Fussball-Forum-Fußball von seiner schönsten Seite!
Forum Fussball-Statistiken Magazin Tippspiel Impressum

[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: FSV Mainz 05

13. Januar 2010, 09:22 geschrieben von Tschaikowskij, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Die MAG-Halbzeitbilanz: FSV Mainz 05


FSV Mainz 05

Die Serie mit den MAG-Halbzeitbilanzen geht langsam dem Ende zu und beschäftigt sich heute mit dem besten Aufsteiger der Hinrunde. Der FSV Mainz 05 beendete die Hinrunde einen Platz vor dem Erzrivalen Eintracht Frankfurt auf Platz neun. Wir blicken zurück auf die erste Trainerentlassung der Saison, die Installation eines absoluten Rookies und das Aufblühen eines Alpenveilchens.

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
8. VfL Wolfsburg 17 32:32 24
9. FSV Mainz 05 17 21:22 24
10. Eintracht Frankfurt 17 22:24 24

Die Hinrunde

Nach zwei Jahren Oberhaus-Abstinenz stieg der FSV unter Trainer Jörn Andersen als Vizemeister der zweiten Liga auf. Kurioserweise durfte Andersen das Team nur beim DFB-Pokal-Erstrundenspiel (1:2 gegen den VfB Lübeck) betreuen, danach wurde der Norweger – Nachfolger der Mainzer Legende Jürgen Klopp – das erste Opfer einer Trainerentlassung. Mit Nachfolger Thomas Tuchel startete der Aufsteiger durch und stand nach drei Spieltagen durch einen Heimsieg gegen Bayern München sensationell auf Rang fünf. Am heimischen Bruchweg entwickelte sich der Karnevalsverein zu einer Macht, am Hinrundenende stand keine einzige Heimniederlage zu Buche (fünf Siege, drei Unentschieden). Nach dem Rekordmeister musste sich auch die TSG Hoffenheim am Bruchweg geschlagen geben, Leverkusen der HSV und der VfB Stuttgart mussten sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.

Auswärts sieht die Bilanz ungleich schlechter aus, der einzige Sieg gelang den Mainzern in Bochum. Achtungserfolge erzielte man bei den Punktgewinnen in Wolfsburg und in Dortmund. Insgesamt spielte der FSV eine unglaublich konstante Hinrunde. Rang fünf als Top-Platzierung steht Rang 11 am vierten Spieltag als schlechteste Platzierung entgegen. Die meiste Zeit rangierte der Aufsteiger auf Rang 8 und beendete die Vorrunde als bester Aufsteiger auf Rang 9.

Der Saisonverlauf

Platz: 9
Punkte: 24 – 6 S/6 U/5 N
Heim: 18 – 5/3/0
Auswärts: 6 – 1/3/5
Beste Schützen: Ivanschitz (6 Tore), Hoogland (5)
Bester Scorer: Ivanschitz 12 – 6 Tore/6 Vorlagen
Zuschauerschnitt: 20.194/ Auslastung: 99,5%
Fair-Play-Wertung: Platz 10/ 34 Punkte

Personalien

Bei der Zusammenstellung des Kaders bewiesen die Verantwortlichen unbestritten ein gutes Händchen. Einer der Garanten des Aufstiegs Aristide Bancé (14 Treffer in der abgelaufenen Zweitligasaison) fand sich auf Anhieb auch im Oberhaus zurecht. Dem bulligen Angreifer aus Burkina Faso war das aufgrund seiner Robustheit durchaus zugetraut worden, er bestätigte die Erwartungen in ihn mit vier Hinrundentreffern und stand bei allen Ligaspielen auf dem Acker. Bancé hat seine Teilnahme am Afrika-Cup abgesagt, was dem Verein in den ersten Spielen der Rückrunde (unter anderem in Leverkusen und München) sehr gut in den Kram passen dürfte.

Der Bulle von Afrika: Aristide Bancé / Foto: www.zaunsturm1905.de

Bancé absolvierte aber nicht nur wegen seiner überzeugenden Auftritte alle Hinrundenspiele, es fehlte vor allem eine Alternative in der vordersten Front. Diese scheint Thomas Tuchel jetzt in einem alten Weggefährten gefunden zu haben. Okay, “alt” ist vielleicht etwas übertrieben, immerhin zählt man bei Adam Szalai erst 22 Jahresringe, würde man ihm das Bein aufsägen. Doch der Ungar, der am 11. Februar letzten Jahres sein Debüt in der Nationalelf gab, kommt mit der Empfehlung von 17 Treffern bei 52 Einsätzen für das B-Team von Real Madrid. Tuchel, der mit Szalai im Kader 2005 deutscher U19-Meister wurde, beschreibt den 1,93-Meter-Angreifer als “flexibel einsetzbar als Stoßstürmer, zweiter Angreifer oder hinter den Spitzen” – theoretisch also eine königliche Verstärkung für die Rheinhessen …

Als Stabilisator für’s defensive Mittelfeld war vom FC Getafe der Ex-U21-Nationalspieler Eugen Polanski ausgeliehen worden. Die Ausleihe war schnell bis 2011 erweitert worden, obwohl Polanski dank einer langwierigen Fußverletzung sei Debüt erst am 10. Spieltag geben konnte. Bisher reichte es nur zu fünf Kurzeinsätzen und einem Spiel über die komplette Distanz. Doch Polanski deutete da schon an, dass er die erhoffte Verstärkung für die Rheinhessen sein kann.

Den ersten Volltreffer landete Manager Heidel im Tor. Aus der zweiten englischen Liga eiste er Heinz Müller vom FC Burnley los, der Weltenbummler und gebürtige Frankfurter avancierte sofort zum Stammkeeper und ist mit einem kicker-Notendurchschnitt von 2,6 (!) einer der Notenbesten Bundesligaspieler. Müller war aber nicht der vollste Volltreffer Heidels. Diesen Titel beansprucht völlig zurecht ein Österreicher für sich. Andreas Ivanschitz – ehemaliger Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft – ist von Panathinaikos Athen ausgeliehen, belebt das offensive Mittelfeld der Rheinhessen und ist sowohl als Vorbereiter als auch als Torschütze unverzichtbar. Sechs Tore und sechs Vorlagen ergeben Rang vier der Scorerliste! Der Österreicher ist der Grund dafür, dass in Mainz dem Mittelfeldtaktgeber der Vorsaison Markus Feulner (nach Dortmund) niemand eine Träne nachweint.

Mittelfeldmotor und Vollstrecker in Personalunion: Andreas Ivanschitz / Foto: www.zaunsturm1905.de

Der dritte Stützpfeiler des Erfolgs ist Abwehrmann Tim Hoogland. 2007 aus Schalke gekommen ist er seit dem Stammspieler, Abwehrchef und in dieser Halbserie auch noch Torschütze vom Dienst. Seine fünf Treffer machen ihn zu einem der gefährlichsten Abwehrspieler der Liga, gemeinsam mit Ivanschitz und Bancé steht Hoogland für 15 der 21 Mainzer Hinrundentore. Das nennt man glaube ich eine Achse.

Trainer und Umfeld

Nach der ersten Trainerentlassung der Saison wurde überraschend Thomas Tuchel als Nachfolger von Jörn Andersen vorgestellt. Thomas … wer?

Thomas Tuchel gab das Amt des A-Jugendcoaches der Mainzer zu Gunsten des Chefpostens bei den Profis auf. Mit den Junioren des FSV war Tuchel im Sommer 2009 deutscher Meister geworden, ein Kunststück, das ihm 2005 bereits mit der A-Jugend des VfB Stuttgart gelungen war. Dass aber ein guter Jugendtrainer nicht gleich ein guter Bundesligatrainer sein muss, weiß Tuchel selbst. Er vollzog nach eigenen Worten den Wechsel vom “klassischen Trainer, der Dinge vorgibt” zum Coach, der “die Spieler unterstützt”, deren “Erfahrung nutzt um sie so auf ein höheres Level zu heben”. Dies gelang in der Hinrunde bereits über die Maßen gut, so dass Mainz 05 mit den eingespielten 24 Punkten die beste Hinrunde seiner Vereinsgeschichte spielte. Nicht nur darauf ist der Coach stolz, sondern vor allem darauf, “wie sich die Elf die Punkte holte, wie wir unseren Weg gingen”. Die Mainzer machen unter Tuchel das Spiel, sind nach vorne kreativ und gefährlich.

Wird Thomas Tuchel der legitime Klopp-Nachfolger? / Foto: www.zaunsturm1905.de

Gegen Ende der Saison ging dem Aufsteiger ein wenig die Luft aus, man holte nur drei Punkte aus fünf Spielen. Klar, man musste in Dortmund, Gelsenkirchen und gegen den HSV ran, nahm aber auch beim Heimauftritt gegen den VfB Stuttgart nur dank Jens Lehmann glücklich einen Punkt mit und unterlag zudem bei der direkten Konkurrenz aus Frankfurt. Doch Tuchel gesteht das seiner Mannschaft zu. Er sieht nicht nur die letzten fünf Spieltage, sondern dankt seinem Team die ersten zwölf Begegnungen, in denen die Mainzer mit tollen 21 Punkten den Grundstein für eine etwas enstpanntere Rückrunde legen konnten. Gegen Ende fehlte ein wenig die Effektivität des ersten Saisondrittels, was Tuchel mit der “mangelnden Frische der Offensivspieler” erklärt.

Tuchel ist Realist. Er weiß, dass das Team zu Saisonbeginn über seinen Möglichkeiten gespielt hat. Er weiß auch, was seine Spieler können, was er von ihnen verlangen kann und wann er sich vor sie stellen muss. Er weiß aber vor allem – und das passt sehr gut nach Mainz – was wirklich erfolgreichen Fussball ausmacht. Er bewundert zum Beispiel den FC Barcelona nicht nur wegen seiner überragenden Einzelkönnen wir Messi, Xavi oder Iniesta, sondern wegen der “… Hingabe und Leidenschaft …”, mit der die Mannschaft “… nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte … sofort versucht hat, den Ball zurückzuerobern. Dazu gehört eine Menge Demut gegenüber dem eigenen Status als Star …”. Mit dieser Einstellung konnte er auch einen Nationalmannschaftskapitän und auslandserfahrenen Spieler wie Andreas Ivanschitz ins Team integrieren, der Österreicher fand in der rheinhessischen Fußballprovinz zu seiner alten Stärke zurück und macht die Mainzer in der Vorwärtsbewegung eine Klasse besser.

Die Saisonziele, Prognose

Mit spitzem Bleistift gerechnet fehlen den Mainzern noch zehn bis elf Punkte zum sicheren Klassenerhalt. Da es in der Offensive zum Rückrundenauftakt etwas entspannter zugehen wird als zu Saisonbeginn (Ivanschitz macht eine gescheite Vorbereitung, Bancé bekommt Entlastung), sollten diese Punkte schnell eingefahren sein und den Mainzern ein letztes Saisonviertel ohne Abstiegsängste bevor stehen. Weiter nach oben dürfte es angesichts der zu erwartenden Konkurrenz aber nicht gehen, die 05er spielen um die Spitze der zweiten Tabellenhälfte. Mit etwas Glück (zum Beispiel mit einem einschlagenden Szalai und einem Polanski, der sein Talent ausspielen kann) geht’s auch bis in die obere Tabellenhälfte.


Der FSV-Thread im Forum
Zur offiziellen Website
Die 05er in den FF-Statistiken


Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.

  1. Selbst wenn am Saisonende “nur” Platz 15 erreicht wird – den würde Manager Heidel “sofort kaufen”. Ich glaube zwar nicht, das es so weit unten sein wird, aber manche Fans haben sich wohl schon auf CL Platzierungen gefreut – und denen muss man sagen: Kehrt mal zurück in die Realität! Mainz hat das Zeug für einen guten Mittelfeldplatz, alles andere nach oben wären Glücksfälle und Ausreisser – dazu noch sehr unwahrscheinliche.


    Jens    Jan 20, 16:12    #

Weitere Artikel


|