Broke - Die Premier League vor dem Umbruch? Teil 3: Der Fall FC Liverpool
2. März 2010, 16:11 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Int-Fussball.

Die Premier League ist die vielleicht beliebteste europäische Fußball-Liga. Nicht nur für die Fans, auch für Spieler bot sie in den letzten Jahren ein großes Maß an Attraktivität. Immer mehr Stars wechselten nach England, Gehälter explodierten, Investoren mussten her, um dem Wettbewerb standhalten zu können. Nun sieht es so aus, als müssten die Briten nach der weltweiten Finanzkrise den Preis dafür zahlen, was sie sich in den letzten Jahren alles „gegönnt“ haben. In einer Zeit, in der die Taschen leerer sind denn je.
Rund vier Milliarden Euro Schulden haben die Vereine mittlerweile angehäuft. Gerüchten zufolge sind die Big Four, also Manchester United, der FC Liverpool, der FC Arsenal und der FC Chelsea allein für ein Drittel davon verantwortlich. Hinzu kommen 510 Millionen Euro Verbindlichkeiten, die den englischen Verband FA derzeit drücken. Bei den Vereinen ist die Lage unübersichtlich: Sind sie selbst Pleite oder eigentlich nur ihre Investoren? Und was bedeutet es für einen Verein, wenn sein Investor pleite ist? In einer sechsteiligen Serie beschäftigt sich das MAG mit englischen Vereinen in Geldnot, die Lage der Premier League im Allgemeinen sowie möglichen Folgen der Finanzmisere. Der dritte Teil heute:
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Der Fall FC Liverpool
Mit dem FC Liverpool steckt ein weiterer Verein der Big Four in finanziellen Nöten. 2007 wurde der Verein an die Amerikaner George Gillett Jr. und Tom Hicks verkauft, die genau wie im Fall Manchester United die Kaufsumme auf den Verein überschrieben. Mittlerweile haben die beiden mit massiven Zahlungsforderungen zu kämpfen. Bei der Royal Bank of Scotland bestehen Verbindlichkeiten von insgesamt 270 Millionen. Anfang Februar diesen Jahres wurde ein Rückzahlungsplan erstellt, der vorsieht, dass Gillett Jr. und Hicks innerhalb des nächsten halben Jahres 115 Millionen beglichen haben müssen.
Ultimatum für die Eigner
Sollte es den US-Amerikanern nicht gelingen, die Gläubiger zu befriedigen, droht der Verkauf des Vereins. Denn dass sich plötzlich eine alternative Geldquelle auftut, scheint unwahrscheinlich. Derzeit wird versucht, weitere Investoren zu finden, die Geld in den FC Liverpool pumpen könnten. Dieses soll vor allem für die Finanzierung des neuen Stadions verwendet werden. Allerdings gibt es momentan sicherlich attraktivere, weil sicherere Anlagen für finanzkräftige Spekulanten. Gillett Jr. und Hicks selbst gaben zuletzt offen zu, dass sie absolut nicht dafür garantieren könnten, in absehbarer Zeit alle Gläubiger bedienen zu können.
Es spricht also viel für einen Verkauf des FC Liverpool. Anfang Februar meldeten sich zwei indische Interessenten, die sich vorstellen könnten, den Verein zu übernehmen. Der erste ist Mukesh Ambani, der in der Rangliste der reichsten Männer der Welt auf Platz sieben vermutet wird. Sein Vermögen soll Gerüchten zufolge größer sein als die von Schein Mansour, Besitzer von Manchester City, und Roman Abramowitsch, Eigentümer des FC Chelsea, zusammengerechnet. Der zweite Interessent, Subrata Roy, hat offenbar nur unwesentlich weniger Geld. Klappt einer der beiden Deals, könnte Liverpool also plötzlich der wohl reichste Verein der Welt sein und auch sportlich dürften sich neue Möglichkeiten für die Reds auftun.
Licht am Ende des Tunnels?
Jedoch scheinen die derzeitigen Besitzer vorerst noch alles daran zu setzen, eine andere Lösung als den Verkauf des FC Liverpool für ihr Problem zu finden. Sie ließen offiziell verlauten, der Verein stünde zu diesem Zeitpunkt nicht zum Verkauf. Momentan sind Gillett Jr. und Hicks dabei, andere Vereine, die sie in den USA besitzen, gewinnbringend loszuwerden, vermutlich, um die Forderungen auf der Insel bedienen zu können und den Premier-League-Klub nicht verkaufen zu müssen. Die Fans scheinen die andere Alternative zu bevorzugen. Sie haben die Nase voll von den Amerikanern.
Broke-Serie Teil 1: FC Portsmouth
Broke-Serie Teil 2: Manchester United
Broke-Serie Teil 4: FC Chelsea
Broke-Serie Teil 5: FC Arsenal
Broke-Serie Teil 6: Aktuelle Situation und mögliche Folgen
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