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[Champions League 2009/10] Bayern schlägt Florenz durch Kloses Abseitstor

18. Februar 2010, 11:10 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball.

Bayern schlägt Florenz mit 2:1 – Klose beim Siegtor klar im Abseits

Bayern München 2:1 (1:0) AC Florenz

Für die Journalisten im Umfeld des FC Bayern dürfte es am Mittwochabend erstmals von Vorteil gewesen sein, dass Uli Hoeneß nicht mehr in sportlich leitender Funktion beim FC Bayern agiert. Denn wie Fragen nach dem sprichwörtlichen „Bayern-Dusel“ von diesem kommentiert werden, konnte in der vergangenen Saison jeder Interessierte selbst begutachten. Nach dem 2:1 gegen den AC Florenz ist es nämlich schwierig, die Analyse ohne das Wort „Dusel,“ oder das etwas weniger wertend „Glück“, zu bestreiten; so sehr war jenes Phänomen – in Form von Schiedsrichter Övrebö und seinem Assistenten – zum Ende des Spiels auf Seiten des deutschen Rekordmeisters.

Das Gespann übersah nämlich in der 89. Minute die deutliche Abseitsstellung von Miroslav Klose bei dessen Kopfball zum Siegtreffer. Mit welcher Begründung Dag Nebben, der zuständige Schiedsrichterassistent, Klose bei Olic’ Zuspiel nicht im Abseits wähnte, ist nicht überliefert. Erklärbar ist die Entscheidung des Norwegers allerdings nicht: Klose stand ungefähr eineinhalb Meter vor dem vorwärts gespielten Ball und dem vorletzten Florentiner. So kann nur spekuliert werden, welche Visionen Nebben hatte. Möglicherweise hatte er gerade in diesem Moment einen Flashback in den Mai. Da wurden er und seine Kollegen nach einigen zweifelhaften Entscheidungen von der Heimmannschaft bis in die Kabine verfolgt. Ähnlich außer sich wie damals die Gastgeber waren direkt nach dem Treffer die Gäste. Im Gegensatz zum Mai handelte sich kein Spieler eine rote Karte ein, keiner wird gesperrt werden; einzig Vargas muss mit einer gelben Karte wegen Meckerns leben.

Die Entscheidung der UEFA Tom Övrebö nach seiner schwachen Leistung im Champions League Halbfinale zwischen Chelsea und Barcelona wieder in einem K.O.-Spiel einzusetzen wurde bereits vor dem Spiel kritisiert, danach kann man sie nur als völlig unverständlich bezeichnen. Bereits vor der 89. Minute, vor dem Kloseschen Abseitstor hatte der Norweger bewiesen, dass er nicht in die Königsklasse gehört: So entschied er auf Elfmeter für Bayern, wo nur zwei Sekunden Vorteilsauslegung das Tor für die Münchner bedeutet hätten, zeigte Klose nach einem Tritt vor das Schienbein von Felipe nur Gelb statt ihn vom Platz zu schicken und leistete sich zahlreiche Fehler in der Zweikampfbewertung. Seine Entscheidung Gobbi nach einem Ellbogen gegen Robben Rot zu zeigen hingegen mag einigen zu harsch erscheinen, war aber letztlich eine der wenigen vertretbaren Entscheidungen des Skandinaviers.

Dass an dieser Stelle so ausführlich über die Schiedsrichterleistung berichtet werden kann, macht allerdings nicht nur die Schwäche des Unparteiischen deutlich, sondern auch die Schwäche des Spiels. Die Partie lieferte nämlich jenseits der Schiedsrichterentscheidungen wenig Erbauliches. Florenz war fast nur auf Verteidigen bedacht, überließ den Bayern oft den Ball und ließ diese daran dann verzweifeln. Verzweifeln, weil die Gastgeber nur selten mit dem Ball etwas anfangen konnten. Nur die Geistesblitze des besten Manns auf dem Platz, Arjen Robben, brachten etwas Gefahr in Richtung Tor der Fiorentina. Meistens jedoch verliefen die Angriffe der Bayern im Sande, weil die Passgenauigkeit der Münchner enorm zu wünschen übrig ließ.

Gepaart mit der seit Wochen kritisierten, stets latent wackligen Defensive ergab sich ein gefährlicher Cocktail, den die Italiener zwar nicht zu ihrem Vorteil zu nutzen wussten, der aber viele Zuschauer bereits nach 30 Minuten dazu brachte, ihren Unmut durch Pfiffe zum Ausdruck zu bringen. Die verunsicherte Bayernabwehr reagierte darauf mit weiteren unnötigen Ballverlusten und Eckbällen für den Gegner, die aufgrund von Kommunikationsfehlern entstanden. Wie anfällig die Bayern-Abwehr ist, zeigte sich auch beim Gegentor, als der zur Halbzeit eingewechselte Contento bei einer Ecke zu spät bei seinem Gegenspieler war und von diesem der Ball zu Kröldrup prallte, der völlig frei stehend zum Ausgleich einschieben konnte.

Dass diese Unachtsamkeit am Ende des Spiels nicht noch verheerendere Auswirkungen hatte als sie durch das Auswärtstor der Italiener eh schon hat, lag am Ende natürlich nicht nur am Schiedsrichterassistenten und dessen Sehschwäche, sondern auch daran, dass die Bayern nach dem Platzverweis gegen Gobbi aus ihrer Schockstarre erwachten, welche die Gastgeber nach dem Ausgleich befallen hatte. Sie taten nun mehr fürs Spiel, versuchten die Italiener über die Flügel auszuhebeln und kamen nicht ganz unverdient am Ende noch zum Siegtreffer: Dusel hin, Dusel her.

Statistik

Bayern: Butt – Lahm, van Buyten (46. Contento), Demichelis, Badstuber – van Bommel, Schweinsteiger – Robben, Ribery – Gomez (65. Klose), Müller (65. Olic) – Trainer: van Gaal

Florenz: Frey – de Silvestri, Kröldrup, Natali (85. Pasqual), Gobbi – Montolivo (84. Donadel), Bolatti – Marchionni, Jovetic (75. Felipe), Vargas – Gilardino – Trainer: Prandelli

Tore: 1:0 Robben (45.+3, Foulelfmeter), 1:1 Kröldrup (50.), 2:1 Klose (89.)

Zuschauer: 66.000 (in der Arena in Fröttmaning, ausverkauft)

Schiedsrichter: Tom Henning Övrebrö (Oslo, Norwegen)
Rote Karte: – Gobbi (73., grobes Foulspiel)
Gelbe Karten: van Bommel, Klose – de Silvestri, Marchionni, Vargas

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