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[Premjer Liga 2010] Vorschau auf die kommende Saison in Russland

9. März 2010, 18:03 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter Int-Fussball.

Vorschau: Die russische Premjer Liga vor der Saison 2010

Premjer Liga

Spätestens seit den UEFA-Cup-Siegen von ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg hat man auch in Westeuropa erkannt, dass die russische Premjer Liga qualitativ überzeugt. Gleichzeitig kann die erste russische Liga mit einer Besonderheit aufwarten, denn in der aktuellen Fünf-Jahres-Wertung findet sich unter den besten zwanzig Ligen keine weitere Liga, deren Saison parallel zum Kalenderjahr verläuft. Den bevorstehenden Saisonstart am 12. März nimmt das MAG zum Anlass, einen kurzen Überblick über die russische Premjer Liga und ihre Teams zu geben.

Um direkt zu “deinem” Verein zu gelangen, klick auf dessen Namen:

Rubin Kasan Spartak Moskau Zenit St. Petersburg Lokomotive Moskau
ZSKA Moskau Saturn Moskau Oblast Dynamo Moskau Tom Tomsk
Krylia Sowetow Samara Spartak Naltschik Terek Grosny Amkar Perm
FK Rostow Anschi Machatschkala Sibir Nowosibirsk Alania Wladikawkas


Die Abschlusstabelle 2009

Pl. Verein Spiele Tore Punkte
1. Rubin Kazan 30 62:21 63
2. Spartak Moskau 30 61:33 55
3. Zenit St. Petersburg 30 48:27 54
4. Lokomotive Moskau 30 43:30 54
5. ZSKA Moskau 30 48:30 52
6. FK Moskau 30 39:28 48
7. Saturn Moskau Oblast 30 38:41 45
8. Dynamo Moskau 30 31:37 42
9. Tom Tomsk 30 31:39 41
10. Krylja Sowetow Samara 30 32:42 36
11. Spartak Naltschik 30 36:33 35
12. Terek Grosny 30 33:48 33
13. Amkar Perm 30 27:37 33
14. FK Rostow 30 28:39 32
15. Kuban Krasnodar 30 23:51 28
16. FK Khimki 30 20:64 10



Die Ausgangslage für 2010

Meister wurde also, wie man der Tabelle entnehmen kann, zum zweiten Mal in Folge Rubin Kasan. Die Tartaren werden in der kommenden Champions League Saison ebenso in der Gruppenphase beginnen wie Spartak Moskau. Ebenfalls in der Champions League, allerdings in der dritten Qualifikationsphase, wird Zenit St. Petersburg antreten. In der Europa League wird Russland durch die Moskauer Vereine Lok und ZSKA vertreten. Den Weg in die Zweitklassigkeit mussten sportlich Kuban Krasnodar und der FK Khimki antreten. Neben den beiden Vereinen aus dem Kaukasus (Krasnodar) bzw. dem Großraum Moskau (Khimki), wird auch der Vorjahressechste FK Moskau in der Saison 2010 nicht mehr am Spielbetrieb der ersten Liga teilnehmen.

Der Hauptsponsor des Vereins, das Bergbauunternehmen Norilsk Nickel, beendete seine Beteiligung am Verein und entzog diesem damit die finanzielle Grundlage. Die Hintergründe des Ruckzugs liegen zum einen im fehlenden Zuschauerzuspruch für den Verein, der hinter den vier anderen Moskauer Vereinen stets hinterherhinkte, zum anderen wurde er von der Firma offiziell damit begründet, dass ein Engagement in der Region Moskau vor den Bürgern der Region Norilsk, in der das Hauptgeschäft des Unternehmens stattfindet, nicht länger zu rechtfertigen sei. Die Premjer Liga reagierte prompt auf den Ausstieg des Sponsors und entzog dem FK Moskau am 17. Februar die Spielerlaubnis. Die Einladung, anstelle des Hauptstadtvereins am Spielbetrieb teilzunehmen, erging an Alanija Wladikawkas, den Vorjahresdritten der zweiten russischen Liga. Der Meister von 1995 spielt damit erstmals seit seinem Abstieg 2005 wieder erstklassig.

Neben Wladikawkas kommt noch ein weiterer Aufsteiger aus dem Kaukasus: Anschi Machatschkala. Der Zweitligameister aus Dagestan war bereits zwischen 2000 und 2002 erstklassig und erreichte als Aufsteiger 2000 sogar den UEFA-Cup. Dort sorgte Anschi für eine Skurillität. Aufgrund der unsicheren Sicherheitslage in Dagestans Nachbarprovinz Tschetschenien wurde die Erstrundenauseinandersetzung des Vereins mit den Glasgow Rangers auf ein Spiel auf neutralem Platz (in Warschau) reduziert. Neben den beiden alten Bekannten in der Premjer Liga hat es auch ein Neuling in die russische Eliteliga geschafft: Sibir Novosibirsk. Wie dem Namen des Vereins zu entnehmen ist, stammt der Verein aus Sibrien. Während die Eishockeyabteilung des Vereins aus der drittgrößten Stadt des Landes bereits zweimal russischer Meister war, spielten die Fußballer noch vor zehn Jahren viertklassig. Es wird interessant zu sehen sein, ob der Höhenflug des Teams mit dem Adler im Wappen weiter anhält.

Geographisch betrachtet hat die russische Liga im Jahr 2010 zwei große Zentren. Zum einen ist dies die Region Moskau, die mit ZSKA, Spartak, Lok, Dynamo und Saturn fünf Erstligisten stellt. Trotz der Tatsache, dass fast ein Drittel der Vereine der Liga aus Moskau kommt, ist die Anzahl der Moskauer Vereine so niedrig wie nie zuvor in diesem Jahrtausend, noch im Vorjahr waren sieben Mannschaften aus der Hauptstadt erstklassig. Zuwachs hat – trotz des Abstiegs von Kuban Krasnodar – die Kaukasusregion bekommen. Mit Spartak Nalchik (Kabardino-Balkarien), Terek Grosny (Tschetschenien), Alania Wladikawkas (Nordossetien-Alanien) und Anschi Machatschkala (Dagestan) stellt die politische Krisenregion gleich vier Erstligisten. Hinzu kommen zwei Teams aus Sibirien (Tomsk, Novosibirsk), sowie je eines aus St. Petersburg (Zenit), Samara (Krylja Sowetow), Perm (Amkar) und Tatarstan (Rubin).

Bisweilen liegen über 3.000 Kilometer zwischen den Erstligastädten, was natürlich die Reisestrapazen erhöht. Die langen Distanzen machen die Erstklassigkeit natürlich kostenintensiver, gleichzeitig lässt sich aber kein Einfluss auf die Chancen der Heimmannschaft feststellen, mit ca. 46% Heimsiegen im Jahr 2009 liegt die Premjer Liga ungefähr gleichauf mit der Premier League, etwas vor der französischen League 1 (43%) und etwas hinter Bundesliga, Serie A und Primera Division, die alle auf etwa 48% Heimsiege kommen. Noch schwieriger als für die Mannschaften selbst sind die Distanzen für die Fans, die nur selten in großen Zahlen zu Spielen außerhalb der eigenen Region reisen.

Immerhin, die wohl längste Auswärtsfahrt zu einem Erstligaspiel in der Fußballgeschichte bleibt den Fans der russischen Erstligisten auch dieses Jahr erspart. Ruch-Energia Wladiwostok schaffte nach dem Abstieg 2008 nicht den sofortigen Wiederaufstieg. Wladiwostok liegt knapp 6500 Kilometer entfernt von St. Petersburg, zum Vergleich: Berlin und New York liegen nur 6300 Kilometer auseinander. Da Wladiwostok den Aufstieg jedoch klar verpasst hat, müssen sich nun die Zweitligafans mit den weiten Fahrten auseinandersetzen: Zwischen dem westlichsten Zweitligaort, Kaliningrad, und dem östlichsten, Wladiwostok, liegen knapp 7300 Kilometer.


Die Mannschaften im Kurzportrait

Rubin Kasan

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 7
Platz in der ewigen Tabelle: 13
Meister: 2-mal (2008,2009)
Pokalsieger: –
Kapitän: Sergej Semak
Trainer: Gurban Berdijew
Stadion: Zentralstadion (32.464 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 14.726 Zuschauer


Wissenswertes: Nach dem zweiten Meistertitel in Folge sind die Tataren natürlich auch wieder zu den Favoriten in diesem Jahr zu rechnen. Allerdings muss die Mannschaft den Verlust eines Kernstücks der Elf des Vorjahres kompensieren. Der Argentinier Alejandro Dominguez, zusammen mit Teamkollege Aleksander Bukharov 2009 zweitbester Torschütze der Liga mit 16 Toren, verließ den Verein in Richtung Valencia. Dominguez’ Torgefahr soll der Türke Fatih Tekke, gekommen von Zenit St. Petersburg, ersetzen. Führungsfigur der Mannschaft bleibt aber weiter Sergej Semak. Der Mittelfeldspieler wird von vielen Kommentatoren als einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg Rubins angesehen. Mit seinem Wechsel vom FK Moskau nach Kasan begann die Erfolgsgeschichte der Tataren. Zu Beginn der Saison könnte Rubin den Vorteil haben, dass sie durch die Europa League Spiele gegen Hapoel Tel Aviv bereits Wettkampfpraxis gesammelt haben, womöglich haben die Spiele aber auch die Vorbereitung auf die neue Saison gestört.
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Spartak Moskau

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 18
Platz in der ewigen Tabelle: 1
Meister: 9-mal (1992, 1993, 1994, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001)
Pokalsieger: 3 (1994, 1998, 2003)
Kapitän: Martin Jiránek
Trainer: Valeri Karpin
Stadion: Luschnikistadion (78.360 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 25.253 Zuschauer


Wissenswertes: Der Frust sitzt durchaus tief bei den Rot-Weißen. Der letzte Meistertitel liegt neun Jahre zurück. Vier Mal war Spartak in dieser Zeit Zweiter; hinter drei verschiedenen Meistern. Auf das desaströse 2008, das man als Achter und ohne internationalen Wettbewerb abschloss, folgte 2009 immerhin die direkte Qualifikation für die Champions League. Dennoch steht Trainer Valeri Karpin, seit April Nachfolger des glücklosen Michael Laudrup, unter Erfolgsdruck – der Titel soll her. Zu diesem Zweck hat der Torschützenkönig des Vorjahres, Welliton, einen weiteren brasilianischen Landsmann an die Seite bekommen: Ari, 24, Stürmer, kommt vom AZ Alkmaar. Zusätzlich zu den beiden spielen mit Alex und Ibson noch zwei weitere Brasilianer bei Spartak. Deutschen Fans dürften aus dem Kader vor allem der Ex-Stuttgarter Martin Stranzl und der Ex-Nürnberger Ivan Saenko bekannt sein; ein weiteres bekanntes Gesicht, Malik Fathi, ist seit dem Winter wieder in die Bundesliga (Mainz 05) ausgeliehen.
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Zenit St. Petersburg

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 15
Platz in der ewigen Tabelle: 5
Meister: 1-mal (2007)
Pokalsieger: 1 (1999)
UEFA-Cup-Sieger: 1 (2008)
Kapitän: Alexander Anjukow
Trainer: Luciano Spalletti
Stadion: Petrowski Stadion (21.358 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 18.910 Zuschauer


Wissenswertes: Bei Zenit passierte die wichtigste Veränderung im Vergleich zum Vorjahr auf der Trainerbank. Statt Dick Advocaat, der das Team 2008 zum UEFA-Cup-Sieg führte, nimmt dort nun Luciano Spalletti Platz. Der 50-jährige hatte bis September 2009 noch den AS Rom trainiert und ist der einzige Trainer der Premjer Liga, der nicht aus der ehemaligen UdSSR stammt. Wichtigste Veränderung auf dem Platz dürfte die Rückkehr von Stürmer Alexander Kerschakow sein. Der Stürmer hatte den Verein 2006 verlassen und nach Aufenthalten in Sevilla und bei Dynamo Moskau findet er zurück in die Heimat. Unterstützung im Sturm wird er von Danko Lazović erhalten; der 26-jährige Serbe – früher auch bei Bayer Leverkusen aktiv – wechselt für 5 Millionen Euro vom PSV Eindhoven an die Neva. Mit diesen Einkäufen versucht der Verein den spürbaren offensive Aderlass zu stoppen. Die UEFA-Cup-Helden von 2008, Arschawin und Pogrebnjak, haben den Verein Richtung Westen verlassen und konnten bislang nicht adäquat ersetzt werden, so dass 2009 Zenit vierzehn Tore weniger erzielte als Meister Rubin. In Deutschland kennt man neben Lazović Fernando Meira, Ex-Kapitän des VfB Stuttgart, und Szabolcs Huszti, früher Hannover 96.
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Lokomotive Moskau

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 18
Platz in der ewigen Tabelle: 2
Meister: 2 (2002, 2004)
Pokalsieger: 5 (1996, 1997, 2000, 2001, 2007)
Kapitän: Rodolfo
Trainer: Juri Sjomin
Stadion: Lokomotivstadion ( 28.800 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 15.288 Zuschauer


Wissenswertes: Der Star ist auch bei Lok Moskau der Trainer. Seit 1. Juni 2009 ist er wieder da, zum zweiten Mal ist er Cheftrainer der Rot-Grünen: Juri Semin. 2002 hatte der 62-jährige die ehemalige graue Maus endgültig aus dem Schatten der Lokalrivalen geführt – Lokomotive war erstmals in der Vereinsgeschichte Meister geworden. Zuvor hatte Semin bereits vier Pokalsiege und zwei Europapokalhalbfinalteilnahmen mit Lok erreicht, doch der Meistertitel war die Krönung. Als die Mannschaft 2004 das Kunststück wiederholte, war Semin endgültig der Held aller Lok-Anhänger. Seine Zeit als russischer Nationaltrainer 2005 war weniger erfolgreich, Russland qualifizierte sich nicht für die WM in Deutschland. Außer Semin hat Lok auch den einzigen Kapitän der Liga zu bieten, der nicht aus einem ehemaligen Ostblockland kommt. Der brasilianische Innenverteidiger Rodolfo, 2005 und 2006 ukrainischer Meister mit Dynamo Kiew, übt das Amt aus. Damit ist er Nachfolger des zum FC Everton abgewanderten Dinijar Biljaletdinow. Als Schwachstelle scheint Semin, wohl nicht zuletzt wegen des Abgangs von Biljaletdinow im Sommer, das Mittelfeld ausgemacht zu haben. Mit Dmitri Tarasow (FK Moskau), Wladislaw Ignatjew (Samara) und Olexandr Alijew (Dynamo Kiew) hat Semin gleich drei neue Mittelfeldakteure eingekauft.
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ZSKA Moskau

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 18
Platz in der ewigen Tabelle: 3
Meister: 3 (2003, 2005, 2006)
Pokalsieger: 5 (2002, 2005, 2006, 2008 2009)
Kapitän: Igor Akinfeew
Trainer: Leonid Slutski
Stadion: Luschnikistadion (78.360 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 13.687 Zuschauer


Wissenswertes: ZSKA hat eine turbulente Saison hinter sich. Gleich drei verschiedene Trainer versuchten sich am UEFA-Cup-Sieger von 2005. Bis zum 10. September war Zico im Amt, dieser wurde – auf Platz 4 liegend – entlassen. Sein Nachfolger Juande Ramos hielt sich nur 47 Tage im Amt, ehe dann der jetzige Übungsleiter Leonid Slutski den Cheftrainerposten übernahm. Der 38-jährige ist sicher der am wenigsten bekannteste der drei, führte aber die Hauptstädter zum ersten Mal in ihrer Geschichte ins Achtelfinale der Champions League. Zunächst bis zum Sommer wird Slutski auf eines der bekanntesten Aushängeschilder des ZSKA Moskau verzichten müssen. Vagner Love, der Brasilianer mit den blauen Haaren, ist bis Juli an Flamengo ausgeliehen, schon die Rückrunde der Saison 2009 verbrachte der russische Torschützenkönig des Jahres 2008 in der Heimat, ausgeliehen an Palmeiras. Die Tore für ZSKA schießen nun andere: Der 20-jährige Tscheche Tomas Necid und der 25-jährige Serbe Milos Krasic. Beide erzielten 2009 neun Treffer für die Rot-Blauen. Neben Torwart Akinfeew, um den sich seit Jahren Wechselgerüchte gen Westen ranken, sticht der 19 Jahre alte Alan Dsagojew heraus. Der junge Mann ist trotz seines Alters bereits der Lenker des Spiels von ZSKA und strahlt darüber hinaus auch noch Torgefahr aus. Bereits 15 Erstligatore hat Dsagojew – der jüngste Feldspieler, der je für die russische Nationalelf aufgelaufen ist – auf seinem Konto stehen. Den bekanntesten Namen im Team – neben Ex-Liverpoolmann Mark Gonzalez – dürfte ein junger Nigerianer tragen. Sekou Oliseh, Neffe von Ex-Bundesligaprofi Sunday Oliseh.
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Saturn Moskau Oblast

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 11
Platz in der ewigen Tabelle: 11
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Aleksey Igonin
Trainer: Andrej Gordejew
Stadion: Saturn Stadion (16.726 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 7.173 Zuschauer


Wissenswertes: Wenige russische Vereine erhielten in den deutschen Medien im vergangenen Jahr mehr Aufmerksamkeit als der Verein aus Ramenskoje, einem Moskauer Vorort. Der Grund dafür war weder spektakulärer Fußball, noch dubiose Machenschaften, sondern der Trainer: Jürgen Röber. Zwischen August 2008 und Mai 2009 war der 56-jährige Saturns Trainer. Doch nach nur einem Sieg in acht Spielen war für Röber Schluss. Der Amateur-Trainer des Vereins, Andrej Gordejew, übernahm und führte das Team mit einer Bilanz von 40 Punkten in 22 Spielen noch auf Platz 7. Trotz des Höhenflugs nach dem Trainerwechsel hat Saturn ein großes Problem in Sachen Zuschauerzuspruch, kein Erstligist von 2010 hatte in der Vorsaison weniger Zuschauer als die Außerirdischen, selbst die drei Aufsteiger nicht. Um dem Sturm mehr Durchschlagskraft zu verleihen, holte Saturn den slowakischen Nationalstürmer Martin Jakubko aus der Konkursmasse des FK Moskau. Der 30-jährige erzielte in der Vorsaison acht Tore und damit genauso viel wie der beste Stürmer Saturns, Dimitri Kiritschenko. Die anderen Stürmer des Vereins dürften deutschen Fußballanhängern durchaus geläufig sein: Marko Topic (früher Cottbus, Wolfsburg) und Solomon Okoronkwo (Ex-Hertha) ergänzen die Offensivabteilung des Vorortvereins.
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Dynamo Moskau

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 18
Platz in der ewigen Tabelle: 4
Meister: –
Pokalsieger: 1 (1995)
Kapitän: Dimitri Chochlow
Trainer: Andrej Kobelew
Stadion: Arena Khimki (18.000 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 7.752 Zuschauer


Wissenswertes: Vor einigen Jahren, da war Dynamo Moskau in aller Munde. Alexej Fedoritschew, ein Düngemittel-Milliardär, hatte sich bei Dynamo eingekauft und groß Geld ausgegeben. Maniche, Derlei, Seitaridis, Costinha, Thiago Silva, Danny, so lauteten die Namen der Stars, die für Dynamo aufliefen. Geblieben ist keiner von ihnen und der gewünschte Erfolg stellte sich auch nicht ein. Fedoritschew ist auch nicht mehr zuvorderst beteiligt, denn inzwischen besitzt die mehrheitlich vom russischen Staat gehaltene VTB Bank 74% der Anteile an Dynamo. Die Umorientierung des Vereins lässt sich auch an den Transfers zur neuen Saison erkennen. Nicht klingende Namen aus dem Westen sind es, die Trainer Kobelew, 41, für die neue Saison einkaufte, sondern solide und erprobte Osteuropäer. Nichtsdestotrotz zeigt die Einkaufsstrategie, dass Dynamo nicht wieder nur der Schwächste der vier großen Moskauer Vereine werden will. Gleich vier Spieler holte Dynamo vom zwangsabgestiegenen Lokalrivalen FK Moskau: Den Litauer Edgaras Česnauskis (26) für das linke, Aleksander Samedow (25) für das rechte Mittelfeld, den russischen Nationalspieler Aleksej Rebko (23) für die Sechserposition und den Moldawier Alexandru Epureanu (23) für die Verteidigung. Hinzu kommt mit Igor Semschow (31) ein weiterer erfahrener Mittelfeldspieler, der das Spiel besser ordnen und wenn möglich auch den bekanntesten Neuzugang in Szene setzen soll: Andrej Woronin. Der 30-jährige Ex-Bundesligaprofi (Gladbach, Mainz, Köln, Leverkusen, Hertha) soll den nach St. Petersburg zurückgekehrten Alexander Kerschakow und seine 12 Saisontore des Vorjahres adäquat ersetzen.
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Tom Tomsk

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 5
Platz in der ewigen Tabelle: 21
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Sergej Pareiko
Trainer: Valeri Nepomniachi
Stadion: Trudstadion (15.000 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 11.833 Zuschauer


Wissenswertes: Den meisten in Deutschland wird weder die Stadt Tomsk, noch der örtliche Fußballverein Tom ein Begriff sein. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist Tomsk doch erst seit 2005 erstklassig und in dieser Zeit nie über Platz 8 hinausgekommen. Ausflüge nach Europa hat der Verein noch nicht unternommen. Insofern wirkt das Clubmotto (“Sui generis”, lat. einzigartig) fast etwas anmaßend. Der einzige im Verein, auf den diese Beschreibung passt, ist der Trainer: Valeri Nepomniachi. Der 66-jährige ist seit 2008 Trainer in Sibirien, der Region, in der er auch geboren wurde. Tom ist trotz des fortgeschrittenen Alters des Fußballlehrers dessen erste Trainerstation in Russland. Zuvor war er als Vereinstrainer in der Türkei, in Südkorea, Japan und Usbekistan tätig, zusätzlich noch Nationalcoach von Usbekistan und Kamerun. In letzterer Funktion erreichte Nepomniachi seinen größten Erfolg. Er war es nämlich, der 1990 in der Verantwortung stand, als die Unzähmbaren Löwen im Eröffnungsspiel Weltmeister Argentinien schlugen und bis ins Viertelfinale vordrangen. Nepomniachi und seinen Kontakten nach Südkorea dürfte es auch geschuldet sein, dass in Tomsk die einzigen drei Südkoreaner der Premjer Liga spielen. Park Hye-Sun, Kim Nam-Il und Shin Young-Rok kamen zur neuen Saison von Incheon United, Vissel Kobe und Bursaspor. Für Tomsk gilt, wie für eigentlich alle Vereine der zweiten Hälfte der letztjährigen Abschlusstabelle, nur der Nichtabstieg als Ziel, andere statusverändernde Resultate wie Titel und Europapokalteilnahmen sind nicht zu erwarten. Für Tomsk gilt dies ganz besonders, weil sie mit dem Slowenen Aleksandar Radosavljevič, der nach Griechenland zum AE Larissa wechselte, einen Schlüsselspieler abgeben mussten.
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Krylia Sowetow Samara

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 18
Platz in der ewigen Tabelle: 6
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Ruslan Adschindschal
Trainer: Juri Gassajew
Stadion: Metallurgstadion (33.220 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 15.873 Zuschauer


Wissenswertes: Dass die Federn (Krylja bedeutet zu Deutsch Flügel) nicht ebenso wie der FK Moskau zwangsabsteigen mussten, verdankt der Verein niemand Geringerem als Wladimir Putin. Der russische Ministerpräsident setzte sich unter Hinweis auf die Wichtigkeit des Vereins für die Region persönlich für die Rettung des Traditionsvereins von der Wolga ein. Auf seine Anweisung hin, schießt nun das Staatsholding Rostechnologii Geld zu und tritt als Hauptsponsor von Krylja auf. Gerüchteweise muss das Staatsunternehmen eine Lücke von ca. 25 Millionen Euro schließen. Trotz der Rettung in letzter Sekunde hat sich die unsichere Zukunft natürlich auf den Verein ausgewirkt. Einige der Leistungsträger, darunter der beste Torjäger des letzten Jahres, der Ex-Dortmunder und – Nürnberger Jan Koller, und der tschechische Mittelfeldspieler Jiri Jarosík, haben den Verein verlassen und daran, Ersatz zu kaufen, war bis zur Rettung Mitte Februar nicht zu denken. Bisher stehen daher nur die Verteidiger Alexej Kozlow, der vom Zweitligisten Chelny kommt, und Isaac Okoronkwo aus der Konkursmasse des FK Moskau als Neuzugänge fest. Es wird keine leichte Aufgabe für Trainer Juri Gassajew, Cousin des russischen Erfolgstrainers Waleri Gassajew, die Mannschaft nach den Querelen im Umfeld in sportlich sicheres Fahrwasser zu führen.
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Spartak Naltschik

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 4
Platz in der ewigen Tabelle: 24
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Miodrag Dzudovic
Trainer: Juri Krasnoschan
Stadion: Spartakstadion (14.400 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 9.793 Zuschauer


Wissenswertes: Kaum jemand in Deutschland dürfte mit dem Namen Naltschik etwas anfangen können. Nahezu völlig unbekannt ist die knapp 300.000 Einwohner zählende Hauptstadt Kabardino-Balkariens hierzulande und Zyniker könnten behaupten, dass das aufregendste an der Stadt die Partnerschaft mit der Glücksspielmetropole Reno in den USA ist. Auch der örtliche Fußballverein, Spartak, tut wenig dafür, die Stadt, deren einziger “claim to fame” ein Überfall auf Polizeistationen durch Rebellen aus dem benachbarten Tschetschenien im Jahre 2005 ist, bekannter zu machen. Im fünften Jahr spielt Spartak nun erstklassig, mehr als ein 9. Platz im Jahr nach dem Aufstieg sprang noch nicht heraus. Es spricht wenig dafür, dass diese Leistung in der kommenden Saison übertroffen wird. Zum einen ist der Leistungsunterschied zu den großen Vereinen Russlands schlicht zu groß, zum anderen hat sich ein Teil des erfolgreichen Torjägerduos des Vorjahres ins benachbarte Grosny verabschiedet: Shamil Asildarow war mit seinen acht Treffern mit dafür verantwortlich, dass Spartak der einzige Verein außerhalb der Top 6 war, der eine positive Tordifferenz hatte. Der andere Teil, der ebenfalls acht Tore schoss, ist geblieben: der Brasilianer Leandro, 24, ist das kreative Herz der Mannschaft von Trainer Juri Krasnoschan. Der 46-jährige ist der einzige Übungsleiter, den Spartak in der ersten Liga je hatte. 2004 hatte der ehemalige Spieler Spartaks seinen alten Verein übernommen, nachdem man im Vorjahr nur Platz 15 erreicht hatte – in der zweiten Liga. Zwei Jahre später war Nalchik erstklassig, Krasnoschans Leistung ist umso höher einzuschätzen, als dass den Kabardino-Balkarier Aufstieg und alle folgenden Klassenerhalte ohne Finanzierung eines reichen Gönners gelangen. Eine Seltenheit im russischen Fußball. Zu sehen ist das begrenzte Budget auch an den Spielern mit Deutschland-Erfahrung im Kader, sowohl David Siradze (Union Berlin, Trier, Aue, Paderborn), als auch Otto Fredrikson (Gladbach II) haben nie in der höchsten deutschen Spielklasse gekickt.
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Terek Grosny

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 3
Platz in der ewigen Tabelle: 32
Meister: –
Pokalsieger: 1 (2004)
Kapitän: Timur Dschabrailow
Trainer: Anatoli Baidatschnij
Stadion: Sultan-Bilimkhanow-Stadion (10.200 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 8.020 Zuschauer


Wissenswertes: Während anderswo ein Spieler, die Mannschaft oder der Trainer der Star ist, ist bei Terek der Präsident das Aushängeschild. Ramsan Kadyrow ist nicht nur Präsident von Terek, sondern auch Präsident Tschetscheniens. Dank des von ihm angeleiteten Wiederaufbaus der vom Krieg zerstörten Teilrepublik ist der Politiker/Präsident in Tschetschenien äußerst beliebt. Kritiker sehen in ihm nur einen weiteren Warlord, der sich nicht um Menschenrechte schert. Die Popularität unter den Tschetschenen und damit auch unter den Fans von Terek ist dennoch ungebrochen. Terek, benannt nach dem gleichnamigen kaukasischen Fluss, ist das Aushängeschild der Teilrepublik, die solange im internationalen Fokus stand. Auf Grund des Konflikts trug der Verein seine Heimspiele bis 2008 im circa 230 Kilometer entfernten Pjatigorsk aus. Erst nachdem die Sicherheitslage sich entspannt hatte, kehrte Terek in die Heimat zurück. Im Exil feierte Terek 2004 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte: den Sieg im russischen Pokal. Im daraus resultierenden UEFA-Cup überstand Terek sogar die erste Runde gegen Lech Posen, bevor man am FC Basel scheiterte. Von weiteren Ausflügen in die weite Welt des Fußballs ist Terek momentan weit entfernt, Platz 12 im Vorjahr nur fünf Punkte von einem Abstiegsrang entfernt, war eigentlich zu wenig für die Ansprüche des selbstbewussten Präsidenten Kadyrow, auch wenn nach dem Rücktritt des Trainers mit dem höchst passenden Namen Wjatscheslaw Grosny die restlichen fünf Spiele eher als Schaulaufen für junge Talente verwendet wurden.

Neuer Trainer in Grosny ist Anatoli Baidatschnij, als Spieler u. a. 1972 für die sowjetische Nationalelf im EM-Finale gegen die Bundesrepublik aktiv. Sein Hauptaugenmerk dürfte der 57-jährige auf Tereks eklatante Auswärtsschwäche legen, lediglich zwei der fünfzehn Partien auswärts wurden gewonnen, nur die beiden Absteiger waren weniger erfolgreich in der Fremde. Baidatschnijs Einfluss auf den Kader ist bereits deutlich spürbar, im Winter gab es eine hohe Fluktuation an Spielern in Grosny. Den Verein verließen viele ausländische Altstars wie der Brasilianer Cleber oder die Rumänen Margaritescu und Pancu, hinzu kamen gleich drei jüngere Kräfte aus dem nur knapp 170 Kilometer entfernten Naltschik (Ferreira, 25; Jatschenko, 23; Asildarow, 26). Weiter entfernt vom neuen Arbeitsplatz arbeiteten im vergangenen Jahr der Paraguayer Hugo Baez (26, Levski Sofia), der Bolivianer Juan Carlos Arce (24, Oriente Petrolero, Bolivien) und die Brasilianer Maurício (21, Fluminense) und Anderson Mineiro (23, Cruzeiro). Auch an diesen Transfers merkt man, dass Baidatschnij das Team deutlich verjüngen und verändern will. Den Veränderungen nicht zum Opfer gefallen ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga, Blagoy Georgiev, einst beim MSV Duisburg. Ein gutes Gelingen der Umbauaktionen im Kader würde dem Selbstvertrauen der gebeutelten Region sicher gut tun, aber auch vom Präsidenten propagandistisch ausgeschlachtet werden.

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Amkar Perm

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 6
Platz in der ewigen Tabelle: 18
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Vitali Grischin
Trainer: Raschid Rachimow
Stadion: Zvezda Stadion (19.500 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 12.073 Zuschauer


Wissenswertes: Amkar ist kein russisches Wort, Amkar ist ein Kunstwort, ein Amalgam, aus Ammoniak und Carbanid, den beiden Hauptprodukten der Fabrik, deren Arbeiter 1993 den Verein gründeten, der seit 2004 ununterbrochen erstklassig vertreten ist. Dennoch musste Amkar einen gewaltigen Absturz erleiden: 2008 waren die Rot-schwarzen noch Vierter geworden und hatten dabei die beste Abwehr der Liga gestellt, ein Jahr später blieb den Mannen aus der Nähe des Urals nur Rang 14 und die neuntbeste Defensive. Die im Jahr 2008 erspielte Europa League Teilnahme endete im vergangenen September noch vor der Gruppenphase, Fulham war in der Play-Off-Runde zu stark für Amkar. Es ist dementsprechend nicht erstaunlich, dass Trainer Dimitar Dimitrov die Saison nicht als Cheftrainer Perms beendete. Statt seiner sitzt nun der Tadschike Raschid Rachimow auf der Trainerbank. Der 44-jährige, der sieben Jahre lang in Österreich Fußball spielte, übernahm im September das Amt des Übungsleiters. In den ihm verbliebenen zehn Spielen gewann Amkar vier Spiele, genauso viele wie unter Dimitrov zuvor in zwanzig Partien. Der Punkteschnitt schnellte von 0,9 Punkten unter Dimitrov auf 1,5 Punkte unter Rachimow.

Nun soll der Trend natürlich fortgesetzt werden. Dies könnte gelingen, der einzig nennenswerte Abgang ist der des Montenegriners Nikola Drinčić, der sein Glück bei Spartak Moskau versuchen wird. Unter den Zugängen hingegen befinden sich mit Aleksej Popow – einem frisch gebackenen russischen Meister, der Amkars Defensive zu alter Stärke zurückführen soll -, Josip Knežević – einem kroatischen Mittelfeldtalent – und Andrej Toptschu – einem rechten Mittelfeldspieler, der von Absteiger Krasnodar kommt – durchaus Spieler, die als Verstärkung einzuschätzen sind. Für die Tore soll auch weiterhin der ehemalige Saarbrücker Martin Kuschew sorgen, der frühere bulgarische Nationalspieler war trotz seiner inzwischen 36 Jahre in den vergangenen drei Spielzeiten stets bester Torschütze Amkars.

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FK Rostow

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 16
Platz in der ewigen Tabelle: 10
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: noch nicht bekannt
Trainer: Oleg Protassow
Stadion: Stadion Olymp 2 (15.840 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 11.597 Zuschauer


Wissenswertes: Rostow liegt am Don, Rostow ist die Heimat von Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn, Rostow ist eine Partnerstadt Dortmunds, Rostows Fußballverein hieß 40 Jahre Rostselmasch. Heute heißt er einfach nur FK, beginnt seine 17. Saison in der höchsten russischen Spielklasse (nur zweimal war man für ein einzelnes Jahr nicht erstklassig), ist aber trotz der Umbenennung nicht erfolgreicher und damit noch weit weg von den Erfolgen des Vereins aus der Partnerstadt. Rostows beste Platzierung in den 16 abgeschlossenen Erstligasaisons war ein 6. Platz 1998. In diesem Jahrtausend war der FK nie besser als Elfter (2002 und 2003). In der abgelaufenen Saison stand erst mit dem Abpfiff am letzten Spieltag fest, dass Rostow erstklassig bleibt. Es war ein mühsamer Weg dahin, da der Mannschaft zum Ende der Saison hin die Luft auszugehen schien, nur ein Punkt aus den letzten fünf Spielen ließen Fragen hinsichtlich der Kondition der Spieler aufkommen. Das knappe Entrinnen der Abstiegsränge war letztlich auch einer der Gründe für die Trennung von Trainer Oleg Dolmatov.

Neuer Cheftrainer in Rostow ist nun Oleg Protassow. Rostow wechselt damit nicht nur von einem Vize-Europameister von 1972 zu einem Vize-Europameister von 1988, sondern auch von einem 61-jährigen ohne nennenswerte Auslandserfahrung zu einem 46-jährigen, der schon Olympiakos Piräus und Steaua Bukarest trainiert hat. Mit dem Wechsel wird auch nach außen unterstrichen, dass es in diesem Jahr nicht mehr so knapp in Sachen Klassenerhalt werden soll. In dieselbe Kerbe schlägt auch die Verpflichtung von Innenverteidiger Sorin Ghionea von Protassows Ex-Club Steaua Bukarest. Der 30-jährige soll die Abwehr sattelfester machen und somit dafür sorgen, dass es im Jahr 2010 weniger als 39 Gegentore gibt. Auch für die Offensive hat der FK Rostow eingekauft, im rechten Mittelfeld soll Dragan Blatnjak für Wirbel sorgen. Der 28-jährige hatte eigentlich schon beim FK Moskau unterschrieben, sein Vertrag wurde aber mit dessen Zwangsabstieg nichtig und so spielt der Bosnier nun nicht an der Moskwa, sondern am Don. Ebenfalls neu, der russische EM-Teilnehmer von 2008, Roman Adamow (ausgeliehen von Rubin Kasan) und Timofei Kalachev, ein weißrussischer rechter Mittelfeldspieler, der aus Samara nach Rostow kommt. Unterstützt werden die neuen Mittelfeldspieler von Hong Yong-Jo. Der Kapitän der nordkoreanischen Nationalelf ist einer von nur zwei außerhalb Asiens spielenden nordkoreanischen Nationalspielern.

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Anschi Machatschkala

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 3
Platz in der ewigen Tabelle: 28
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Rasim Tagirbekov
Trainer: Omari Tetradse
Stadion: Dynamo Stadion (20.000 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 10.663 Zuschauer)


Wissenswertes: Machatschkala – schon das Aussprechen des Ortsnamens dürfte unter Westeuropäern Schwierigkeiten auslösen. Das Orten auf der Landkarte wohl noch größere. Dabei wäre die Stadt am Westufer des Kaspischen Meeres, die nur knapp 200 Kilometer von der Grenze zu Aserbaidschan entfernt liegt, mit ihren knapp 500.000 Einwohnern in Deutschland unter den Top 15. In Russland reicht es für die Hauptstadt von Dagestan jedoch nur für Rang 37. Dennoch ist die Heimat des Vereins Anschi die größte der vier Kaukasusstädte, die 2010 in der Premjer Liga spielen. Zum zweiten Mal ist der Verein in die höchste russische Spielklasse aufgestiegen, nach dem letzten Aufstieg hielt man sich drei Jahre in der Premjer Liga, wobei das Jahr nach dem Aufstieg das erfolgreichste war: als Vierter schloss man die Saison 2000 ab, was letztlich den oben bereits erwähnten Eintrag in die UEFA-Cup-Geschichtsbücher zur Folge hatte.

Lange hielt der Höhenflug nicht an, 2002 stieg Machatschkala wieder ab. Nach sieben Spielzeiten in der zweiten Liga ist Anschi nun zurück im Rampenlicht des russischen Fußballs. Trainer am Kaspischen Meer ist seit 2007 der Georgier Omari Tetradse, der 2003 noch als Spieler für Anschi auf dem Platz stand. Unter Tetradses Leitung verbesserte sich das Team jedes Jahr und holte sich 2009 souverän bei nur fünf Niederlagen in 38 Spielen die Zweitligameisterschaft und den Aufstieg. Den Weg in die Erstklassigkeit nicht mitgegangen ist der beste Torschütze der Vorsaison Otar Marzwaladse (22 Spiele/13 Tore). Der Georgier wechselte zu Wolga Nischny Nowgorod und blieb somit zweitklassig. Ersetzt werden soll Marzwaladse durch den 24-jährigen Tschechen Jan Holenda, der von Sparta Prag nach Machatschkala wechselt. Ebenfalls nicht aus Russland, sondern aus Bulgarien – von Levski Sofia – kommen mit Todor Timonov (Bulgare, 23, linkes Mittelfeld) und Youssef Rabeh (Marokkaner, 24, Innenverteidiger) zwei weitere Neuzugänge, die den Kader erstligatauglich machen sollen.

Gerade Rabehs Verpflichtung löste trotz seiner Fähigkeiten auf dem Platz einige Bedenken unter den Anhängern aus, da der Marokkaner gerüchteweise von Levski Sofia nur aufgrund von mehreren Vorfällen im Zusammenhang mit Alkohol verkauft wurde. Der Marokkaner stellte seinen Ruf als leicht durchgeknallt dann im Laufe des Trainingslagers auch gleich unter Beweis. Ende Febraur verkündete der 24-jährige sein Karriereende und verschwand für eine Woche aus dem Trainingslager; nicht ohne vorher seinen Teamkollegen Timonov zu bestehlen, heißt es. Inzwischen ist Rabeh in seiner Heimat Marokko aufgetaucht; er ist jedoch nicht bereit nach Russland zurückzukehren, ob er je für Anschi spielen wird, ist also eher zweifelhaft. Deutschlanderfahrung bringt Rabeh nicht mit, dafür sein Teamkollege Revazi Barabadse, der ein Halbjahr bei Carl Zeiß Jena mittrainierte, aber nie zum Einsatz kam. Bessere Erinnerungen an Deutschland dürfte der Weißrusse Vitaly Bulyga haben: Der Neuzugang von BATE Borissow erzielte im Mai 2008 im Vorfeld der EM in Österreich und der Schweiz zwei Tore gegen Deutschland.

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Sibir Nowosibirsk

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 0
Platz in der ewigen Tabelle: 38
Meister: –
Pokalsieger: –
Kapitän: Aleksej Medwedjew
Trainer: Igor Krjuschenko
Stadion: Spartak Stadion (10.500 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 7.368 Zuschauer


Wissenswertes: Sibir Nowosibirsk, allein der Name des Vereins ruft bei den meisten Menschen wohl klare Assoziationen hervor: eisige, sibirische Kälte. Für die Wintermonate ist diese Beschreibung für die drittgrößten Stadt Russlands auch zutreffend. Im Schnitt liegt die Temperatur dann weit unter -10°C. In der Zeit, in der in Russland der Spielbetrieb stattfindet, ist es wärmer, im Sommer steigt die Temperatur um die 20°C; bestes Fußballwetter. Fußballwetter, das der örtliche Verein jahrelang nicht für Erfolge ausnutzen konnte. Im Jahr 2000 spielte Tschkalowez, wie der Verein damals noch zu Ehre des sowjetischen Luftfahrtpioniers Waleri Tschkalow hieß, viertklassig. Zehn Jahre, drei Aufstiege und eine Namensänderung später steht Sibir Nowosibirsk vor der Premierensaison als Erstligist. Gelungen ist der Aufstieg letztlich vor allem durch die überragende Offensive der Sibirer. 60 Tore wurden in 38 Spielen erzielt, nur Mitaufsteiger Anschi Machatschkala erzielte mehr Tore als Sibir. Da die Mannschaft 2009 auch die beste Abwehr der zweiten Liga stellte (21 Gegentore), war der Aufstieg nur folgerichtig.

Trotz des Aufstiegs sah sich die sportliche Leitung um Trainer Igor Krijuschenko (46, Weißrussland) gezwungen, den Kader für das Abenteuer Erstklassigkeit zu verändern, nicht weniger als elf Spieler verließen Novosibirsk, darunter Stürmer Goran Stankovski (22 Spiele, 5 Tore, zu Diyarbakirspor) und Stammtorwart Sergej Tscheptschugow (37 Spiele, jetzt ZSKA Moskau). Im Gegenzug hat Sibir auch genauso viele Neuzugänge aufzubieten: Den polnischen Torwart Wojciech Kowalewski (32), den serbischen Linksverteidiger Nikola Valentic (26) oder den tschechischen Mittelfeldlenker Tomas Cizek (31). Ebenfalls im Kader, aber schon seit vor Saisonende 2009 dazu gestoßen, ist der Weißrusse Henads Blisnjuk, der in der Rückrunde 2008/09 für den FSV Frankfurt antrat und gegen RW Ahlen sogar ein Tor erzielte. Aus diesem Haufen an neuen und alten Recken muss nun Igor Krijuschenko (46) eine Truppe zusammenstellen, welche das Potential hat die Klasse zu erhalten. Ein Unterfangen, das sich als schwer genug herausstellen wird. Es wird daher das Ziel sein, die sportlichen Defizite durch Kampfbereitschaft und Ausnutzen der Euphorie in Nowosibirsk – schließlich stellt Nowosibirsk zum ersten Mal einen Erstligist – zu kompensieren. Scheitert der Versuch, scheitert auch Sibir.

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Alania Wladikawkas

Zahlen:
Saisons in der Premjer Liga: 14
Platz in der ewigen Tabelle: 8
Meister: 1 (1995)
Pokalsieger: –
Kapitän: Dschambulad Basajew
Trainer: Vladimir Schewtschuk
Stadion: Republik-Stadion Spartak (32.464 Zuschauer)
Zuschauerschnitt 2009: 11.632 Zuschauer


Wissenswertes: Mit Alanias Aufstieg spielen nun wieder alle sechs Mannschaften, die je einen russischen Meistertitel gewonnen haben, erstklassig. Dass Alania wieder erstklassig ist, obwohl sie sportlich nicht aufgestiegen sind, haben sie dem Zwangsabstieg des FK Moskau zu verdanken. Da dieser aber erst seit dem 5. Februar feststeht und die offizielle Einladung an Alania, den freien Platz anzunehmen, sogar erst am 19. Februar erfolgte, wird nun in Wladikawkas auf Hochtouren gearbeitet, um einen erstligatauglichen Kader zusammenzustellen. Eine schwierige Aufgabe, denn über den Zeitdruck hinaus müssen mit dem Serben Nikola Valentic (zu Nowosibirsk) und Innenverteidiger Dimitri Godunok (Ziel unbekannt) zudem noch zwei Stammkräfte ersetzt werden. Wahrscheinlich wird der Verein, der nur 86 Kilometer von Grosny, 100 Kilometer von Naltschik und 230 Kilometer von Machatschkala entfernt seine Spiele austrägt, bis zum ersten Spieltag hin versuchen, die Mannschaft noch zu verstärken.

Da der russische Markt zu diesem Zeitpunkt bereits größtenteils abgegrast ist, haben die Schneeleoparden sich bereits außerhalb Russlands umgesehen und sind u. a. mit den bulgarischen Nationalspielern Ivan Ivanov (22, Innenverteidiger) und Ivan Stoyanov (25, Flügelspieler, stand eine Saison beim VfB Stuttgart unter Vertrag) von ZSKA Sofia fündig geworden. Darüber hinaus wurde der nigerianische Mittelfeldmann Sani Kaita bis zum Sommer vom AS Monaco ausgeliehen, der ivorische linke Flügelspieler Dacosta Goore aus der Konkursmasse des FK Moskau verpflichtet und Innenverteidiger Abdoul Mamah aus dem Vertrag beim moldawischen Verein Sheriff Tiraspol gekauft. Trotz dieser Fortschritte ist eine Vorbereitungszeit von weniger als einem Monat auf eine Erstligasaison natürlich alles andere als optimal. Es wird zu sehen sein, wie gut es Trainer Schewtschuk, der auch erst seit Februar im Amt ist, gelingt, die alten Zweitligarecken und die Neuzugänge in kürzester Zeit zu einer Mannschaft zu formen.

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Der erste Spieltag

Die Saison beginnt am Freitag den 12. März mit dem Eröffnungsspiel ZSKA Moskau gegen Amkar Perm. Über das gesamte Wochenende verteilt treten dann die restlichen Mannschaften zu ihrem Eröffnungsspiel an. Für den Samstag sind vier Spiele angesetzt: Zenit reist nach Samara, um dem von Putin geretteten Traditionsclub Krylja die Ehre zu erweisen. Aufsteiger Anschi bekommt zum Auftakt nicht nur ein Heimspiel, sondern auch ein “Kaukasus-Derby”, Spartak aus dem 300 Kilometer entfernten Natschik kommt zu Besuch ans Kaspische Meer. Last-Minute-Aufsteiger Alania darf die Saison ebenfalls zuhause beginnen, zu Gast bei den Schneeleoparden sind die Außerirdischen von Saturn Moskau Oblast. Tom Tomsk muss die 3200 Kilometer lange Reise zum FK Rostow antreten. Ebenfalls knapp 3000 Kilometer zum Auswärtsspiel geht es für Terek Grosny, die Tschetschenen treten am Sonntag, 14. März, bei Aufsteiger Sibir in Nowosibirsk an. Ebenfalls am Sonntag greift der Meister ins Geschehen ein. Rubin empfängt im heimischen Zentralstadion den Vorjahresvierten Lok Moskau. Die letzte Partie schließlich hat es in sich: Spartak und Dynamo Moskau treffen beim ersten Moskauer Derby der Saison aufeinander.


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