[Europa League 2009/10] Verrückte Spiele: HSV und Wölfe im Viertelfinale, Bremen raus
19. März 2010, 03:13 geschrieben von Mr.Mö, abgelegt unter Int-Fussball.
Aus drei mach zwei. Der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg sind nach spektakulären Spielen ins Viertelfinale der Europa League eingezogen. Lediglich in Bremen gab es kein Happy End.
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| VfL Wolfsburg | 2:1 (0:1) | Rubin Kasan |
“Kein Bock auf Elfmeterschießen”, dachte sich wohl Christian Gentner. Es lief die 120. Minute, als Obafemi Martins den deutschen Nationalspieler an der Strafraum bediente und dieser direkt zum umjubelten 2:1 einschob. Es war die Entscheidung in einem spannenden Krimi der Titelträger – mit dem besseren Ende für den deutschen Meister, der sich gegen den amtierenden russischen Champion FC Rubin Kazan in der Summe mit 3:2 durchsetzte. Nach der regulären Spielzeit hatte es, wie im Hinspiel, 1:1 (0:1) gestanden.
Wie vor einer Woche hatten die Russen den besseren Start und gingen bereits nach 21 Minuten in Führung. Kasaev war es, der den ersten gefährlichen Angriff der Gäste erfolgreich abschloss. Wolfsburgs Viererkette hatte sich zuvor ausschließlich auf den ballführenden Bukharov konzentriert und Kasaev sich im Rücken der Abwehr davon geschlichen. Ein Kopfballtor des 1,70 Meter kleinen Martins (58.) egalisierte diese Führung schnell nach dem Seitenwechsel.
15.412 Zuschauer in der Volkswagen-Arena sahen nach der frühen Führung der Gäste eine geschockte Heimmannschaft, während sich Kazan aufs Kontern verlagerte. Über das gefährliche Gegenstoßspiel hatte Kazan noch vor der Halbzeit die vorzeitige Entscheidung auf dem Fuß, verpasste es aber schwache Wölfe zu bestrafen.
Nach dem Ausgleich musste Kazan wieder mehr ins Spiel investieren. Nicht weil sie sonst ausgeschieden wären, sondern, weil die Saison in Russland gerade erst begonnen hat und es Rubin Kazan bewusst war, dass man hinten heraus das Spiel nur noch schwer für sich entscheiden könne. Da auch Wolfsburg aktiver wurde, entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die beiden Torhüter Ryzhikov und Hitz aber stets das letzte Wort behielten. In den Schlussminuten merkte man Kazan den fehlenden Rhythmus schließlich an und Wolfsburg hätte das Spiel in der Nachspielzeit fast doch noch frühzeitig für sich entschieden. Das Schiedsrichtergespann wähnte Dzeko bei seinem Abstauber jedoch fälschlicherweise im Abseits. So war es Christian Gentner vorbehalten in der Schlussminute der Verlängerung dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken und die Wölfe in die nächste Runde zu schießen.
Statistik
VfL Wolfsburg: Hitz – Pekarik (46. Martins), Simunek (75. Johnson), Madlung, M. Schäfer – Josué – Riether, Gentner – Misimovic – Dejagah, Dzeko
Trainer: Köstner
Rubin Kasan: Ryzhikov – Balyaykin, Orekhov, Cesar Navas, Ansaldi – Noboa, Murawski – Gökdeniz Karadeniz, Kasaev – Hasan Kabze – Bukharov
Trainer: Berdyev
Tore: 0:1 Kasaev (21.) 1:1 Martins (58.) 2:1 Gentner (119.)
Schiedsrichter: Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 15.412 in der Volkswagen-Arena (Wolfsburg)
Gelbe Karten: Gentner / Cesar Navas, Orekhov, Kasaev, Gorbanets
Gelb-Rot: Cesar Navas (109.)
| RSC Anderlecht | 4:3 (2:1) | Hamburger SV |
Es hätte so einfach sein können: Nach dem 3:1-Hinspielerfolg hatte der Hamburger SV die beste Ausgangssituation aller deutschen Vereine, war aber ob der Moral der Belgier gewarnt, dass das Rückspiel kein Selbstgänger wird. Am Ende zitterten sich die Hanseaten dennoch mit einer 3:4-Niederlage in die nächste Runde.
Zunächst sah es nach einer sicheren Kiste aus: Beide Mannschaften konnten ihre Chancen aus der Anfangsphase zunächst nicht nutzen, bevor Boateng in der 42. Minute die Führung für die Rothosen erzielte. Für Ruhe sorgten die Führung und der deutliche Vorsprung in der Summe (4:1) jedoch nicht. Die Antwort der Gäste kam vor 23.500 Zuschauern nämlich postwendend. Und zwar doppelt: Zunächst glich der erst 16-jährige Lukaku aus (43.), bevor Suarez per Elfmeter (45.+3) die Gastgeber sogar noch vor dem Seitenwechsel in Führung brachte. Zwei Tore zum psychologisch richtigen Zeitpunkt.
Anderlecht machte nach der Halbzeit dort weiter, wo es zuvor aufgehört hatte. Wie im Rausch spielte der RSC auf das Tor von HSV-Schlussmann Rost, der wie seine Vordermänner keinen guten Arbeitstag erwischte. Hamburgs Defensive wirkte alles andere als sicher und geriet gegen die unermüdlichen Angriffswellen der Gäste ununterbrochen in große Schwierigkeiten.
Umso wichtiger der Ausgleichstreffer von Jansen. Aus dem Nichts erzielte der Linksfuß das 2:2 (54.). Anderlecht benötigte nun drei Tore fürs Weiterkommen. Wer dachte, dass die Belgier jetzt resignieren würden, irrte. Biglia schoss seine Farben prompt wieder in Front (59.). Nach dem 4:2 von Boussoufa (66.) fehlte Anderlecht schließlich nur noch ein Tor zum Weiterkommen und der Sturmlauf schien kein Ende zu nehmen. Letztendlich riss Petric aber, mit seinem Tor zum 4:3, die Belgier aus ihren Träumen (75.). Der HSV-Traum von einem Finalspiel im eigenen Stadion lebt dagegen weiter.
Statistik
RSC Anderlecht: Proto – Gillet, Mazuch, Juhasz, Deschacht (62. de Sutter)- Kouyate – Biglia, van Damme – Suarez, Boussoufa – Lukaku (82. Kanu)
Trainer: Jacobs
Hamburger SV: Rost – Rincon, Rozehnal, Mathijsen, Boateng (63. Elia) – Jarolim, Zé Roberto – Torun (83. Trochowski), Jansen (79. Tesche) – Petric, van Nistelrooy
Trainer: Labbadia
Tore: 0:1 Boateng (42.) 1:1 Lukaku (44.) 2:1 Suarez (45.+3/FE) 2:2 Jansen (54.) 3:2 Biglia (59.) 4:2 Boussoufa (66.) 4:3 Petric (75.)
Schiedsrichter: Hauge (Norwegen)
Zuschauer: 23.500 im Constant-Vanden-Stock Stadion (Brüssel)
Gelbe Karten: van Damme, Suarez / Boateng
| Werder Bremen | 4:4 (1:3) | FC Valencia |
Werder Bremen ist nach großem Kampf gegen den FC Valencia aus der Europa League ausgeschieden. Der Bundesligist trennte sich im Heimspiel vom Dritten der spanischen Liga mit 4:4 (1:3). Da das Hinspiel 1:1 endete, zieht Valencia dank der mehr erzielten Auswärtstore ins Viertelfinale ein.
Zur Halbzeit hatte es 1:3 aus der Sicht der Bremer gestanden. Zweimal Villa (2., 45.) und Mata (15.) sowie der früh eingewechselte Hugo Almeida (26.) waren für ihre Vereine erfolgreich gewesen. Nach der Pause zeigten die Werderaner eine riesen Moral und kamen durch Frings (57./Foulelfmeter) und Marin (62.) tatsächlich noch zum 3:3-Ausgleich. Nach dem dritten Treffer von Villa (65.), dem allerdings eine Abseitsposition vorausgegangen war, konnte Bremen zwar erneut erfolgreich reagieren und glich durch Pizarro (84.) erneut aus, aber für mehr reichte es am Ende nicht, obwohl genügend Chancen herausgespielt wurden.
Das Rückspiel hatte spielerisch mit dem ersten Duell viel gemeinsam. Beide Mannschaften spielten mit komplett offenem Visier, standen sehr hoch und verließen sich darauf, vorne mehr Tore zu schießen als hinten zu fangen. Während beide Mannschaften (besonders Valencia) im ersten Vergleich zahlreiche gute Einschussmöglichkeiten ungenutzt liegen ließen, glänzten gerade die Spanier im Rückspiel mit großer Effizienz – gerade in den wichtigen Momenten des Spiels. Bremen dagegen ließ zahlreiche Chancen ungenutzt und scheidet am Ende aufgrund ihrer naiven Abwehrarbeit aus dem internationalen Wettbewerb aus, da die Europameister Villa (dreifacher Torschütze) und Silva (bereitete drei Tore vor) die sich bietenden Freiräume hervorragend ausnutzten.
Statistik
SV Werder Bremen: Wiese – Fritz (79. Rosenberg), Mertesacker, Naldo, Pasanen – Frings, Borowski (22. Hugo Almeida)- Marin, Özil, Hunt – Pizarro
Trainer: Schaaf
FC Valencia: Cesar Sanchez – Miguel, Maduro, Dealbert, Bruno – Marchena, R. Baraja – Joaquin, Silva, Mata – Villa
Trainer: Emery
Tore: 0:1 Villa (2.) 0:2 Mata (15.) 1:2 Hugo Almeida (26.) 1:3 Villa (45.) 2:3 Frings (57./Foulelfmeter) 3:3 Marin (62.) 3:4 Villa (65.) 4:4 Pizarro (84.)
Schiedsrichter: Blom (Niederlande)
Zuschauer: 24.200 im Weserstadion (Bremen)
Gelbe Karten: Rosenberg / Joaquin, Jordi Alba, Miguel, Mata, R. Baraja
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