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Nach erneuten Ausschreitungen: Hansa Rostock und der unendliche Kampf gegen Chaoten

11. Mai 2010, 22:53 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Eine sichere Wette

“Hätte es diese Wette bei betandwin gegeben, hätte ich mein ganzes Geld darauf gesetzt, dass das passiert.” Das war die Reaktion eines Freundes von mir auf die Vorfälle in Düsseldorf. Tatsächlich waren die Krawalle durch Rostocker Mitgereiste – die Worte Fans oder Anhänger verbieten sich hier – fast vorhersehbar. Denn seit dem ersten Abstieg aus dem Oberhaus ist der Verein regelmäßig mit solchen negativen Schlagzeilen aufgefallen. Bei Gastspielen gegen andere ostdeutsche Klubs oder bei besonders wichtigen Spielen, wie das am vergangenen Sonntag in Düsseldorf, war beinahe schon Verlass darauf, dass es Randale gibt. Den Anfang machte die Verwüstung des Bahnhofs in Stendal 2006, als Rostocker aufgrund der Absage des Auswärtsspiels in Braunschweig völlig ausrasteten und unter anderem elf Autos anzündeten. Ebenfalls in Erinnerung geblieben sind wohl die Ausschreitungen in Essen 2007, als Chaoten mit ihrer Pyroaktion beinahe den ganzen Gästeblock in Brand setzten.

Mehrere Partien, unter anderem gegen Erzrivale FC St. Pauli, Union Berlin und Energie Cottbus wurden allein in dieser Saison als Risikospiele eingestuft. Das bedeutete massive Polizeipräsenz am Boden und in der Luft sowie rigoros abgesperrte Straßen. Wenn man zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort unterwegs war, kam man tatsächlich nicht nach Hause. Doch manchmal trug die Polizei eher dazu bei, als die Krawalle zu verhindern. So geschehen im Februar diesen Jahres beim Heimspiel gegen Union Berlin. Die Polizeibeamten leiteten die Gästefans zunächst zum falschen Eingang, was dazu führte, dass Union- und Hansafans gemeinsam eingekesselt werden mussten. Dass sich diese Situation nicht glimpflich auflöste, ist zwar nicht schön, aber es war vorhersehbar.

Zu milde Strafe?

Und nun neue Vorfälle in Düsseldorf. Schon wenige Minuten nach dem Anpfiff wurden im Rostocker Block bengalische Feuer und Knallkörper gezündet, Leuchtraketen flogen auf das Spielfeld. Schon in der Nacht zuvor hatten Idioten in der Düsseldorfer Innenstadt randaliert und 14 Polizisten verletzt. 159 Personen waren vor dem Spiel festgenommen worden. Schlimm genug, dass der Verein nun von der Allgemeinheit zu allererst mit diesen Dingen in Verbindung gebracht wird. Doch neben dieser Rufschädigung wirkt auch der finanzielle Schaden, den diese Vorfälle bereits angerichtet haben, für den ohnehin nicht auf Rosen gebetteten Klub schwer. Wirklich unfassbar aber ist, dass diese Subjekte es tatsächlich in Kauf nahmen, dass Hansa Rostock die Relegationsspiele – die wohl wichtigsten Partien in der Vereinsgeschichte – ohne Unterstützung des Publikums bestreiten muss.

Aber das Urteil des DFB-Sportgerichts fiel mit 35.000 Euro Strafe und Ausschluss der Fans nur beim Relegationshinspiel in Ingolstadt mild aus. Zu mild? Die Verantwortlichen im Verein sind offenbar nicht in der Lage, die Situation in den Griff zu bekommen. Seit mehr als vier Jahren bestehen diese Probleme nun und alle Maßnahmen haben bisher ihre Wirkung verfehlt. Dabei ist es nicht so, dass man nichts versucht hätte. Stadionverbote scheinen nicht abzuschrecken, sondern eher einige Gruppierungen massiv zu verärgern. Auch ein Versuch mit personalisierten Tickets scheiterte. Jetzt soll endlich Schluss mit lustig sein: Der Klub hat einen Strategiewechsel angekündigt und will in Zukunft handeln. Die Zeit des Redens ist vorbei. Kooperationen mit Vereinen, die ähnliche Probleme in den Griff bekommen haben, ist an gedacht. Doch all das sind Ankündigungen, und dass in Rostock zwischen einem angekündigten Strategiewechsel und einem tatsächlichen Strategiewechsel traditionell Welten liegen, ist schon aus dem sportlichen Bereich bekannt. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass der Verein natürlich auch darauf angewiesen ist, dass die Sicherheitskräfte der Polizei einen vernünftigen Job machen. Das ist zweifelsohne beim erwähnten Heimspiel gegen Union Berlin nicht das einzige Mal misslungen. Aber wenn Polizei und Verein das Problem nicht in den Griff bekommen, wer dann?

Kampf ohne Sieger

Natürlich gibt es laute Forderungen nach drastischeren Strafen durch das Sportgericht. Empfindlich höhere Geldstrafen, Platzsperren und Punktabzug bishin zum Zwangsabstieg wären möglich. Allerdings schaden alle diese Maßnahmen allein dem Verein und nicht den für das Chaos und die Schäden Verantwortlichen. Und da diesen ganz offensichtlich der Verein an sich überhaupt nichts bedeutet, würden sie sich wohl auch von solchen Strafen kaum abschrecken lassen. Der FC Hansa Rostock selbst hat sich in einer Pressekonferenz öffentlich bei Fortuna Düsseldorf und allen, die am Sonntag verletzt oder in Gefahr gebracht wurden, entschuldigt und bereits Foto- und Videomaterial angefordert, um die Randalierer zur Rechenschaft ziehen und strafrechtlich verfolgen zu können. Damit packt man das Übel zwar nicht an der Wurzel, aber es ist vorerst wohl das Beste, was man tun kann. Auch Düsseldorf muss bestraft werden, denn es ist unerklärlich, wie trotz der bekannten Gefahr die Feuerwerkskörper überhaupt ins Stadion gelangen konnten.

Es war nach dem Wochenende mehrfach zu lesen, dass Hansa Rostock aufgrund dieser wiederkehrenden negativen Schlagzeilen der Abstieg in die 3.Liga gewünscht wird. Bei allem Verständnis: Das ist nicht die richtige Reaktion. Allein schon deshalb, weil ein Abstieg die Situation in Rostock noch verschärfen würde. Wie bereits zu Beginn erwähnt, fingen die Krawalle nach dem Abstieg aus der 1.Bundesliga an. In der 3.Liga müssten wohl noch deutlich mehr Partien als Risikospiele eingestuft werden. Wenn die Drittklassigkeit nicht sowieso schon den Kollaps bedeuten würde…


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  1. Ein sehr bemerkenswerter Beitrag! Vor allem der letzte Absatz.
    In der Tat: Steigt Hansa ab, wird die Lage dort völlig eskalieren. Die Leute sind dort noch viel unzufriedener (mit allem) als z.B. im sowieso schon rauen Dresden.
    Sollte Hansa die Lizenz entzogen werden, dann knallts halt in Liga 6 bis 9. In der 1.Liga war auch ab und zu was aber extrem erst seit 2005, das stimmt. Hab zwar auch ne Riesenwut auf die Hansa-Mannschaft, aber Randale schädigt den Verein total.
    Wobei ich ja gut reden habe, denn ich wohne in HB und mir gehts gut.


    Marc    Mai 12, 15:27    #

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