[Superbowl XLIV] Welcome to Miami - Ein Vorbericht
2. Februar 2010, 00:43 geschrieben von BVB-Benny.
Der Superbowl bewegt die Menschen in den USA wie kein zweites Sportereignis. Knapp eine Woche vor dem großen Tag (So., 07.02., ab 23.35 Uhr auf ARD) wirft das MAG einen Blick auf alles rund um das große Endspiel der NFL und unternimmt eine genaue Analyse der Teams.

Wer in diesen Tagen in die Vereinigten Staaten fährt, der wird zumindest 80% der Amerikaner nur noch über ein Thema reden hören: Das Endspiel in der beliebtesten Sportart in den USA steht vor der Tür. Auch wenn es bereits die 44. Ausgabe des weltweit größten Einzelsport-Ereignisses ist, fällt der Hype auch in diesem Jahr kein bisschen geringer aus. Es ist mehr als ein nationaler Feiertag.
Das Besondere am Superbowl, vor allem für die Amerikaner, ist der Finalcharakter des Ereignisses. Ein einziges Spiel entscheidet über Gewinner und Verlierer und nicht selten wird der Superbowl-Sunday zur Geburtsnacht von Helden und Versagern. Das ist in den USA etwas Einzigartiges, denn in den anderen Ligen der großen amerikanischen Sportarten werden die Finals meist in einer Best-of-Seven-Serie ausgetragen – so in der NHL, der NBA und auch der MLB. Dort kann man sich also ein schwächeres Spiel erlauben, das Erklimmen des Gipfels läuft in mehreren Etappen ab. Im Superbowl erfolgt der Aufstieg sprunghaft – oder eben nicht! Das erzeugt nicht nur Spannung, sondern bietet auch die Möglichkeit, dieses Einzelereignis besonders groß aufzuziehen, mit allem drum und dran. Für alle, die auch deshalb so begeistert vom Superbowl sind, folgt nun ein ausführlicher Vorbericht zum diesjährigen Highlight des US-Sports.
Die Rahmenbedingungen
“Party in the city where the heat is on” – der Superbowl XLIV findet in Miami, Florida statt. Damit treffen zum zweiten Mal hintereinander die besten Teams aus AFC und NFC im Sunshine State aufeinander. Letztes Jahr siegten die Pittsburgh Steelers in Tampa in einem spannenden Spiel gegen die Arizona Cardinals. Auch der letzte Superbowl in Miami ist gar nicht so lange her: Erst 2007 gewannen dort die Indianapolis Colts mit 29:17 gegen die Chicago Bears.
Das LandShark Stadium in Miami Gardens, einem Stadtteil an der Küste, ist sowohl Heimstätte der erfolglosen Miami Dolphins, als auch des Baseball-Teams Florida Marlins. Das Besondere: 1987 fertiggestellt war es das erste Sportstadion mit VIP-Logen. 75.540 Zuschauer werden am kommenden Sonntag hier Platz finden und das Spektakel live verfolgen können. Das Wetter wird voraussichtlich auch mitspielen: Keine Spur vom hiesigen Wintereinbruch, in Miami herrschen derzeit Temperaturen um die 25°C.
Halftime-Show und die Show um die Werbespots
So sollte auch für einen perfekten Rahmen für die berühmte Halftime-Show gesorgt sein. Sie ist das beste Argument der Männer, um ihre weniger sportinteressierten Frauen ebenfalls für den Superbowl zu begeistern. Unvergessen der Skandal um Justin Timberlake, der in der Halftime-Show 2004 in Houston mehr von Gesangspartnerin Janet Jackson entblößte, als die Amerikaner sehen wollten. Dieses Jahr werden The Who, die berühmte englische Rockband, die vor allem in den 60ern und 70ern Erfolge feierten („Who are you“, „Behind Blue Eyes“, „Baba O’Riley“), dem Publikum mächtig einheizen.
An den Bildschirmen werden wieder Zuschauerzahlen im dreistelligen Millionenbereich erwartet. Der Superbowl ist ein solch riesiges Ereignis, dass selbst die Debatte um die Fernsehspots jedes Jahr im öffentlichen Interesse steht. 2010 soll ein Werbespot von 30 Sekunden satte drei Millionen Dollar kosten. Das für europäische Gemüter immer etwas seltsam anmutende Schauspiel nimmt in diesem Jahr besonders bizarre Züge an: Dass Pepsi nach Jahren aussteigt und nun Werbung vom Konkurrenten Coca Cola, unter anderem wohl auch mit den Simpsons, über die Bildschirme flackern wird, verkommt dabei fast zur Randnotiz. Denn in diesem Jahr wird der Streit um Spots sogar politisch: die amerikanische Christen-Gruppierung Focus on Family will in den Spielpausen einen halbminütigen Beitrag gegen Abtreibung, das ewige Thema der Konservativen in den USA, schalten. Es regt sich lauter Widerstand, gerade FrauenrechtlerInnen versuchen die Ausstrahlung zu verhindern.
Die Teams
Mit den Indianapolis Colts und den New Orleans Saints treffen in diesem Jahr erstmals seit 1993 wieder die beiden besten Teams der Vorrunde aufeinander. Es ist ein besonderes Spiel: Im Unterschied zu den letzten Jahren ist es nicht das klassische Duell zwischen bester Offense und bester Defense, sondern es messen sich zwei Mannschaften, die beide ihr Heil mehr im Angriff suchen. Dabei ist die Offense der Saints zwar stärker einzuschätzen als die der Colts, auf der anderen Seite ist die Defense der Colts zwar nicht wirklich stark, aber doch stärker als die des Gegners. Werfen wir einen genaueren Blick auf beide Finalteilnehmer.
Indianapolis Colts

Bei den Buchmachern der Favorit
Die Colts haben, wie bereits erwähnt, gute Erinnerungen an Miami, wo sie sich vor drei Jahren zuletzt den Titel sichern konnten. Weniger das, als die Tatsache, dass sie im Gegensatz zu ihrem Gegner überhaupt mit Erfahrung in das Endspiel gehen, macht Indianapolis für die amerikanischen Buchmacher zum 4:1-Favoriten. Schließlich ist es für die New Orleans Saints die erste Teilnahme am Superbowl in der gesamten Vereinsgeschichte.
In der Regular Season hatten die Colts einen 14-2-Record aufzuweisen, qualifizierten sich als Erster der AFC South für die Playoffs. Besonders stark war ihre Pass-Offense, mit 282.2-Passing Yards per Game lagen sie ligaweit auf Rang 2. Eher schwach dagegen die Rush-Offense, die nur 80.9 Yards pro Spiel schaffte (Platz 32). Die große Stärke der Indianapolis Colts hat also einen Namen: Peyton Manning. Der Quarterback brachte in der Post-Season mehr als zwei Drittel seiner Pässe an den Mann, erarbeitete dabei 623 Yards Raumgewinn und fünf Touchdowns. Mit ihrem Laufspiel brachten die Colts in den Playoffs übrigens keinen einzigen zustande.
In der Regular Season schaffte Indianapolis 53 Touchdowns, mehr als 64% davon durch ihr Passspiel, nur 30% durch das Laufspiel. Bei den Saints schaut das etwas ausgewogener aus: von insgesamt 64 waren 21 Rushing (32%) und 34 Passing Touchdowns (53%). Bemerkenswert: den New Orleans Saints gelangen acht Defensive Touchdowns, den Indianapolis Colts nur einer.
Wird die Defense doch zum Trumpf?
Die Defense der Colts steigerte sich zuletzt, ließ den Baltimore Ravens beim 20:3 in den Divisional Playoffs keine Chance und auch im Conference Final blieben die New York Jets in drei Quartern ohne Punkte gegen Indianapolis. Im Superbowl trifft man nun auf die beste Offense der Liga. Diese vor Probleme zu stellen, wird eine schwere Aufgabe. Gerade wenn der Gegner es mit dem Laufspiel versuchte, offenbarten sich über die gesamte Saison Schwächen bei den Colts. 126.5 Yards ließen sie dann pro Spiel zu, das entspricht nur Platz 24. In der Statistik der zugelassenen Passing Yards liegt man zwar auch nicht gut, aber immerhin auf Platz 14 (212.7 pro Spiel)
Die Offense von Indianapolis ist durchaus stark, durch die Rush-Schwäche aber einseitig und ausrechenbar. Eine entscheidende Frage des Superbowls wird sein, ob es der eher schwachen Defense der Saints gelingt, sich darauf einzustellen und Peyton Manning und sein Passspiel in Schach zu halten. Die andere Frage ist, ob die mittelmäßige Defense von Indianapolis in der Lage ist, die überragende Offense des Gegners zu bändigen.
New Orleans Saints

Roll-Over-Offense
Für das Team aus Louisiana, in dessen Stadion Menschen 2005 Zuflucht suchten, als Hurrikan Katrina New Orleans überflutete und die Stadt fast komplett zerstörte, ist der Superbowl absolutes Neuland – die Saints stehen zum ersten Mal im Endspiel der NFL. Vor der Saison war damit nicht unbedingt zu rechnen: Damals gab es für den Einsatz eines Dollars im Falle eines Sieges der Saints im Superbowl 18 Dollar zurück. Zum Vergleich: Für die Colts stand die Quote bei 8:1. Im Laufe der Saison korrigierten sich die Buchmacher, sodass man nun wie bereits erwähnt für den Ausgang des Endspiels bei einer Quote von 4:1 steht, allerdings noch immer zugunsten von Indianapolis.
Beeindruckend in dieser Saison war die Offensivstärke der Saints. Sowohl bei der Punkteausbeute (31.9) sowie bei den erspielten Yards pro Spiel (403.8) stellte New Orleans das stärkste Team der NFL in der Regular Season. Damit ergab sich eine 13-3-Bilanz, nur minimal schlechter als die der Colts. Im Vergleich zum Gegner ist die Offense der Saints weitaus ausgeglichener, mit durchschnittlich 131.6 (Rang 6 in der NFL) Yards pro Spiel fällt das Laufspiel nur unwesentlich vom Passspiel mit 272.2 Yards (Rang 4) ab. Starke zehn Touchdowns gelangen den Saints in der Post-Season, doppelt so viele wie dem Gegner am Sonntag. Drei davon wurden durch das Laufspiel, sechs durch das Passspiel und einer durch einen Return erreicht. Auch hier zeigt sich die größere Ausgewogenheit, wenn man bedenkt, dass die Indianapolis Colts jeden ihrer fünf Touchdowns der Post-Season mit der Passing-Offense holten.
Hat Brees eine Chance gegen Manning?
Quarterback Drew Brees brachte mit 63,5% etwas weniger Pässe an den Mann als sein berühmter Gegenüber Peyton Manning (67,5%). Dafür war er zuletzt weniger anfällig für Sacks, wurde in den Playoffs nur einmal erwischt (Manning: viermal). Das sah in der Regular Season anders aus: Dort wurde Brees zwanzig Mal gesackt, Manning nur halb so oft. Sieben Yards Raumgewinn erzielt Brees pro Pass, ein halbes Yard weniger als sein Konkurrent. Einen wirklich klaren Nachteil hat er nur in der Statistik, wieviele Pässe der Quarterback pro Touchdown benötigt: Bei Brees sind es 9.5, während es bei Manning nur 6 sind. Auch hat Manning in den letzten zwei Spielen insgesamt 149 Yards mehr erworfen. Das ist allerdings wieder auf die starke Ausrichtung der Colts auf das Passspiel zurückzuführen – schließlich hatte Manning in diesen beiden Spielen auch 20 Versuche mehr unternommen als Drew Brees. Insgesamt haben die Colts aber doch den besseren Quarterback. Dieser kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Saints insgesamt in der Offense klar vorn liegen.
Anfällig ist die Defense von New Orleans: Sowohl die Pass- als auch die Rush-Defense ließen zuletzt in den Playoffs mehr Raumgewinn des Gegners zu, als die jeweiligen Offenses erarbeiten konnten. So ausgewogen wie die Stärke des Angriffsspiels ist, so ausgewogen ist eben auch die Schwäche der Defense. In den Statistiken zugelassene Punkte, Passing Yards, Rushing Yards als auch Gesamt-Yards liegen die Saints in der unteren Tabellenhälfte.
Wer ist Favorit?
Es ist schon einige Jahre her, dass ein Superbowl das letzte Mal keinen klaren Favoriten hatte. Dieses Jahr allerdings bezeichnen selbst die Amerikaner den Ausgang des Endspiels als „totally open“ – völlig offen – auch wenn die Buchmacher die Indianapolis Colts besser einstufen. Diese Annahme gründet sich offensichtlich allein auf das Argument der Erfahrung und stützt sich darauf, dass die New Orleans Saints zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Superbowl stehen. Dass dies ein entscheidender Faktor sein kann, ist unbestritten. Die Colts kennen nicht nur das Gefühl, im Endspiel um alles zu kämpfen, sondern sie wissen auch, wie man in Miami die Vince-Lombardi-Trophy holen kann.
Schaut man sich allerdings die Statistiken so ausführlich an, wie in diesem Artikel geschehen, fällt einiges auf, was für die Saints spricht. Knapp zusammengefasst: die Defenses sind beide mittelmäßig, die der Colts etwas besser als die von New Orleans. Dafür haben die Saints sehr viel eindeutigere Vorteile in der Offense gegenüber Indianapolis.
Eine Prognose für den Spielausgang wollen wir nicht wagen. Man kann einzig und allein davon ausgehen, dass es bei diesen zwei Mannschaften, die beide ihre Stärken eher im Angriff haben, ein attraktives und packendes Spiel werden wird. Das MAG wünscht allen Football-Fans, dass die Spannung ebenfalls den Superbowl XLIV beherrschen wird und berichtet natürlich auch vom Spiel selbst.
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