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[Handball-EM 2010] Unentschieden zum Abschluss

28. Januar 2010, 20:09 geschrieben von Mr.Mö.

Die deutsche Handballnationalmannschaft kam nach einer ordentlichen Leistung nicht über ein 26:26-Remis gegen Tschechien hinaus. Lange schien den Tschechen die nötige Durchschlagskraft zu fehlen, um einen knappen Vorsprung der Deutschen aufzuholen. Minuten vor Schluss führte Filip Jicha seine Farben aber doch noch heran. So mussten sich beide Mannschaften am Ende mit einem Unentschieden begnügen. Positiv: Obwohl es für beide Mannschaften um nichts mehr ging, hingen sie sich bis zur letzten Sekunde voll rein. Durch das Remis beendet Deutschland die Hauptrunde als Letzter – das bisher schlechteste Ergebnis einer deutschen Handballauswahl.

Der komplette EM-Spielplan – Ansetzungen, Ergebnisse und Tabellen
Das deutsche Team vor dem Turnier

Deutschland 26:26 (16:14) Tschechien

Taktische Disziplinlosigkeit kostet Sieg

Das letzte EM-Spiel mit deutscher Beteiligung begann mit gewohntem Bild: Deutschland traf das Tor nicht und geriet rasch (im Überzahlspiel) in Rückstand (1:3). Insgesamt war es aber von beiden Mannschaften ein zäher Beginn, was wohl auch am enormen Kräfteverschleiß lag. Hatte Deutschland zunächst im eigenen Überzahlspiel geschludert, erwischte die DHB-Auswahl im Unterzahlspiel eine gute Phase und drehte das Ergebnis auf 5:3. Die DHB-Auswahl war im Spiel und konnte die Führung bis zur Halbzeit konstant halten (16:14).

Der zweite Spielabschnitt führte sich fort wie der erste. Deutschland hielt die knappe Führung. Auch wenn das Spiel ein bisschen vor sich hin plätscherte: Beide Mannschaften waren sichtlich ausgepumpt vom harten Turnierverlauf, mobilisierten aber noch einmal die verbleibenden Kräfte, um sich würdig aus dem Turnier zu verabschieden. (Das sah beispielsweise bei Russland schon früh in der Hauptrunde ganz anders aus.) In der 48. Minute gelang Tschechien schließlich doch noch der Ausgleich (20:20). Das Spiel wurde spannender und behielt bis zum Ende das Höchstmögliche an Intensität.

In der letzten Minute ging Tschechien erstmals seit Langem wieder in Führung (25:26). Zum Abschluss noch eine sinnbildliche Szene des Turniers: Deutschland glich noch einmal aus und hatte in den letzten Sekunden den Ball. Kurz zuvor war in der Auszeit über die Taktik im letzten Angriff gesprochen worden. Mit einem zusätzlichen Feldspieler sollte der Ball über Rechtsaußen abgelegt werden, aber Michael Müller zog es lieber nach Innen und vertändelte den Ball. Das Spiel endete Remis und Müller ließ seine ratlosen Mitspieler auf dem Parkett zurück.

The same procedure as every game

In der Verteidigung zahlte sich ein cleverer taktischer Schachzug von Heiner Brand aus. Christoph Theuerkauf wurde als Sonderbewacher auf Tschechiens Ausnahmespieler Filip Jicha abgestellt. Jicha, über neun Tore im Schnitt, fand durch die Manndeckung kaum Bezug zum Spiel. Ein wichtiger Bezugspunkt im Angriffsspiel der Tschechen wurde so lange gut kaltgestellt. Erst zum Ende des Spiels konnte sich der Spieler, der in den Diensten des THW Kiel steht, durch Einzelaktionen in Szene setzen und ermöglichte letztendlich durch seine individuelle Klasse den Punktgewinn.

Das deutsche Angriffsspiel zeigte die gewohnten Krankheiten, war geprägt von engem Spiel durch die Mitte. Nach den Auslösehandlungen wurde konsequent wieder in die Zentrale gezogen, die Außenspieler wurden so nahezu in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Darüber hinaus raubte dieses Angriffsverhalten den bemühten Kreisläufern den Platz um sich zu entfalten. Standards wie Sperre absetzen können so nicht abgespielt werden. Das erste Tor bei dem über die Außen abgeräumt wurde, erzielte Thorsten Jansen in der 24. Minute. Sein Gegenüber Christian Sprenger kam erst zehn Minuten später zu seinem ersten Wurf. Zum Vergleich: Jan Filip, tschechischer Außenspieler von den Rhein-Neckar Löwen, erzielte im Turnierverlauf alleine mehr Tore über die Außen, als alle deutschen Flügelspieler zusammen.

Positiv fiel der oft gescholtene Lars Kaufmann auf. Der Kronprinz der abenteuerlichen Würfe profitierte davon, dass der tschechische Mittelblock häufig zu passiv agierte und die Torhüter mit den zwar unplatzierten, aber harten Würfen nicht zurecht kamen. Kaufmann war mit sieben Toren bester deutscher Schütze.

Der letzte Knackpunkt im deutschen Spiel: das konfuse Gegenstoßspiel. Ob über die erste oder zweite Welle, den Deutschen ging auch gegen die Tschechen, wie im gesamten Turnierverlauf, die nötige Torgefahr im Gegenstoßspiel ab. So fehlte es mal wieder an vielen einfachen Toren.

Statistik

Deutschland: Bitter, Heinevetter; Gensheimer (6/2), Roggisch, Müller (3), Strobel, Theuerkauf (3), Christophersen (2), Jansen (1), Späth, Kraus, Schöne, Sprenger (2), Kaufmann (7), Haaß (2)

Tschechien: Galia, Stochl; Nocar, Vitek, Mickal (1), Zdrahala, Vrany (3), Kubes (1), Piskac (1), Jicha (6), Filip (4/2), Sobol (1), Mraz (2), Stehlik (3), Hynek, Sklenak (4)

Schiedsrichter: Abrahamsen/Kristiansen (Norwegen)
Zuschauer: 4000
Siebenmeter: 3/2:3/2 (Jansen scheitert an Galia – Filip an den Pfosten)
Zeitstrafen: 4:8 Minuten (Roggisch, Haaß – Hynek/zwei, Piskac, Filip)
Spielfilm: 0:3 (7.), 5:3 (12.), 7:5 (14.), 9:9 (18.), 11:9 (23.), 13:10 (25.), 16:13 (29.), 16:14 – 16:15 (31.), 19:16 (38.), 20:20 (47.), 25:24 (56.), 25:26 (59.), 26:26 (59.)


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