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Informers Abgegrätscht - Der Fall Hertha BSC Berlin und der Abstieg

15. März 2010, 12:40 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Berlin ist eine tolle Stadt, fußballerisch ist dort aber schon fast traditionell wenig los. Unter dem Gespann Hoeneß-Favre schien dem Verein so etwas wie der “zweite Frühling” bevorzustehen, inzwischen aber sieht sich Berlin dem immerwährenden Magnetismus der 2. Bundesliga ausgesetzt und ist ihm erlegen. Die pulsierende Stadt Berlin rutscht wieder ins Fußball-Jammertal und kann sich demnächst auf Augenhöhe mit Fußballinsignien wie Paderborn, Duisburg oder Cottbus messen. Die einzige europäische Kontinentalhauptstadt, die keine dem Niveau der Stadt entsprechende Ballbespaßung bieten kann.

Der Trainer – die Ursache für den wahrscheinlichen Abstieg?

78 Jahre – und kein bisschen Meister. Berlin tritt auf der Stelle. Berlin ist wie andere Vereine auch chronisch arm, macht aber weniger draus. Ein Blick zur Basketball-Bank Alba könnte vielleicht helfen. Präsident Werner Gegenbauer hat mit Friedhelm Funkel einen Trainer, der es nicht schaffte, den Verlust von Voronin, Simunic und Pantelic auszugleichen. War der schmale Geldbeutel schuld? Sicherlich. Das Kunststück, in Bayern-Manier aufzutreten (unansehnlich aber effektiv spielen), ging dem Team abhanden, als die Säulen wegbrachen. Favre selbst hatte diese Löcher im Teamgefüge nicht stopfen können und durfte sich substrahieren. Interimsnachfolger Heine kam an Wirkung kaum über die einer Eckfahne hinaus, und die Entscheidung für Funkel zeigte für Berlin, dass es nur noch ums Überleben gehen kann. Denn für wirkliche Spitzenteams fehlt Funkel der Leistungsnachweis. Und angesichts bevorstehender Spiele gegen Leverkusen, Schalke und Bayern München fällt es den Fans schwer zu glauben, dass Funkel Berlin noch einmal aufrütteln kann. Seine Motivation klingt hohl: “Wir haben seit Anfang des Jahres viele gute Spiele gemacht“, sagt er. Vielleicht sollte Funkel mal nachhorchen, was ein Felix Magath, ein Christoph Daum oder ein Jürgen Klopp zu einer Mannschaft sagen, um sie einzustellen. Funkels Qualitäten reichen auf jeden Fall nicht, um ein Team ganz nach vorn zu führen. Und schon gar nicht Hertha BSC Berlin.

Preetz – zu jung und unerfahren?

Der gehassliebte Bruder von Weißwurstmacher Uli Hoeneß, Dieter Hoeneß, hatte in Berlin viel vor – sein Ziel hat er nicht erreicht. Nach seinem Abtreten wurde Michael Preetz ins Amt eingeführt. Ein Mann, der vielleicht den Fehler hat, ehrlich zu sein und sich mit seiner Sache zu identifizieren. Preetz verdrückte Tränen, als der Abstieg so gut wie feststand. Mangels Geld fielen bisher keine spektakulären Personalnachrichten in seine Amtszeit. Preetz holte Funkel und wollte offenbar mit ihm den Weg schaffen. Unter Hoeneß hätte es einen Mittelmaßtrainer wie Funkel nicht gegeben. Krisengespräche gibt es jetzt, aber das Kind ist gerade dabei, in den Brunnen zu fallen. Noch etwas zu retten, wird nicht funktionieren. Ein früherer Schnitt hätte helfen können, doch Preetz wollte die Hertha mit der dritten Trainerentlassung in einer Saison nicht unnötig in die Schlagzeilen führen. Gut gemeint, aber schlecht gemacht: Preetz hat nicht alles versucht, den Verein zu retten. Die Kälte eines Dieter Hoeneß ist sein Wesen nicht, das macht ihn sympathisch, aber kostete die Hertha Punkte. Mit Preetz wird Berlin nicht weiterkommen.

Auch Präsident Gegenbauer ist beteiligt

Die Fans hatten die Nase am Wochenende voll. Trotz Führung gegen Nürnberg ging das Spiel verloren. Damit war das Maß voll, etwa 100 stürmten das Stadion, denn sie leben noch. Sie protestierten gegen die Leistung der Mannschaft, die Leblosigkeit im Team. Die Sachen, für die aber nicht nur Spieler, Trainer und Manager verantwortlich sind, sondern auch el Präsidente Gegenbauer. Jetzt “schon” fängt Gegenbauer an, den Abstieg einzuplanen. Bei so viel Weitsicht muss man sich auserwählt schätzen, noch dieselbe Luft wie Gegenbauer atmen zu dürfen. Gegenbauers Erklärung, auch künftig mit Preetz arbeiten zu wollen, ist ehrenvoll – aber unter der Erfolgsprämisse ist sie ebenso falsch wie die bisherige ausschließliche Konzentration auf die 1. Bundesliga. Immerhin war das Formzwischenhoch der Hertha, das bis auf zwei Punkte an die Relegationsplätze heranführte, nicht auf besonders tolle Leistungen der Hertha zurückzuführen, sondern auf Niederlagen der Vereine im Tabellenkeller. Gegenbauer war auch daran beteiligt, Hoeneß zu vergraulen. Allein diese Tatsachen zeigen, dass Gegenbauer der falsche Mann auf dem Präsidentensessel ist. Berlin hat Potential, die Jugendarbeit stimmt. Wenn man die Früchte allerdings nicht erntet, muss man nicht die Früchte austauschen, sondern die, die weiterhin einkaufen gehen, statt im Garten zu schauen. Wenn Berlin nicht strukturell Veränderungen umsetzt, wird es für Berlin ganz schwer, fußballerisch in der nächsten Saison wieder erstklassige Luft in modernen Arenen zu schnuppern.


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