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[Handball-EM 2010] Deutschland enttäuscht gegen Spanien

26. Januar 2010, 22:22 geschrieben von BVB-Benny.

Die deutsche Handballnationalmannschaft kommt nach einer ganz schwachen Vorstellung mit einer 20:25-Niederlage gegen Spanien noch gut weg.

Der komplette EM-Spielplan – Ansetzungen, Ergebnisse und Tabellen
Das deutsche Team vor dem Turnier

Deutschland 20:25 (9:14) Spanien

Spiel 1 der Zukunft – hoffentlich nicht!

Nachdem das Thema Halbfinaleinzug nach der Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich vom Tisch war, sollte das Ziel für die DHB-Auswahl Platz Fünf sein und das Spiel gegen Spanien wurde zum “Spiel 1 der Zukunft” deklariert. Nach der erschreckend schwachen Vorstellung kann man nur hoffen, dass es nicht die Zukunft war, die wir am heutigen Abend gesehen haben.

Schaut man sich die deutschen Spiele bei dieser Handball-EM an, so konnte man fast so etwas wie ein Muster erkennen: Das Team fängt schwach an, gerät früh in Rückstand, der sich über längere Zeit konstant hält, so im mittleren oder letzten Drittel des zweiten Durchgangs kommen sie durch starke kämpferische Leistungen noch einmal bis auf etwa zwei Tore ran, verlieren aber am Ende dann doch. Heute lief es ähnlich, nur den vorletzten Punkt ließ das Team von Heiner Brandt dieses Mal aus. Deutschland begann mies, hielt dieses erreichte Niveau konstant und hatte nach 18 Minuten sage und schreibe vier Treffer erzielt. Die Abwehr, die in den vorherigen Spielen wider erwartend nicht die größte Schwachstelle war, spielte heute so, wie man es von Beginn an befürchtet hatte. Haarsträubende Fehler, die den Spaniern immer wieder mühelos das Herausspielen einfacher Tore, zu Beginn gerade über die Außen, ermöglichten.

Wo hakt’s?

Wirklich schockieren konnten aber eigentlich nur die über das gesamte Turnier mit Konstanz beibehaltenen Offensivdefizite. Unfassbar, wie planlos der Rückraum agierte, wie selten Außen und Kreisläufer eingesetzt werden konnten. Kaum einmal hatte man das Gefühl, dass ein Spieler schon in dem Moment, als er den Ball bekommt, eine Idee hatte, was er damit anfangen soll. Angesagte Spielzüge wurden aus zum Teil unerfindlichen Gründen immer wieder abgebrochen und stattdessen doch wieder hektisch der Abschluss gesucht. Hier tat sich besonders Lars Kaufmann hervor, dessen Kraft aus dem Rückraum unbedingt gebraucht wird, der jedoch darüber hinaus jegliche Spielintelligenz vermissen lässt. Hinzu kamen immer wieder an Dummheit nur von Jugendmannschaften zu übertreffende Ballverluste, gerne beispielsweise durch zur Verzweiflung treibende Querpässe. So etwas passiert, wenn man sich erst nach dem zweiten Schritt überlegt, was man mit dem Ball machen will. Man wird hektisch, und versucht den Ball noch irgendwie vor dem vierten wieder loszuwerden. Das klappt in der Regel auch, nur bringt man ihn dann eben nicht immer zum Mitspieler.

Um das heutige Spiel nicht zu vergessen: Zur Pause stand es natürlich folgerichtig 9:14 gegen alles andere als übermächtige Spanier, die bei mehr Engagement, Konsequenz und Tempo das Ergebnis noch deutlicher hätten gestalten können. Das Aufbäumen der deutschen Mannschaft in der zweiten Halbzeit, wie man es zum Beispiel gegen Polen und Frankreich gesehen hat, blieb heute völlig aus. Auch Heiner Brandts Auszeiten, in denen er gewohnt treffend analysierte und entsprechend kluge Anweisungen gab, verpufften wirkungslos. Gelungenes Kreuzen, Grundelement der Offensive im Handball, waren eine Seltenheit im deutschen Spiel. So muss man sich doch verwundert die Augen reiben, wenn man sieht, dass die Partie in der zweiten Hälfte unentschieden gestaltet wurde. Wie gesagt: die spanische Stärke hielt sich in Grenzen, die deutsche Schwäche dagegen schien fast grenzenlos.

London 2012 – aber wie?

Das Spiel gegen Spanien steht sinnbildlich für das gesamte Turnier der Deutschen, auch wenn dieses noch nicht vorbei ist. Es gab zwar zwischenzeitlich immer mal lichte Momente, aber insgesamt überwiegt tiefe Dunkelheit. Die Frage ist, ob dies das tatsächliche Potenzial ist. Klar ist: Kraus kann mehr, ist aber kein Spielgestalter. Ein solcher fehlt dem deutschen Spiel. Klar ist auch: Pascal Hens hat gefehlt. Der wird wieder kommen, kann mehr Kraft und Dynamik in den Rückraum bringen.
Die großen Namen in der deutschen Handball-Nationalmannschaft sind weniger geworden. Auch wenn es Lichtblicke gab wie der mehrmals gezeigte Kampfgeist, der in der deutschen Sieben steckt, oder auch ein Theuerkauf, der seine Sache – sofern er denn mal angespielt wurde – sehr gut gemacht hat. Nur würde man sich auch von ihm noch mehr Arbeit am Kreis, gerade um dem Rückraum Möglichkeiten zu bieten, wünschen.

Letztlich wurde aber deutlich, dass Deutschland momentan in etwa so weit von der Weltspitze entfernt ist wie der THW Kiel vom Abstieg. Das große Ziel von Heiner Brandt ist Olympia 2012 in London. Es sind noch zwei Jahre Zeit, aber nach diesem Turnier muss man konstatieren: Gut sieht es nicht aus…

Statistik

Deutschland: Bitter (HSV Hamburg), Heinevetter (Füchse Berlin) – Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 5/2, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Müller (Rhein-Neckar Löwen) 1, Strobel (TBV Lemgo), Theuerkauf (SC Magdeburg), Glandorf (TBV Lemgo) 2, Christophersen (HSG Wetzlar) 1, Jansen (HSV Hamburg) 4/2, Späth (Frisch Auf Göppingen), Kraus (TBV Lemgo) 3, Schöne (Frisch Auf Göppingen), Sprenger (THW Kiel) 1, Kaufmann (Frisch Auf Göppingen) 2, Haaß (Frisch Auf Göppingen) 1

Spanien: Hombrados, Sierra – Alberto Entrerrios 4, Gurbindo, Garabaya, Prieto, Tomas 6, Raul Entrerrios 3, Aguinagalde 3, Ugalde,Garcia 5/2, Romero 1, Malmagro 3, Rodriguez, Aguirrezabalaga, Morros de Argila

Schiedsrichter: Nikolic/Stojkovic (Serbien)
Zuschauer: 4800
Strafminuten: 8 / 12


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