugeben, das noch nicht verdient wurde.
Auch Djebbour-Transfer geplatzt
Für die einen fehlte das Geld, für den nächsten das nötige Glück. Niemand der Verantwortlichen der Eintracht konnte voraus ahnen, dass sich das Blatt beim fast schon sicher geglaubten Transfer des algerischen Nationalspielers Rafik Djebbour derartig wenden würde. Mit dem abgebenden Verein, AEK Athen, war sich die Eintracht bereist handelseinig, lediglich die schriftliche Bestätigung fehlte. Doch aus der geplanten Verstärkung für den erkrankten Top-Stürmer Ioannis Amanatidis wurde nichts. Athen ist hoch verschuldet und zudem Führungslos. Niemand bei den Griechen sah sich dazu in der Lage eine Unterschrift unter einen Leih-Vertrag zu setzen. Plötzlich würde lediglich ein Verkauf des Spielers infrage kommen. Zunächst stand ein Leihgeschäft im Raum, nachdem die Eintracht 100 000 Euro überweisen sollte. Da der Stürmer zuletzt vor neun Monaten zum Einsatz kam, würde man mehr nicht ausgeben wollen. Verständlich aus Sicht Bruchhagens, der für einen Spieler, der über einen relativ langen Zeitraum keine Wettkampfpraxis hatte, nicht gewillt war die geforderten 2 Millionen auf den Tisch zu legen. Noch dazu hatte den Spieler keiner der Verantwortlichen der Hessen bisher live beobachten können. Man wollte und musste sich auf Ewald Lienen verlassen, der Djebbour als guten Stürmer mit einwandfreiem Charakter bezeichnete. Skibbe hatte den Algerier bereits auf Video studiert und war von seinem Können überzeugt. 1,7 Millionen würde die Eintracht für die Dienste des wechselwilligen Stürmers überweisen, sofern er sein Können in der Rückserie tatsächlich unter Beweis stellt.
Scheitert die Ehe Skibbe & Frankfurt an 200 000 Euro für einen geplatzten Transfer?
Wenn man die Komponenten des geplanten Leihgeschäfts mit den Forderungen Athens vergleicht, stellt man eine Differenz von 200 000 Euro fest. Die Griechen formulierten ihre Forderungen um, wollten anstelle von 100 000 Euro Leihgebühr und 1,7 Millionen mögliche Kaufoption am Saisonende, sofort 2 Millionen für die endgültige Freigabe des Spielers. War das wirklich zu viel Risiko?
Nun, zumindest für Michael Skibbe stellt sich die Situation wohl anders dar. Anders ist die neuerliche Unmutsbekundung nicht zu deuten.
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Das habe ich schon lange befürchtet, dass H. Skibbe hinwirft. Ich weiß auch nicht was der Vorstand der Eintracht denkt.Dass alles so weiter läuft? Dass Amanatidis und Fenin gleich wieder fit sind nach der Verletzung? Da muß doch was geschehn in Sachen Stürmerkauf.
— Weitzel Jan 10, 17:18 #
Der Unterschied zwischen den beiden Angeboten beträgt nicht nur 200000 EUR. Man hätte den Spieler zunächst testen können für ein halbes Jahr mit sehr geringem Risiko (100000 EUR). Ich denke, dass Skibbe in diesem Fall mit Bruchhagen übereinstimmt. Ich könnte mir vorstellen, das in den letzten Tagen einige Optionen auf andere Spieler (von denen wir nichts wissen) geplatzt sind und daher der Frust kommt.
Ich kann beide Seiten verstehen. Wenn wir nicht unerwartet einen Sponsor bekommen sollten, dann sollten man vielleicht mal darüber nachdenken, kurzfristiger zu planen und auch Spieler in Betracht zu ziehen, die ohne Kaufoption ausgeliehen werden (und damit günstiger sind)
— mono Jan 10, 18:39 #
Das ist nun ein weiterer Hilferuf von Skibbe an die Eintracht-Verantwortlichen sich ambitioniertere Ziele zu setzen und wenigstens ein Mindestmaß an Risikobereitschaft zu zeigen. Skibbe hat aus meiner Sicht vollkommen Recht: Die Eintracht, insbes. Bruchhagen und seine Hofberichterstatter, die praktisch alles, was Bruchhagen macht nur kritiklos absegnen, haben es sich in Frankfurt einfach zu bequem eingerichtet. Es kann nicht der Anspruch dieses Traditionsklubs sein sich ewig nur mit Mittelmaß zufrieden zu geben und die grauste aller grauen Mäuse der Bundesliga zu bleiben!
— Fan Jan 11, 13:18 #