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Broke - Die Premier League vor dem Umbruch? Teil 5: Der Sonderfall FC Arsenal

6. März 2010, 10:19 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Int-Fussball.

Der komplette Spielplan mit allen Resultaten, Ansetzungen und der Tabelle
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Die Premier League ist die vielleicht beliebteste europäische Fußball-Liga. Nicht nur für die Fans, auch für Spieler bot sie in den letzten Jahren ein großes Maß an Attraktivität. Immer mehr Stars wechselten nach England, Gehälter explodierten, Investoren mussten her, um dem Wettbewerb standhalten zu können. Nun sieht es so aus, als müssten die Briten nach der weltweiten Finanzkrise den Preis dafür zahlen, was sie sich in den letzten Jahren alles „gegönnt“ haben. In einer Zeit, in der die Taschen leerer sind denn je.

Rund vier Milliarden Euro Schulden haben die Vereine mittlerweile angehäuft. Gerüchten zufolge sind die Big Four, also Manchester United, der FC Liverpool, der FC Arsenal und der FC Chelsea allein für ein Drittel davon verantwortlich. Hinzu kommen 510 Millionen Euro Verbindlichkeiten, die den englischen Verband FA derzeit drücken. Bei den Vereinen ist die Lage unübersichtlich: Sind sie selbst Pleite oder eigentlich nur ihre Investoren? Und was bedeutet es für einen Verein, wenn sein Investor pleite ist? In einer sechsteiligen Serie beschäftigt sich das MAG mit englischen Vereinen in Geldnot, die Lage der Premier League im Allgemeinen sowie möglichen Folgen der Finanzmisere. Heute in der Serie:

Der Sonderfall FC Arsenal

Der FC Arsenal ist zwar verschuldet, steht momentan dennoch auf finanziell vergleichsweise gesunden Beinen. Das verdankt der Verein nicht zuletzt seinem komplizierten wirtschaftlichen Konstrukt, das ihn von der Masse der englischen Vereine derzeit noch wohltuend unterscheidet. Denn der FC Arsenal hat keinen Eigentümer, sondern eine Muttergesellschaft – die Arsenal Holdings plc. Nur ein gewisser Teil der Aktienanteile wurde verkauft, und zwar nicht wie üblich an der öffentlichen Börse. Der Verein aus dem Norden Londons versucht, seine Aktien auf dem Spezialistenmarkt „PLUS“ an den Mann zu bringen. Eine einzige Aktie kostet derzeit rund 8.500 Pfund (entspricht etwa 10.000 Euro). Vor gut anderthalb Jahren wurde der Gesamtwert des Clubs an der Börse auf zirka 550 Millionen Pfund geschätzt. Das entsprach damals rund 700 Millionen Euro. Laut einer Forbes-Ausgabe aus dem April des vergangenen Jahres liegen die Vermögenswerte des FC Arsenal bei mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.

Das Leitungs- und Kontrollgremium der Arsenal Holdings plc., in Börsianerkreisen Board of Directors genannt, hält derzeit etwa 46% aller Anteile und sichert somit die weitestgehende finanzielle Unabhängigkeit. Anteilsstärkster Aktionär innerhalb dieses Boards ist Enos Stanley „Stan“ Kroenke, ein amerikanischer Unternehmer, noch deutlich vor dem Londoner Diamantenhändler Danny Fiszman. Größter Anteilseigner außerhalb des Boards ist die Red & White Holdings, eine Gesellschaft des russischen Milliardärs Alischer Usmanow und des Londoner Unternehmers Farhad Moshiri.

Die frühere Spielstätte Highbury – das neue Emirates Stadium ist noch nicht abbezahlt

Durch diese breite Verteilung der Anteile macht sich der FC Arsenal anders als die vielen anderen englischen Beispiele nicht von einem einzigen Investor abhängig und setzt sich somit auch einer geringeren Gefahr aus. Denn steigt einer der Geldgeber – aus welchen Gründen auch immer – zu irgendeinem Zeitpunkt aus, bleiben noch immer genügend übrig und der finanzielle Verlust kann relativ mühelos aufgefangen werden. Doch auch in London ist nicht alles eitel Sonnenschein. Vor allem das 2006 in Betrieb genommene Emirates Stadium hat die Gunners eine Menge Geld gekostet. Dazu mussten hohe Kredite aufgenommen werden, die nachwievor nun als Schulden auf dem Verein lasten. Jedoch ist die Situation nicht mal annähernd so bedrohlich wie in den ersten drei Beispielen dieser Serie, da der FC Arsenal wie dargestellt ein Finanzkonstrukt mit sicherer Basis aufgestellt hat. Durch die regelmäßigen regulären Einnahmen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Stadion abbezahlt ist. Dass für den Neubau zunächst einmal Schulden aufgenommen werden mussten, die nun selbstverständlich in die Defizitstatistiken der Premier League-Clubs hereinzählen, ist ein absolut natürlicher Vorgang und kein Grund zur Besorgnis. Arsenal-Fans sind eine der wenigen englischen Fangruppen, die in diesen Tagen einen vergleichsweise ruhigen Schlaf genießen dürften.

Der Trophäenraum des FC Arsenal könnte bald Zuwachs bekommen – Experten sagen dem Verein eine große Zukunft voraus

Sorgen könnten einzig und allein die anhaltenden Gerüchten bereiten, dass sowohl Stan Kroenke als auch Alischer Usmanow an einer kompletten Übernahme des Vereins interessiert sind. Zumindest ein Aufkauf durch den Russen sollte aber auf kurz- bis mittelfristige Sicht vom Tisch sein, da dieser mit seinem Unternehmen Metalloinvest im Zuge der Finanzkrise selbst in Nöte geraten ist. Elf Milliarden US-Dollar Schulden sagt man dem Unternehmer nach. Er scheint also momentan andere Sorgen zu haben. Auch über Stan Kroenke braucht man sich aktuell wohl kaum Gedanken zu machen, da der FC Arsenal auf absolut gesunden Füßen steht und somit eigentlich kein Interesse an einem völligen Verkauf haben dürfte. Zumal in Nordlondon schon seit längerer Zeit die Vernunft Mutter des Finanzgebildes ist. Ein Fakt, der sich nun, wo andere Vereine, die in der Vergangenheit weniger rational gehandelt haben, sich in Schwierigkeiten befinden, auch sportlich zum Tragen kommen könnte. Nutzt man die erwirtschafteten Vorteile sinnvoll, könnte dem FC Arsenal die Zukunft gehören. Nicht nur in der Premier League.

Übermorgen in der Broke-Serie zu lesen: Aktuelle Situation der Premier League und mögliche Folgen für die Zukunft

Broke-Serie Teil 1: FC Portsmouth
Broke-Serie Teil 2: Manchester United
Broke-Serie Teil 3: FC Liverpool
Broke-Serie Teil 4: FC Chelsea
Broke-Serie Teil 6: Aktuelle Situation und mögliche Folgen


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