[1. Bundesliga 09/10] Die MAG-Halbzeitbilanz: 1. FC Nürnberg
14. Januar 2010, 09:33 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
1. FC Nürnberg
Gegen Ende der MAG-Halbzeitbilanzen kommt auch das Ende der Tabelle immer näher. Nur ganz knapp vom Tabellenende entfernt, auf Rang 17, rangiert der 1. FC Nürnberg.
Die Tabellensituation
| Pl. | Verein | Spiele | Tore | Punkte |
| … | … | … | … | … |
| 15. | VfB Stuttgart | 17 | 16:23 | 16 |
| 16. | VfL Bochum | 17 | 18:33 | 16 |
| 17. | 1. FC Nürnberg | 17 | 12:32 | 12 |
| 18. | Hertha BSC | 17 | 13:39 | 6 |
Die Hinrunde
Vorsichtig formuliert ist die Hinrunde des FCN als suboptimal zu bezeichnen. Drei Siege und drei Unentschieden stehen 11 Niederlagen gegenüber. Allein diese Zahlen zeigen schon wie schwach die Mannschaft in der Hinrunde aufgetreten ist. Noch besorgniserregender für die Glubberer fällt der Blick auf die einzelnen Ergebnisse aus. Die längste niederlagenfreie Serie des FCN betrug in der Hinrunde zwei Spiele: Außer nach dem Remis in Stuttgart, dem ein Sieg gegen Berlin folgte, verloren die Nürnberger stets das Spiel nach einem Punktgewinn. Damit war es für die Mannschaft unmöglich Schwung oder Selbstbewusstsein über einen längeren Zeitraum aufzubauen.
Besonders schwer wiegen dabei die beiden Niederlagenserien vom sechsten bis achten Spieltag (1:7 Tore) und vom 14. bis zum 17. Spieltag (0:12 Tore). Deutlich wird auch, dass die Mannschaft die Heimstärke aus der zweiten Bundesliga nicht mit ins Oberhaus mitnehmen hat können. Blieb Raphael Schäfer in der Vorsaison über ein halbes Jahr lang zu Hause ohne Gegentor, so kassierten die Nürnberger in der Hinrunde zu Hause bereits zwölf Gegentore und gewannen nur zwei von acht Spielen. Noch desaströser sieht die Auswärtsbilanz der Franken aus: Ein Sieg, zwei Remis, sechs Niederlagen und 5:20 Tore. Bereits vier mal verloren die Nürnberger auswärts mit 0:3 oder höher und zerstörten sich damit ihre Tordifferenz.
Der Saisonverlauf |
Platz: 17 |
| Punkte: 12 – 3 S/3 U/11 N | |
| Heim: 7 – 2/1/5 | |
| Auswärts: 5 – 1/2/6 | |
| Beste Schütze: Bunjaku 6 | |
| Bester Scorer: Bunjaku 6 – 6 Tore /0 Vorlagen | |
| Zuschauerschnitt: 41.706/ Auslastung: 89,2% | |
| Fair-Play-Wertung: Platz 8/ 33 Punkte |
Personalien
Zu den nackten Zahlen kommen die Eindrücke aus den Spielen, die deutlich belegen wie weit weg der 1.FCN in der Hinrunde vom Bundesligaformat blieb. Kaum ein Akteur bewies nämlich in den ersten 17 Spielen, dass er zu Recht die Fußballschuhe in dieser Spielklasse schnüren darf.
Zu verzeihen war dies am ehesten bei den Spielern, die auf Grund ihres geringen Alters und ihrer kaum vorhandenen Erfahrung schwache Leistungen ablieferten. Vor allem gegen Ende der Hinrunde waren die jungen Nordtveit und Maroh in der Defensive oft hoffnungslos überfordert. Es verwundert daher nicht, dass für deren Positionen mit Breno und Ottl zwei Spieler vom Rekordmeister FC Bayern ausgeliehen wurden. Unter normalen Umständen sind beide Leihgaben aus der Landeshauptstadt ein Qualitätsgewinn für den FCN.
Doch auch die erfahrenen Defensivkräfte wie Andreas Wolf oder Javier Pinola spielten weit unter dem Niveau, das sie unter Hans Meyer in der Bundesliga bereits gezeigt hatten. Die besten Spieler in der insgesamt äußerst schwachen Defensive der Nürnberger waren Dennis Diekmeier und Raphael Schäfer. Doch auch für diese beiden müssen Einschränkungen im Lob gemacht werden. Schäfer schadete der Mannschaft durch seine Undiszipliniertheit in Wolfsburg, die vier Spiele Sperre nach sich zog, ungemein; der FCN gewann ohne ihn kein Spiel, schoss kein Tor und kassierte im Schnitt drei Gegentore. Diekmeier hingegen war zwar disziplinierter, baute aber genau in den Spielen, in denen Schäfer fehlte, leistungsmäßig stark ab. Der 20-Jährige war deutlich sichtbar völlig überspielt, was sich auch an vielen kleinen Verletzungen zeigte.

Peer Kluge spielt künftig in höheren Regionen /Foto: www.zaunsturm1905.de
Völlig verletzungsfrei blieb der Mittelfeldspieler, der alle 17 Spiele machen konnte und durfte, Peer Kluge. Von Trainer Oenning als Tausendsassa im Mittelfeld verwendet, spielte Kluge jede Mittelfeldposition mindestens einmal und war dabei wohl der beste Nürnberger Feldspieler. Kein Wunder also, dass Felix Magath auf den 29-Jährigen aufmerksam wurde und ihn zur Winterpause nach Gelsenkirchen lockte. Der FCN wird Kluge auf Grund seiner Übersicht und seiner taktischen Disziplin vermissen, auch weil trotz der Ottl-Ausleihe im Mittelfeld sich kein Spieler herauskristallisiert hat, der dem Spiel Ordnung und Lenkung verleihen könnte. Oenning probierte in der Hinrunde viele Varianten aus, doch weder Gündogan, noch Broich, noch Gygax, noch Chuopo-Moting konnten dem Vorwärtsspiel des Club die richtigen Impulse geben. Da diese Lücke nicht behoben ist, dürfte es auch in Zukunft – eine plötzliche Leistungsexplosion von einem der genannten Herren ausgeschlossen – in dieser Hinsicht Probleme geben.
Zur fehlenden Kreativität kam für das Mittelfeld ein weiteres Handicap: Es musste ganz massiv unter der ständigen Rotation von Trainer Oenning leiden. Kaum ein Spiel verging ohne dass nicht das Mittelfeld in irgendeiner Form umgestellt wurde. Ob Raute, flache Vier, Doppelsechs ohne zehn, Doppelsechs mit zehn, alle nur erdenklichen Mittelfeldvarianten wurden vom immer verzweifelter werdenden Oenning ausprobiert, eine Stamm- oder Ausgangsgrundausrichtung fand der inzwischen entlassene Übungsleiter nie. Neutrainer Hecking hat sich auf eine Doppelsechs festgelegt. Angesichts der defensiven Schwächen der Nürnberger unter Umständen keine schlechte Idee, doch nur wenn von der Doppelsechs auch Lenkung und Organisation ausgeht, kann diese Formation den FCN voran bringen.

Albert Bunjaku: erfolgreichste Offensivkraft beim Club /Foto: www.zaunsturm1905.de
Nur wenn das Spiel nach vorne aus dem Mittelfeld heraus besser wird, kann auch der Sturm davon profitieren. Wenn sechs Stürmer in siebzehn Spielen acht Tore erzielen, wird bereits deutlich, dass auch der Sturm der Franken kritisierenswert ist. Noch eklatanter wird die Analyse, wenn man den besten Torschützen des FCN aus der Rechnung herausnimmt: Fünf Stürmer, siebzehn Spiele, zwei Tore. Eric Choupo-Moting und Christian Eigler trafen einmal in der Hinrunde; Dario Vidosic, Isaac Boakye und Angelos Charisteas gar nicht. Angesichts dieser Zahlen wäre es naheliegend, dass im Sturm nachgebessert werden müsste, vor allem da schon im Sommer Rufe nach einem neuen Stürmer laut wurden, die dann durch die Leihe von Chuopo-Moting aus Hamburg nur minimal besänftigt wurden. Auch, weil die Stürmer in der Hinrunde oftmals völlig aus dem Spiel abgemeldet waren, was besonders Christian Eigler und Isaac Boakye betrifft, gibt es mehr als vereinzelte Stimmen, die neue Stürmer – bei gleichzeitigem Verkauf der alten – fordert.
Doch Manager Bader gibt dem öffentlichen Druck nicht nach, auch in die nächste Halbserie geht der Club mit seinen Stürmern, immerhin hat man ja den Sechsten der Torschützlisten in seinen Reihen: Albert Bunjaku, Schweizer mit den Wurzeln im Kosovo. Der 26-Jährige traf immerhin sechsmal ins gegnerische Tor. Was die Bilanz jedoch leicht schmälert, ist die Tatsache, dass er dies in nur vier Spielen tat, das heißt auch Bunjaku blieb in neun Spielen ohne Tore. Auch das eine zu geringe Quote, um den FCN von einem Abstiegsplatz zu schießen. Ohne Zweifel ist Bunjaku der beste, weil aktivste und umsichtigste, Stürmer des FCN, eine Lebensversicherung wie es Mintal (2004) oder Vittek (2005) bei den letzten späten Nichtabstiegen waren, ist der Schweizer aber nicht.
Trainer und Umfeld
Der Trainer, der den FCN in die missliche Lage eines 17. Tabellenplatzes geführt hat, ist nicht mehr Trainer des FCN. Die Fehler und Verfehlungen des Michael Oenning sind an anderer Stelle bereits ausgeführt worden und sollen hier nicht in aller Breite wiederholt werden. Es sei lediglich gesagt, dass die Entscheidung Oenning zu entlassen, mit Sicherheit die richtige war. Der Westfale war gegen Ende seiner amtszeit völlig überfordert und wirkte an der Seitenlinie nahezu hilflos.
Ob die darauffolgende Entscheidung Dieter Hecking zu engagieren die richtige war, wird sich erst noch zeigen. Eine Einschätzung seiner Tätigkeit ist natürlich erst nach einigen Wochen möglich, jedes Urteil käme zu früh. Seine Tätigkeit in Hannover, wo er auch eine Mannschaft in desolatem Zustand übernahm, wurde immer wieder als eines der Einstellungskriterien zitiert, obwohl die Vergleichbarkeit der Situation (vierter Spieltag gegenüber 17. Spieltag) zumindest in Zweifel zu ziehen ist. Fans und Umfeld reagierten dementsprechend auch eher zurückhaltend auf die Verpflichtung des 45-Jährigen.
Thema im Umfeld, neben der erneuten Neustrukturierung der Sitz- und Stehplätze im Stadion, ist vor allem Martin Bader. Die Mehrheit und der Rückhalt des Managers im Aufsichtsrat stand nach Insideraussagen zu Hinrundenende in Frage. Erste Gerüchte über einen Weltmeister und Ex-FCN-Spieler als Nachfolger machten die Runde durch informierte Kreise. Hinzu kam, dass der Radiosender Bayern3 Baders Wechsel nach Hamburg als fix meldete, was sich als Ente herausstellte. Diese Erkenntnis löste unter den Fans gespaltene Reaktionen aus, während die eine Hälfte Bader als soliden Geschäftsmann (trotz massiven neuen Schulden) und guten Manager ansehen, würde die andere Hälfte den 41-Jährigen am liebsten zum Teufel jagen (auch wegen der massiven neuen Schulden), da sie ihn als Symbol der Krise sehen und sich verwundert die Augen reiben, dass Bader auch die Entlassung des dritten von ihm ausgewählten Trainers überlebt hatte. Es wäre nicht verwunderlich, wenn auch in der Rückrunde Martin Bader eine der umstrittensten Personen unter den Nürnberger Anhängern bliebe, egal ob er am Ende nach Hamburg wechselt oder nicht.
Saisonziel und Prognose
Das Ziel vor der Saison lautete “direkter Klassenerhalt”. Inzwischen wurde das “direkt” aus dem Saisonziel entfernt. Angesichts des Rückstands von vier Punkten auf den Relegationsplatz wird schon das Erreichen dieses Ziels schwierig genug werden. Angesichts der Leistungen in der Hinrunde aber wäre alles andere als der sofortige Wiederabstieg eine Überraschung.
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