[WM 2010] Frankreich - Vorrundenaus für Les Bleus
1. Juni 2010, 09:59 geschrieben von Mr.Mö, abgelegt unter Int-Fussball.
| Frankreich |
Steckbrief:
Trikotfarbe: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 9
WM-Teilnahmen: 1930, 1934, 1938, 1954, 1958, 1966, 1978, 1982, 1986, 1998, 2002, 2006
Größte Erfolge: Weltmeister 1998, Zweiter 2006, Dritter 1958 und 1986, Vierter 1982
Kontinentalmeister: 1984 und 2000
Spitznamen: Les Bleus (Die Blauen)
Rekordnationalspieler: Lilian Thuram (142 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Thierry Henry (51 Tore)
Trainer: Raymond Domenech (58 Jahre)
Co-Trainer: Pierre Mankowski und Alain Boghossian
WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:
Ob Yoann Gourcuff, Franck Ribéry oder Thierry Henry, die Namen der Superstars der französischen Nationalmannschaft können noch so groß sein, im Mittelpunkt steht irgendwie immer Auswahltrainer Raymond Domenech. Und Domenechs Motto scheint zu sein: Tu das Unerwartete und schocke am besten das ganze Land. Nach dem blamablen Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 2008 fiel Domenech nichts besseres ein, als nach dem Schlusspfiff seiner Lebensgefährtin einen öffentlichen Heiratsantrag zu machen. Nur ein Beispiel aus einer langen Liste merkwürdiger Entscheidungen und Aussagen des Nationaltrainers die ihm den Spitznamen „verrückter Professor“ einbrachten. Dieses Mal fielen Domenechs Eigenarten große Namen zum Opfer. Der 58-Jährige verzichtete bei seiner Ernennung des vorläufigen Kaders auf Superstars wie Karim Benzema und Samir Nasri. Auch Routinier Patrick Vieira wurde überraschend aussortiert. Dafür stehen mit Cédric Carrasso, Marc Planus, Adil Rami, Yann M’Vila und Mathieu Valbuena gleich fünf Spieler im vorläufigen Kader, die noch nie das Trikot der Équipe Tricolore getragen haben.
Auf dem Weg Richtung Südafrika bekleckerte sich Frankreich alles andere als mit Ruhm. In einer vermeintlich einfachen Gruppe mit Färöer, Rumänien, Litauen, Österreich und Serbien kamen die Franzosen nicht über den zweiten Platz hinaus, der gleichbedeutend mit Relegationsspielen gegen Irland war. Dort benötigte Frankreich ein Handspiel-Tor von Thierry Henry zum Ende der Verlängerung. Der Aufschrei in der Fußballwelt über das Skandal-Tor war im Anschluss so groß, dass Irland ein Wiederholungsspiel forderte und Henry sogar seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft anbot.
Bis auf wenige Ausnahmen waren die Auftritte der Franzosen kraft- und ideenlos, irgendwie unmotiviert und -inspiriert. Dabei stellen „Les Bleus“ von den Einzelkönnern eine der besten Mannschaften im Weltfußball. Aber auch in den letzten Testspielen vor der Weltmeisterschaft hinterließ die Équipe Tricolore keinen guten Eindruck. Nach dem 2:1-Heimsieg über Costa Rica enttäuschten die Franzosen beim 1:1 gegen Tunesien auf ganzer Linie. Die Mannschaft scheint mit dem neuen 4-3-3-System noch nicht vertraut. Aber auch das alte 4-2-3-1 lag der Mannschaft nicht. Allgemein scheint der eigentlich als Disziplinfanatiker bekannte Domenech nur halbherzig zu versuchen der Mannschaft seine Taktik zu vermitteln, ohne ernsthaft darauf zu achten, ob die Spielertypen überhaupt in sein System passen. Führungsspieler Henry übte bereits während der Qualifikation scharfe Kritik am Trainer, wenngleich er später versuchte diese zu revidieren. Die Spieler, so der Angreifer vom FC Barcelona, würden sich im Training langweilen und im Spiel nicht wissen wie sie spielen sollen. Tatsächlich spielt Frankreich deutlich unter seinen Möglichkeiten. Fakt ist, unter Domenech qualifizierte sich Frankreich schon für die WM 2006 und die EURO 2008 nur mit Glück. Während 2008 bereits nach der Vorrunde Schluss war, erreichte Frankreich 2006, nach schwachem Turnierstart, das Endspiel. Dort unterlag man jedoch Italien im Elfmeterschießen. Der bisher einzige Lichtblick in der Ära Domenech. Zu allem Überfluss sind die großen Säulen wie Zinedine Zidane nicht mehr dabei.
Aber obwohl fast eine ganze Fußballnation immer wieder den Rauswurf des Trainers forderte, hielt der Verband immer an Domenech fest, hat aber anscheinend schon mit Laurent Blanc den Nachfolger parat. Echte Rückendeckung sieht anders aus und das französische Fußballvolk kommt aus dem Kopf schütteln kaum noch heraus. Wer über den deutschen Pessimismus vor der Weltmeisterschaft schimpft, sollte mal einen Blick nach Frankreich werfen: Nach einer Umfrage der L’Equipe sind nur 22 Prozent der Franzosen von den Qualitäten des Trainers überzeugt, nur 27,3 % rechnen damit, dass die Mannschaft die Vorrunde übersteht.
So wird für La Grande Nation in diesem Fußballsommer die Sonne womöglich nicht so oft scheinen und das obwohl die Franzosen so viele hervorragende Fußballer im Gepäck haben. Es wird jedenfalls sehr schwer, auch nur ansatzweise den großen WM-Triumph von 1998 zu wiederholen und sich gegen hungrige und im Kollektiv auftretende Gruppengegner (Südafrika, Uruguay, Mexiko) durchzusetzen. Es wäre zumindest eine Überraschung, wenn sich die Mannschaft aus den unfähigen Fängen des Trainers befreit oder auf der anderen Seite, wenn Domenech doch noch wieder Zugriff auf die Mannschaft bekommen könnte. Stand jetzt aber werden die fehlenden kommunikativen und fußballerisch-taktischen Fähigkeiten des Trainers eine erfolgreiche Weltmeisterschaft verhindern.
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