[1. Bundesliga 09/10] Die Lage der Liga - der Rückrundenstart
16. Februar 2010, 12:01 geschrieben von Schneiderlein, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Der FC Bayern auf Vizemeisterkurs – auch mit Schalke muss im Kampf um die deutsche Meisterschaft noch gerechnet werden – van the Man stoppt Stuttgarter Serie – Hannover im freien Fall – und dann war da ja noch…: Die MAG-Ligarückschau nach dem Rückrundenauftakt.
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Der FC Bayern auf Vizemeisterkurs
Neun Siege in Folge, seit 15 Spielen ungeschlagen: Der Druck des Vorjahres-Vizemeisters FC Bayern München auf den in dieser Saison nach wie vor ungeschlagenen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen ist enorm. Nur noch ein einziges Törchen trennt die beiden Meisterschaftsanwärter.
Die fulminante Aufholjagd und die beeindruckende Serie der Bayern geben den Verantwortlichen Grund genug, auch den verbalen Druck gegen die Leverkusener zu erhöhen. Dem Münchener Merkur zufolge schickte Hoeneß seinem Kumpel Heynckes bereits nach dem Bremen-Spiel per SMS ein «schönes Halali vom Tegernsee» und beim DSF-Doppelpass wurde Hoeneß die Aussage zugeschrieben, Heynckes wisse ja noch aus der letzten Saison, wie man Vizemeister wird.
Derzeit ist aber Bayer 04 Leverkusen, die Mannschaft mit den meisten Toren und wenigsten Gegentoren der Liga, Tabellenführer. Niemand kann derzeit absehen, welche Narben die Mehrfachbelastung für die Münchener bringt. Robben und Ribéry sind bekanntermaßen verletzungsanfällig. Kurzum: Es ist zu früh, die Bayern zum Meister zu erklären.
Aber: Louis van Gaal hat sein Team nach einer langen Phase der Konsternation wieder auf Meisterschaftskurs getrimmt und wieder zu einer Mannschaft von europäischem Format gemacht.
Auch Schalke noch im Boot
Nur drei Punkte hinter den Münchenern lauert der FC Schalke. Und auch die finanziell angeschlagenen Knappen dürften im Kampf um die deutsche Meisterschaft noch ein Wörtchen mitreden. Auf das aus Schalker Sicht magere und torlose Remis in Freiburg konnte gegen Köln die richtige, wenn auch unspektakuläre Antwort gegeben werden. Kevin Kuranyi präsentierte sich schon unter der Woche in beeindruckender Form und konnte das zweite Schalker Tor gegen Köln toll vorbereiten. Schade, dass zwischen Kuranyi und Löw das Tischtuch scheinbar zerrissen ist; in solcher Form ist der Schalker ein Mann für Südafrika.
Trotz dieser Niederlage bleibt dem FC Köln ein ordentliches Polster zum Relegationsplatz. Mit sechs Punkte aus der Rückrunde holte der FC von den Teams der unteren Tabellenhälfte die meisten Punkte.
Van the Man stoppt Stuttgarter Serie
Eine weitere Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Seitdem Christian Gross das Training leitet, spielen die Schwaben wie verwandelt und können endlich das Potenzial abrufen, dass ihnen vor der Saison schon viele zugetraut hatten.
Ganz anders die Hamburger: Mit nur fünf Punkten aus vier Spielen hatten sich die Hanseaten bereits zum Rückrundenauftakt vorzeitig aus dem Kampf um die deutsche Meisterschaft verabschiedet. Nachdem Erzrivale Werder Bremen zuletzt zurück in die Spur fand, drohte der HSV sogar aus den internationalen Plätzen herauszufallen. Ob der nach wie vor großen Verletzungssorgen schien der schon sprichwörtliche Labbadia-Effekt einzutreten: Fulminanter Auftakt mit katastrophalem Ausklang.
Und so hatte schon mancher HSV-Fan das Spiel in Stuttgart bereits vorzeitig abgehakt. Und nach 65 Spielminuten schien die VfB-Führung auch nur noch eine Frage der Zeit. Das war der Moment, als Ruud van “the Man” Nistelrooy die Fußballbühne betrat – und kam und sah und siegte: 75. Spielminute 2:1 durch van Nistelrooy, 77. Spielminute 3:1 durch van Nistelrooy, zwei fantastische Tore durch den erfahrenen Niederländer. Mit Ruud van Nistelrooy scheint dem HSV ein echter Tansfercoup gelungen zu sein.
Bochum auf gutem Weg zum Klassenerhalt
Auch am unteren Ende der Tabelle wird deutlich, warum die Bundesliga zu den spannendsten Ligen Europas zählt. Wer hätte schon vor der Saison damit gerechnet, dass der Vorjahres-Vierte Hertha BSC Berlin eine derartig katastrophale Saison spielen würde? Und gleichwohl sind fünf Punkte zum Relegationsplatz noch aufzuholen. Dort steht derzeitig eine andere Negativ-Überraschung dieser Saison: Hannover 96. Nach dem Suizid der Gallionsfigur kommt keine Ruhe in den Verein. Mirko Slomka ist schon der dritte Trainer der 96er in dieser Saison und dabei so wenig erfolgreich wie seine Vorgänger. Slomka scheint seine letzte Chance, in der deutschen Eliteliga als Cheftrainer Fuß zu fassen, nicht nutzen zu können. Dabei wird immer offensichtlicher, welch große Lücke der Führungsspieler Enke hinterließ. Fromlowitz patzte gleich mehrfach derbe gegen die Bremer Angreifer, die im Hannoveraner Strafraum, so schien es, machen konnten, was sie wollten. Von Abstiegs“kampf” war bei den Niedersachsen jedenfalls nichts zu sehen.
Und auf einem Relegationsplatz stehen die 96er vor allem deshalb, weil etwa auch der Tabellensechzehnte Nürnberg nicht aus dem Tritt kommt. Immerhin reichte es noch gegen den norddeutschen Tabellennachbarn zu einem doch überzeugenden Sieg. Was dieser Sieg gegen eine Mannschaft aus Hannover, die offenbar völlig verunsichert und von der Rolle ist, wert ist, bleibt abzuwarten. Derzeit heißt es für den FCN: Tendenz zweite Liga.
Einzig die Breisgauer aus Freiburg würzen da noch den Abstiegskampf und lenken vom Kampf um den Relegationsplatz ab. Nur ein mageres Pünktchen in der Rückrunde: Robin Dutt muss sich langsam etwas einfallen lassen.
Der VfL Bochum und die Borussia aus Mönchengladbach, so scheint es, sind aus dem Gröbsten heraus. Beide Mannschaften konnten diesen Spieltag drei Punkte einfahren. Bochum-Coach Heiko Herrlich ist nunmehr seit sechs Spieltagen ungeschlagen. Und mit neun Punkten in der Rückrunde ist sein Team auf dem allerbesten Weg zu einem soliden Mittelfeldtabellenplatz – und das wäre für Bochumer Verhältnisse ein respektables Abschneiden, mit dem zum Hinrundenausklang wohl niemand gerechnet haben dürfte.
Trivia: Und dann war da ja noch…
…, ach ja, der VfL Wolfsburg. Waren die nicht letzte Saison noch Meister? Das kommt einem ja schon wieder Ewigkeiten her vor. Sieht so aus, als kehrten die Wölfe dorthin zurück, wo sie vor Magath standen: ins unscheinbar-graue und vollkommen unauffällige Liga-Mittelmaß. Nur ein ganz mageres Pünktchen steht in der Rückrunde zu Buche – so greift man am Ende noch in den Kampf um den Relegationsplatz ein. Auch Neu-Manager Dieter Hoeneß konnte am aus Wolfsburger Sicht total unbefriedigenden Saisonverlauf nichts ändern. Immerhin trennte man sich von Armin Veh, dem in Wolfsburg kein Glück beschieden war – und bleibt trotzdem auf Talfahrt.
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