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Informers Abgegrätscht - der DFB, Amerell, der Sex und das Chaos

9. März 2010, 21:45 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Kann der DFB einem Leid tun? Eigentlich nicht, denn wer sich so unfähig zeigt wie der DFB, muss einfach die Konsequenzen merken. Im Skandal um sexuelle Belästigung durch Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell zeigt der Fußballbund wieder einmal so richtig, was er kann: Im Chaos untergehen. Die lange Pannenliste unter Chef Theo Zwanziger ist um ein bedeutendes Element verlängert worden. Und so wundert es nicht, dass manche Medien bereits über einen Nachfolger spekulieren, der da Franz Beckenbauer heißen soll.

Zwanziger ramponiert den DFB vollends

Schauen wir auf die Vertragsverlängerung im Fall Löw (in dem auch der Faktor Bierhoff auf DFB-Niveau agierte), so tat Zwanziger alles, was in seiner Macht stand, um das Thema möglichst zuungunsten des DFB zu wenden. Zuvor hatte Zwanziger sich als Wendehals im Fall Enke geoutet. Er beantwortete Klinsmanns Ansatz mit psychologischer Mannschaftbetreuung durch die nüchterne Installation von Matthias Sammer als Sportdirektor, sprach kürzlich aber von der warmen Welt des Sports und sagte alle mögliche Hilfe zu. Und seinen Kleinkrieg gegen einen freien Journalisten namens Jens Weinreich verlor der ehemalige Verwaltungsrichter in allen Instanzen und beschädigte das DFB-Image mit diversen Beulen. Jetzt knallt Zwanziger gegen den Baum Amerell und ist damit ein gutes Stück weiter, die Grundfesten des DFB zu erschüttern und die größtmöglichen Zweifel am DFB zu säen.

Winkelzüge von Amerell und dem DFB

Was genau passiert ist, ist nicht bekannt. Medien spekulieren, dass der inzwischen zurückgetretene Schiedsrichterfunktionär Amerell mehrere Schiedsrichter sexuell belästigt hat. Einen vorgeblichen Friedensgipfel nutzte Amerell, um beim Münchener Landgericht Strafanzeige wegen Verleumdung und Schadenersatz einzureichen. Selbst Glitschmoderator Johannes B. Kerner konnte das Thema nicht befrieden. Etwaige Klageandrohungen der Opfer sexueller Belästigung belächelt Amerell und freut sich auf die Tathergänge, die Vernehmungsbeamte dann zu hören bekommen. “Sehr enge Kontakte” habe es allerdings gegeben. Das ist die eine Seite. Amerells Erzfeind Franz-Xaver Wack berichtete hingegen nach seinem Karriereende, dass Amerell sich “Lieblinge geschaffen habe, wie er wolle”. Jetzt stelle er sich als Opfer hin und spiele das Unschuldslamm. Verschiedene Schiedsrichter sehen es ähnlich wie Wack. Und sie wollen weiter auspacken. Könnte ein Wallander-Krimi spannender sein? Nein. Er ist es.

Kritik aus der Bundesliga

Klingt so ähnlich wie in der katholischen Kirche: Vermutet wird viel, richtig heraus kommt nichts. Insofern ist auf den DFB also Verlass: Die vielen Kanäle im Verwaltungswasserkopf sorgen schon dafür, dass sich die Wahrheit verirrt. Was tun?
Für Zwanziger wird die Situation inzwischen mehr als unbequem. Mit Klaus Allofs (Werder Bremen) und Martin Bader (1. FC Nürnberg) eröffneten die ersten Vertreter der Bundesliga den Verbalbeschuss des DFB. Und wenn erst Vertreter mit besonderen diplomatischen Fähigkeiten (Hoeneß, Rangnick etc.) von den Medien vereinnahmt werden, dürfte die Eigendynamik dieses Thema Sozialwissenschaftler erneut in Erstaunen versetzen, welche Entwicklung eine komplexe Thematik auf dem Weg an die Öffentlichkeit nehmen kann. Winkelzugspezialist Theo Zwanziger spürt aber nach eigenem Bekunden “weiter Rückendeckung”. Wer den Fußball verfolgt, weiß, dass “gefühlte Sicherheit” in Krisenzeiten immer wieder für einen doppelt so harten Aufprall auf den Boden sorgt. Denn Amerell bestätigte, dass sich der Verdacht erhärte, dass Zwanziger nicht an einer internen Klärung der Angelegenheit interessiert war und gab den Gerüchten um Führungsschwäche Zwanzigers neue Nahrung.

Auch Oberschiedsrichter Roth im Visier

Der Fall Amerell hat sich längst der Kontrolle des DFB entzogen. Wieder einmal. Hatte der DFB zunächst Glück, dass sich dieses Thema mit relativ klaren Konturen aufdrängte und die blamable Vertragsproblematik im Fall Löw ablöste – alles schien zugunsten des DFB zu laufen -, steht jetzt ein noch größeres Problempaket zum Abholen bereit. Ein Thema, das sich jetzt als Ablenkung anbietet, findet der DFB gerade nicht.

Bleibt noch die Facette, dass der Oberste aller Schiedsrichter, Volker Roth, möglicherweise persönliche Konsequenzen ziehen wird und sein Amt noch vor der turnusmäßigen Sitzung im Oktober bei ebay versteigert. Denn nach Aussagen von Wack habe Roth seit mindestens fünf Jahren von den Vorgängen um Amerell gewusst. Nachfolger wäre Herbert Fandel.

Kann man es den Spielern verübeln, wenn sie Schiedsrichter nicht mehr als Autorität anerkennen und zunehmend technische Überwachung der Spiele gefordert wird, um eine wirklich objektive Meinung zu erhalten?? Aber auch FIFA-Koryphäe Joseph Blatter soll ja nicht mit einer Platzgarantie an der Spitze ausgestattet sein …


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