Informers Abgegrätscht: DFB intern - Der Fall Löw, der Burgfrieden und die WM 2010
16. Februar 2010, 21:39 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Der Streit zwischen dem DFB und dem Trainer-Manager-Gespann ist offiziell beigelegt. Das ist doch eine gute Nachricht! Nachdem die Lage aussichtslos festgefahren schien, saßen die Akteure Zwanziger, Löw und Bierhoff plötzlich wieder am Tisch und hatten sich lieb. Alles paletti – oder vorgetäuschte Friedensproduktion? Eher Letzteres. Denn alle Betroffenen schwurbelten herum und versuchten, die bevorstehende Trennung als Aufbruch zu verkaufen. Nahezu meisterhaft hangelten sie sich an vorformulierten und zum Teil auswendig gelernten Worthülsen entlang.
Der Konflikt ist nicht gelöst
Geben wir dem Nebel Zeit, sich aufzulösen, und betrachten dann die wirkliche Nachricht: Die Fronten bleiben verhärtet. Die bemühten Worte gaben nicht annähernd das Mienenspiel der Betroffenen wider. Alle schnappten sich die Serviette “WM 2010”, um die bloßliegenden Stellen notdürftig zu bedecken und die ausschließliche Konzentration auf die WM-Vorbereitung in den Vordergrund zu stellen.
Aber was für ein Frieden wurde eigentlich geschlossen? Streitpunkt war die Vertragsverlängerung von Bundestrainer Löw, die gescheitert ist – und gescheitert bleibt. Dieses Kernthema des Konflikts wurde auf der Pressekonferenz weiträumig umschifft. Fast alle Journalisten haben sich das wechselseitige Auftragen von Gleitcreme angesehen, aber kaum einer sprach hinterher an, dass die Chemie zwischen Löw und dem DFB vergiftet ist. Dass auch noch so viel Gleitcreme in diesem Fall nicht helfen kann, dürfte allen klar sein. Die Situation hat sich nicht verändert – auch nicht nach dieser Pressekonferenz. Beide Seiten sind nach wie vor verärgert. Bewegung gab es nicht. Die WM-Vorbereitung war im Wesentlichen von Medien als gefährdet lanciert worden… Okay, diese Schlagzeile konnte mit “WM-Vorbereitung gerettet” glücklich vollendet werden. Aber sonst passierte nichts.
Der Fall Amerell – Zufall oder Themensteuerung?
Geradezu “Glück” hatte der DFB, dass Schiedsrichtersprecher Amerells verhaltenssteuernder Hormoncocktail von den Medien aufgegriffen wurde und er wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung mehrerer Schiedsrichter von seinem Amt zurücktreten muste. Der DFB musste annehmen, weil “Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen” heißt es in einer DFB-Mitteilung. Ein Querkopf, wer denkt, dass kein Zufall hinter dem Zusammenfallen dieser Themen rund um den DFB steckt?
Um das Spielchen täuschend echt aussehen zu lassen, darf Amerell noch mit der juristischen Keule drohen und äußern, dass er sich “rechtliche Schritte in alle Richtungen” vorbehält. Donnerwetter! Amerell hat offenbar jahrelang in eine Rechtsschutzversicherung eingezahlt und bereitet nun den Fall vor, seine Versicherung um einen Teil der Beiträge wieder zu erleichtern. Eine gelungene und schlagzeilenträchtige Inszenierung. Und die Medien fallen fast geschlossen auf die Nummer herein. Nur wenige erkennen den Auftritt als das, was er ist: ein Griff in die Kiste der tausend Peinlichkeiten.
Löw und der DFB sind fertig miteinander
Denn der Punkt ist: Einen neuen Vertrag zwischen DFB und Bundestrainer Löw hat es bisher nicht gegeben und es wird ihn wohl auch nach der WM nicht geben. Alles deutet darauf hin, dass die Ära Löw mit der WM beendet wird. Ob die Nationalmannschaft ihm den Gefallen tut und schlechte Leistungen abliefert, die eine Vortäuschung sportlicher Gründe zulassen, wird man in Südafrika sehen. In jedem Fall sind die Fronten verhärtet. Die Forderungen Bierhoffs sind für den DFB nicht annehmbar. Löws Glaubwürdigkeit zerbröckelt derzeit wie eine altersschwache Fassade. Und der DFB hat mit Matthias Sammer einen Mitarbeiter im Team, der in der gesamten Funktionärsriege der beliebtere Mann ist. Vulgo: der Einfluss von Löw/Bierhoff reicht nicht mehr, um die Beharrungskräfte innerhalb des DFB zu überwinden. Und die Sportbild will sogar schon von einem Geheimplan erfahren haben, nachdem Matthias Sammer als Nachfolger feststeht. Die Erfolge der U 17, U 19 und U 21 machen’s möglich. Übersieht der DFB dabei, dass für diese Erfolge allerdings nicht Matthias Sammer, sondern hauptsächlich Horst Hrubesch und der geschasste Trainer Dieter Eilts verantwortlich sind?
Der DFB hatte schon bei der letzten Trainersuche nicht den besten Eindruck vermittelt. Fußballfans hoffen, dass die Nationalmannschaft nicht so schwach auftritt, wie es der DFB derzeit tut. Allerdings: Löws Verhandlungstaktik via Bierhoff zeigte einmal mehr, dass Führung seine Sache nicht ist und Respektspersonen anders aussehen. Der DFB hat sich dem Niveau aber vollends angepasst und nonverbal die Eskalation unterstützt. Der DFB hätte es, nachdem Bierhoffs zu teurer “Vorschlag” auf dem Tisch lag, auch einfacher und glaubwürdiger haben und sagen können: “Wir nehmen künftig Sammer. Der ist günstiger.”
Aber auch das wäre wahrscheinlich zuviel verlangt gewesen.
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