Abgebloggt 25/34: Hoffenheim - Viel Lärm um Mittelmaß
11. März 2010, 10:57 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

18. Mai 2008: Hoffenheim steigt durch ein 5:0 zu Hause gegen Greuther Fürth am letzten Spieltag in die Bundesliga auf – und ein Aufschrei geht durch Fußball-Deutschland. Gekaufter Erfolg, Durchmarsch durch Geld, eine Frechheit, dass es ein Verein ohne jahrzehntelange Geschichte und Tradition wagt, in die erste Bundesliga aufzusteigen. In die Liga, wo Geld sich bis dato nicht im entferntesten in der Tabelle wiederspiegelte. In der Liga, in der alle seit jeher die gleichen Chancen hatten, keiner irgendwelche sonstwie gearteten Vorteile für sich hatte. Und wenn doch, waren die Vorteile absolut selbst erarbeitet. Schließlich sind Bayer und VW nur nach Leverkusen bzw. Wolfsburg gekommen, weil es da diese tollen Fußballvereine gab. Die “üblichen Mittel des Marktes” und so …
Und diese heile Welt wollte nun ein Klub aus einem nichtigen Dorf im Kraichgau mutwillig zerstören. Mit dem Geld eines Mannes, der neben Meisterschale und Champions League-Trophäe am liebsten auch gleich noch die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Der Teufel persönlich! Der Abramowitsch aus Baden-Württemberg! Er würde den deutschen Fußball in den Abgrund führen, der Aufstieg von 1899 Hoffenheim sei der Anfang vom Ende! So und noch schlimmer wurden damals die Horrorszenarien gezeichnet. Und im Winter 2008/2009 sah man sich bestätigt, denn dieser unsägliche Verein, der allein durch das Geld von Gönner Dietmar Hopp den Durchmarsch von Liga 3 in die höchste deutsche Spielklasse schaffte, stand am Ende der Hinserie tatsächlich auf Platz 1 – noch vor dem FC Bayern! Während die ersten anfingen zu feixen und zu hoffen, dass möglicherweise die Vorherrschaft des FC Bayern vom “Kunstprodukt” Hoffenheim gebrochen werden könnte, verschärften die anderen ihre Endzeittheorien noch.
Sie wollen doch nur spielen
Heute, nach mittlerweile mehr als anderthalb Jahren Bundesliga mit 1899 Hoffenheim, ist Ruhe eingekehrt. Das von vielen so vehement beschworene Erdbeben ist ausgeblieben. Geld spielt keine größere Rolle als vor zwei Jahren, auch die befürchtete Heuschreckenplage ist ausgeblieben. Und Hoffenheim? Man muss sich derzeit mit Mittelmaß begnügen. Vor allem gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte sieht man in dieser Saison bisher keinen Stich. Drei Punkte hat man gegen solche Teams geholt, wovon einer noch aus der Partie gegen Eintracht Frankfurt stammt, die sich – bei allem Respekt – auch eher unter den ersten neun verirrt haben. Das ist alles nichts, was den deutschen Fußball auch nur im Ansatz erschüttern kann. Geld allein reicht eben doch nicht für Erfolg, es kommt darauf an, was man damit anfängt.
Entgegen aller Befürchtungen wurde im Kraichgau nicht versucht, den Erfolg mit aller Macht durch finanzielle Mittel zu erzwingen. Man leistet sich Verstärkungen mittlerer Dimension. Natürlich hat man das Ziel, sich für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren und ist mit der momentanen Situation und dem Verlauf der Saison unzufrieden. Was bitte ist an Ehrgeiz verwerflich? Man hätte im Winter die Möglichkeit gehabt, personell aufzurüsten. Man hat es nicht getan. Hoffenheim verfolgt weiterhin den soliden Weg. Alle Verteufelungen waren und sind ungerechtfertigt. Auch gegen Hopp. Er hat bewiesen, dass er ein Mann des Sports ist und definitiv kein Abramowitsch. Es ist eine Schande, was er sich gefallen lassen musste und teilweise immer noch muss. Wieder mal wurde aus Dummheit viel Lärm gemacht – um Mittelmaß!
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