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[WM 2010] Alle 32 Teilnehmer in der Vorschau - Steckbrief, Kurzportrait, Kader

5. Juni 2010, 14:04 geschrieben von Jinxo, abgelegt unter WM-2006.

Es ist wieder so weit, die Fußballweltmeisterschaft steht an. 32 Nationen suchen in Südafrika den Nachfolger Italiens. Das MAG stellt an dieser Stelle – geordnet nach Kontinentalverbänden – alle qualifizierten Teilnehmer vor.

[Durch Klicken auf einen Ländernamen gelangt man direkt zu diesem Land.]

Gruppe A:

Frankreich, Mexiko, Südafrika, Uruguay

Gruppe B:

Argentinien, Griechenland, Nigeria, Südkorea

Gruppe C:

Algerien, England, Slowenien, USA

Gruppe D:

Australien, Deutschland, Ghana, Serbien

Gruppe E:

Dänemark, Japan, Kamerun, Niederlande

Gruppe F:

Italien, Neuseeland, Paraguay, Slowakei

Gruppe G:

Brasilien, Elfenbeinküste, Nordkorea, Portugal

Gruppe H:

Chile, Honduras, Schweiz, Spanien


UEFA – Europa

Dänemark

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 36
WM-Teilnahmen: 1986, 1998, 2002
Größter Erfolg: Viertelfinale (1998)
Kontinentalmeister: 1 (1992)

Rekordnationalspieler: Peter Schmeichel (129 Einsätze)
Rekordtorschütze: Poul Nielsen (52 Tore)
Trainer: Morten Olsen

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Betrachtet man die Anzahl der WM-Teilnahmen der Dänen reibt man sich verwundert die Augen. Liegt da kein Druckfehler vor? Ganze drei Mal sollen die Skandinavier bisher bei den Welttitelkämpfen dabei gewesen sein? Weniger oft als Marokko und Bulgarien, genauso oft wie Bolivien und Nordirland? Kann doch gar nicht sein. Trotz aller Verwunderung stimmt die Zahl. Erst 1986 nahmen die Dänen das erste Mal an einer WM teil.

Nicht, dass sie es vorher nicht versucht hätten. Den ersten Anlauf hatten sie für die WM 1958 unternommen. 0 Punkte, 4:13 Tore war die Bilanz aus den vier Spielen gegen England und Irland. Dänemark weit weg von einer WM-Teilnahme. Soweit weg, dass man die Qualifikation für das nächste Turnier ausließ. Doch auch bei der Quali für das Turnier in England 1966 reichte es für die Dänen nicht zu mehr als zum letzten Platz der Gruppe. Immerhin gab es mit dem 1:0 gegen Wales und dem 1:1 gegen Griechenland die ersten Punkte zu verzeichnen, die Auswärtsspiele wurden aber wieder allesamt verloren.

Auch die nächsten vier Qualifikationskampagnen waren nicht von Erfolg gekrönt. Immer wieder scheiterte man daran, dass man außerhalb des eigenen Landes keine Spiele gewinnen konnte. Erst am 23. Mai 1976 gelang den Dänen dies in einer WM-Qualifikation zum ersten Mal, sie gewannen 5:1 auf Zypern. Fünf Jahre später gelangen dann Siege in Luxemburg und Griechenland, für eine Qualifikation reichte es jedoch trotz eines 3:1 Heimsieges gegen den späteren Weltmeister Italien nicht. Der Aufwärtstrend war jedoch spürbar und als die Dänen 1984 bei der EM für Furore sorgten – sie schalteten England in der Quali dank eines 1:0 in Wembley aus, überstanden die Gruppenphase und scheiterten im Halbfinale erst im Elfmeterschießen an Spanien – konnte man damit rechnen, dass auch die WM in Reichweite der Skandinavier lag. Dänemark gewann dann auch die UEFA-Qualifikationsgruppe 6 noch vor der UdSSR und durfte nach Mexiko fahren.

Dort setzte Danish Dynamite – den Spitznamen hatte sich das Team auf klassische Nationalmannschaftsart- und weise erarbeitet: durch eine Schallplatte mit diesem Titel – seine Erfolge zunächst fort. Das Gerüst der Mannschaft um Sören Lerby, Michael Laudrup, Morten Olsen, Frank Arnesen und Preben Elkjær Larsen war von der Euro 1984 natürlich noch vorhanden und zeigte weiter frischen offensiven Fußball. Alle drei Gruppenspiele gewannen die Skandinavier. Das erste gegen Schottland noch verhalten mit 1:0, das zweite gegen Uruguay dann mit einem Offensivfeuerwerk: 6:1 gingen die Südamerikaner unter. Auch die BRD verlor im letzten Gruppenspiel gegen die Dänen, 0:2 hieß es. Zyniker behaupten allerdings, dass Beckenbauer seine Mannschaft absichtlich verlieren ließ, um den starken Spaniern im Achtelfinale aus dem Weg zu gehen. Wäre es so gewesen, der „Kaiser“ hätte eine weise Entscheidung getroffen. Spanien fegte Dänemark mit 5:1 vom Platz, allein Emilio Butragueño erzielte vier Tore für die Spanier.

Der trotz des Achtelfinalaus überzeugenden Vorstellung 1986 folgten zwei Turniere ohne die Dänen. Im November 1989 verloren die Skandinavier das entscheidende Qualifikationsspiel in Rumänien mit 1:3 und mussten zu Hause bleiben, ein Remis hätte bereits genügt, um in Italien dabei zu sein. Vier Jahre später hatte man in der Endabrechnung vier Tore weniger geschossen als die Republik Irland und musste deshalb zu Hause bleiben … als amtierender Europameister. Denn zwischen den beiden verpassten Qualifikationen lag der größte Triumph der dänischen Fußballgeschichte. In Schweden hatten die Dänen, nur wegen des Ausschlusses der Jugoslawen ins Turnier gerutscht, alle überrascht als sie nicht nur die Gruppenphase überstanden, sondern auch noch Holland im Halbfinale und Deutschland im Finale bezwangen.

Nach den Enttäuschungen in den vorangegangen WM-Qualifikationen war Dänemark 1998 wieder dabei, einer sicheren Qualifikation, folgte ein Turnier, das erst im Viertelfinale zu Ende ging: Nachdem man die Gruppenphase als Zweiter hinter Gastgeber Frankreich abgeschlossen hatte, bezwang man im Achtelfinale Nigeria auf überzeugende Weise mit 4:1. In der nächsten Runde war dann aber gegen Brasilien Schluss. Doch die Dänen boten den viel höher eingeschätzten Brasilianern lange Zeit Paroli, gingen schon nach 2 Minuten in Führung und konnten auch eine brasilianische Führung ausgleichen. Am Ende machte ein Rivaldo-Tor den Unterschied beim 3:2-Sieg des späteren Finalisten. Dänemark hatte überzeugt.

Noch überzeugender war der Auftritt von Danish Dynamite in der Gruppenphase der nächsten Weltmeisterschaft. Mit dem amtierenden Weltmeister Frankreich, dem zweimaligen Titelträger Uruguay und dem Senegal in eine Gruppe gelost schlossen die Dänen die Gruppe als Sieger ab. Krönung der Leistung war ein 2:0-Erfolg gegen den Weltmeister im abschließenden Gruppenspiel, der Frankreich aus dem Turnier kegelte und Dänemark ins Achtelfinale brachte. Dort war England der Gegner und hatte die Dänen stets im Griff. Ferdinand, Owen und Heskey brachten die Engländer noch vor der Pause mit 3:0 in Führung. Dänemark hatte keine Chance wieder ins Viertelfinale gegen Brasilien einzuziehen.

Vier Jahre später in Deutschland waren die Dänen dann wieder nur Zuschauer. Die Ukraine und die Türkei hatten sich in der Gruppe vor den Skandinaviern platziert. Es fehlte ihnen am Ende ein Punkt auf die Türken und drei auf die Ukrainer, gegen beide Teams hatten die Dänen kein Spiel gewinnen können. Zu wenig, um zur WM fahren zu können.

Viele derer, die 2006 die Qualifikation verpassten sind auch heute noch im Kader. Für sie dürfte es eine besondere Genugtuung sein jetzt doch dabei zu sein, allen voran für Martin Jörgensen und Jon Dahl Tomasson, die ihre Nationalmannschaft in den letzten Monaten als Spielführer aufs Spiel geführt haben. Die beiden Offensivkräfte haben unter den aktuellen Nationalspielern die meisten Einsätze für Dänemark und sind Führungsfiguren im Team von Trainer Morten Olsen.

Jörgensen, 33, spielt meist auf der linken Außenbahn, kann aber auch hinter den Spitzen oder auf der rechten Seite agieren. Den Großteil seiner Karriere hat Jörgensen in Italien verbracht. Seit fünf Jahren spielt er für den AC Florenz, zuvor war er sieben Jahren bei Udinese unter Vertrag. Jörgensen gilt als technisch beschlagener Dribbelkünstler, der bei seinen Einzelaktionen schon mal Weltklasseverteidiger alt aussehen lassen kann. Trotz seiner fortgeschrittenen Fußballeralters ist er aus dem dänischen Spiel nicht wegzudenken. Einzig seine Verletzungsanfälligkeit könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen, in der vergangenen Saison fehlte Jörgensen fast die komplette Hinrunde mit verschiedenen Muskelverletzungen und machte nur zehn Spiele in der Serie A.

Derjenige, den Jörgensen als Kapitän vertreten hat, ist für die deutschen Fans kein Unbekannter: Jon Dahl Tomasson, ehemals vom VfB Stuttgart. Inzwischen spielt der 33-Jährige wieder dort, wo er seine größten Erfolge feiern konnte, bei Feyenoord Rotterdam. Für Feyenoord war Tomasson schon zwischen 1998 und 2002 aktiv, erarbeitete sich dort einen Ruf als ausgezeichneter Torjäger und war ein wichtiger Teil des Teams, das 2002 den UEFA Cup gewann. Nur ein Jahr später holte Tomasson auch die Champions League, er war inzwischen zum AC Mailand gewechselt. Jene frühen Jahre dieses Jahrzehnts waren Tomassons beste. Seit seinem Wechsel nach Stuttgart hat der Stürmer auf Vereinsebene nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen können; weder in Stuttgart, noch bei Villarreal, noch bei Feyenoord. Wie der gleichaltrige Jörgensen war auch Tomasson in den letzten Jahren immer wieder verletzt, so dass er fast ein Jahr lang kein Länderspiel bestreiten konnte, ehe er im August gegen Chile sein 103. Länderspiel machte.

Bereits an Tomasson und Jörgensen ist das große Problem der Dänen zu erkennen, dass sich auch bei der WM auftun könnte. Die Schlüsselspieler sind allesamt im fortgeschrittenen Fußballeralter. Neben Tomasson und Jörgensen werden bei Turnierbeginn auch Torwart Thomas Sörensen (bei Turnierbeginn 33), die Verteidiger Lars Jacobsen (30, ehemals 1. FC Nürnberg und HSV) und Per Koldrup (30), Mittelfeldspieler Christian Poulsen (30) und Daniel Jensen (30), Stürmer Dennis Rommedahl (31) und Jesper Jesper Grönkjær (32) bereits die Drei in der Zehnerstelle des Alters vorweisen können. Natürlich stehen mit Daniel Agger und Niklas Bendtner auch jüngere Spieler zur Verfügung, der Großteil der Mannschaft muss aber als fußballerisch alt oder zumindest älter gelten.

Verantwortlich für die Kaderzusammenstellung mit einer Betonung der älteren Akteure ist Morten Olsen. Olsen ist einer derer, die Dänemarks erste WM-Endrunde 1986 gespielt haben und einer der am längsten amtierenden Nationaltrainer Europas. Seit 2000 trainiert Olsen die Nationalmannschaft der Dänen, was einige Journalisten schon sich dazu hat hinreißen lassen, die dänische Nationalelf als „Olsen-Bande“ oder „Olsen’s Eleven“ zu bezeichnen. Nach der WM wird für den 60-Jährigen allerdings Schluss sein. Olsen selbst hofft, dass ihn Michael Laudrup als Nationaltrainer beerben wird, eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.

Es ist ein kleines Wunder in der heutigen Fußballzeit, dass Olsen noch immer im Amt ist, obwohl er sich für die beiden letzten großen Turniere (2006 WM in Deutschland, 2008 EM in Österreich/Schweiz) nicht qualifizierten konnte. Es spricht für das hohe Ansehen das Morten Olsen, der sowohl als Spieler als auch als Trainer beim 1. FC Köln tätig war, in Dänemark genießt. Natürlich ist der knorrige Olsen nicht frei von Kritik, oft gilt er als stur und taktisch unflexibel – das 4-3-3 ist das Lieblingssystem Olsens – doch mit der Qualifikation für die WM 2010 bewies Olsen, dass er auch alten Hasen noch Beine machen kann.

Kader

Tor: Jesper Christiansen (FC Kopenhagen), Stephan Andersen (Bröndby IF), Thomas Sörensen (Stoke City)

Abwehr: Daniel Agger (FC Liverpool), Lars Jacobsen (Blackburn Rovers), Patrick Mtiliga (FC Malaga), Per Kröldrup (AC Florenz), Simon Busk Poulsen (AZ Alkmaar), Simon Kjaer (US Palermo), William Kvist Jörgensen (FC Kopenhagen)

Mittelfeld: Christian Poulsen (Juventus Turin), Christian Eriksen (Ajax Amsterdam), Daniel Jensen (Werder Bremen), Jakob Poulsen (Aarhus GF), Mikkel Beckmann (FC Randers), Thomas Enevoldsen (FC Groningen), Thomas Kahlenberg (VfL Wolfsburg)

Angriff: Dennis Rommedahl (Ajax Amsterdam), Jesper Grönkjaer (FC Kopenhagen), Jon Dahl Tomasson (Feyenoord Rotterdam), Martin Jörgensen (Aarhus GF), Nicklas Bendtner (FC Arsenal), Sören Larsen (MSV Duisburg)


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Deutschland

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß-schwarz
FIFA-Weltrangliste: 6
WM-Teilnahmen: 1934, 1938, 1954, 1958, 1962, 1966, 1970, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Weltmeister (1954, 1974, 1990)
Kontinentalmeister: 1972, 1980, 1996

Rekordnationalspieler: Lothar Matthäus (150 Spiele)
Rekordtorschütze: Gerd Müller (68 Tore)
Trainer: Joachim Löw

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Deutschland nahm bislang 16 mal an Fußballweltmeisterschaften teil, nur 1930, als es keine Qualifikation für das in Uruguays Hauptstadt Montevideo stattfindende Turnier gab und man sich die Reise über den Ozean ersparte, sowie 1950, als man von der WM in Brasilien infolge des Zweiten Weltkriegs ausgeschlossen wurde, fehlte Deutschland im Teilnehmerfeld. Eingebettet zwischen dem ersten Tor, das Stanislaus Kobierski beim 5:2- Achtelfinalerfolg gegen Belgien am 27. Mai 1934 in Florenz in der 18. Minute markierte, und dem 190., für das Sebastian Schweinsteiger am 8. Juli 2006 in Stuttgart beim 3:1-Sieg gegen Portugal im Spiel um Platz 3 in der 78. Minute mit den zwischenzeitlichen 3:0 verantwortlich war, finden sich unvergessene Erfolge und große Momente, aber auch bittere Niederlagen und Szenen, die man lieber aus dem Gedächtnis streichen möchte. In den insgesamt 92 Endrundenspielen (55 Siege/19 Remis/18 Niederlagen) – dies sind genauso viel wie der fünffache Rekordweltmeister Brasilien bei allerdings 18 Teilnahmen ausgetragen hat – wurden Dramen geschrieben und Helden geboren. Alle diese Geschichten und Protagonisten hier zu beleuchten würde den Rahmen um ein Vielfaches sprengen. Daher wird hier nur auf die wirklichen Höhepunkte und weitere schicksalhafte Momente eingegangen, die einerseits noch heute für Gänsehaut, andererseits aber für Zornesröte und aufgestellte Nackenhaare sorgen, und diese mit bewegten Bildern zusammengefasst.

Deutschland – dreifacher Weltmeister

Der erste der drei Titel ist wohl unangefochten der größte Coup. Nachdem Deutschland 1934 in Italien im Halbfinale am Nachbarn Tschechoslowakei (1:3) gescheitert war und sich 1938 in Frankreich im Achtelfinale (1:1 n. V. und 2:4 n. V. im Wiederholungsspiel) mit der Schweiz erneut einem Nachbarland geschlagen geben musste, reiste die Herberger-Elf 1954 als Außenseiter zu den Eidgenossen. Doch es wurde ein Ausflug der am 4. Juli mit dem “Wunder von Bern” endete und eine ganze Nation aus dem Tal der Tränen riss. Schauplatz des Triumphes war das Wankdorfstadion, der Gegner die als schier übermächtig eingestuften Ungarn, die Deutschland in der Vorrunde mit 8:3 vom Platz gefegt hatten. Doch die Deutschen wuchsen in diesem Finale über sich hinaus und drehten vor 62.471 Zuschauern einen 0:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg. Helden waren Sepp “Der Weise von der Bergstraße” Herberger und die Spieler um das Brüderpaar Ottmar und Fritz Walter, Keeper Toni Turek und Max Morlock alle – aber nur einer war “Der Boss”: Helmut Rahn, der den ersten deutschen Treffer vorbereitete und dann nach dem Ausgleich auch jenes Siegtor zum 3:2 erzielte, das – zusammen mit dem Kommentar von Herbert Zimmermann – bis heute diese Weltmeisterschaft symbolisiert.

20 Jahre später wurde im eigenen Land der zweite Triumph eingefahren – und der kam weit weniger überraschend. Trainer Helmut Schön hatte einen Kader der absoluten Extraklasse zur Verfügung, zurückblickend wohl den besten, den Deutschland je zu einer Weltmeisterschaft schickte. Namen wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Paul Breitner, Wolfgang Overath und Gerd Müller stehen für diese Mannschaft – Aushängeschilder des deutschen Fußballs bis in die Gegenwart. Nach zwei Gruppenphasen, in die auch die Niederlage in Hamburg gegen die DDR (0:1) und die legendäre Wasserschlacht von Frankfurt (1:0 gegen Polen) fielen, qualifizierte man sich als Sieger der zweiten Runde direkt für das Finale. Dieses fand am 7. Juli im Münchener Olympiastadion statt, wo der Gegner Niederlande hieß. Die spielstarken Holländer um ihren Superstar Johann Cruyff waren bis dato ungeschlagen und gingen als Favorit in diese Partie, die dann nervenaufreibendend wurde. Zunächst verteilte der englische Schiedsrichter John Taylor Geschenke, indem er auf jeder Seite einen höchst umstrittenen Elfmeter pfiff. Noch in der ersten Halbzeit sorgte ein Mann für die Entscheidung zu Gunsten der Deutschen, der einen Torriecher wie kein Zweiter hatte und eine unvergleichliche Art besaß, den Ball im Netz unterzubringen: Gerd Müller, der “Bomber der Nation”. Mit seinem 14. WM-Treffer, die bis heute deutscher Rekord sind, traf er in der 43. Minute zum 2:1 – ein typischer Müller, unnachahmlich und einzigartig

1990 folgte bei den Titelkämpfen in Italien der dritte und bislang letzte Streich. Angeführt von einem überragenden Lothar Matthäus, der heute noch mit 25 Spielen die meisten WM-Einsätze Deutschlands aufweisen kann, spielte sich Deutschland bis in das Finale in Rom, wo es am 8. Juli zur Revanche für das verlorene Endspiel 1986 gegen Argentinien (2:3) kam. Teamchef Franz “Geht’s raus und spielt Fußball” Beckenbauer hatte eine gut funktionierenden Mannschaft zusammengestellt. Der Abwehrverbund mit Buchwald, Kohler, Brehme und Augenthaler ließ kaum etwas anbrennen und wurde vom Letztgenannten hervorragend organisiert; im Mittelfeld schwang, begleitet von den technisch und spielerisch starken Häßler und Littbarski, König Matteos das Zepter, und im Angriff war auf das laufstarke Duo Klinsmann/Völler die erste Wahl. Anders als vor vier Jahren ließ die deutsche Elf Argentinien und Superstar Maradona nicht zur Entfaltung kommen, benötigte aber einen Strafstoß, um die Gauchos niederzuringen. Da Kapitän Matthäus sich mit neuen Schuhen nicht so recht in die Verantwortung traute, legte sich Brehme, der sich auch durch die minutenlangen, heftigen Proteste der Argentinier nicht aus der Ruhe bringen ließ, den Ball auf dem Punkt zurecht, lief an und verwandelte in der 85. Minute bombensicher ins linke untere Eck – Deutschland hatte nur ein Jahr nach der Wiedervereinigung schon wieder einen Grund zum Feiern.

Deutschland – viermaliger Vize

Neben den drei gewonnenen Endspielen stand Deutschland noch viermal im WM-Finale – vier Niederlagen, die schmerzen und untrennbar mit Spielern des jeweiligen Konkurrenten verknüpft sind. Legendär und außergewöhnlich ist die Niederlage gegen Gastgeber England 1966 (2:4 n. V.). Nachdem Deutschland durch Weber in der Nachspielzeit zum 2:2 die abwechslungsreiche Partie ausgleichen konnte, sorgte der russische Linienrichter Tofiq Bahramov mit der wohl am meisten diskutierten Entscheidung der Fußballgeschichte dafür, dass England die Oberhand behielt und zum ersten und einzigen Mal Weltmeister wurde. Der Russe entschied nach Jeff Hursts Schuss, der von der Unterkante der Latte senkrecht auf die Torlinie prallte und dann von Weber ins Aus befördert wurde, dass der Ball die Linie komplett überschritten hatte – 3:2 für England. Die Deutschen fühlten sich verschaukelt, die Engländer sahen dies natürlich anders. Jeder Fußballfan kennt die Szene: Hier grübelt Rudi Michel, hier kollabiert der englische Kommentator

1982 bei der Weltmeisterschaft in Spanien schaffte es Deutschland unter Trainer Jupp Derwall erneut bis in das große Finale. Dort traf man auf Italien und auf einen überragenden Bruno Conti. Dieser führte die Squadra Azzurra vor 90.000 Zuschauern im Bernabéu gegen die nach einem dramatischen Halbfinale gegen Frankreich (5:4 i.E.) in der zweiten Halbzeit spürbarer abbauende deutsche Elf zum Sieg. Doch nicht der Name Conti blieb im Zusammenhang mit dieser Niederlage in den Köpfen haften, sondern der von Paolo Rossi, der nach torloser Vorrunde im weiteren Verlauf des Turniers förmlich explodierte und mit sechs Treffern Torschützenkönig wurde. Sein Treffer in der 56. Minute ebnete dann auch im Finale den Weg für die Italiener.

Vier Jahre später bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko lenkte bereits “Kaiser Franz” die Geschicke des DFB. Beckenbauer führte das Team dann auch ins Endspiel, wo man allerdings gegen Argentinien mit einem Maradona auf dem Höhepunkt seiner Karriere als klarer Außenseiter galt. Und dies schien sich im Azteca vor der riesigen Kulisse von rund 115.000 Besuchern zunächst auch zu bewahrheiten, denn die Albiceleste wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und ging mit 2:0 in Führung. Doch Deutschland gab nicht auf und kam in der Schlussphase durch Rummenigge und Völler zum Ausgleich – dann wollte man das Momentum nutzen und noch in der regulären Spielzeit den Sieg. Leider vernachlässigte man dabei die Abwehrarbeit, Maradona schicke Jorge Burruchaga mit einem tollen Pass in die völlig entblößte deutsche Hälfte – Burruchaga vollstreckte eiskalt und Argentinien durfte sich Weltmeister nennen.

Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea bekleckerte sich die deutsche Nationalmannschaft wahrlich nicht mit Ruhm. Dennoch schaffte die von Rudi Völler trainierte Mannschaft wiederum den Sprung ins Finale von Yokohama. Obwohl Deutschland die beste Leistung des gesamten Turniers abrief, musste man sich letztlich Brasilien mit 0:2 geschlagen geben. Michael Ballack, die zentrale Figur im deutschen Spiel, fehlte aufgrund einer Gelbsperre. Auch ohne Ballack stand es fast 70. Minuten lang 0:0, vor allem, weil der bis dato alles überragende Oliver Kahn im Kasten nahtlos an die vorangegangenen Partien anknüpfte und einfach keinen Ball vorbei ließ. Doch dann unterlief ausgerechnet dem Torwart-“Titan” ein folgenschwerer Fehler, den Ronaldo per Abstauber in die Führung für die Seleção ummünzte. Gut zehn Minuten vor dem Abpfiff legte der Stürmerstar mit seinem achten Turniertreffer nach und sicherte den Ballartisten vom Zuckerhut den fünften WM-Titel.

Legendäre Spiele und Momente

Mannschaft und Trainer

Auch wenn nicht alles perfekt war, was Deutschland in der Qualifikation darbot – die Mannschaft von Jogi Löw meisterte sie letztlich souverän: zwei Siege über die starken Russen ebneten den Weg. Lediglich die zwei Unentschieden verdarben eine makellose Bilanz, wobei das 1:1 am letzten Spieltag nach bereits feststehender Teilnahme an der Endrunde eher ein Freundschafts- als ein echtes Qualifikationsspiel war.

Jogi Löw hat seit seiner Amtsübernahme 2006 – für manche war er allerdings schon unter Jürgen Klinsmann der eigentliche Trainer der DFB-Auswahl – viele neue Akteure getestet. Und auch wenn er sein Gerüst für Südafrika im Kopf hat, bis zum Sommer des nächsten Jahres werden wohl noch einige hoffnungsvolle Talente ihre Chance bekommen – der deutsche Nachwuchs präsentiert sich derzeit stark wie nie. So stehen beispielsweise die beiden Newcomer des FC Bayern München, Thomas Müller und Holger Badstuber, im Fokus des Bundestrainers.

Wie schon vor der Weltmeisterschaft 2006 steht die Frage nach der Nummer 1 im Mittelpunkt der Diskussionen. Anders als damals, als man zwischen Kahn und Lehmann aus purer Erfahrung wählen konnte und letztlich die fußballerischen Fähigkeiten Lehmanns das Pendel zu seinen Gunsten ausschlagen ließen, haben alle jetzt zur Auswahl stehenden Keeper noch kein großes Turnier im Seniorenbereich bestritten. Derzeit hat der Leverkusener René Adler die Nase vorn. Zurecht, denn nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Robert Enke konnte sich Adler in den letzten Spielen auszeichnen und gewaltig Pluspunkte sammeln. Neben Adler und Enke ist momentan Manuel Neuer der dritte Mann im Trio, wobei aber auch Tim Wiese noch nicht ganz aus dem Rennen scheint.

In welcher Zusammensetzung die Abwehr, das Mittelfeld und der Angriff die Reise zum südlichen Ende des schwarzen Kontinents antritt, lässt sich nur sehr schwer vorhersagen. Neben Kapitän Michael Ballack, Abwehrchef Per Mertesacker, dem flexiblen Pilipp Lahm sowie den beiden Stürmern Miroslav Klose und Mario Gómez werden wohl auch Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Thomas Hitzlperger, Simon Rolfes und Heiko Westermann ihr Ticket nahezu sicher haben. Auch Arne Friedrich, Mesut Özil, Andreas Beck, Piotr Trochowski und der letzte Debütant, Jérôme Boateng, werden wohl ihren Sommerurlaub nach hinten verlegen müssen. Die Liste weiterer Akteure, die sich Hoffnung machen können, ist lang: Sami Khedira, Erdar Tasci, Marko Marin, Marcel Schäfer oder Christian Gentner aus der aufstrebenden Fraktion, dazu Torsten Frings, Christoph Metzelder, Clemens Fritz, Cacau oder der momentan so stark aufspielende Stefan Kießling, aus der etwas erfahreneren Abteilung. Selbst der derzeit wegen eines Kreuzbandrisses zum Zuschauen verurteilte Patrick Helmes könnte noch auf den Zug aufspringen. Eine genaue Einschätzung der WM-Kandidaten wird dann vorgenommen, wenn der endgültige Kader benannt ist.

Fakt ist, dass Löw im Hinblick auf die Endrunde im nächsten Jahr in Südafrika noch einige Arbeit hat. Der Abwehr fehlt es oftmals an Stabilität, im kreativen Bereich und im Angriff mangelt es an Ideen. Aber noch bleibt genug Zeit, um das Team für das Großereignis fit zu machen, den nötigen Feinschliff und das beste System zu einzustudieren. Dabei besitzt der Bundestrainer das volle Vertrauen der DFB-Spitze. Der Vertrag von Löw endet im kommenden Jahr. Unabhängig vom Ausgang der Weltmeisterschaft möchte der DFB vorzeitig mit ihm verlängern. Und auch, wenn Löw momentan noch mauert und seine Entscheidung ganz in Ruhe treffen will, so spricht im Grunde nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit.

Wie man leicht feststellt, datiert dieser Artikel vom Herbst 2009 – und ist überholt. Alle aktuellen Entwicklungen zur Mannschaft etc. findet ihr in unserem WM-Tagebuch

Kader

Tor: Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen), Jörg Butt (Bayern München)

Abwehr: Dennis Aogo (Hamburger SV) Jerome Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Marcell Jansen (Hamburger SV), Serdar Tasci (VfB Stuttgart), Holger Badstuber (Bayern München)

Mittelfeld: Marko Marin, Mesut Özil (beide Werder Bremen), Piotr Trochowski (Hamburger SV), Sami Khedira (VfB Stuttgart), Toni Kroos (Bayer Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München)

Angriff: Cacau (VfB Stuttgart), Mario Gomez, Miroslav Klose, Thomas Müller (alle Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Lukas Podolski (1. FC Köln)


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England

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß
FIFA-Weltrangliste: 8
WM-Teilnahmen: 1950, 1954, 1958, 1962, 1966, 1970, 1982, 1986, 1990, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Weltmeister (1966)
WM-Gastgeber: 1966
Kontinentalmeister: – (Halbfinale 1996)

Rekordnationalspieler: Peter Shilton (125 Einsätze)
Rekordtorschütze: Bobby Charlton (49 Tore)
Trainer: Fabio Capello

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

England – Mutterland des Fußballs – Heimat der reichsten Liga der Welt – WM-Versager außerhalb der eigenen Insel. Diese Assoziationskette haben Fußballfans auf der ganzen Welt, jene erwähnte Insel eingeschlossen, gemeinsam. Blickt man auf die WM-Geschichte Englands zurück, so hält das Urteil über die Leistungen der Three Lions bei Weltmeisterschaften größtenteils stand. Schließlich beginnt die Geschichte ja bereits mit einer Blamage: Nachdem der englische Verband die ersten drei Weltmeisterschaften boykottiert hatte, da man ja 1928 im Streit über das Amateuerstatut aus der FIFA ausgetreten war und der festen Überzeugung war, dass bei diesen Wettbewerben nur die zweitbeste Mannschaft der Welt ausgespielt würde, erbarmte man sich 1950 zur Teilnahme an der WM in Brasilien. Siegessicher trafen die Engländer ein, geschlagen kehrten sie heim. Das erste Spiel gegen Chile war noch mit 2:0 gewonnen worden, doch danach folgte die Blamage: Die englische Nationalmannschaft, der Stolz der Nation, gespickt mit Profispielern, hatte mit 0:1 gegen die Amateurkicker der USA verloren. Englische Zeitungen konnten die Niederlage zunächst nicht glauben und hielten das Ergebnis für einen Übertragungsfehler im Telegraphensystem. Drei Tage später verlor man auch noch gegen Spanien mit 0:1, es ging geschlagen zurück auf die Insel.

Noch ein weiteres Mal überstanden die Engländer die Vorrunde nicht. Acht Jahre später in Schweden beendeten die Engländer die Vorrunde hinter Brasilien punkt- und torgleich mit den UdSSR. Es musste ein Entscheidungsspiel her, man verlor 1:0. Hätte man vorher Österreich geschlagen und nicht unnötigerweise 2:2 gespielt, das Entscheidungsspiel wäre überflüssig gewesen. Stattdessen eine erneute Blamage für das „Mutterland des Fußballs“. Vier Jahre vorher hatten die Engländer in der Schweiz die Gruppenphase überstanden, waren dann aber im Viertelfinale an Uruguay gescheitert.

Es war das erste Viertelfinalaus der Three Lions bei einer WM, fünf weitere sollten folgen, so dass England bei der Hälfte seiner Teilnahmen im Viertelfinale ausschied: 1962 und 2002 war Brasilien der Stolperstein für die Briten. In Chile spielte Garrincha die Europäer schwindelig, in Japan genügte ein Freistoß von Ronaldinho um bei David Seaman Schwindelgefühle zu erregen. 1970 schieden die Engländer gegen Deutschland aus. Lange Zeit wirkten sie dabei wie der sichere Sieger, bis Trainer Ramsey Bobby Charlton auswechselte, um ihn für das Halbfinale gegen Italien zu schonen. England brach ohne Charltons Führung zusammen, Deutschland siegte in der Verlängerung, das Halbfinale gegen Italien fand ohne England statt. Dass berühmteste Viertelfinalaus kam auch in Mexiko, allerdings sechzehn Jahre später. Hier war Argentinien das unüberwindbare Hindernis, allen voran Diego Armando Maradona. Binnen drei Minuten erzielte der Argentinier zwei unvergessliche Tore: Eines mit dem Fuß, das andere mit der Hand; eines nach einem Sololauf, das andere nach einem Heber; eines, das all seine Genialität zeigte und das andere, das seine dunkle Seite offenbarte. Linekers Anschlusstreffer kurz vor Schluss reichte nicht, England verlor 1:2 und beweint noch heute das Tor durch die „Hand Gottes“, gerne vergessend, dass nur drei Minuten vorher die gesamte Mannschaft von einem kleinen Argentinier stehen gelassen worden war.

Das bislang letzte Viertelfinalaus kam vor drei Jahren in Gelsenkirchen. Portugal behielt im Elfmeterschießen die Nerven und zog ins Halbfinale ein. Womit man eleganterweise schon beim nächsten Versagenspunkt der Engländer angekommen ist, der mit diesem und zwei weiteren Ausscheiden verknüpft ist: Der Angst des Engländers beim Elfmeter. Neben 2006 erwiesen sich die Engländer auch 1990 und 1998 als schlechte Elfmeterschützen. Profitiert haben davon 1990 im Halbfinale die Deutschen und 1998 im Achtelfinale die Argentinier. Beide Spiele sind darüber hinaus für Tränen englischer Stars bekannt. 1990 weinte Paul Gascoigne nachdem er seine zweite Gelbe Karte sah und ihm klar wurde, dass er auf keinen Fall im WM-Finale spielen würde, 1998 tat es David Beckham, als er nach einem Nachtreten gegen Simeone vom Platz flog.

Somit wären eigentlich alle WM-Versagen der Engländer abgehandelt. Einzig 1982 passt nicht so recht in einen Rahmen, dort überstanden die Three Lions ohne Mühe die erste Vorrunde, gewannen alle drei Spiele (gegen Frankreich, die CSSR und Kuwait), scheiterten dann aber unspektakulär an Deutschland in der zweiten Gruppenphase. Bleibt also nur noch eine WM übrig, doch bevor diese behandelt werden kann, muss noch auf eine andere englische Eigenart des WM-Versagens eingegangen werden: Die Nicht-Qualifikation.

Immerhin drei Mal schafften es die Engländer gar nicht erst zu den Welttitelkämpfen. 1974 scheiterten sie an Polen, nachdem sie im entscheidenden Gruppenspiel gegen jene Polen nur ein 1:1 in Wembley schafften. Held des Abends war der polnische Torwart Jan Tomaszewski, der vor dem Spiel noch vom englischen TV-Experten und Trainer enfant terrible Brian Clough als „Clown“ bezeichnet worden war. Vier Jahre später war es Italien, die verhinderten, dass England nach Argentinien fahren durfte. Beide Teams gewannen ihre Heimspiele gegeneinander mit 2:0, doch Italien hatte in den Spielen gegen Finnland und Luxemburg drei Tore mehr erzielte und durfte deshalb zur WM fahren. Das letzte Mal, dass England nicht bei einer WM dabei war, war 1994. Die Schuldigen: Holland und Norwegen. Gegen beide Mannschaften schafften die Briten nur Unentschieden in Wembley und verloren die Auswärtsspiele.

Bei der einzigen WM, wo man den Engländern kein Versagen vorwerfen konnte, hatten sie genau dies nicht: Auswärtsspiele. 1966 wurden die Engländer Weltmeister auf heimischen Boden. Wie nahezu alle Kommentatoren und Fußballhistoriker sich einig sind zurecht. Die „Wingless Wonders“, so benannt weil Trainer Alf Ramsey auf gelernte Flügelspieler verzichtete und stattdessen Mittelfeldspieler nach außen zog, dominierten das Turnier, kassierten auf dem Weg ins Finale nur ein Gegentor und schalteten im Halbfinale den bis dahin dominierenden Spieler des Turniers, Eusebio, völlig aus. Nur im ersten (0:0 gegen Uruguay) und im letzten Spiel waren die Engländer nicht immer dominierend. Doch auch in jenem Finale gegen Deutschland, das letztlich durch das berühmteste (Nicht-)Tor der WM-Geschichte entschieden wurde, waren die Engländer das bessere Team, hatte sich Deutschland nur durch einen Treffer in letzter Minute in die Verlängerung gerettet. Dennoch bleibt natürlich für viele Deutsche der fade Beigeschmack, dass der Ball „nicht drin“ war, sie könnten bei einem Blick auf die WM-Geschichte Englands seit dem zumindest ein wenig versöhnt sein.

Um der WM-Geschichte kein weiteres Kapitel des Versagens, sondern ein zweites des Erfolgs hinzuzufügen haben die Three Lions personell eigentlich gute Voraussetzung, allerdings auch eine, seit Gordon Banks’ Rücktritt anhaltende, große Schwäche. Im Tor findet sich nämlich keine Besetzung, die internationalen Ansprüchen genügen würde. Egal welcher Torwart von den Trainern ausprobiert wurde – ob David James, Robert Green, Paul Robinson, Ben Foster, Joe Hart oder Scott Carson – keiner der in den letzten zwölf Monaten ausprobierten Keeper tat sich als Bollwerk hervor. Umso wichtiger ist die Rolle des Kapitäns der englischen Nationalmannschaft, John Terry, der sowohl als Führungsfigur im Ganzen als auch im Abwehrverbund agieren muss. Der 28-jährige vom FC Chelsea – er stand nie bei einem anderen Verein unter Vertrag – gilt dank seiner Kopfballstärke und seines Zweikampfverhaltens als Schlüsselspieler im Konzept von Nationaltrainer Fabio Capello. In der Stammformationen wird er in der Innenverteidigung von Rio Ferdinand (30, Manchester United) und links von Ashley Cole (28, Chelsea) unterstützt. Beide können auf über 70 Länderspiele Erfahrung zurückgreifen, Routine und Eingespieltheit, die ein dickes Plus für die englische Abwehr sind, der allerdings ein etatmäßiger Rechtsverteidiger fehlt. Weder Wes Brown (29, Manchester United) noch Glen Johnson (25, Liverpool) erscheinen als der Weisheit letzter Schluss, wobei Experten davon ausgehen, dass sich Brown auf Grund seiner größeren Defensivstärke durchsetzen wird.

Wie in der Abwehr gibt es auch im englischen Mittelfeld drei Namen, die zu nennen sind, drei Starspieler, die über den anderen stehen: Gerrard, Lampard und Beckham. Gerrard (29) ist wie sein Kapitän Terry eine vereinstreue Seele, spielte noch nie für einen anderen Verein als Liverpool. Tempo, Aggressivität und Antizipation gelten als Stärken von „Stevie G“, der sein erstes Länderspieltor in München schoss, beim 5:1 der Engländer gegen Deutschland. Lange Zeit wurden in England heftige Diskussionen geführt, ob Gerrard und Lampard, der im Verein eine ähnliche Rolle im zentralen Mittelfeld einnimmt, überhaupt zusammen im Nationalteam spielen können. Capello hat diese Frage stets bejaht. Er glaubt, dass sich die beiden hervorragend ergänzen und Lampard (31, Chelsea) mit seiner hohen Kreativität und Laufbereitschaft ein idealer Partner von Gerrard ist. Während die Anwesenheit der beiden also inzwischen unumstritten ist, kann dies vom dritten im Bunde, David Beckham (34) nicht behauptet werden. Nicht wenige Stimmen werden immer wieder laut, die behaupteten, dass Beckham dadurch, dass er in den USA bei LA Galaxy spielt, zu weit weg ist vom europäischen Spitzenfußball. Gegen diesen Vorwurf wehrte er sich und verbrachte zuletzt eine Halbserie in Mailand beim AC Milan. Dies wiederum interpretierten einige Galaxy-Anhänger als „Verrat“ und beschimpfen Beckham bei dessen Rückkehr wüst. An guten Tagen bringt „Becks“ mit seinen Standardsituationen und Flanken eine weitere gefährliche Ebene ins Spiel der Engländer. An schlechten Tagen spielt England mit zehn Mann.

Der englische Sturm wird an guten wie an schlechten Tagen von einem einzigen Mann dominiert, Wayne Rooney. Der 23-Jährige von Manchester United ist der einzige Stürmer, der bei den Three Lions als gesetzt angesehen werden kann. Körperliche Präsenz und Torriecher machen den bulligen Stürmer zu einer wertvollen Waffe des englischen Teams. Um das in England weit verbreitete 4-4-2 spielen zu können, benötigt man jedoch einen zweiten Stürmer, und um diesen Platz buhlen Verteran Emile Heskey ebenso wie Funkturm Peter Crouch, ein zweiter Stürmer von internationalem Topformat befindet sich jedoch nicht in den Reihen von Fabio Capello.

Jener Capello ist seit Beginn der WM-Qualifikation Trainer der Engländer. Übernommen hat er den Job, wie sollte es anders sein, nach einer englischen Blamage. Da sich England nicht für die EM 2008 qualifizieren konnte, musste Steve McClaren, der erst nach der WM 2006 Nationaltrainer geworden war, seinen Hut nehmen und wurde durch den Italiener ersetzt, der ankündigte, dass jener Job sein letzter als Trainer sein werde. Die Reaktionen der britischen Presse auf dessen erste Einflussnahmen waren noch sehr begeistert. Die ersten Spiele seien eine Offenbarung gewesen und hätten gezeigt wie schlecht McClaren mit dem Team umgegangen sei. Doch in den letzten Monaten mehrten sich die Stimmen, dass das Team von Mal zu Mal schlechter spiele – ein Trend, den England mit dem überzeugenden 5:1 gegen Kroatien eigentlich gestoppt haben sollte. Außerdem hieß es Capello würde zu viele Spieler ausprobieren. Nicht ganz aus der Luft gegriffen jener Vorwurf: Immerhin 46 Spieler hat Capello in den letzten zwölf Monaten zur Nationalelf eingeladen von denen bislang 40 auch zum Einsatz kamen.

Aller Kritik zum Trotz: Capellos Bilanz mit den Three Lions kann sich sehen lassen. Von den 18 Spielen unter seiner Leitung hat England 14 gewonnen, darunter alle Qualifikationsspiele. Kein Wunder, dass er persönlich und seine Anhänger unter Fans und Verantwortlichen wenig Verständnis für die Kritik an der Spielweise der Nationalmannschaft haben. Dabei ist Capello Kritik an der Spielweise seiner Mannschaften sicherlich gewohnt. 2007 entließ Real Madrid ihn, nachdem er mit den Königlichen die spanische Meisterschaft geholt hatte, weil er zu wenig attraktiven Fußball spielen ließ. Die Art und Weise, wie die Engländer in Südafrika spielen, dürfte den meisten Fans der Mannen von der britischen Insel egal sein, wenn Capellos Spieler es schaffen, der englischen WM-Geschichte kein weiteres Versagenskapitel hinzuzufügen.

Kader

Tor: David James (FC Portsmouth), Robert Green (West Ham United), Joe Hart (Manchester City)

Abwehr: Ashley Cole, John Terry (beide FC Chelsea), Glen Johnson, Jamie Carragher (beide FC Liverpool), Ledley King (Tottenham Hotspur), Matthew Upson (West Ham United), Michael Dawson (Tottenham Hotspur)

Mittelfeld: Steven Gerrard (FC Liverpool), Frank Lampard, Joe Cole (beide FC Chelsea), Aaron Lennon (Tottenham Hotspur), Gareth Barry, Shaun Wright-Phillips (beide Manchester City), Michael Carrick (Manchester United), James Milner (Aston Villa), Stephen Warnock (Aston Villa)

Angriff: Wayne Rooney (Manchester United), Jermain Defoe, Peter Crouch (beide Tottenham Hotspur), Emile Heskey (Aston Villa)


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Frankreich

Steckbrief:

Trikotfarbe: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 9
WM-Teilnahmen: 1930, 1934, 1938, 1954, 1958, 1966, 1978, 1982, 1986, 1998, 2002, 2006
Größte Erfolge: Weltmeister 1998, Zweiter 2006, Dritter 1958 und 1986, Vierter 1982
Kontinentalmeister: 1984 und 2000

Spitznamen: Les Bleus (Die Blauen)
Rekordnationalspieler: Lilian Thuram (142 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Thierry Henry (51 Tore)
Trainer: Raymond Domenech
Co-Trainer: Pierre Mankowski und Alain Boghossian

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Ob Yoann Gourcuff, Franck Ribéry oder Thierry Henry, die Namen der Superstars der französischen Nationalmannschaft können noch so groß sein, im Mittelpunkt steht irgendwie immer Auswahltrainer Raymond Domenech. Und Domenechs Motto scheint zu sein: Tu das Unerwartete und schocke am besten das ganze Land. Nach dem blamablen Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 2008 fiel Domenech nichts besseres ein, als nach dem Schlusspfiff seiner Lebensgefährtin einen öffentlichen Heiratsantrag zu machen. Nur ein Beispiel aus einer langen Liste merkwürdiger Entscheidungen und Aussagen des Nationaltrainers die ihm den Spitznamen „verrückter Professor“ einbrachten. Dieses Mal fielen Domenechs Eigenarten große Namen zum Opfer. Der 58-Jährige verzichtete bei seiner Ernennung des vorläufigen Kaders auf Superstars wie Karim Benzema und Samir Nasri. Auch Routinier Patrick Vieira wurde überraschend aussortiert. Dafür stehen mit Cédric Carrasso, Marc Planus, Adil Rami, Yann M’Vila und Mathieu Valbuena gleich fünf Spieler im vorläufigen Kader, die noch nie das Trikot der Équipe Tricolore getragen haben.

Auf dem Weg Richtung Südafrika bekleckerte sich Frankreich alles andere als mit Ruhm. In einer vermeintlich einfachen Gruppe mit Färöer, Rumänien, Litauen, Österreich und Serbien kamen die Franzosen nicht über den zweiten Platz hinaus, der gleichbedeutend mit Relegationsspielen gegen Irland war. Dort benötigte Frankreich ein Handspiel-Tor von Thierry Henry zum Ende der Verlängerung. Der Aufschrei in der Fußballwelt über das Skandal-Tor war im Anschluss so groß, dass Irland ein Wiederholungsspiel forderte und Henry sogar seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft anbot.

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Auftritte der Franzosen kraft- und ideenlos, irgendwie unmotiviert und -inspiriert. Dabei stellen „Les Bleus“ von den Einzelkönnern eine der besten Mannschaften im Weltfußball. Aber auch in den letzten Testspielen vor der Weltmeisterschaft hinterließ die Équipe Tricolore keinen guten Eindruck. Nach dem 2:1-Heimsieg über Costa Rica enttäuschten die Franzosen beim 1:1 gegen Tunesien auf ganzer Linie. Die Mannschaft scheint mit dem neuen 4-3-3-System noch nicht vertraut. Aber auch das alte 4-2-3-1 lag der Mannschaft nicht. Allgemein scheint der eigentlich als Disziplinfanatiker bekannte Domenech nur halbherzig zu versuchen der Mannschaft seine Taktik zu vermitteln, ohne ernsthaft darauf zu achten, ob die Spielertypen überhaupt in sein System passen. Führungsspieler Henry übte bereits während der Qualifikation scharfe Kritik am Trainer, wenngleich er später versuchte diese zu revidieren. Die Spieler, so der Angreifer vom FC Barcelona, würden sich im Training langweilen und im Spiel nicht wissen wie sie spielen sollen. Tatsächlich spielt Frankreich deutlich unter seinen Möglichkeiten. Fakt ist, unter Domenech qualifizierte sich Frankreich schon für die WM 2006 und die EURO 2008 nur mit Glück. Während 2008 bereits nach der Vorrunde Schluss war, erreichte Frankreich 2006, nach schwachem Turnierstart, das Endspiel. Dort unterlag man jedoch Italien im Elfmeterschießen. Der bisher einzige Lichtblick in der Ära Domenech. Zu allem Überfluss sind die großen Säulen wie Zinedine Zidane nicht mehr dabei.

Aber obwohl fast eine ganze Fußballnation immer wieder den Rauswurf des Trainers forderte, hielt der Verband immer an Domenech fest, hat aber anscheinend schon mit Laurent Blanc den Nachfolger parat. Echte Rückendeckung sieht anders aus und das französische Fußballvolk kommt aus dem Kopf schütteln kaum noch heraus. Wer über den deutschen Pessimismus vor der Weltmeisterschaft schimpft, sollte mal einen Blick nach Frankreich werfen: Nach einer Umfrage der L’Equipe sind nur 22 Prozent der Franzosen von den Qualitäten des Trainers überzeugt, nur 27,3 % rechnen damit, dass die Mannschaft die Vorrunde übersteht.

So wird für La Grande Nation in diesem Fußballsommer die Sonne womöglich nicht so oft scheinen und das obwohl die Franzosen so viele hervorragende Fußballer im Gepäck haben. Es wird jedenfalls sehr schwer, auch nur ansatzweise den großen WM-Triumph von 1998 zu wiederholen und sich gegen hungrige und im Kollektiv auftretende Gruppengegner (Südafrika, Uruguay, Mexiko) durchzusetzen. Es wäre zumindest eine Überraschung, wenn sich die Mannschaft aus den unfähigen Fängen des Trainers befreit oder auf der anderen Seite, wenn Domenech doch noch wieder Zugriff auf die Mannschaft bekommen könnte. Stand jetzt aber werden die fehlenden kommunikativen und fußballerisch-taktischen Fähigkeiten des Trainers eine erfolgreiche Weltmeisterschaft verhindern.

Kader

Tor: Hugo Lloris (Lyon), Steve Mandanda (Marseille), Cedric Carrasso (Bordeaux)

Abwehr: Bacary Sagna (Arsenal), Eric Abidal (FC Barcelona), William Gallas (Arsenal), Patrice Evra (Manchester United), Sebastien Squillaci (FC Sevilla), Gaël Clichy (Arsenal), Marc Planus (Bordeaux), Anthony Reveillere (Lyon)

Mittelfeld: Franck Ribery (Bayern), Jeremy Toulalan (Lyon), Alou Diarra (Bordeaux), Yoann Gourcuff (Bordeaux), Abou Diaby (Arsenal), Florent Malouda (Chelsea), Matthieu Valbuena (Marseille)

Angriff: Thierry Henry (FC Barcelona), Nicolas Anelka (Chelsea), Djibril Cisse (Panathinaikos), Andre-Pierre Gignac (Toulouse), Sidney Govou (Lyon)


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Griechenland

Steckbrief:

Trikotfarben: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 13
WM-Teilnahmen: 1994 (Aus in der Vorrunde)
Kontinentalmeister: 1 (2004)

Rekordnationalspieler: Theodoros Zagorakis (120 Einsätze)
Rekordtorschütze: Nikos Anastopoulos (29 Tore)
Trainer: Otto Rehhagel

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Die WM-Geschichte der Hellenen ist äußerst übersichtlich: Nur ein einziges Mal schaffte man die Qualifikation und nahm an einer Endrunde teil. Das war 1994 in den USA, wo man aber sang- und klanglos nach Niederlagen gegen Argentinien (0:4), Bulgarien (0:4) und Nigeria (0:2) ohne Punkt und eigenen Treffer als Gruppenletzter nach der Vorrunde die Heimreise antreten musste. Und selbst “König Otto”, der am 09. August 2001 seinen Job als griechischer Nationaltrainer antrat und mit der Mannschaft 2004 in Portugal sensationell Europameister wurde, blieb bei seiner ersten WM-Qualifikation auf der Strecke – und der amtierende Kontinentalchampion bei der WM 2006 in Deutschland nur Zuschauer.

Doch der keineswegs amtsmüde Otto Rehhagel trotzte aufkeimender Kritik, nahm die erneute Herausforderung der Qualifikation für die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischen Boden an und machte es im zweiten Anlauf besser, wenngleich auch dieser nach durchaus machbarer Auslosung zur Zitterpartie wurde. Griechenland belegte in der Gruppe 2 mit einem Zähler Rückstand auf die Schweiz den zweiten Platz und musste den Umweg über die nervenaufreibenden Play-offs nehmen. Gegner in der Relegation war die Ukraine. Nach einem torlosen Remis im Hinspiel vor eigenem Publikum, gelang beim Rückspiel in Donezk dann doch noch das kleine Wunder. Dimitrios Salpigidis erzielte den einzigen Treffer der Partie nach gut einer halben Stunde – der Weg nach Südafrika war frei.

Otto Rehhagel hielt während der Qualifikation nicht an einem starren Spielsystem fest, sondern zeigte sich durchaus variabel. Wenn man so will, dann kann man das 3-4-3 als Basis heranziehen, da dies in den zwölf Spielen (die Play-offs mit eingerechnet) immerhin sechsmal als Ausgangsformation diente.

Im WM-Aufgebot, in das viele Spieler der heimischen Super League berufen wurden, befinden sich noch einige der Helden von Portugal. Bei den Torhütern hat Konstantinos Chalkias “überlebt”. Doch ob der Keeper, der bei der EM 2004 nur Tourist war, diesmal als Nummer eins fungieren wird und nicht wieder ein Reservistendasein darben muss, bleibt abzuwarten. Nachdem er die ersten acht Qualifikationsspiele zwischen den Pfosten stand, musste er zuletzt seinen Konkurrenten den Vortritt lassen. So scheint Alexandros Tzorvas von Panathinaikos Athen derzeit wohl die besten Karten zu besitzen.

Weitere Europameister im Kader von Rehakles sind Georgios Seitaridis, Giorgios Karagounis, Kostas Katsouranis und Angelos Charisteas. Der Stürmer, der sein Heimatland in Portugal gegen die Gastgeber im Finale zum Triumph köpfte und danach in der Bundesliga zumeist hinter den Erwartungen blieb, ist nicht der einzige nominierte Deutschland-Legionär. Er wird von Theofanis Gekas begleitet, der im Ligaalltag eine schwere Zeiten erlebte, dafür aber in der Qualifikation zehn Tore erzielte und damit zum besten Schützen überhaupt aufstieg.

Griechenland hat eine schwere Vorrundengruppe erwischt und gilt als Außenseiter. Die Gegner heißen Argentinien, Nigeria und Südkorea. Es wird verdammt schwer für die Hellenen, den Sprung in die zweite Runde zu verwirklichen. Argentinien mit all seinen Stars, ist eine echte Hausnummer im Weltfussball. Und auch wenn man in der aktuellen FIFA-Weltrangliste den 13. Platz einnimmt und somit vor Nigeria und Südkorea liegt, der zweite Platz in der Gruppe wäre ein Erfolg. Aber was im Fußball möglich ist, wenn es in der Mannschaft stimmt und man auf einer Erfolgswelle schwimmt, davon weiß man in Griechenland zu berichten. Wunder besitzen allerdings erfahrungsgemäß Seltenheitswert.

In Zeiten der Finanzkrise, die die Südosteuropäer voll erwischt hat und das ganze Land in Atem hält, könnte der Fußball von den vielschichtigen Problemen etwas ablenken. Wenn den Griechen bei den ganzen Sparmaßnahmen und Einschnitten auf allen Ebenen des täglichen Lebens nicht die Lust auf das Großereignis um das runde Leder Nicht komplett verhagelt hat.

Kader

Tor: Michail Sifakis (Aris Saloniki), Alexandros Tzorvas (Panathinaikos Athen), Kostas Chalkias (PAOK Saloniki)

Abwehr: Georgios Seitaridis (Panathinaikos Athen), Loukas Vyntra (Panathinaikos Athen), Evangelos Moras (FC Bologna), Sokratis Papastathopoulos (FC Genua), Sotirios Kyrgiakos (FC Liverpool), Vasilis Torosidis (Olympiakos Piräus), Nikos Spyropoulos (Panathinaikos Athen), Christos Patsatzoglou (Omonia Nikosia)

Mittelfeld: Kostas Katsouranis (Panathinaikos Athen), Alexandros Tziolis (AC Siena), Giorgos Karagounis (Panathinaikos Athen), Sotirios Ninis (Panathinaikos Athen), Grigorios Makos (AEK Athen), Athanasios Prittas (Aris Saloniki), Avraam Papadopoulos (Olympiakos Piräus)

Angriff: Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg), Dimitrios Salpigidis (Panathinaikos Athen), Pantelis Kapetanos (Steaua Bukarest), Theofanis Gekas (Hertha BSC Berlin), Georgios Samaras (Celtic Glasgow)


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Italien

Steckbrief:

Trikotfarbe: blau
FIFA-Weltrangliste: 5
WM-Teilnahmen: 1934, 1938, 1950, 1954, 1962, 1966, 1970, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Weltmeister (1934, 1938, 1982, 2006)
Kontinentalmeister: 1968

Rekordnationalspieler: Fabio Cannavaro (133 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Luigi Riva (35 Tore)
Trainer: Marcello Lippi

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Der amtierende Weltmeister wird einer der großen Favoriten bei der Weltmeisterschaft sein. Nicht zuletzt deshalb, weil die Squadra Azzura bereits viermal den Titel als weltbestes Team errungen hat. Die ersten beiden Titel gab es in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, 1934 wurden die Stiefelkicker im eigenen Land Weltmeister und vier Jahre später gelang die Titelverteidigung in Frankreich. Der bekannteste Spieler aus dieser Zeit dürfte wohl der Stürmer Giuseppe Meazza sein, nach dem das Stadion benannt ist, in dem sowohl der AC Mailand als auch Inter ihre Heimspiele austragen..

In der Folgezeit kamen sie bei keiner Weltmeisterschaft über die Vorrunde hinaus, 1958 in Schweden nahmen sie nicht einmal teil, sondern scheiterten schon in der Qualifikation. Unvergessen ist jedoch das Ausscheiden bei der WM 1966 in England, als sie gegen den WM-Neuling aus Nordkorea im entscheidenden letzten Gruppenspiel durch ein Tor von Pak Doo-ik mit 0:1 unterlagen und in ihrer Heimat zur Begrüßung mit Tomaten beworfen wurden. 1970 erreichten sie im Jahrhundertspiel, das sie in der Gluthitze von Mexiko gegen Deutschland nach Verlängerung mit 4:3 gewannen, das Endspiel. “Ausgerechnet Schnellinger” – so der Ausruf des deutschen Reporters – war es, der als einziger Deutscher in Italien seine Brötchen verdiente und diese Verlängerung mit seinem späten Ausgleich überhaupt erst ermöglicht hatte. Das Finale ging allerdings mit 4:1 deutlich gegen Brasilien verloren. 1974 in Deutschland war erneut in der Vorrunde Endstation, doch 1978 gelang immerhin Platz 4 in Argentinien.

Die Revanche für die Finalniederlage 1970 gelang in Spanien 1982 nach mäßiger Vorrunde in einem denkwürdigen Spiel gegen den Favoriten Brasilien in der Zwischenrunde. Im späteren Finale schlug man Deutschland verdient mit 3:1 und errang zum dritten Mal den Titel. 1986 scheiterte der Titelverteidiger bereits im Achtelfinale an Frankreich. Die neunziger Jahre waren ein düsteres Kapitel in der Geschichte der italienischen WM-Teilnahmen, denn nach der Vorrunde scheiterten sie nacheinander im Halbfinale, Finale und Viertelfinale immer im Elfmeterschießen. Getoppt wurde dies bei der WM 2002 durch insgesamt fünf Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, nicht gegebene Tore und das südkoreanische Golden Goal im Achtelfinale gegen den Mitgastgeber. 2006 in Deutschland war es endlich wieder soweit. Trotz einiger unschöner Szenen im Gruppenspiel gegen die USA und im Achtelfinale gegen Australien, als de Rossi respektive Materazzi vom Platz flogen, erreichte die Squadra Azzura das Endspiel gegen Frankreich. Erneut war es Materazzi, der in der Verlängerung seinen Gegenspieler Zidane verbal zu einem Kopfstoß provozierte, welcher zum Platzverweis des Franzosen führte. Im folgenden Elfmeterschießen gewannen sie schließlich zum vierten Mal die begehrte Trophäe.

Der aktuellen Kader ist gespickt mit klangvollen Namen. In der Abwehr ragen vor allem Fabio Cannavaro, der mit 36 Jahren und dem Rekord von 129 Einsätzen der erfahrenste ist, und Fabio Grosso heraus, hinter denen Gianluigi Buffon (alle Juventus Turin) zwischen den Pfosten steht. Nachdem Paolo Maldini seine Karriere beendet hat, ist in der Defensive vom AC Mailand nur noch Gianluca Zambrotta übrig. Im Mittelfeld sind Mauro Camoranesi (Juventus Turin), Daniele De Rossi (AS Rom), Gennaro Gattuso und Andrea Pirlo (beide AC Mailand) zu nennen. Der Angriff setzt sich zusammen aus Alberto Gilardino (AC Florenz), Vincenzo Iaquinta (Juventus Turin) und Luca Toni (Bayern München). Traditionell ist Italien auf Catenaccio ausgerichtet, für den die erfahrenen Abwehrspieler schon sorgen werden. Das nicht zu unterschätzende Mittelfeld kann die gefährlichen Stürmer gut mit Bällen versorgen, so dass die Elf einerseits schwer zu überwinden sein wird und andererseits vorne jederzeit blitzschnell zuschlagen kann.

Ihr Trainer, Marcello Lippi, war bereits von 2004 bis 2006 Trainer der Squadra Azzura und trat nach dem Gewinn des vierten Titels zurück. Bis dahin blieb er von Oktober 2004 an in 25 Spielen in Folge ungeschlagen. Er ist der bislang einzige Trainer, der sowohl Weltmeister als auch Champions League Sieger (1996 mit Juventus Turin) wurde. Nach der EM 2008 in Österreich trat er die Nachfolge von Roberto Donadoni an. In seiner zweiten Amtszeit gingen die ersten sechs Partien ebenfalls nicht verloren; er blieb also insgesamt 31 Spiele ohne Niederlage und stellte damit den Weltrekord ein. Ohne Niederlage erreichte er die Qualifikation, in der drei Remis und kein Sieg mit mehr als zwei Toren Differenz zu Buche stehen. Seine eher defensive Spielweise ist nicht unbedingt besonders schön anzusehen, und die Ergebnisse in der Qualifikation waren auch nicht überragend, doch der Erfolg (9 Siege, 6 Remis, 3 Niederlagen seit Amtsantritt) gibt ihm bislang Recht.

Kader

Tor: Gianluigi Buffon (Juventus Turin), Morgan De Sanctis (SSC Neapel), Federico Marchetti (Cagliari Calcio)

Abwehr: Salvatore Bocchetti (FC Genua), Leonardo Bonucci (AS Bari), Fabio Cannavaro (Juventus Turin), Giorgio Chiellini (Juventus Turin), Domenico Criscito (FC Genua), Christian Maggio (SSC Neapel), Gianluca Zambrotta (AC Mailand)

Mittelfeld: Mauro Camoranesi (Juventus Turin), Daniele De Rossi (AS Rom), Gennaro Gattuso (AC Mailand), Claudio Marchisio (Juventus Turin), Riccardo Montolivo (AC Florenz), Angelo Palombo (Sampdoria Genua), Simone Pepe (Udinese Calcio), Andrea Pirlo (AC Mailand)

Angriff: Antonio Di Natale (Udinese Calcio), Alberto Gilardino (AC Florenz), Vincenzo Iaquinta (Juventus Turin), Giampaolo Pazzini (Sampdoria Genua), Fabio Quagliarella (SSC Neapel)


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Niederlande

Steckbrief:

Trikotfarben: orange-weiß
FIFA-Weltrangliste: 4
WM-Teilnahmen: 1934, 1938, 1974, 1978, 1990, 1994, 1998, 2006
Größter Erfolg: Finale 1974 und 1978
WM-Gastgeber: —-
Kontinentalmeister: 1 (1988)

Rekordnationalspieler: Edwin van der Sar (130 Spiele)
Rekordtorschütze: Patrick Kluivert (40 Tore)
Trainer: Bert van Marwijk

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Zum neunten Mal sind ist Oranje bei einer Weltmeisterschaft dabei, gemessen am Renommee der Niederländer ist das wenig. Immer wieder – zuletzt 2002 und davor 1982 und 1986 – hatte man die Qualifikation verpasst. Dass man es dieses Mal als erstes europäisches Team schafft, ist also umso zufriedenstellender für den Finalisten von 1974 und 1978. Jene beiden Finalniederlagen stellen den Höhepunkt der Weltmeisterschaftsgeschichte der Elftal dar. Besonders die Niederlage gegen Deutschland in München 1974 schmerzt die Niederländer bis heute. Trotz der besseren Gesamtleistung im Turnier und wohl auch trotz des schöneren Spiels, als Totaalvoetbal bekannt geworden, verloren die Mannen um Johan Cruyff mit 2:1. Auch vier Jahre später musste man sich dem Gastgeber geschlagen geben, in Argentinien verlor man, ohne Cruyff der aus Protest gegen die Militärdiktatur in Argentinien zu Hause geblieben war, mit 3:1 nach Verlängerung. Diese Erfolge der 70er Jahre sollten bei einer WM nie wiederholt werden: 1990 schied man im Achtelfinale gegen den späteren Weltmeister Deutschland aus, 1994 ebenfalls gegen den späteren Turniersieger, Brasilien, dieses Mal im Viertelfinale, 1998 kam man wieder eine Runde weiter im Halbfinale scheiterten die Holländer dann aber im Elfmeterschießen an Brasilien und 2006 verlor man bereits im Achtelfinale gegen Portugal. Das Spiel ging als „Schlacht von Nürnberg“ in die Annalen der WM ein, insgesamt sechzehn Mal zückte der Schiedsrichter die gelbe Karte, was in insgesamt vier Platzverweisen mündete. Dank der überzeugenden Qualifikation mit sechs Siegen aus sechs Spielen besteht in den Niederlanden die Hoffnung, dass in Südafrika der Eintrag in die Geschichtsbücher wieder durch spielerische und nicht durch disziplinarische Auffälligkeiten geschieht.

Einer, der oft sowohl spielerisch als auch disziplinarisch auffällt, ist Mark van Bommel, der nach seiner Weigerung unter Ex-_Bondscoach_ Marco van Basten zu spielen ins Nationalteam zurückgekehrt ist. Ein Grund für seine Rückkehr dürfte sicher darin liegen, dass die Elftal nun von seinem Schwiegervater, Bert van Marwijk, trainiert wird, doch dieser nominiert den Bayern-Spieler nicht nur aus Gründen des Nepotismus. Der 31-jährige ist wie im Verein ein Führungsspieler, der die Mannschaft mitreißen kann, manchmal auch zu sehr, wie sein Platzverweis im angesprochenen Rekordkartenspiel deutlich macht. Dennoch wäre Oranje ohne van Bommel nicht so stark, dies beweist auch sein Tor im Spiel gegen Island, das die Qualifikation unter Dach und Fach brachte. Kapitän ist jedoch nicht van Bommel, sondern Giovanni van Bronckhorst. Der 34-jährige Linksverteidiger ist mit 89 Länderspielen der erfahrenste Spieler in Reihen der Auswahl des KNVB. Zusammen mit van Bommel gewann van Bronckhorst mit dem FC Barcelona 2006 die Champions League und hat genau wie dieser Meistertitel in drei Ländern gesammelt. Im Gegensatz zu van Bommel hat van Bronckhorst, dessen Vorfahren aus Indonesien stammen, jedoch noch nie die heimische Eredivisie gewonnen, dies blieb ihm auch seit seiner Rückkehr zu Feyenoord 2007 verwehrt. Dennoch ist Gio, wie sich van Bronckhorst seit seiner Zeit bei Barca nennt, ein wichtiger Bestandteil der Mannschaften von Feyenoord und den Niederlanden. Wie schwach Feyenoord momentan ist, zeigt, dass im Dunstkreis der Nationalelf sich außer „Gio“ von Feyenoord nur noch der 37-jährige Torwart Henk Timmer und Verteidiger Tim de Cler befinden. Doch auch die alte Größe Ajax stellt nur zwei Nationalspieler des aktuellen Kaders. Die frühere Stärke der Holländer durch starke Blockbildung eine große Eingespieltheit zu erreichen wie in den 70er Jahren existiert auch insgesamt nicht mehr. Im für die Spiele gegen Island und Norwegen berufenen Kader stellt kein Team mehr als drei Spieler. Einer der Vereine, die drei Spieler stellen ist Real Madrid, wo mit van der Vaart, Robben und Huntelaar zentrale Spieler der holländischen Offensive ihren Ligafußball spielen. Aus der Bundesliga sind im aktuellen Kader neben van Bommel noch Hamburgs Mathijsen und Stuttgarts Boulahrouz zu finden.

Wie bereits erwähnt werden die Holländer von Mark van Bommels Schwiegervater Bert van Marwijk trainiert. Der 57-Jährige übernahm das Amt nach der EM 2008 von Marco van Basten, der bei beiden großen Turnieren in der ersten KO-Runde gescheitert war. Als Spieler hatte van Marwijk nur ein einziges Mal, 1975 bei einer 0:3-Niederlage in Jugoslawien, das Trikot der Elftal getragen, auch war er als Spieler nie bei den großen Vereinen der Niederlande, Ajax, PSV oder Feyenoord, aktiv gewesen. Dennoch schaffte er eine erfolgreiche Karriere als Vereinstrainer, erreichte 1999 mit Fortuna Sittard das Pokalfinale, wurde 2000 von Feyenoord angeheuert, gleich in seiner ersten Saison wurde er Vizemeister mit den Rotterdamern, in der darauf folgenden Saison gewann er den UEFA-Pokal im Finale gegen seinen späteren Arbeitgeber Borussia Dortmund. Dort heuerte van Marwijk 2004 an und blieb, bis er im Dezember 2006 entlassen wurde. In beiden Spielzeiten, die er mit Dortmund beendete wurde van Marwijk Siebter. Den Ansprüchen in Dortmund genügte dies auf die Dauer nicht und seine Entlassung war von Vorwürfen begleitet, er würde zu lasch trainieren und sei taktisch so unflexibel, dass er als System nur das 4-3-3 kenne. Letzterer Vorwurf macht ihn für ein Arbeiten in seiner Heimat, wo das 4-3-3 oft als Heiligtum gilt, geradezu prädestiniert. So kehrte er 2007 zu Feyenoord zurück, holte mit ihnen 2008 den Pokal und wurde auch deshalb, vor allem aber wegen seiner Beliebtheit und seines Standings in den Niederlanden zum Bondscoach ernannt. Seitdem hat die Elftal alle Qualifikationsspiele gewonnen und dabei nur zwei Gegentore kassiert.

Kader

Tor: Sander Boschker (Twente Enschede), Maarten Stekelenburg (Ajax Amsterdam), Michel Vorm (FC Utrecht)

Abwehr: Khalid Boulahrouz (VfB Stuttgart), Edson Braafheid (Celtic Glasgow), Giovanni van Bronckhorst (Feyenoord Rotterdam), John Heitinga (Everton), Joris Mathijsen (Hamburger SV), Andre Ooijer (PSV Eindhoven), Gregory van der Wiel (Ajax Amsterdam)

Mittelfeld: Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven), Mark van Bommel (Bayern München), Nigel de Jong (Manchester City), Stijn Schaars (Alkmaar), Wesley Sneijder (Inter Mailand), Rafael van der Vaart (Real Madrid), Demy de Zeeuw (Ajax Amsterdam)

Angriff: Ryan Babel (Liverpool), Eljero Elia (Hamburger SV), Klaas Jan Huntelaar (AC Milan), Dirk Kuyt (Liverpool), Robin van Persie (Arsenal), Arjen Robben (Bayern München)


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Portugal

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-grün
FIFA-Weltrangliste: 3
WM-Teilnahmen: 1966 (Dritter), 1986, 2002 (Vorrundenaus), 2006 (Vierter)
Kontinentalmeister: –

Rekordnationalspieler: Luís Figo (127 Einsätze)
Rekordtorschütze: Pauleta (47 Tore)
Trainer: Carlos Queiroz

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Zumindest eines ist den Portugiesen mit der Qualifikation für Südafrika gelungen. Sie haben den Fluch des Spiels um den dritten Platz gebrochen. Zwanzig Jahre lang hatte es stets eine Nation, die bei der vorherigen WM am Trostpflasterspiel beteiligt war, nicht zur nächsten WM geschafft. Während der Qualifikation sah es auch tatsächlich lange so aus, als würde der Fluch die Portugiesen erwischen, weder gegen Dänemark (2:3, 1:1) noch gegen Schweden (0:0, 0:0) konnte die Selecção das Quinas gewinnen, selbst das Heimspiel gegen Albanien endete 0:0. Nur durch drei Siege aus den letzten drei Spielen (1:0 und 3:0 gegen Ungarn, 4:0 gegen Malta) schleppte sich Portugal in die Play-Offs. Dort allerdings setzte man sich relativ souverän mit zweimal 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina durch und qualifizierte sich somit zum fünften Mal für eine WM.

Dass die Portugiesen erst vier Mal bei einer WM dabei waren, überrascht auf den ersten Blick, doch zwischen Eusebios Blütezeit Mitte der Sechziger Jahre und dem aufkommen der „Goldenen Generation“ Mitte der Neunziger, herrschte in Portugals Nationalteam große Flaute In dieser Zeit qualifizierte man sich zwar einmal (1986) für eine WM, durfte aber als Gruppenletzter aus einer Gruppe mit Marokko, Polen und England wieder nach Hause fahren. Genau wie bei der dritten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, dieses Ausscheiden 2002 war jedoch wesentlich überraschender. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass sich aus der Gruppe mit Polen, Südkorea, den USA und eben Portugal, die beiden Europäer durchsetzen würden. Doch stattdessen schieden beide aus. Die Portugiesen nach Niederlagen gegen die USA und Südkorea.

Besser machten es die Mannen von der iberischen Halbinsel bei ihren anderen beiden Weltmeisterschaften. Sowohl 1966 als auch 2006 erreichten sie das Halbfinale. 1966 begegneten ihnen auf dem weg dorthin sogar zwei der drei Teams, die in Südafrika in der gleichen Gruppe sein werden. Brasilien war schon 1966 Vorrundengegner und musste im Gegensatz zu den Portugiesen die Segel nach drei Spielen streichen, unter anderem wegen einer 1:3-Niederlage gegen Portugal, das auch die anderen beiden Gruppenspiele gegen Ungarn (3:1) und Bulgarien (3:0) gewann. Nordkorea wartete auf die Selecção im Viertelfinale und hatte sie am Rande einer Niederlage. Nach 25 Minuten waren die Asiaten mit 3:0 in Führung, doch vier Tore von Eusebio drehten das Spiel und Portugal stand im Halbfinale. Auch dort trat die portugiesische Legende, doch es genügte nicht, Gastgeber England hatte vorher bereits zwei Mal getroffen und zog ins Finale gegen Deutschland ein. Für die Portugiesen fand die WM 1966 durch ein 2:1 gegen die UdSSR im Spiel um Platz 3 und die Tatsache, dass sie mit Eusebio (9 Tore) den Torschützenkönig stellten, dennoch einen versöhnlichen Abschluss.

Jenes Spiel um Platz 3 erreichten die Portugiesen auch vor vier Jahren in Deutschland, allerdings verloren sie damals im Gegensatz zu 1966. Bastian Schweinsteiger schoss sie im Alleingang ab und man verlor mit 1:3. Bis dahin war das Turnier für die Selecção höchst positiv verlaufen. Aus dem Spiel heraus hatte man bis zu jenem Spiel um Platz 3 kein einziges Gegentor kassiert, lediglich Zidane per Elfmeter im Halbfinale und Fonseca nach einem Eckstoß hatten die portugiesische Abwehr überwinden können. Wie schon 1966 hatten die Portugiesen die Gruppenphase mit drei Siegen hinter sich gebracht, gewonnen wurde gegen Angola (1:0), den Iran (2:0) und Mexiko (2.1). Im Achtelfinale dann folgte ein denkwürdiges Spiel in Nürnberg. Nicht wegen Maniches 1:0 erinnert man sich bis heute an die „Schlacht von Nürnberg“, sondern wegen der acht Gelben und vier Gelb-Roten Karten, die Schiedsrichter Valentin Ivanow an diesem Abend zückte. Noch nie war bei einem WM-Spiel sooft der Gelbe Karton gezeigt worden. Trotz der folgenden Sperren für Deco und Costinha überstanden die Portugiesen auch das Viertelfinale, auch wenn es diesmal des Elfmeterschießens zum Weiterkommen bedurfte. Nachdem es nach 120 Minuten 0:0 gestanden hatte, war eigentlich klar, dass Portugal ins Halbfinale kommen würde, immerhin hieß der Gegner England. Natürlich hielten sich die Briten an eines der wichtigsten Fußballgesetze und versagten im Elfmeterschießen, nur einer von vier Schützen traf, Owen Hargreaves, der zu diesem Zeitpunkt noch keine Sekunde in seiner Karriere für einen englischen Verein gespielt hatte. Im Halbfinale entschied dann erneut ein Elfmeter, allerdings dieses Mal zu Ungunsten der Portugiesen und bereits nach 33 und nicht nach 120 Minuten. Frankreichs Thierry Henry war von Ricardo Carvalho gefoult worden, Zinedine Zidane trat an und verwandelte. Portugal kam nie zurück ins Spiel und schied aus.

Aus diesem Kader, der 2006 erst durch Zidanes Elfmeterkünste eliminiert wurde, sind lediglich acht Spieler noch 2010 dabei. Es sind mit Carvalho, Ferreira, Miguel, R. Costa, Simao, Deco, Tiago und C. Ronaldo auch die acht Spieler mit den meisten Einsätzen für die Nationalelf und diejenigen, die (größtenteils) auch das Gerüst des Teams bilden. Schon an dieser Aufzählung lassen sich zwei Tatsachen feststellen: Im Tor gibt es drei neue und der der Sturm hat auch keinerlei WM-Erfahrung. Probleme mit dem Sturm sind in Portugal keine Seltenheit, die Offensivkraft scheint sich im Land stets im Mittelfeld zu ballen. Nicht zuletzt deshalb griffen die Portugiesen in ihrer Not zu einem beliebten Trick: Sie bürgerten einen Brasilianer ein. Nach Pepe und Deco ist nun also Liedson der dritte im Bunde. Der Stürmer ist bereits 32, also keine Zukunftshoffnung, spielt aber seit fast sieben Jahren bei Sporting und durchlief somit den normalen Einbürgerungsprozess, der jedem Bürger offen steht. Bisher sieben Mal spielte Liedson für Portugal und rettete mit seinem späten Ausgleich gegen Dänemark gleich Portugals Chancen auf eine WM-Qualifikation. Seit Liedsons Einbürgerung spielt der andere zentrale Stürmer der Selecção, Bremens Hugo Almeida, meist nur noch zweite Geige.

Die andere Problemzone ist das Tor. Hier stehen drei Torhüter mit insgesamt 16 Länderspielen im Aufgebot. Das ist mehr als beim DFB, gleichzeitig muss die Aussage erlaubt sein, dass diese drei wohl als weniger talentiert gelten müssen als die drei deutschen Torhüter bei der kommenden WM. Stammtorwart dürfte der 27-jährige Eduardo von Vizemeister Sporting Braga werden. Ein grundsolider Vertreter seiner Zunft, doch kein Überflieger. Sein Debüt gab der in Nordportugal geborene Schlussmann erst im Februar letzten Jahres als er im Freundschaftsspiel gegen Finnland eingewechselt wurde. Eduardo verdrängte danach Quim von Benfica Lissabon, den bisherigen Stammtorwart, der nun nicht einmal mehr im Kader steht, eine fragwürdige Entscheidung von Nationaltrainer Queiroz, dem ja spätestens seit seinem missglückten Versuch als Cheftrainer Real Madrids Schwächen in der Mannschaftsführung nachgesagt werden. Hinter Eduardo stehen mit dem Bochumer Daniel Fernandes, der seit Januar an Iraklis Saloniki verliehen war, und Beto, dem Ersatztorwart des FC Porto, zwei weitere international unerfahrene Keeper.

Vor Qualität nur strotzend sind hingegen die anderen Mannschaftsteile, auch wenn mit Pepe hinter einem wichtigen Spieler nach seinem Kreuzbandriss noch ein Fragezeichen steht. Der 27-Jährige von Real Madrid ist momentan im Trainingslager und testet, ob er bereits die nötige Fitness wieder erreicht hat, um eine WM zu spielen. Sollte er dabei sein, ist abzuwarten, ob Queiroz ihn auf seiner Stammposition in der Innenverteidigung einsetzt oder aber im defensiven Mittelfeld, wo er ob der großen Konkurrenz auf der Innenverteidigerposition in der Qualifikation des Öfteren zum Einsatz kam. In der Innenverteidigung müsste Pepe sich gegen Chelseas Ricardo Carvalho und Portos Bruno Alves durchsetzen, im defensiven Mittelfeld sind Raul Meireles und Miguel Veloso zwar ebenfalls Kontrahenten vorhanden, jedoch dürfte Pepe sich hier eher durchsetzen.

Die restlichen Mittelfeldpositionen dürften im Idealfall von Deco, Cristiano Ronaldo, Simao und Nani besetzt werden, wobei Ronaldo und Nani wahlweise als sehr offensive Außenmittelfeldspieler oder schon als Flügelstürmer bezeichnet werden können. Der Druck, den beide durch ihre Flügelläufe ausbauen, ändert sich nicht durch Unterschiede in der Nomenklatur. Das System der Portugiesen mit zwei ineinander greifenden Rauten baut nämlich sehr viel Druck über die Flügel auf und verlangt den gegnerischen Außenverteidigern ungeheure Übersicht und Kampfbereitschaft ab. Andererseits scheitert die Selecção oftmals daran, dass ihr in der Mitte der Stürmer fehlt, der den Druck von Außen und die Flanken in Tore verwandeln kann. Gefährlich ist das Offensivspiel allemal.

Das größte Problem, neben dem Sturmproblem, könnte aber für die Portugiesen auf der eigenen Bank sitzen. Carlos Queiroz’ Ruf ist in Fachkreisen eher der eines guten Jugend- und Assistenztrainers als der eines guten Trainers der ersten Mannschaft. Gebildet hat sich der Ruf zum einen aus dem erwähnten Jahr bei Real Madrid, mit denen er 2004 nur Vierter in der spanischen Liga wurde, das Pokalfinale verlor und im Viertelfinale der Champions League an Monaco scheiterte. Zu wenig für Reals Ansprüche, zu wenig für Queiroz, der nach einem Jahr wieder zurück nach Manchester ging, wo er dann weitere vier Jahre Co-Trainer von Alex Ferguson war. Zum anderen liegt dieser Ruf auch an seinem ersten Versuch als portugiesischer Nationaltrainer, der nach Qualifikationsversagen für die Euro 1992 und die WM 1994 endete. Den Job hatte Queiroz damals deshalb bekommen, weil er die U20 Portugals 1989 und 1991 zu zwei WM-Titeln geführt hatte und für die Formung von Spielern wie Luís Figo, Rui Costa oder Vítor Baía gesorgt hatte.

Für den in Mozambique geborenen Fußballlehrer ist es 2010 zwar die erste WM als Trainer, nicht jedoch die erste WM für die er sich qualifiziert hat. Für das Turnier in Südkorea und Japan hatte er sich 2002 mit Südafrika qualifiziert, trat aber vor dem Turnier nach Differenzen mit dem Verband zurück. Es ist also in diesem Sommer eine doppelte Rückkehr für Queiroz; eine Rückkehr auf den Kontinent, auf dem er geboren wurde und eine Rückkehr in das Land, dessen Nationaltrainer er war. Er hofft auf seinen zweiten Titel als Trainer im Seniorenbereich, der erste war der portugiesische Pokal, den er 1995 mit Sporting Lissabon holte. Auch eine Statistik, die den schlechten Ruf, den Queiroz bei seiner achten Trainerstation erklären kann.

Kader

Tor: Eduardo (Sporting Braga), Daniel Fernandes (Iraklis Saloniki), Beto (FC Porto)

Abwehr: Miguel (FC Valencia), Paulo Ferreira, Ricardo Carvalho (beide FC Chelsea), Bruno Alves, Rolando (beide FC Porto), Ricardo Costa (OSC Lille), Pepe (Real Madrid)

Mittelfeld: Pedro Mendes (Sporting Lissabon), Tiago (Atletico Madrid), Deco (FC Chelsea), Raul Meireles (FC Porto), Miguel Veloso (Sporting Lissabon), Duda (FC Malaga), Fabio Coentrao (Benfica Lissabon), Nani (Manchester United)

Angriff: Simao Sabrosa (Atletico Madrid), Danny (Zenit St. Petersburg), Liedson (Sporting Lissabon), Hugo Almeida (Werder Bremen), Cristiano Ronaldo (Real Madrid)


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Schweiz

Steckbrief:

Trikotfarbe: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 24
WM-Teilnahmen: 1934, 1938, 1950, 1954, 1962, 1966, 1994, 2006
Größter Erfolg: Viertelfinale (1934, 1938, 1954)
Kontinentalmeister: – (Vorrunde 1996, 2004, 2008)

Rekordnationalspieler: Heinz Hermann (117 Tore)
Rekordtorschütze: Alexander Frei (40 Tore)
Trainer: Ottmar Hitzfeld

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Die erste Teilnahme der Eidgenossen an einer WM-Endrunde fand 1934 in Italien statt. Im Achtelfinale konnten sie die Niederlande mit 3:2 schlagen, im Viertelfinale verloren sie mit dem gleichen Resultat gegen die Tschechoslowakei. 1938 in Frankreich schafften sie im Achtelfinale trotz eines Rückstandes ein 1:1 nach Verlängerung gegen Deutschland. Im Wiederholungsspiel lagen sie sogar 0:2 zurück und gewannen noch mit 4:2, aber im Viertelfinale erwiesen sich die Ungarn mit 2:0 als zu stark. 1950 in Brasilien kam die Nati im ersten Gruppenspiel mit 0:3 gegen Jugoslawien unter die Räder. Den Gastgebern konnten sie ein beachtenswertes 2:2 abtrotzen und anschließend Mexiko mit 2:1 schlagen – es reichte jedoch nur zu Platz 3 in der Gruppe.

Die nächste Teilnahme fand 1954 im eigenen Land statt. Nach einem 2:1-Sieg gegen Italien in Lausanne und einer 0:2-Niederlage gegen England in Bern musste – so sah es der damalige Modus vor – ein Entscheidungsspiel in Lugano gegen Italien herhalten. Dieses Spiel gewann die Alpenrepublik deutlich mit 4:1 und zog ins Viertelfinale ein. Der Gegner war die benachbarte Alpenrepublik Österreich, der in der “Hitzeschlacht von Lausanne” nach einem 0:3-Rückstand noch mit 7:5 die Oberhand behielt. Es war die torreichste Partie aller Weltmeisterschaften und gleichzeitig das Ende aller schweizerischen Träume.

In einem Entscheidungsspiel in Berlin hatte man Vizeweltmeister Schweden mit 2:1 geschlagen und durfte 1962 nach Chile reisen. Trotz des “Schweizer Riegels”, der von Nationaltrainer Rarl Rappan erfunden wurde, schied man bereits in der Gruppenphase nach Niederlagen gegen den Gastgeber (1:3), Deutschland (1:2) und Italien (0:3) sang- und klanglos aus. 1966 in England wurde es nicht besser. Der Italiener Alfredo Foni war inzwischen Trainer, doch es reichte wieder nur zu Platz 4 in der Gruppe. Die Gegner hießen diesmal erneut Deutschland (0:5), Spanien (1:2) und Argentinien (0:2). Mehr Aufsehen als die Ergebnisse erregte die damalige Autostopptour mit dem späteren Trainer der Nati, Jakob “Köbi” Kuhn, Leo Eichmann und Werner Leimgruber.

Durch ständige Trainerwechsel, unprofessionelle Nachwuchsarbeit und unterschiedliche Auffassung der Spielweise in verschiedenen Teilen der Schweiz, die sich nicht miteinander verbinden ließen, entstand eine lange Durststrecke, während der keine weitere Endrunde erreicht werden konnte, wenn auch die Ergebnisse häufig knapp waren. Das änderte sich 1994 unter dem englischen Trainer Roy Hodgson, der die gute Arbeit von Uli Stielike fortführte und die Eidgenossen zur WM 1994 in den USA führte. Dort gelang nach einem 1:1 gegen den Gastgeber ein 4:1 gegen Rumänien. Nach der 0:2-Niederlage gegen Kolumbien erreichte man Platz 2 und schied im Achtelfinale mit 0:3 gegen Spanien aus. Nach einem weiteren Zwischentief erreichten die Alpenkicker über die Play-Offs durch die Auswärtstorregel (2:0 in Bern, 2:4 in Istanbul) gegen die Türkei die Endrunde 2006 in Deutschland. Unrühmlicher Höhepunkt waren dabei zweifellos die Angriffe türkischer Spieler nach der zweiten Partie. Die Eidgenossen überstanden die Gruppenphase gegen Frankreich (0:0), Südkorea (2:0) und Togo (2:0) ohne Gegentreffer und schieden im Achtelfinale nach einem torlosen Remis mit 0:3 im Elfmeterschießen gegen die Ukraine aus. Sie sind damit einerseits die einzige Mannschaft in der Geschichte der Weltmeisterschaft, die ohne erlittenes Feldtor aus einem Turnier ausschied, andererseits das einzige Team, dem im Elfmeterschießen kein Tor gelang.

Im Tor der aktuellen Auswahl ist Diego Benaglio vom Deutschen Meister VfL Wolfsburg gesetzt. In der Abwehr sind aus der Bundesliga Philipp Degen (vormals Borussia Dortmund, jetzt Liverpool FC), Mario Eggimann (Hannover 96), Ludovic Magnin (früher Werder Bremen, jetzt VfB Stuttgart) und Christoph Spycher (Eintracht Frankfurt) bekannt. Weniger geläufig ist Steve von Bergen von Hertha BSC Berlin. Erfahrenster Abwehrrecke ist jedoch Patrick Müller mit 81 absolvierten Länderspielen. Auch im Mittelfeld tummeln sich verschiedene aktuelle und ehemalige Bundesligisten. So zum Beispiel Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen), Benjamin Huggel (früher Eintracht Frankfurt, jetzt FC Basel), Fabian Lustenberger (Hertha BSC Berlin) und Pirmin Schwegler (früher Bayer Leverkusen, jetzt Eintracht Frankfurt). Die meisten absolvierten Spiele (80) hat Hakan Yakin, der für den FC Luzern spielt und früher beim VfB Stuttgart unter Vertrag stand. Im Sturm sind Eren Derdiyok (Bayer Leverkusen) und Rekordtorschütze Alexander Frei (früher Borussia Dortmund, heute FC Basel) bestens bekannt. Insgesamt setzt sich der Kader aus Spielern zusammen, die in sieben verschiedenen europäischen Ländern ihre Brötchen verdienen.

Trainer dieser “internationalen” Truppe ist der Deutsche Ottmar Hitzfeld, der seit dem 1. Juli 2008 die Fäden in der Hand hält. Die Liste seiner Erfolge ist lang: Als Spieler wurde er Schweizer Meister und Pokalsieger, als Trainer Schweizer Meister, Pokalsieger und Supercupsieger, Deutscher Meister, Pokalsieger und Supercupsieger, Champions League Sieger und Weltpokalsieger sowie Trainer des Jahres in beiden Ländern. Trotz eines schwachen Starts in die WM-Qualifikation, in der er unter anderem peinlicherweise gegen Luxemburg mit 1:2 unterlag, gelang ihm die direkte Qualifikation. Ungeachtet der Anfangsergebnisse wurde sein Vertrag bereits im August 2009 um zwei Jahre bis 2012 verlängert. Da er in Lörrach nahe der Schweizer Grenze aufgewachsen ist und in der Schweiz als Spieler und Vereinstrainer tätig war, spricht er fließend Schweizerdeutsch. Er hat einmal gesagt, dass er vor seiner Zeit bei Borussia Dortmund selten Hochdeutsch gesprochen hatte und es erst lernen musste.

Kader

Tor: Diego Benaglio (VfL Wolfsburg), Marco Wölfli (Young Boys Bern), Johnny Leoni (FC Zürich)

Abwehr: Stephan Lichtsteiner (Lazio Rom), Philippe Senderos (FC Everton), Stephane Grichting (AJ Auxerre), Steve von Bergen (Hertha BSC Berlin), Mario Eggimann (Hannover 96), Reto Ziegler (Sampdoria Genua), Ludovic Magnin (FC Zürich).

Mittelfeld: Valon Behrami (West Ham United), Gökhan Inler (Udinese Calcio), Benjamin Huggel (FC Basel), Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt), Gelson Fernandes (AS St. Etienne), Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen), Xherdan Shaqiri (FC Basel), Marco Padalino (Sampdoria Genua).

Angriff: Alexander Frei (FC Basel), Blaise N’Kufo (Twente Enschede), Eren Derdiyok (Bayer Leverkusen), Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg), Hakan Yakin (FC Luzern)


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Serbien

Steckbrief:

Trikotfarbe: rot-blau
FIFA-Weltrangliste: 15
WM-Teilnahmen: keine (1930, 1950, 1954, 1958, 1962, 1974, 1982, 1990 als Teil Jugoslawiens, 1998 unter dem Namen Jugoslawien, 2006 als Teil von Serbien & Montenegro)
Größter Erfolg (als Jugoslawien): Vierter (1930, 1962)
Kontinentalmeister: – (als Jugoslawien Vierter 1976)

Rekordnationalspieler: Savo Milošević (102 Einsätze)
Rekordtorschütze: Savo Milošević (37 Tore)
Trainer: Radomir Antić

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Würde man die turbulente Geschichte des Balkans nicht kennen und wäre man ein wenig zynisch, so könnte man behaupten, dass sich Serbien einen Spaß daraus macht bei jeder Weltmeisterschaft unter neuem Namen und in neuer Zusammensetzung aufzutauchen: 1990 zusammen mit Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro als Jugoslawien, 1998 nur noch mit Montenegro als Jugoslawien, 2006 in selber Zusammensetzung als Serbien und Montenegro und schließlich jetzt 2010 ganz alleine und einfach als Serbien. Die FIFA geht mit diesem Wirrwarr ganz einfach um: Alle WM-Ergebnisse Jugoslawiens und Serbien-Montenegros gehören offiziell Serbien.

Somit beginnt dessen WM-Geschichte auf einem Postschiff. „Florda“ hieß es und brachte die Serben, Kroaten aus Protest gegen die Verlegung des Verbandssitzes aus Zagrab nach Belgrad nicht dabei, von Marseille nach Montevideo. Das Königreich Jugoslawien war eine von vier europäischen Nationen (die anderen waren Frankreich, Belgien und Rumänien), die nach Uruguay reisten, um dort die erste Fußball-WM auszuspielen. Es war das einzige europäische Team, das die Vorrunde überstand, nachdem es sowohl Brasilien als auch Bolivien hatte besiegen können. Nach dem folgenden Halbfinale war dann allerdings das Turnier beendet, der spätere Weltmeister Uruguay besiegte die Jugoslawen mit 6:1, obwohl ein gewisser Branislav Sekulić, der in 50er Jahren dann Schweizer Nationaltrainer war, das Führungstor für die Gäste hatte erzielen können.

Beim nächsten Auftritt Jugoslawiens war aus dem „Königreich Jugoslawien“ die „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“ geworden. Zwischen den beiden Turnieren lagen zwanzig Jahre und ein blutiger Weltkrieg. Erneut reisten die Südosteuropäer, die wegen ihrer blauen Trikots in der Heimat Plavi (die Blauen) hießen, nach Südamerika, erneut trafen sie in der Vorrunde auf Brasilien. Doch dieses Mal behielten die Südamerikaner, gleichzeitig Gastgeber des Turniers, die Oberhand und gewannen das entscheidende Gruppenspiel mit 2:0. Zuvor hatte Jugoslawien noch die Schweiz mit 3:0 und Mexiko mit 4:1 bezwungen. Zweifacher Torschütze gegen Mexiko: Zeljko Cajkovski der Bruder des späteren Bayern-Trainer „Cik“ Cajkovski, der bei diesem Turnier ebenfalls für Jugoslawien auf dem Platz stand.

Während Zeljko vier Jahre später nicht mehr auf dem Platz stand, war Zlatko auch noch in der Schweiz mit von der Partie. Dort überstanden die Jugoslawen die Vorrunde, auch dank eines 1:0-Siegs gegen Frankreich, bei dem ein anderer Bruder, der von Bora Milutinovic, das entscheidende Tor schoss. Wieder mit in der Vorrundengruppe: Brasilien. Man trennte sich 1:1. Im Viertelfinale war dann Endstation für die Plavi, sie verloren gegen die Bundesrepublik Deutschland und reisten heim. Genau diesen Satz konnte man vier Jahre später wiederholen. Wieder war Deutschland der Viertelfinalgegner, wieder verlor Jugoslawien und auch 1962 kam es zum Viertelfinalduell zwischen Deutschland und Jugoslawien, doch dieses Mal gewannen die Südosteuropäer und zogen ins Halbfinale ein. Hier waren die Tschechoslowaken aber zu stark und man verlor mit 1:3 und auch das Spiel um Platz 3 gegen Chile ging verloren, so dass man die WM 1960 wie die WM 1930 als Vierter abschloss.

Wie als könnten sie nicht voneinander trafen Deutschland und Jugoslawien auch 1974 bei der nächsten WM-Teilnahme der Plavi aufeinander. Wieder in der Runde vor dem Halbfinale, auch wenn sie dieses Mal in Form einer Gruppenphase stattfand. Die erste Gruppenphase hatte Jugoslawien nach einem 0:0 gegen Brasilien, einem 1:1 gegen Schottland und einem 9:0 gegen Zaire als Erster, die BRD wegen einer Niederlage gegen die DDR nur als Zweiter beendet, es schien also als seien die Jugoslawen in besserer Form. Doch die Jugoslawen hatten das zweifelhalfte Vergnügen der erste Gegner des DFB nach jener schmachvollen Niederlage gegen die DDR zu sein. Die DFB-Elf überrollte Jugoslawien und gewann mit der ersten überzeugenden Leistung des Turniers mit 2:0 und wurde später Weltmeister. Jugoslawien hingegen verlor auch die anderen beiden Spielen der Zwischenrunde gegen Schweden und Polen.

Mit der Teilnahme an der WM 1974 begann ein regelmäßiges Spiel von Teilnahme und Nicht-Teilnahme für die Jugoslawen, das erst mit der Teilnahme an der WM 2010 unterbrochen werden wird. Auf eine erfolgreiche Qualifikation folgte stets ein Scheitern in der nächsten. Somit fanden die Titelkämpfe 1974, 1982, 1990, 1998, 2006 mit, die von 1978, 1986, 1994 und 2002 ohne jugoslawische Beteiligung statt.

1982 kam das Aus bereits in der Vorrunde, was hieß, dass man zum ersten Mal, wenn beide Teams am Turnier teilnahmen, nicht gegen Deutschland spielte. Denn in der Vorrundengruppe waren die Gegner Gastgeber Spanien, Nordirland und Honduras. Nur Honduras konnten die Jugoslawen schlagen. Acht Jahre später trafen Jugoslawien und Deutschland dann aber wieder aufeinander, gleich im Auftaktspiel. Lothar Matthäus zerlegte die Jugoslawen fast im Alleingang und am Ende stand es 4:1. Dennoch gelangten die Plavi bis ins Viertelfinale, nachdem sie in der Vorrunde Kolumbien und die Vereinigten Arabischen Emirate schlagen konnten und im Achtelfinale Spanien in der Verlängerung ausschalteten. Erst die Elfmeterkillerkünster von Sergio Goycochea beendeten die WM 1990 für Jugoslawien. Argentinien zog nachdem das Spiel über 120 Minuten torlos geblieben war ins Halbfinale ein.

Wie als wollte das Schicksal Deutschland und Jugoslawien nicht auseinander gehen lassen, war Deutschland auch bei der ersten Teilnahme Jugoslawiens, inzwischen der Name für das „Restgebiet“ aus Serbien und Montenegro, nach Ende des Bürgerkriegs einer der Gegner. Über weite Strecken dominierten die Jugoslawen, denen Andreas Köpke ein Tor geschenkt hatte, das Spiel gegen „Bertis Buben“, doch durch ein Eigentor von Sinisa Mihajlovic, der im ersten Gruppenspiel gegen den Iran noch den Siegtreffer für die Jugoslawen erzielt hatte, gerieten sie ins Wanken und kurz darauf konnte Oliver Bierhoff den Ausgleich erzielen. Beide Teams gewannen ihre abschließenden Gruppenspiele und so gewann Deutschland die Gruppe auf Grund der besseren Tordifferenz, weshalb Jugoslawien im Achtelfinale nun gegen Holland spielen musste. Die Jugoslawen wehrten sich lange erfolgreich gegen die Oranjes und hielten lange ein Unentschieden, doch in der zweiten Minute der Nachspielzeit traf Edgar Davids und Jugoslawien war ausgeschieden.

Natürlich war Deutschland auch an der bislang letzten WM-Teilnahme Jugoslawiens, das sich inzwischen mit der treffenderen Bezeichnung Serbien und Montenegro ausgestattet hatte, beteiligt. Dieses Mal nicht als Gegner, sondern als Gastgeber. Doch die Serben und Montenegriner hatten in der „Todesgruppe“ mit Argentinien, den Niederlanden und der Elfenbeinküste keine Chance. Sie verloren alle drei Gruppenspiele, darunter das Spiel gegen Argentinien mit 0:6.

Natürlich sind von dieser Mannschaft, die bei der WM 2006 ohne Punkte heimfuhr noch einige Spieler für Serbien aktiv. Doch Trainer Radomir Antic hat die Mannschaft ordentlich verjüngt und viele Spielern aus den erfolgreichen U-Nationalmannschaften ins A-Team geholt. Echte alte Haudegen mit einer hohen Anzahl von Länderspielen sind eigentlich nur Ivica Dragutinoivc (33, FC Sevilla) und Dejan Stankovic (30, Inter Mailand). Letzterer stand bereits vor zwölf Jahren im jugoslawischen WM-Kader und ist heute der Kapitän der serbischen Nationalelf. Er gilt als Kopf und Lenker der Mannschaft und strahlt dank seines kraftvollen Schusses auch Torgefahr aus. Dragutinovic hingegen bildet zusammen mit Nemanja Vidic von Manchester United das defensive Zentrum des Abwehrverbunds der Serben. Die beiden waren Teil der Viererkette, die in der Qualifikation für das Turnier in Deutschland nur ein einziges Gegentor zulassen musste.

Jener Vidic (27) muss wohl als der Star des serbischen Teams gelten, dreimal hat er die englische Liga gewonnen, einmal auch die Champions League. Jedes Mal war er mit seiner Präsenz, seiner Zweikampfstärke und seiner Robustheit ein integraler Bestandteil des Erfolgs des Teams von Alex Ferguson. In der letzten Saison wurde er sogar von der Premier League als Spieler der Saison in der Premier League ausgezeichnet. Die deutschen Fans haben einen anderen serbischen Innenverteidiger in den letzten beiden Spielzeiten aus nächster Nähe kennenlernen dürfen. Neven Subotic von Borussia Dortmund. Der 20-jährige Shooting-Star debütierte im März für die serbische Auswahl, nachdem auch der DFB und der US-Fußballverband um seine Dienste gebuhlt hatten.

Andere in Deutschland aktive serbische Nationalspieler sind Antonio Rukavina von 1860 München, der Stuttgarter Neuzugang Zdravko Kuzmanovic und Gojko Kacar von Hertha BSC Berlin. Dessen ehemaliger Teamkollege Marko Pantelic ist eine der Sturmoptionen von Trainer Radomir Antic, der in den letzten Qualifikationsspielen allerdings im Sturm lieber auf Nikola Zigic (28), den baumlangen Stürmer vom Valencia und Milan Jovanovic (28) von Standard Lüttich setzte. Ob Pantelic’ Nichtnominierung für die Spiele im September eine Entscheidung gegen den schwierigen Stürmer von Ajax Amsterdam darstellen oder Antic nur temporär auf ihn verzichtet, wird die Zeit zeigen.

Dass jener Antic das serbische Nationalteam trainiert, erscheint wie ein kleines Wunder. Der 60-Jährige ist zwar gebürtiger Serbe, hat aber mehr als halbes Leben außerhalb seiner Heimat verbracht. Die Wahlheimat des ehemaligen Verteidigers ist Spanien. Bis heute ist Antic der einzige, der sowohl Real Madrid, als auch den FC Barcelona, als auch Atletico Madrid trainiert hat. Beim letzteren Verein feierte Antic die größten Erfolge, er holte 1996 mit Atletico das Double und wird von Atletico-Fans bis heute als einer ihrer größten Trainer verehrt.

Antic übernahm die serbische Mannschaft im August 2008 nach den Olympischen Spielen von Miroslav Dukic, der das Team eigentlich zur WM hätte führen sollen, nach Streitigkeiten mit Verbandsoffiziellen aber entlassen worden war. Bei seinem Amtsantritt kritisierte Antic dann auch in Bezug auf die Streitigkeiten die fehlende Disziplin in Team und Verband. Antic hat den serbischen Kader auf vielen Positionen umgestellt, exakt darauf achtend, welche Spieler zusammenpassen, getreu seiner Philosophie, die das Individuum hinter das Kollektiv zurücktreten lassen will. Gelingt ihm dies ist die serbische Mannschaft für das (historisch gesehen) fast sichere Aufeinandertreffen mit der DFB-Elf bestens gerüstet.

Kader

Tor: Vladimir Stojkovic (Wigan), Bojan Isailovic (Zaglebie Lubin), Andjelko Djuricic (Leiria)

Abwehr: Branislav Ivanovic (Chelsea), Antonio Rukavina (1860 München), Nemanja Vidic (Manchester United), Neven Subotic (Borussia Dortmund), Aleksandar Lukovic (Udinese), Ivan Obradovic (Saragossa), Aleksandar Kolarov (Lazio)

Mittelfeld: Dejan Stankovic (Inter), Nenad Milijas (Wolverhampton), Miloss Krasic (ZSKA Moskau), Milos Ninkovic (Dynamo Kiew), Zdravko Kuzmanovic (VfB Stuttgart), Zoran Tosic (1. FC Köln), Gojko Kacar (Hertha BSC), Radosav Petrovic (Partizan Belgrad)

Angriff: Nikola Zigic (Valencia), Marko Pantelic (Ajax), Danko Lazovic (Zenit St. Petersburg), Dragan Mrda (Vojvodina), Milan Jovanovic (Standard Lüttich)


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Slowakei

Steckbrief:

Trikotfarben: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 34
WM-Teilnahmen: keine (Als Teil der Tschechoslowakei: 1934, 1938, 1954, 1958, 1962, 1970, 1982, 1990)
Größter Erfolg: keiner (Als Teil der Tschechoslowakei: Finalist 1934, 1962)
Kontinentalmeister: keiner (Als Teil der Tschechoslowakei: Europameister 1976)

Rekordnationalspieler: Miroslav Karhan (96 Einsätze)
Rekordtorschütze: Szilárd Németh (22 Tore)
Trainer: Vladimír Weiss

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Ginge es um die WM-Geschichte der Slowakei als eigener Staat, die Zeilen hier könnten nahezu leer bleiben: 1998 Gruppenvierter in der UEFA-Gruppe 6 hinter Spanien, Jugoslawien und der Tschechischen Republik, 2002 Gruppendritter in der UEFA-Gruppe 4 hinter Schweden und der Türkei, 2006 Zweiter in der UEFA-Gruppe 3 hinter Portugal, in den Entscheidungsspielen mit 5:1 und 1:1 an Spanien gescheitert. Ergo stehen keine WM-Teilnahmen für die Slowaken zu Buche, auch wenn sie jedes Mal ein Stückchen näher an die Teilnahme gerückt sind, die Qualifikation für 2010 also quasi als logischer Schritt erachtet werden kann. Doch ganz so einfach ist die WM-Geschichte der Slowaken dann doch nicht. Bereits acht Mal nahmen slowakische Spieler an einer WM teil: Als Teil der Tschechoslowakei.

Im Gegensatz zur UdSSR oder Jugoslawien, deren WM-Ergebnisse von der FIFA Russland und Serbien zugeordnet werden, gelten die Tschechische Republik und die Slowakei als gleichberechtigte Nachfolger des tschechoslowakischen Nationalteams. So gilt die Slowakei in den FIFA-Rekordbüchern als WM-Finalist 1934, obwohl lediglich zwei Slowaken (Cambal – kam in allen vier Spielen zum Einsatz – und Daucik – blieb ohne Einsatz) im Kader der CSR standen. Rumänien, die Schweiz und das Deutsche Reich hatte die CSR besiegt, ehe sie selbst in der Verlängerung des Finales gegen die Gastgeber mit 1:2 verloren.

Ein weiteres Mal stand die Tschechoslowakei, deren offizielle Abkürzung inzwischen um ein zweites „S“ auf CSSR erweitert worden war, im Endspiel einer Fußballweltmeisterschaft und dieses Mal macht es durchaus mehr Sinn, diesen Finaleinzug sowohl den Tschechen als auch den Slowaken gutzuschreiben. Der Kader bestand fast gleichmäßig besetzt aus zwölf Tschechen und zehn Slowaken. Das Team drang nach einer durchwachsenen Vorrunde (Sieg gegen Spanien, Remis gegen Brasilien, Niederlage gegen Mexiko) durch Siege gegen Ungarn und Jugoslawien bis ins Finale vor. Dort warteten erneut die Brasilianer und dieses Mal konnte man ihnen kein 0:0 abgewinnen. Die Südamerikaner siegten mit 3:1, obwohl Masopust die Tschechoslowakei noch mit 1:0 in Führung gebracht hatte.

Nach den Finaleinzügen 1934 und 1962 folgen auf der Erfolgsskala der Tschechoslowakei die Titelkämpfe von 1938 und 1990. Bei beiden erreichte man immerhin das Viertelfinale. 1934 wurde das ganze Turnier im KO-System ausgetragen und nach einem 3:0 gegen Holland in der ersten Runde war für die CSR dann im Viertelfinale gegen Brasilien Schluss. Das erste Spiel endete noch 1:1, so dass ein Wiederholungsspiel nötig war. Dies verlor die CSR, in deren Kader wie schon 1934 erheblich mehr Tschechen als Slowaken standen, mit 2:1. 1990 war die BRD die unüberwindbare Hürde der Tschechoslowakei. Zuvor hatte man im Achtelfinale Costa Rica mit 4:1 besiegt und auch in der Gruppenphase ansehnlichen Fußball gespielt. Die USA und Österreich wurden geschlagen und gegen Italien lange mitgehalten, auch wenn die Gastgeber am Ende mit 2:0 gewannen. Zu diesem Zeitpunkt firmierte die Tscheschoslowakei schon nicht mehr als CSSR, sondern nach den Wandlungen im Ostblock als CSFR. Das Adjektiv „sozialistisch“ war durch „föderativ“ ersetzt worden und das Föderative zeigte sich auch darin, dass der Kader genau paritätisch mit elf Slowaken und elf Tschechen besetzt war.

Vier weitere Male war die Tschechoslowakei bei Weltmeisterschaften dabei. Kein einziges Mal überstand sie die Vorrunde. Nicht 1954 nach Niederlagen gegen Uruguay und Österreich; nicht 1958, wo ein 2:2 gegen die BRD und ein 6:1 gegen Argentinien nicht zum Weiterkommen reichten, da man das erste Spiel gegen Norirland mit 0:1 verloren hatte; nicht 1970, wo die CSSR alle drei Gruppenspiele gegen Brasilien, Rumänien und England verlor; und auch nicht 1982, als man sich mit einem 1:1 gegen Kuwait blamierte, so dass das 2:2 gegen Frankreich nach der 0:2 Niederlage gegen England nicht mehr als ein kleiner Achtungserfolg blieb. In der Mitte zwischen den beiden letztgenannten Turnieren lag der größte internationale Erfolg der Tschechoslowakei, eng verbunden mit Uli Hoeneß’ Elfmeterkünsten. Als der damals 24-Jährige seinen Elfmeter im EM-Finale 1976 in den Belgrader Nachthimmel jagte, servierte er der CSSR den Titel auf einem Silbertablett. Antonin Panenka, einer von vier im Finale eingesetzten Tschechen – die anderen neun waren Slowaken -, nahm dankend an, die CSSR war Europameister.

Europameister war noch keiner im heutigen Kader der Slowaken, der Kapitän kann aber zumindest einen Deutschen Pokalsiegertitel sein eigenen nennen. Robert Vittek gewann 2007 mit dem 1. FC Nürnberg diesen Titel. Heute spielt der 27-jährige Stürmer für den OSC Lille in der französischen Ligue 1. Dort kommt der schnelle, technisch beschlagene Stürmer regelmäßig zum Einsatz ist aber weit entfernt von den Leistungen seiner besten Bundesligazeit. Die kam in der Rückrunde 2005/06 als er in 16 Ligaspielen 16 Tore erzielen konnte. Einen solchen Lauf hatte der am Schluss seiner Zeit in Nürnberg als lethargisch und arbeitsscheu verschieene Vittek seitdem nie wieder. In der Nationalmannschaft spielte Vittek oft besser als im Verein, er belegt in der ewigen Torschützenliste seines Landes Rang zwei.

Rang vier dieser Liste wird von einem anderen aus der Bundesliga bekannten Spieler belegt, Miroslav Karhan. Der inzwischen für Mainz aktive defensive Mittelfeldspieler ist gleichzeitig der Rekordnationalspieler der Slowakei und einer der wenigen Akteure im Kader der Slowaken, der die 30 bereits überschritten hat. Mit seiner Übersicht und Erfahrung ist Karhan ein wichtiger Führungsspieler für Vladimir Weiss. Neben Karhan gehören mit Pekarik (Wolfsburg), Hanzel (Schalke), Sestak (Bochum) und Jendrisek (Lautern) noch vier weitere Bundesligaspieler zum Kreis der Nationalmannschaft. Nicht mehr dabei ist Marek Mintal, der Bundesligatorschützenkönig von 2005 trat im Frühjahr aus der Nationalelf zurück, da er nicht das nötige Vertrauen von Nationaltrainer Weiss spürte. Er wolle sich stattdessen auf die Aufgaben beim 1. FC Nürnberg konzentrieren.

Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern finden sich die slowakischen Nationalspieler. Kaum einer spielt, sobald er ein gewisses Niveau erreicht hat, noch in der Heimat. Das Niveau der Liga ist zu schwach, um sich dort langfristig weiter zu entwickeln. Den prestigeträchtigsten Arbeitgeber aller Legionäre hat sicherlich Martin Skrtel. Der 24-jährige Innenverteidiger steht beim FC Liverpool unter Vertrag und ist dort dank seiner Zweikampfstärke und seines Kopfballspiels eine feste Größe. Es ist daher keine Überraschung, dass er auch für Nationaltrainer Vladimir Weiss eine wichtige Rolle spielt.

Weiss ist erst seit Juli 2008 Nationaltrainer seines Heimatlandes. Er übernahm den Posten von Jan Kocian, dessen Amtszeit insgesamt sehr enttäuschend verlaufen war. Nur drei seiner 17 Spiele als Nationaltrainer konnte Kocian gewinnen. Weiss hat in seinen bislang dreizehn schon doppelt so viele Siege zu Buche stehen. Dass Weiss ein erfolgreicher Trainer sein kann, stellte er bereits als Vereinscoach unter Beweis, als er Artmedia Petrzalka durch drei Qualifikationsrunden bis in die Champions League-Gruppenphase führte und dort beim FC Porto trotz eines 0:2-Rückstands noch mit 3:2 gewinnen konnte.

Weiss entstammt einer slowakischen Fußballerdynastie: Sein Vater, ebenfalls mit Namen Vladimir Weiss, spielte dreimal für die Tschechoslowakei, sein Sohn, auch er heißt Vladimir Weiss, spielt im Jugendteam von Manchester City, ist aber bereits Nationalspieler unter seinem Vater. Auch wenn seine Erfolge ihm recht geben ist der “mittlere Weiss”, WM-Teilnehmer von 1990, nicht bei allen slowakischen Fußballfans beliebt. Durch seine kompromisslose Art, die unter anderem Marek Mintal vergraulte, hat er sich nicht nur Freunde gemacht, auch wenn sie sicherlich ein Grund dafür ist, dass die Slowakei zum ersten Mal als eigener Verband bei einer WM dabei ist.

Kader

Tor: Jan Mucha (Legia Warschau), Dusan Kuciak (FC Vaslui), Dusan Permis (Dundee United)

Abwehr: Peter Pekarik (VfL Wolfsburg), Martin Petras (AC Cesena), Martin Skrtel (FC Liverpool), Jan Durica (Lokomotive Moskau), Radoslav Zabavnik (FSV Mainz 05), Marek Cech (West Bromwich Albion), Kornel Salata (Slovan Bratislava)

Mittelfeld: Kamil Kopunek (Spartak Trnava), Jan Kozak (FC Timisoara), Juraj Kucka (Sparta Prag), Marek Sapara (MKE Ankaragücü), Marek Hamsik (SSC Neapel), Vladimir Weiss (Bolton Wanderers), Miroslav Stoch (Twente Enschede), Zdeno Strba (Skoda Xanthi)

Angriff: Stanislav Sestak (VfL Bochum), Erik Jendrisek (1. FC Kaiserslautern), Robert Vittek (MKE Ankaragücü), Martin Jakubko (Saturn Ramenskoje), Filip Holosko (Besiktas Istanbul)


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Slowenien

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß
FIFA-Weltrangliste: 25
WM-Teilnahmen: 2002
Größter Erfolg: Vorrunde (2002)
Kontinentalmeister: –

Rekordnationalspieler: Zlatko Zahovic (80 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Zlatko Zahovic (35 Tore)
Trainer: Matjaz Kek

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Bei der fünften Teilnahme an der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft gelang es dem noch jungen Land Slowenien zum zweiten Mal, sich für das Turnier zu qualifizieren. Letztmals schafften die Slowenen 2002 das Kunststück, als man sich mit dem zweiten Platz in der Gruppenphase für die Relegation qualifizierte. Dort traf man auf Rumänien, gegen die man sich am Ende überraschenderweise knapp durchsetzen konnte (1:1 / 2:1). Bei der WM in Japan und Südkorea selbst bekam man mit Spanien, Paraguay und Südafrika eine schwere Gruppe zugelost, die sich am Ende auch als unlösbar darstellen sollte. Nach der zu erwartenden Pleite gegen Spanien (1:3) traf man auf Südafrika, die sich bei dem Turnier nicht schlecht verkauften und auch gegen die Slowenen mit 1:0 die Oberhand behielten. Im letzten für die osteuropäische Nation unbedeutenden Spiel gegen Paraguay verlor man mit 1:3 zum dritten Mal und musste ohne eigenen Punkt die Heimreise antreten.

In Südafrika soll dies anders ablaufen, schon in der Qualifikation hat man gezeigt, dass auch große Fußballnationen kein leichtes Spiel mit der slowenischen Truppe haben. Nachdem man in der Qualifikationsgruppe schon Tschechien hinter sich lassen konnte, gab es in der Relegation erst die richtige Sensation. Denn der Gegner war schließlich Russland, nur ein gutes Jahr zuvor noch Halbfinalist bei der Europameisterschaft. Im Hinspiel in Moskau verlor man denkbar knapp mit 1:2 und schöpfte Hoffnung, dass man sich doch für das WM-Turnier qualifizieren könnte. Zu recht, denn im Rückspiel im heimischen Maribor ging man durch ein Tor von Zlatko Dedic in Führung – und rettete das Ergebnis über die Zeit. Wenn man noch einen Beweis für die mannschaftliche Geschlossenheit brauchte, dieses Spiel lieferte diesen.

Allerdings war der Erfolg auch einen der absoluten Stars Sloweniens zu verdanken: Samir Handanovic, Torwart des Serie A-Klubs Udinese Calcio, hielt in beiden Spielen sensationell und so auch die Qualifikation fest. Dass er internationale Klasse hat, bewies er auch schon in der Gruppenphase, in der Handanovic gerade mal vier Gegentore in zehn Spielen zuließ. In Deutschland dürfte aber zumindest ein Spieler (noch) bekannter sein, was seinen starken Leistungen in der Bundesliga-Saison 2008/09 zu verdanken ist. Milivoje Novakovic trug mit seinen 16 Toren maßgeblich dazu bei, dass sein Verein, der 1. FC Köln, die Klasse souverän halten konnte und stieg zum unumstrittenen Star der Mannschaft auf. Die letzte Saison lief für den slowenischen Mittelstürmer nahezu komplett anders, nach der Rückkehr von Podolski nach Köln rückte Novakovic aus dem Fokus, leistete sich einige Eskapaden, die in der eigenmächtigen Teilnahme an den Feierlichkeiten nach der erfolgreichen WM-Qualifikation in Ljubljana ihre Gipfel fanden. Resultat: Kapitänsbinde weg, Leistungstief und mickrige sechs Tore in der Bundesliga. Ob er bis zur WM noch in Form kommt, ist mehr als fraglich, und ist doch ganz entscheidend für das slowenische Team. Denn Novakovic ist der einzige Stürmer, der auch auf hohem Niveau regelmäßig Treffer erzielen kann – der restlichen Offensive fehlt es an der Durchschlagskraft. So auch bei Zlatko Dedic vom VfL Bochum, der zwar mit seinem entscheidenden Treffer gegen Russland seinen Platz in der slowenischen Fußballhistorie sicher haben dürfte, aber vor dem Tor strahlt auch er nicht dauerhafte Gefahr aus.

So wird es auch auf das Mittelfeld ankommen, das von Robert Koren angeführt wird. Der 29-jährige Spielmacher von West Bromwich Albion trug erfolgreich dazu bei, dass sein Verein in die Premier League zurückkehren konnte und wird auch in Südafrika ein entscheidender Faktor für das Abschneiden seines Landes sein, da das slowenische Spiel meist über ihn läuft. Genauso wie die Abwehr, die neben Handanovic auch einen großen Anteil an den wenigen Gegentoren hatte. Kopf der Defensive ist Innenverteidiger Bostjan Cesar vom französischen Klub Grenoble Foot. Neben ihm agieren meist Bojan Jokic (Udinese Calcio), Marko Suler (KAA Gent) und mit Miso Brecko ein weiterer Akteur vom 1. FC Köln.

Trainer der slowenischen Auswahl ist der 58-jährige Matjaz Kek, der seit dem 3. Januar 2007 im Amt ist. Zu Beginn lief es nicht wirklich gut für den Mann, der mit NK Maribor zweimal die slowenische Meisterschaft gewinnen konnte. Unter seiner Führung holte man in der Qualifikation zur EM 2008 in neun Spielen gerade mal acht Punkte und wurde Vorletzter. Umso überraschender, dass Kek mit seinem Team nur zwei Jahre später nach Südafrika fliegen darf, denn mit so einem Leistungssprung nach vorne haben nur wenige gerechnet.

Umso ambitionierter wird man dann wohl bei der Weltmeisterschaft antreten, denn das Achtelfinale und der damit größte Erfolg in der Geschichte des slowenischen Verbandes scheint nicht unrealistisch zu sein. Zwar hat man mit England einen scheinbar übermächtigen Gegner in der Gruppenphase, allerdings sind die beiden anderen Konkurrenten ums Weiterkommen, Algerien und die USA, nicht stärker als Slowenien einzuschätzen. Wenn die Form stimmt. Und da wird für Kek bis zum 13. Juni noch einiges zu tun sein.

Kader

Tor: Samir Handanovic (Udinese Calcio), Jasmin Handanovic (AC Mantova), Aleksander Seliga (Sparta Rotterdam)

Abwehr: Marko Suler (KAA Gent), Bostjan Cesar (Grenoble Foot), Branko Ilic (Lokomotive Moskau), Matej Mavric (TuS Koblenz), Elvedin Dzinic (NK Maribor), Miso Brecko (1. FC Köln)

Mittelfeld: Andraz Kirm (Wisla Krakau), Andrej Komac (Maccabi Tel Aviv), Rene Krhin (Inter Mailand), Dalibor Stevanovic (Vitesse Arnheim), Robert Koren (West Bromwich Albion), Aleksander Radosavljevic (AE Larissa), Bojan Jokic (Chievo Verona), Suad Filekovic (NK Maribor), Nejc Pecnik (Nacional Funchal)

Angriff: Milivoje Novakovic (1. FC Köln), Zlatko Dedic (VfL Bochum), Zlatan Ljubijankic (KAA Gent), Tim Matavz (FC Groningen), Valter Birsa (AJ Auxerre)


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Spanien

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-gelb-dunkelblau
FIFA-Weltrangliste: 2
WM-Teilnahmen: 1934, 1950, 1962, 1966, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Vierter (1950)
WM-Gastgeber: 1982
Kontinentalmeister: 2 (1964, 2008)

Rekordnationalspieler: Andoni Zubizarreta (126 Einsätze)
Rekordtorschütze: Raúl González (44 Tore)
Trainer: Vicente del Bosque

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Spanien und Weltmeisterschaften scheinen kein Traumpaar zu bilden. Obwohl die Furia Roja bereits zwölf Mal an einer WM teilnahm, kann sie mit keinerlei Erfolgen aufwarten. Setzt man die Anzahl der Teilnahmen und das beste erzielte Ergebnis ins Verhältnis war nur Mexiko (13 Teilnahmen, nie weiter als Viertelfinale) ein weniger erfolgreicher WM-Teilnehmer. Der Anfang dieser wenig erfolgreichen Geschichte findet sich im Jahre 1934 im italienischen Genua, wo Spanien sein allererstes WM-Spiel bestritt und mit 3:1 gewann. Gegner damals: Brasilien. In der nächsten Runde, dem Viertelfinale, war dann allerdings gegen die Gastgeber und späteren Weltmeister Schluss. Nach einem 1:1 nach Verlängerung in der ersten Partie verlor Spanien das Wiederholungsspiel mit 1:0 durch ein Tor von Giuseppe Meazza.

Sechzehn Jahre später reisten sowohl Spanien als auch Italien nach Brasilien zum ersten Turnier nach dem zweiten Weltkrieg. Während die Italiener nach der Vorrunde heimfuhren, erreichte Spanien die Finalrunde, die – einmalig in der WM-Geschichte – als eine zweite Gruppenphase ausgetragen wurde. Dort aber blieben die Südeuropäer ohne Sieg, obwohl sie in der Vorrunde noch gegen die als hohe Favoriten gehandelten Engländer hatten gewinnen können. Das 2:2 gegen den späteren Weltmeister Uruguay im ersten Finalrundenspiel sollte der einzige Punktgewinn der Seleccion in jener Finalrunde bleiben, es folgten ein 1:6 gegen Brasilien und ein 1:3 gegen Schweden.

Auch das nächste Auftreten bei einer WM war für die Spanier auf dem südamerikanischen Kontinent, nachdem man die Titelkämpfe in der Schweiz (im Entscheidungsspiel gegen die Türkei nach Losentscheid ausgeschieden) und in Schweden (in der Qualifikation an Schottland gescheitert) verpasst hatte. Erneut war Brasilien einer der Gegner und wie schon 1950 unterlag Spanien der Selecao, verbunden mit der Auftaktniederlage gegen die CSSR hieß es damit – trotz eines 1:0-Sieges gegen Mexiko – Koffer packen nach der Vorrunde. Das gleiche Schicksal ereilte die Spanier auch vier Jahre später in England, einem 2:1-Sieg gegen die Schweiz standen Niederlagen mit dem gleichen Ergebnis gegen Argentinien und der BRD gegenüber.

Noch erfolgloser verlief es in den kommenden beiden Qualifikationen für die Turniere 1970 und 1974. Für keines der beiden Turniere konnte man sich qualifizieren, einmal wurde man nur Dritter in einer Vierergruppe hinter Belgien und Jugoslawien, das andere Mal verlor man ein Ausscheidungsspiel gegen die Jugoslawen, mit denen man in der Gruppe zuvor punkt- und tordifferenzgleich geblieben war. Umso erfreuter waren die Iberer, dass sie 1978 wieder an einer WM teilnehmen durften. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße, das Aus kam in der Vorrunde. Brasilien und Österreich zogen in die zweite Gruppenphase ein, Spanien durfte zusammen mit Schweden die Heimreise antreten.

Zu Hause bleiben durften die Spanier auch für die WM 1982, allerdings diesmal, weil sie das Turnier ausrichteten. Während viele Gastgeber bei Turnieren über sich hinauswachsen, schaffte Spanien gerade einmal einen Sieg in fünf Spielen. Nicht einmal die eigene Vorrundengruppe gewannen die Iberer; sie überließen Nordirland, gegen die sie 0:1 verloren, den Vortritt. Dank eines 1:1 gegen Honduras und eines 2:1 gegen Jugoslawien erreichte man dennoch die Zwischenrunde, in der man Deutschland 1:2 unterlag und gegen England 0:0 spielte. Als sich Spanien also für die WM 1986 qualifiziert hatte, hatte man 36 Jahre lang nie mehr als ein Spiel bei einer WM gewonnen, dies sollte sich ändern. Bis ins Viertelfinale konnte die Seleccion vordringen und nach der Auftaktniederlage gegen – mal wieder – Brasilien sogar drei Spiele in Folge gewinnen (Nordirland, Algerien und Dänemark waren die Gegner), ehe man im Viertelfinale gegen Belgien die Segel streichen musste. Natürlich nicht einfach so, sondern – der spanischen WM-Geschichte mit Losentscheid und Entscheidungsspielen entsprechend – erst im Elfmeterschießen.

Seither hat Spanien im Abstand von acht Jahren immer wieder das Viertelfinale erreicht: Sowohl 1994 in den USA, wo Italien die Endstation war, als auch 2002, wo man an Gastgeber Südkorea im Elfmeterschießen scheiterte. Dazwischen liegen zwei Achtelfinaleinzüge 1990 (1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Jugoslawien) und 2006 (1:3 gegen Frankreich) und ein blamables Vorrundenaus bei der WM in Frankreich, als Paraguay und Nigeria vor den Spaniern landeten. Folgt man dem Acht-Jahres-Rhythmus wäre für die Spanier als nun wieder ein Einzug in Viertelfinale an der Reihe.

Bedenkt man die personelle Ausstattung und die Ergebnisse der letzten Jahre, so muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass ein Viertelfinaleinzug das Mindeste ist, was man von der „roten Bestie“ in Südafrika erwarten kann. Immerhin lautet die unheimliche Bilanz der Spanier aus den letzten 40 Spielen: 36 Siege, 3 Remis, 1 Niederlage. Die Spanier dürfte es besonders wurmen, dass diese Niederlage ausgerechnet im Halbfinale des Confederations Cup kam und noch dazu gegen die USA, die normalerweise nicht in die vorderste Front der Weltmächte des Fußballs gerechnet werden. So verpassten die Spanier den zweiten Titel binnen einen Jahres, nachdem man ein Jahr zuvor in Wien durch ein 1:0 gegen Deutschland Europameister geworden war.

Natürlich bilden die Akteure aus dieser Erfolgstruppe einen Großteil derer, die für die Qualifikation für die WM 2010 verantwortlich sind. Einzelne Akteure hervorzuheben ist schwer, da die Mannschaft als Kollektiv besser funktioniert als nahezu alle anderen Nationalmannschaften dieses Planeten, dennoch stechen vorne, in der Mitte und hinten drei Akteure stets hervor. Zum einen Kapitän und Torwart Iker Casillas. Obwohl erst 28 Jahre alt, dürfte der gebürtige Madrilene, der seine ganze Karriere lang für Real Madrid gespielt hat, noch vor der WM sein 100. Länderspiel bestreiten. Casillas – vier Mal spanischer Meister, dreimal Champions League Sieger – ist der unumstrittene Rückhalt der Furia Roja. Mit seinen Paraden schafft er es oft, seinen Vorderleuten Selbstvertrauen und Energie zu verleihen. Außerdem scheint die Abwehr mit ihm im Rücken gelassener zu agieren, er macht also – ein Zeichen eines großen Spielers – andere Spieler um sich herum besser.

Selbiges gilt mit Sicherheit auch für Xavi Hernandez: 29 Jahre alt, Spieler des Turniers bei der EM 2008, Spieler des Spiels im Champions-League-Finale 2009. Im Mannschaftsgefüge der Seleccion ist er hinter Casillas die Nummer zwei und auch dessen Stellvertreter als Spielführer. Er hat wie dieser in seiner Karriere nur für einen Verein gespielt, allerdings ist bei Xavi der FC Barcelona der Verein des Herzens. Obwohl Xavi oft wenig auffällt, hält er doch die Fäden des spanischen Spiels in der Hand und ist eine der Schaltzentralen der Nationalmannschaft. Er lenkt und leitet das Spiel in geordnete Bahnen und sorgt mit seiner Übersicht oft für präzise gefährliche Anspiele in die Spitze. In leidvoller Erinnerung ist vielen deutschen Fans jene Fähigkeit aus dem EM-Finale 2008, schließlich war es Xavi, der den Siegtreffer der Spanier mit seinem Steilpass einleitete.

Der Empfänger jenes tödlichen Passes ist der dritte „Star“ im Bunde: Fernando Torres. Im Gegensatz zu den anderen beiden Genannten hat Torres den Verein bereits gewechselt. Der 25-jährige ist wie Casillas in Madrid geboren, sein Stammverein ist allerdings der Lokalrivale Reals, Atlético Madrid. Vor zwei Jahren verließ er Madrid in Richtung Liverpool. Seitdem hat der Stürmer sich in Sachen körperlicher Robustheit und Torgefährlichkeit noch weiter verbessert. Er ist an der Anfield Road unter Rafael Benitez zu einem Weltklassestürmer gereift, der seine Schnelligkeit, Wendigkeit und Kaltschnäuzigkeit zu seinen Gunsten auszunutzen weiß. Torschützenkönig bei der EM wurde trotz Torres’ Fähigkeiten ein anderer Spanier: David Villa. Villa gehört zusammen mit Andres Iniesta, Sergio Ramos, Cesc Fabregas und Xavi Alonso zu einer Reihe weiterer spanischer Spitzenklasseakteure, die alle ihr dreißigstes Lebensjahr noch nicht begonnen haben.

Zusammengehalten wird das Gefüge dieser Spieler seit August 2008 von Vicente del Bosque. Der übernahm das Amt von Luis Aragones, der Spanien zum EM-Titel geführt hatte. Del Bosque stand also keine leichte Aufgabe bevor, schließlich war Aragones der größte Triumph des spanischen Fußballs in über 40 Jahren gelungen. Doch bislang hat sich del Bosque bravurös geschlagen: Seine ersten 14 Spiele als Nationaltrainer gewann er, es folgte besagte Niederlage im Confed-Cup, seitdem hat er wieder alle Spiele (bislang vier) gewinnen können.

Dass del Bosque als Trainer Erfolg haben kann, hatte der 58-jährige bereits in seiner Zeit bei Real Madrid unter Beweis gestellt. Real hatte unter seiner Führung (1999-2003) die erfolgreichste Zeit der jüngeren Vereinsgeschichte: Zweimal gewann man die Champions League, zweimal die spanische Liga. Dennoch erschien der in Salamanca geborene, immer zurückhaltende, akribische Arbeiter Reals Präsidenten Perez als zu wenig repräsentativ für seine „Galacticos“ und entließ del Bosque 2003, obwohl Real gerade spanischer Meister geworden war. Seitdem erreichte Real nie mehr als das Viertelfinale der Champions League (und das auch nur einmal; unter del Bosque war Real immer mindestens ins Halbfinale gekommen) und gewann nur zwei weitere Meisterschaften. Ein deutliches Indiz für die gute Arbeit, die del Bosque als Trainer geleistet hatte. Womöglich ist genau er derjenige, der es schafft die WM und Spanien doch noch als Traumpaar zu vereinen.

Kader

Tor: Iker Casillas (Real Madrid), Pepe Reina (FC Liverpool), Victor Valdes (FC Barcelona)

Abwehr: Raul Albiol (Real Madrid), Alvaro Arbeloa (Real Madrid), Joan Capdevila (FC Villarreal), Carlos Marchena (FC Valencia), Gerard Pique (FC Barcelona), Carles Puyol (FC Barcelona), Sergio Ramos (Real Madrid)

Mittelfeld: Xabi Alonso (Real Madrid), Sergio Busquets (FC Barcelona), Cesc Fabregas (FC Arsenal), Andres Iniesta (FC Barcelona), Javi Martinez (Athletic Bilbao), David Silva (FC Valencia), Xavi (FC Barcelona)

Angriff: Jesus Navas (FC Sevilla), Juan Mata (FC Valencia), Pedro (FC Barcelona), Fernando Llorente (Athletic Bilbao), Fernando Torres (FC Liverpool), David Villa (FC Valencia)


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Conmebol – Südamerika

Argentinien

Steckbrief:

Trikotfarbe: himmelblau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 7
WM-Teilnahmen: 1930, 1934, 1958, 1962, 1966, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010
größte Erfolge: Weltmeister 1978, 1986
Kontinentalmeister: 1921, 1925, 1927, 1929, 1937, 1941, 1945, 1946, 1947, 1955, 1957, 1959, 1991, 1993

Rekordnationalspieler: Javier Zanetti (136 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Gabriel Batistuta (56 Tore)
Trainer: Diego Armando Maradona

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Zu den Giganten im Weltfußball zählt Argentinien. Bislang vier Mal stand die Selección dieses fußballverrückten Landes in einem WM-Finale, zwei Mal gelang ein Sieg: 1978 im eigenen Land gegen Holland (3:1 n.V.) in einem hochklassigen Finale und 1986 in Mexiko gegen die deutsche Elf (3:2). In Erinnerung sind den deutschen Fans natürlich auch noch die beiden letzten großen WM-Spiele gegen die Albiceleste: das aus deutscher Sicht erfolgreiche WM-Finale 1990 in Italien (1:0) und das Viertelfinale bei der WM 2006, als Argentinien nach Elfmeterschießen mit 5:3 bezwungen werden konnte. Die WM in Südafrika wird Argentiniens 15. Teilnahme sein, seit 1974 ist man ununterbrochen bei dem bedeutendsten Fußballturnier vertreten.

Aktuell (März 2010) liegt Argentinien auf Platz 9 der Weltrangliste, die man 2007 noch angeführt hatte. Seither zeigen die Gauchos durchwachsene Leistungen. Sogar die Qualifikation für die WM in Südafrika geriet in größte Gefahr, was den Verband nach dem zehnten Spieltag im Oktober 2008 veranlasste, den ungeliebten Trainer Alfio Basile durch das Nationalheiligtum Diego Maradona zu ersetzen. Immerhin wählte der als Trainer unerfahrene Maradona mit Carlos Bilardo einen unumstrittenen Fachmann aus, der ihn unterstützen wird und wohl auch einer der ganz Wenigen ist, die gezielten Einfluss auf den nicht selten sehr emotional agierenden Diego nehmen können. Die Qualifikation wurde nach fußballerischen Höhen und Tiefen schließlich denkbar knapp geschafft; erst mit dem letzten Spiel gegen den Nachbarn Uruguay gelang es, das Ticket für Südafrika zu sichern. Insgesamt spielte die Albiceleste mit acht Siegen, vier Unentschieden und sechs Niederlagen (28 Punkte) die schlechteste Qualifikation seit Einführung des aktuellen Modus.

Doch dies ist für die Menschen am Río de la Plata Vergangenheit. Sie sind sich sicher: Argentinien weist ein riesiges Potential an exzellenten Fußballern auf, die auch in Südafrika eine sehr gute Rolle spielen können – sofern es gelingt, aus ihnen eine echte Mannschaft zu formen. Unter den argentinischen Spielern sticht natürlich Lionel Messi, der derzeit wohl beste Offensivspieler der Welt, hervor. Daneben lesen sich die Namen der Offensivabteilung fast wie eine Weltauswahl: Sergio Agüero (Atlético Madrid), Gonzalo Higuaín (Real Madrid), Diego Milito (Inter Mailand) und Carlos Tévez (Manchester City). Wohl jeder Nationaltrainer wird Maradona um diese Auswahl an Stürmern beneiden. Allerdings fehlt unter ihnen ein echter Knipser. So sprechen sich einige argentinische Fußballexperten dafür aus, den 36-jährigen Martín Palermo (Boca Juniors), wie am Ende der Qualifikationsrunde, noch einmal zu aktivieren. Lucas Barrios von Borussia Dortmund ist ein weiterer Name, den Maradona nach eigenen Aussagen gezielt beobachten lässt.

Während eine große Auswahl an Stürmern besteht, hat Argentiniens Fußballgott, der in seiner Amtszeit mehr als 100 Spieler, vor allem aus der argentinischen Liga, testete, in den anderen Mannschaftsteilen eine Reihe von Problemen, die es bis zur WM zu lösen gilt. Im Mittelfeld sucht man neben Kapitän Javier Mascherano und Maxi Rodríguez (beide FC Liverpool) sowie Juan Sebastián Verón (Estudiantes de la Plata) vergeblich nach den großen Namen. Juán Román Riquelme steht nach Streitigkeiten mit eben jenem Maradona nicht mehr zur Verfügung. So wird es bei der Bekanntgabe des WM-Kaders und auch im Laufe des Turniers einige Überraschungen geben. Möglicherweise spielt sich einer der jungen und weniger bekannten Spieler wie Ángel di María (Benfica Lissabon), der beim sehr überzeugenden Länderspiel gegen Deutschland (1:0) groß auftrumpfte, in den Vordergrund.

Sorgen dürfte ebenfalls die Verteidigung bereiten. Bei Maradona und Bilardo scheint, trotz unübersehbarer Formschwächen, Martín Demichelis vom FC Bayern gesetzt, während Gabriel Heinze (Olympique Marseille) und Wálter Samuel (Inter Mailand) zwar große Erfahrung aufweisen, ihre beste Zeit als Fußballer jedoch bereits hinter sich haben. Unklar ist auch die Besetzung der Torhüter-Position, nachdem Roberto Abbondanzieri, mittlerweile bei Inter Porto Alegre unter Vertrag, keine Rolle mehr im Nationaldress spielt. Größte Chance auf den Platz zwischen den Pfosten dürfte der 23-jährige Sergio Romero vom AZ Alkmaar haben, obwohl er erst vier Länderspiele bestritten hat.

Doch was zählen mögliche Probleme gegen die Hoffnung einer ganzen Fußballnation? Für die Argentinier steht fest: Argentinien wird in Südafrika triumphieren. Es gibt mehr als ein gutes Omen.

Kader

Tor: Sergio Romero (AZ Alkmaar), Mariano Andujar (Catania), Diego Pozo (Club Atletico Colon)

Abwehr: Nicolas Otamendi (Velez Sarsfield), Martin Demichelis (Bayern), Walter Samuel (Inter), Gabriel Heinze (Marseille), Clemente Rodriguez (Estudiantes de la Plata), Nicolas Burdisso (AS Rom), Ariel Hernan Garce (Club Atletico Colon)

Mittelfeld: Jonas Gutierrez (Newscastle), Javier Mascherano (FC Liverpool), Juan Sebastian Veron (Estudiantes), Angel Di María (Benfica Lissabon), Mario Bolatti (AC Florenz), Javier Pastore (US Palermo), Maxi Rodriguez (FC Liverpool)

Angriff: Lionel Messi (FC Barcelona), Gonzalo Higuain (Real Madrid), Carlos Tevez (Manchester City), Diego Milito (Inter), Martin Palermo (Boca Juniors), Kun Agüero (Atletico Madrid)


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Brasilien

Steckbrief:

Trikotfarben: gelb-blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 1
WM-Teilnahmen: 1930, 1934, 1938, 1950, 1954, 1958, 1962, 1966, 1970, 1974, 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Weltmeister 1958, 1962, 1970, 1994, 2002
WM-Gastgeber: 1950
Kontinentalmeister: 8 (1919, 1922, 1949, 1989, 1997, 1999, 2004, 2007)

Rekordnationalspieler: Cafu (142 Einsätze)
Rekordtorschütze: Pelé (77 Tore)
Trainer: Dunga

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Brasilien ist die große Konstante im WM-Betrieb, noch keine WM hat der amtierende Südamerikameister verpasst. Entsprechend lang ist die Liste der Meriten: Keine andere Mannschaft hat fünf WM-Titel gewonnen, der Rekordtorschütze bei Weltmeisterschaften (Ronaldo) stammt ebenso aus den Reihen der Seleçao wie der einzige Spieler, der drei Weltmeistertitel geholt hat (Pelé). Außerdem – und dies scheint besonders wichtig im Hinblick auf die WM in Südafrika – ist Brasilien bislang die einzige Nation, die es geschafft hat, die WM außerhalb des eigenen Kontinents zu gewinnen (1958 in Europa, 2002 in Asien).

Die Erfolge der Brasilianer bei der WM lassen sich mit zwei Spielern komplett umfassen: zum einen Pelé, der an allen vier Weltmeisterschaften zwischen 1958 und 1970 teilnahm, von denen Brasilien drei gewann, und zum anderen Cafu, der 1994, 1998 und 2002 im WM-Finale spielte und mit Brasilien zweimal den WM-Pokal holte. Gleichzeitig beschreiben die beiden Spieler auch gut die Unterschiede zwischen der ersten Hochphase der Canarinhos und der zweiten. Während die erste durch den Ausnahmeoffensivkünstler Pelé charakterisiert wird, steht mit Cafu ein Verteidiger für die zweite Phase. Dementsprechend ist die Zeit von 1958 bis 1970 auch vor allem durch das unglaublich kreative und offensive Spiel in Erinnerung geblieben, während die Triumphe von 1994 und 2002 eher durch ihre Organisation und ihre Defensivleistung in Erinnerung bleiben. Ein einziger Makel besteht aus Sicht der Brasilianer in der WM-Historie: 1950 schaffte man es nicht, den Titel im eigenen Land zu holen, das soll 2014, wenn die WM zum zweiten Mal in Brasilien stattfindet, anders werden.

Bei der Fülle an Weltklassespielern fällt es schwer, einzelne herauszugreifen. Der teuerste Akteur in Reihen der Seleçao ist Kaká, der vor Saisonbeginn für knapp 65 Millionen Euro vom AC Mailand zu Real Madrid wechselte. Der offensive Mittelfeldspieler steht auf Grund seiner Fähigkeit, das Spiel zu lenken, besonders im Mittelpunkt. Seine momentan wichtigste Anspielstation im Sturm ist Luis Fabiano vom FC Sevilla. Der 28-jährige Stürmer ist derzeit der gefährliche Torjäger in Reihen der brasilianischen Nationalelf, im entscheidenden Spiel gegen Argentinien traf der in Campinas geborene Fabiano zweimal. Es ist also verständlich, dass Rufe nach dem Rekordtorschützen bei Weltmeisterschaften, Ronaldo, momentan eher selten zu hören sind. Weniger beachtet, aber umso wichtiger für den Erfolg der Canarinhos, sind mit Júlio César im Tor und Lúcio in der Innenverteidigung zwei Defensivspieler. César (30, Inter Mailand) hat sich in den letzten Jahren zu einem meist sicheren Rückhalt entwickelt, der sicherlich in Zukunft davon profitieren dürfte, dass er nun auch im Verein die Abstimmung mit Lúcio üben darf. Der 31-Jährige wechselte vor dieser Saison vom FC Bayern zu Inter. In Deutschland oft wegen seiner taktisch undisziplinierten Vorstöße kritisiert, ist der Innenverteidiger in der Nationalmannschaft nicht nur gesetzt, sondern auch Kapitän.

Trainiert wird die brasilianische Nationalelf seit dem Ende der WM 2006 von Carlos Dunga, der nach dem enttäuschenden Viertelfinalaus in Deutschland von Carlos Albero Perreira übernahm. Der 45-Jährige führte die Seleçao als Spieler 1994 zum WM-Titel und soll dies nun als Trainer wiederholen. Südamerikameister und Confederations Cup hat Dunga, der bürgerlich Carlos Caetano Bledorn Verri heißt, bereits in den drei Jahren als Trainer geholt, unumstritten ist er deshalb in Brasilien jedoch nicht. Als Spieler ein defensiver Mittelfeldspieler, ein Staubsauger vor der Abwehr, setzte er dieses Verständnis von Fußball auch als Trainer um. Die Defensive und das sichere Agieren stehen bei ihm im Vordergrund, so dass ihm oft vorgeworfen wird, das Spiel seiner Seleçao sei unansehnlich und “unbrasilianisch”, da zu taktisch geprägt. Dies alles wird man dem ehemaligen Bundesligaspieler (54-mal für den VfB Stuttgart) nur dann verzeihen, wenn man erneut auf einem fremden Kontinent den Titel holt.

Kader

Tor: Julio Cesar (Inter Mailand), Doni (AS Rom), Gomes (Tottenham Hotspur)

Abwehr: Maicon (Inter Mailand), Dani Alves (FC Barcelona), Lucio (Inter Mailand), Juan (AS Rom), Luisao (Benfica Lissabon), Thiago Silva (AC Mailand)

Mittelfeld: Gilberto Silva (Panathinaikos Athen), Felipe Melo (Juventus Turin), Ramires (Benfica Lissabon), Elano (Galatasaray Istanbul), Kaka (Real Madrid), Julio Baptista (AS Rom), Kleberson (Flamengo Rio de Janeiro), Josue (VfL Wolfsburg), Michel Bastos (Olympique Lyon), Gilberto (Cruzeiro Belo Horizonte)

Stürmer: Robinho (FC Santos), Luis Fabiano (FC Sevilla), Nilmar (FC Villarreal), Grafite (VfL Wolfsburg)


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Chile

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-blau
FIFA-Weltrangliste: 18
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1962, 1966, 1974, 1982, 1998
Größter Erfolg: Dritter Platz (1962)
Kontinentalmeister: – (viermal Zweiter)

Rekordnationalspieler: Leonel Sánchez (84 Einsätze)
Rekordtorschütze: Marcelo Salas (37 Tore)
Trainer: Marcelo Bielsa

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Zum achten Mal nimmt Chile an einer WM teil und sie werden versuchen, zum ersten Mal außerhalb Südamerikas ein WM-Spiel zu gewinnen. Obwohl Chile bereits vier Mal auf fremdem Kontinent an einer WM teilgenommen hat, hat La Roja noch keine WM-Partie außerhalb der eigenen Hemisphäre gewonnen. Damit liegt der letzte Sieg in einer WM auch schon 47 Jahre zurück. Jener Sieg stellt gleichzeitig den größten Erfolg in der WM-Geschichte der Südamerikaner dar. Bei der Heim-WM im Jahre 1962 gewann man das Spiel um Platz 3 gegen Jugoslawien, nachdem man im Halbfinale gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien mit 4:2 verloren hatte. Die andere Niederlage bei diesem Turnier war in der Gruppenphase gegen die BRD erfolgt. Italien, die Schweiz (Gruppe) und die UdSSR (Viertelfinale) hingegen mussten sich damals allesamt den WM-Gastgebern geschlagen geben. Bis heute gilt die Mannschaft um Rekordnationalspieler Leonel Sánchez, der damals vier Tore erzielte als die beste, die Chile je hervorgebracht hat.

Den meisten deutschen Fußballfans dürfte eine andere chilenische Elf besser in Gedächtnis sein: Jene, gegen die sich die westdeutsche Nationalelf im Juni 1974 in ihrem ersten WM-Spiel zu einem 1:0 mühte. Einzig Paul Breitners Fernschuss konnte Torwart Vallejos überwinden. Das Berliner Publikum war wenig begeistert und quittierte die Leistung der Deutschen mit Pfiffen. Die Chilenen schafften vier Tage später gegen die andere deutsche Mannschaft ein 1:1, kamen dann aber gegen die schwach eingeschätzten Australier ebenfalls nur einem Remis (0:0), so dass sie nach der Vorrunde nach Hause fahren durften. Noch schlimmer erging es Chile acht Jahre später in Spanien, wo man erneut mit den Deutschen in eine Gruppe gelost wurde: Im zweiten Gruppenspiel besiegte die BRD dann Chile auch durch drei Rummenigge- und ein Reinders-Tor mit 4:1. Im ersten Spiel hatte La Roja gegen Österreich 0:1 verloren und auch im letzten Spiel konnte Chile nicht gewinnen, während sich gleichzeitig in Gijon Österreich und Deutschland die Bälle zuschoben, verlor Chile gegen die dadurch ebenfalls ausgeschiedenen Algerier mit 3:2.

Der unrühmlichste Moment in der WM-Geschichte Chiles sollte allerdings noch folgen. 1989 trafen Chile und Brasilien im Maracana von Rio de Janeiro aufeinander. Brasilien führte mit 1:0 und Chile wäre bei diesem Resultat aus dem Rennen für die Teilnahme an der WM in Italien gewesen. In der 67 Minute flog ein Feuerwerkskörper auf das Spielfeld in Richtung chilenisches Tor, der chilenische Torwart Roberto Rojas brach am Kopf blutend zusammen und ließ sich vom Feld transportieren. Die chilenische Mannschaft verließ daraufhin protestierend das Feld und behauptete die Sicherheit der eigenen Spieler sei nicht gewährleistet. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab. Bei Betrachtung der Videoaufnahmen stellte sich allerdings heraus, dass der Feuerwerkskörper Rojas gar nicht getroffen hatte und der Torhüter sich die Wunde am Kopf selbst mit einer Rasierklinge zugefügt hatte. Die FIFA wertete das Spiel mit 2:0, schloss Chile von der WM-Qualifikation für das Turnier in den USA 1994 aus und sperrte Roberto Rojas auf Lebenszeit.

Seitdem hat Chile erst ein einziges Mal wieder an einer WM teilgenommen: 1998 in Frankreich erreichte La Roja trotz dreier Unentschieden gegen Italien, Österreich und Kamerun das Achtelfinale. Dort aber verlor man gegen den späteren Finalisten Brasilien mit 4:1.

Im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Nationen sind die meisten chilenischen Akteure in Europa unbekannt. Nur wenige spielen außerhalb des amerikanischen Kontinents. Einer von ihnen ist der Kapitän der Roja, Claudi Bravo. Der 26-jährige Torhüter spielt bei Real Sociedad San Sebastian in der zweiten spanischen Liga und ist mit seinen 37 Länderspielen bereits einer der erfahrensten Spieler im Kader. Übernommen hat Bravo die Rolle als Kapitän von einer Legende des chilenischen Fußballs, Marcelo Salas. Der Rekordtorschütze des Landes trat 2007 aus der Nationalelf zurück, der er dreizehn Jahre lang angehört hatte. Die Rolle des wichtigsten Torjägers hat nun Humberto Suazo übernommen. Der 28 Jahre alte Suazo spielt in der mexikanischen Liga für Monterrey und wurde 2006, damals noch für Colo Colo in Chile aktiv, als „Welttorjäger“ ausgezeichnet. Für seinen Wechsel nach Mexiko erhielt Colo Colo acht Millionen US-Dollar, eine der höchsten je für einen chilenischen Spieler gezahlten Summen.

Neben Suazo und Bravo stellt Matias Fernandez von Sporting Lissabon den dritten Schlüsselspieler dar. Der in Argentinien geborene 23-jährige offensive Mittelfeldspieler, der im Sommer von Villarreal nach Portugal wechselte, ist oft für die kreativen Momente im Spiel der Chilenen veranwortlich und strahlt durch seine Freistoßkünste auch Torgefahr aus. Den renommiertesten Verein in seiner Biographie dürfte jedoch ein anderer haben: Mark Gonzalez. Der in Südafrika geborene Sohn eines chilenischen Nationalspielers absolvierte in der Saison 2006/07 25 Spiele für den FC Liverpool, momentan ist „Speedy Gonzalez“ bei ZSKA Moskau unter Vertrag. Für deutsche Fußballinteressierte hingegen dürfte weder Bravo, noch Suazo, noch Fernandez, noch Gonazalez der bekannteste chilenische Fußballer sein, sondern Arturo Vidal von Bayer Leverkusen. Der 22-jährige ist seit zwei Jahren teil der chilenischen A-Nationalmannschaft.

Trainiert wird diese von einem Argentinier: Marcelo Bielsa ist seit 2007 Trainer der Chilenen. Jener Bielsa, der sowohl beim Vorrundenaus der Argentinier 2002 als auch beim Goldmedaillengewinn seines Heimatlandes 2004 als Verantwortlicher auf der Trainerbank saß. Sechs Jahre lang war Bielsa Trainer Argentiniens. In dieser Zeit hat sich der heute 54-jährige ehemalige Verteidiger einen Ruf als sehr eigener, etwas schrulliger Coach erarbeitet. So kann es passieren, dass er auf ein Training mit der kompletten Mannschaft verzichtet und stattdessen verschiedene Mannschaftsteile zu verschiedenen Tageszeiten zum Training bittet. Der Presse verweigert Bielsa konsequent alle Bitten um Einzelinterviews. Stattdessen dauern die Pressekonferenzen mit dem Fußballlehrer umso länger, manchmal bis zu vier Stunden. Seine Philosophie beschreibt Bielsa gegen über der Website des Weltverbands FIFA dahingehend, dass er sich erst dann gut fühle, wenn seine Mannschaft mehr Zeit mit Angriff als mit Verteidigen verbringt. Dahingehend ist seine bisherige Bilanz mit Chile zumindest leicht im Plus 38 eigenen Toren stehen 32 Gegentore gegenüber. Ist in nur einem WM-Spiel die Anzahl der eigenen Tore höher als die der Gegentore, hat Chile sein erstes Ziel erreicht, ein WM-Sieg außerhalb Südamerikas, doch auch dann wird Marcelo Bielsa darüber keinem Pressevertreter ein Einzelinterview gewähren.

Kader

Tor: Claudio Bravo (Real San Sebastian), Miguel Pinto (Universidad de Chile), Luis Marin (Union Espanola)

Abwehr: Waldo Ponce (Universidad Catolica), Ismael Fuentes (Universidad Catolica), Gonzalo Jara (West Bromwich Albion), Gary Medel (Boca Juniors), Mauricio Isla (Udinese Calcio), Arturo Vidal (Bayer Leverkusen), Pablo Contreras (PAOK Saloniki)

Mittelfeld: Marco Estrada (Universidad de Chile), Carlos Carmona (Reggina Calcio), Rodrigo Millar (Colo Colo), Jorge Valdivia (Al Ain), Matias Fernandez (Sporting Lissabon), Rodrigo Tello (Besiktas Istanbul), Gonzalo Fierro (Flamengo)

Angriff: Humberto Suazo (Universidad de Chile), Alexis Sanchez (Udinese Calcio), Mark Gonzalez (ZSKA Moskau), Esteban Paredes (Colo Colo), Juan Beausejour (America), Fabian Orellana (Xerez)


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Paraguay

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß-blau
FIFA-Weltrangliste: 31
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1958, 1986, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Achtelfinale (1986, 1998, 2002)
WM-Gastgeber: –
Kontinentalmeister: 2 (1953, 1979)

Rekordnationalspieler: Carlos Gamarra (110 Einsätze)
Rekordtorschütze: José Saturnino Cardozo (25 Tore)
Trainer: Gerardo Martino

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Sieben Mal war Paraguay bislang bei Weltmeisterschaften dabei, nur 1950 schaffte es das Team nicht, ein Spiel zu gewinnen. Trotzdem ging es für die Guaranies nie über das Achtelfinale hinaus. Die WM-Geschichte Paraguays beginnt gleich mit der ersten WM 1930 in Uruguay. Das erste WM-Spiel fand gegen die USA statt. Deren Stürmer Bert Patenaude erwischte einen Traumtag und schoss Paraguay mit dem ersten Dreierpack der WM-Geschichte im Alleingang ab. Der 3:0-Niederlage folgte ein 1:0-Sieg gegen Belgien. Dennoch war in der Vorrunde Schluss, genau wie 1950. Erneut spielte man in einer Dreiergruppe in der Vorrunde, konnte dieses Mal aber kein Spiel gewinnen. Einem 2:2 gegen Schweden folgte ein 0:2 gegen Italien. 1958 dann reiste man das erste Mal außerhalb des eigenen Kontinents zu einer WM. Beim Turnier in Schweden erzielte das Team von Trainer Aurelio González in jedem seiner Spieler drei Tore, konnte aber nur eines gewinnen. Im ersten Spiel unterlag man Frankreich, für das Just Fontaine dreimal traf, mit 3:7, im letzten Spiel schaffte man ein 3:3 gegen Jugoslawien. Zwischen den beiden Spielen lag der erste Sieg bei einer WM in 28 Jahren, ein 3:2 gegen Schottland.

Genau diese 28 Jahre sollte es dann wieder dauern, bis zum nächsten Spiel, Tor und Sieg Paraguays bei einer WM. 1986 in Mexiko wurde die Albirroja mit den Gastgebern, Belgien und dem Irak in eine Vorrundengruppe gelost. Gleich das erste Spiel gegen WM-Neuling Irak konnten die Guaranies für sich entscheiden. Julio César Romero erzielte den 1:0 Siegtreffer. Jener Romero, von Pelé unter die 125 besten Fußballer aller Zeiten gewählt, erzielte auch beim 1:1 gegen Mexiko das Tor. Bis heute gilt Romero, der u.a. für New York Cosmos, Fluminense und den FC Barcelona spielte, als einer der besten Spieler, die Paraguay je hervorgebracht hat. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Belgien erzielte dann allerdings nicht Romero sondern Roberto Cabanas, der das Romero das Tor gegen Mexiko aufgelegt hatte, die Tore. Der damals 27-jährige traf zweimal, das Spiel endete 2:2, Paraguay stand im Achtelfinale gegen England. Die Three Lions machten dort mit der Albirroja kurzen Prozess. 3:0 schlugen sie die Südamerikaner: Zweimal Lineker und einmal Beardsley waren die Torschützen für England auf deren Weg zur Begegnung mit der Hand Gottes im Viertelfinale.

Keine 28 aber immerhin zwölf Jahre sollte es dauern, bis Paraguay wieder bei einer WM dabei war. Seit jener WM in Frankreich allerdings hat sich Paraguay stets für die Welttitelkämpfe qualifizieren können. Eine beachtliche Leistung für ein verhältnismäßig kleines südamerikanisches Land ohne große Stars. Über das Achtelfinale ging die Reise jedoch bei keinem der drei Turniere seit 1998. In Frankreich überstand Paraguay die Gruppenphase trotz zweier Null-zu-null gegen Bulgarien und Spanien durch ein 3:1 gegen Nigeria im letzten Gruppenspiel. Jenes 3:1 hieß auch, dass Spanien trotz eines gleichzeitig erspielten 6:1 gegen Bulgarien ausscheiden musste. Jenes Schicksal ereilte die Guaranies dann im Achtelfinale selbst, als sie trotz großen Kampfes die Segel streichen mussten. 113 Minuten lang hatten sich die Südamerikaner gegen Gastgeber Frankreich gewehrt, doch dann überwand der französische Kapitän Laurent Blanc Jose Luis Chilavert im Tor der Paraguayer und erzielte das erste Golden Goal der WM-Geschichte.

Auch 2002 hielt Paraguay im Achtelfinale lange das Null-zu-null. Erst zwei Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit musste Chilavert hinter sich greifen. Oliver Neuville hatte ihn überwunden. In jenes Achtelfinale war Paraguay nur denkbar knapp gerutscht, nach einem 2:2 gegen Südafrika und einem 1:3 gegen Spanien, mussten die Weiß-Roten gegen Slowenien mit zwei Toren Unterschied gewinnen. Erst sechs Minuten vor Schluss erzielte Nelson Cuevas das erlösende Tor, das Paraguay ins Achtelfinale spülte. Jener Cuevas ist mit drei Toren der Rekordtorschütze Paraguays bei Weltmeisterschaften. Er ist dies dank eines Tores, das er im Juni 2006 in Kaiserslautern erzielte. Es war das 2:0 in einem bedeutungslosen Spiel gegen Trinidad und Tobago, nach 0:1-Niederlagen gegen England und Schweden war Paraguay bereits sicher aus dem Turnier ausgeschieden.

Einige, die 2006 in Vorrunde scheiterten, spielen immer noch eine große Rolle für die Albirroja: Allen voran die erfahrenen Justo Villar (Torwart), Julio Caceres und Denis Caniza (beide Abwehr). Alle drei werden bei Turnierbeginn 30 Jahre oder älter sein und würden mindestens das dritte Mal bei einer WM dabei sein. Caniza ist der Kapitän der Mannschaft und damit Nachfolger von Rekordnationalspieler Carlos Gamarra. Eigentlich hatte er 2006 seinen Rücktritt vom internationalen Fußball erklärt, wurde aber vom neuen Nationaltrainer überredet, weiter zu machen. Der 35-jährige, der bereits 1998 bei der WM in Frankreich in Aktion war, ist dank seiner Vielseitigkeit im Abwehrverbund ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Wie gut die Abwehr funktioniert, sieht man auch am Gegentorschnitt in der WM-Qualifikation: In der oft torreichen Südamerikagruppe hat Paraguay weniger als ein Gegentor pro Spiel erzielt.

Dafür verantwortlich ist sicher auch Torwart Justo Villar. Im Verein beim spanischen Erstligisten Valladolid nur die Nummer zwei, ist er in Paraguay die unumstrittene Nummer eins. Bei der letzten WM allerdings verletzte sich der heute 32-jährige nach nur wenigen Minuten im ersten Spiel und musste von Aldo Bobadilla ersetzt werden. Der dritte im defensiven Bunde ist Julio Caceres. Caceres stand zwischen 2003 und 2007 beim französischen Verein FC Nantes unter Vertrag war jedoch regelmäßig ausgeliehen, so war er in den Jahren 2005 und 2006 für Atletico Madrid, River Plate und Taragona. Am Ende seines Vertrags in Nantes wechselte Caceres nach Mexiko. Heute spielt der Innenverteidiger wieder in Argentinien und ist dort vor allem für eine öffentliche Fehde mit Juan Riquelme bekannt. Caceres stellte die Motivation seines Teamkollegen Riquelme in Frage, dieser beschimpfte Caceres daraufhin als ahnungslos. Jenseits seiner Streitigkeiten mit Teamkollegen ist der bald 30-jährige ein solider Rückhalt sowohl für Boca Juniors als auch für die Nationalmannschaft.

Die in Deutschland bekannten Namen paraguayischer Fußballer sind jedoch andere, sie sind weiter vorne zu finden. Der kleinste der drei zu nennenden Fische ist Jonathan Santana. Der Mittelfeldspieler, der sowohl zentral defensiv als auch außen spielen kann, war 2006 nach Wolfsburg gewechselt und relativ regelmäßig zum Einsatz gekommen. Im vergangenen Winter lieh der spätere deutsche Meister den 27-jährigen nach Argentinien aus, wo er für San Lorenzo zehnmal zum Einsatz kam. Eine feste Größe ist Santana weder in Wolfsburg noch in der Nationalmannschaft, für die er erst seit 2007 spielberechtigt ist. Geboren und aufgewachsen ist der Sohn einer Paraguayerin und eines Argentiniers nämlich in Buenos Aires, erst seit zwei Jahren hat Santana die paraguayische Staatsbürgerschaft. Der andere paraguayische Nationalspieler, der in der Bundesliga aktiv ist, ist Nelson Valdez von Borussia Dortmund. Der 25-jährige Angreifer ist als Chancentod verschrieen, kann aber dennoch 34 Bundesligatore in 169 Spielen vorweisen. Auf zehn Saisontore oder mehr ist Valdez aber noch nie gekommen. Dennoch ist er eine feste Größe im Sturm der Guaranies.

Diese wäre auch der wohl bekannteste Paraguayer im Fußball: Roque Santa Cruz. Der ehemalige Bayern-Spieler, der inzwischen bei Manchester City unter Vertrag steht, bestritt jedoch sein letztes Spiel für Paraguay vor einem Jahr. Der 27-jährige laboriert seit längerem an einer Knieverletzung und muss sich momentan noch von den Folgen einer erneuten OP am Knie unterziehen. Jene Verletzungsanfälligkeit war schon einer der Gründe gewesen, warum Bayern München Santa Cruz hatte ziehen lassen. Nach seinem Wechsel zu Blackburn hatte er kurzzeitig groß aufgespielt und damit das Interesse größerer englischer Vereine erregt, genauso schnell wie sein Stern stieg, sank er jedoch auch wieder. Auf 19 Tore im ersten Jahr bei Blackburn folgten nur vier im zweiten, dennoch holte Mark Hughes, der Santa Cruz schon als Trainer von Blackburn verpflichtet hatte, den Stürmer zu Manchester City. Ist Santa Cruz fit, spielt er auch in der Nationalmannschaft eine wichtige Rolle, schließlich ist er von allen aktiven Spielern der mit den meisten Länderspieltoren.

Auf die Rückkehr Santa Cruz’ hoffen nicht nur viele Fans in Paraguay und Manchester, sondern auch sein Nationaltrainer Gerardo Martino. Der 46-jährige ist seit Februar 2007 Nationaltrainer der Albirroja, die zuvor vom Uruguayer Anibal Ruiz trainiert worden waren. Der in Rosario in Argentinien geborene Martino hatte sich durch eine erfolgreiche Arbeit als Vereinstrainer in Paraguay den Job als Nationaltrainer erarbeitet. Zwischen 2002 und 2006 hatte er dreimal die paraguayische Meisterschaft geholt und galt daher als logischer Nachfolger von Ruiz. Martinos Start in die Tätigkeit als Nationaltrainer war gemischt: Einerseits übernahm Paraguay schnell die Führung in der Südamerikagruppe der WM-Qualifiaktion und holte aus den ersten zehn Spielen dreiundzwanzig Punkte, andererseits musste man zu Beginn von Martinos Amtszeit im Viertelfinale der Copa America eine empfindliche 0:6-Schlappe gegen Mexiko hinnehmen.

Auch hatte man aus den Qualifikationsspielen elf bis vierzehn nur einen Punkt geholt, umso wichtiger war das 1:0 gegen Bolivien am 5.9., welches das Selbstbewusstsein von Martino und seinen Mannen wieder herstellen konnte. Der ehemalige Mittelfeldspieler (2 Länderspiele für Argentinien) ist in Europa fast völlig unbekannt, auch weil er als Spieler nur im Jahr 1991 in Europa aktiv war; für den spanischen Erstligisten CD Teneriffa. In Südamerika genießt der Fußsballlehrer jedoch einen sehr guten Ruf, so wurde er 2007 als südamerikanischer Trainer des Jahres ausgezeichnet. Als wichtigster Einfluss auf Martino gilt gemeinhin Marcelo Bielsa, der heute die Nationalmannschaft von Chile trainiert. Seine eigene Philosophie beschreibt Martino mit den Worten: “Im Fussball muss man zuhören können und stets für neue Konzepte offen sein. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht.“ Sollte Paraguay in Südafrika zum vierten Mal die Vorrunde überstehen, werden Martino wohl auch außerhalb Europas einige Leute zuhören.

Kader

Tor: Justo Villar (Real Valladolid), Aldo Bobadilla (Independiente Medellin), Diego Barreto (Cerro Porteno)

Abwehr: Claudio Morel (Boca Juniors), Denis Caniza (Club Leon), Paulo da Silva (FC Sunderland), Dario Veron (Pumas UNAM), Julio Cesar Caceres (Atletico Mineiro), Carlos Bonet (Olimpia Asuncion), Aureliano Torres (San Lorenzo), Antolin Alcaraz (FC Brügge)

Mittelfeld: Edgar Barreto (Atalanta Bergamo), Cristian Riveros (Cruz Azul), Victor Caceres (Club Libertad), Enrique Vera (Universitaria de Quito), Jonathan Santana (VfL Wolfsburg), Nestor Ortigoza (Argentinos Juniors),

Angriff: Roque Santa Cruz (Manchester City), Nelson Valdez (Borussia Dortmund), Oscar Cardozo (Benfica Lissabon), Edgar Benitez (Pachuca), Lucas Barrios (Borussia Dortmund), Rodolfo Gamarra (Libertad)


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Uruguay

Steckbrief:

Trikotfarbe: himmelblau-schwarz
FIFA-Weltrangliste: 16
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1954, 1962, 1966, 1970, 1974, 1986, 1990, 2002
Größte Erfolge: Weltmeister 1930, 1950
Kontinentalmeister: 1916, 1917, 1920, 1923, 1924, 1926, 1935, 1942, 1956, 1959, 1967, 1983, 1987, 1995

Spitznamen: Celeste (nach dem fast immer blauen Himmel), Charrúas (nach den Ureinwohnern)
Rekordnationalspieler: Rodolfo Rodríguez (78 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Héctor Scarone (31 Tore)
Trainer: Óscar Tabárez

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Uruguay ist ein kleines Land mit nur etwa 3,3 Mio. Einwohnern, das sich in seiner Geschichte stets gegen die großen Nachbarn Argentinien und Brasilien behaupten musste. So auch im Fußball, dem populärsten Sport am Río de la Plata. Allerdings liegen die großen Erfolge der Celeste mit dem Gewinn der Weltmeisterschaften 1930 (im eigenen Land) und 1950 (in Brasilien) bereits lange zurück. Danach geriet das Land, das einst die “Schweiz Südamerikas” genannt wurde, zusehends in eine ökonomische und soziale Krise, die sich auch im sportlichen Bereich ausdrückt. Uruguay hat nie wieder die besondere Rolle einnehmen können, die man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert im internationalen Fußball innehatte.

Zwar gelangen noch einige kontinentale Meisterschaften, doch die WM-Turniere endeten enttäuschend. Aus deutscher Sicht ist vielleicht noch Uruguays 4. Platz in Erinnerung, als man die Charrúas bei der WM 1970 im Spiel um den dritten Platz durch ein Tor von Wolfgang Overath mit 1:0 bezwang; 1986 bei der WM in Mexiko folgte ein 1:1 in der Gruppenphase. Zuletzt nahm Uruguay 2002 an einem WM-Turnier teil, scheiterte aber bereits in der Vorrunde nach zwei Unentschieden und einer Niederlage.

Nun möchte Uruguay wieder an seine große Fußballtradition anknüpfen. Die Qualifikation wurde mit dem fünften Platz in der Südamerika-Gruppe abgeschlossen, was für die Play-Offs gegen Costa Rica berechtigte. Dort setzen sich die Urus zwar denkbar knapp mit 1:0 und 1:1 durch, dennoch sind die Erwartungen für Südafrika sehr hoch. Trainer Óscar Washington Tabárez, der das Nationalteam bereits 1990 in Italien betreute, hat eine gute Mischung aus Nachwuchsspielern und Routiniers gefunden. Prunkstück des Teams ist sicherlich der Angriff, der mit Diego Forlán (Atlético Madrid) und Mannschaftskapitän Luis Suárez (Ajax Amsterdam) erstklassig besetzt ist. Neben ihnen dürften dem europäischen Fußballpublikum auch Martín Cáceres (Juventus Turin), Jorge Fucile (FC Porto) und vor allem Diego Lugano bekannt sein. Der bei Fenerbahçe Istanbul unter Vertrag stehende Innenverteidiger verkörpert am stärksten die klassischen Eigenschaften des uruguayischen Fußballs: temperamentvoll und kampfstark.

Als Minimalziel geben die Uruguayos das Erreichen des Achtelfinales aus. Zuvor muss aber die sehr starke Gruppe A mit Gastgeber Südafrika, Frankreich und Mexiko überstanden werden. Keine leichte Aufgabe für die Celeste, die jedoch alles geben wird, um wieder an alte Zeiten zu erinnern.

Kader

Tor: Fernando Muslera (Lazio), Juan-Guillermo Castillo (Cali), Martin Silva (Defensor Sporting)

Abwehr: Diego Lugano (Fenerbahce), Diego Godin (Villarreal), Ignacio Gonzalez (Valencia), Jorge Fucile (Porto), Martin Caceres (Juventus), Mauricio Victorino (Universidad de Chile), Maximiliano Pereira (Benfica)

Mittelfeld: Walter Gargano (Napoli), Sebastian Eguren (AIK Stockholm), Diego Perez (Monaco), Alvaro Pereira (Porto), Alvaro Fernandez (Universidad de Chile), Nicolas Lodeiro (Ajax), Andres Scotti (Colo Colo), Egidio Arevalo (Penarol)

Angriff: Sebastian Fernandez (Banfield), Luis Suarez (Ajax), Diego Forlan (Atletico Madrid), Sebastian Abreu (Botafogo), Edinson Cavani (Palermo)


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CONCACAF – Nord- und Mittelamerika

Honduras

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß
FIFA-Weltrangliste: 38
WM-Teilnahmen: 1982
Größter Erfolg: Vorrunde (1982)
Kontinentalmeister: 1981

Rekordnationalspieler: Amado Guevara (128 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Carlos Pavón (57 Tore)
Trainer: Reinaldo Rueda

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Von 1962 bis 1974 war Honduras in der Qualifikation nur so etwas wie Kanonenfutter. In den Jahren davor waren sie gar nicht erst angetreten, wie auch 1978, als sie zurückzogen. Umso erstaunlicher, dass sie es bis zur Endrunde 1982 in Spanien schafften. Dort trotzten die Los Catrachos den Gastgebern gleich im ersten Spiel ein achtbares 1:1 Unentschieden ab. Früh hatten sie geführt, doch den Spaniern gelang nach über einer Stunde per Elfmeter der Ausgleich. Das Spiel gegen Nordirland lief fast genau anders herum. Früh lagen die Honduraner zurück, nach einer Stunde erzielten sie den Ausgleich. Allein, sie brauchten dafür keinen Strafstoß. Das letzte Gruppenspiel ging gegen das bis dahin sieglose Jugoslawien mit 0:1 verloren, weil es zwei Minuten vor Spielende – mal wieder – einen Elfer gegen sie gab. Damit landeten sie in der Vorrunde auf dem letzten Platz und traten die Heimreise an. In den Jahren danach erreichten sie im Acht-Jahres-Rhythmus, also 1986, 1994 und 2002, die letzte Runde der CONCACAF-Gruppe, aber sie scheiterten jedes Mal, wenngleich der Rückstand auf den ersehnten Platz, der zur Teilnahme an der Endrunde berechtigte, immer knapper wurde. Betrachtet man diese Entwicklung, erscheint es logisch, dass sie es diesmal endlich wieder geschafft haben.

Führt man sich vor Augen, dass die zehn Spieler mit den meisten Einsätzen für ihr Land alle noch aktiv sind, nimmt das nicht Wunder. Die Mannschaft ist gut eingespielt und aufeinander abgestimmt. Auffällig ist dabei, dass kaum ein Spieler unter 25 Jahre alt ist. Im Gegenteil, die meisten sind im besten Fußballeralter, also zwischen 25 und 30 Jahre alt. Die ältesten in der Mannschaft sind Torhüter Noel Valladares (32 Jahre, 68 Einsätze) vom Hauptstadtclub C.D. Olimpia, Abwehrspieler Iván Guerrero (31/83) von C.D. Motagua, Kapitän Amado Guevara (33/129) von Toronto FC und nicht zuletzt der Rekordtorschütze mit 56 Treffern, Carlos Pavón (35/93) vom honduranischen Real España, der das entscheidende Tor im letzten Spiel in El Salvador erzielte. Hinzu kommen Legionäre wie David Suazo (29/47), der von Inter Mailand an Benfica Lissabon ausgeliehen wurde, Carlo Costly (27/36) vom polnischen GKS Bełchatów – beide Stürmer -, Wilson Palacios (25/66), der zu Saisonbeginn für 17 Millionen Euro von Wigan Athletic zu den Tottenham Hotspurs wechselte und Julio César de León (30/73) vom FC Turin, die beide im Mittelfeld spielen.

Trainer ist der 52-jährige Kolumbianer Reinaldo Rueda Rivera, der seit 2006 im Amt ist. Vorher trainierte er die kolumbianischen Jugendnationalmannschaft und ab 2004 die A-Nationalelf, die er zur WM in Deutschland führte. Er hat großen Anteil an der erfolgreichen Qualifikation und bleibt dabei bescheiden. Er ist ein akribischer Arbeiter, der bei Amtsantritt die honduranische Verbandsführung und Funktionäre in seine Arbeit mit einbezog. Er entwickelte ein Weiterbildungsprogramm für den gesamten Fußball in Honduras, und darüber hinaus eine Vielzahl von Verhaltensregeln, Routinen und Normen, die in die Trainingsmethodik eingebaut wurden. Mit den Medien und den Fans kommt er ebenfalls gut zurecht. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst und appelliert unermüdlich, Ruhe zu bewahren, konzentriert und ernsthaft am Erfolg zu arbeiten.

Kader

Tor: Noel Valladares (Olimpia), Donis Escober (Olimpia), Ricardo Canales (Motagua)

Abwehr: Sergio Mendoza (Motagua), Emilio Izaguirre (Motagua), Mauricio Sabillon (Hangzhou Greentown), Osman Chavez (Platense), Johnny Palacios (Olimpia), Boniek Garcia (Olimpia), Maynor Figueroa (Wigan Athletic), Victor Bernardez (RSC Anderlecht)

Mittelfeld: Danilo Turcios (Olimpia), Ramon Nunez (Olimpia), Hendry Thomas (Wigan Athletic), Edgard Alvarez (AS Bari), Roger Espinoza (Kansas City Wizards), Amado Guevara (Motagua), Wilson Palacios (Tottenham Hotspur), Julia Cesar de Leon (FC Turin)

Angriff: Walter Martinez (Marathon), Georgie Welcom (Motagua), Carlos Pavon (Real Espana), David Suazo (FC Genua)


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Mexiko

Steckbrief:

Trikotfarbe: grün-weiß
FIFA-Weltrangliste: 17
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1954, 1958, 1962, 1966, 1970, 1978, 1986, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Viertelfinale (1970, 1986)
Kontinentalmeister: 1965, 1971, 1977, 1993, 1996, 1998, 2003, 2009

Rekordnationalspieler: Claudio Suárez (178 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Jared Borgetti (46 Tore)
Trainer: Javier Aguirre

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Lediglich vier Teams können mehr WM-Teilnahmen aufweisen als Mexiko: Brasilien, Deutschland, Italien und Argentinien. Allen vier ist gemeinsam, dass sie bereits einen WM-Titel geholt haben, die Mexikaner hingegen noch nicht. Als beste Ergebnisse stehen für die Mittelamerikaner zwei Viertelfinalteilnahmen zu Buche, beide errungen im eigenen Land. Außerhalb Mexikos hingegen war stets spätestens im Achtelfinale Schluss. Überhaupt unterliegen die WM-Ereignisse der Tri einem sehr einfachen Muster. Zuhause: Viertelfinale; seit 1994: Achtelfinale; vorher: Vorrunde. Folgt man diesem Muster, so steht auch in Südafrika wieder ein Achtelfinalaus an. Dabei waren die Mexikaner schon einige Male kurz davor das Muster zu brechen. Zuletzt 2006 in Deutschland als man gegen Argentinien erst in der Verlängerung mit 2:1 verlor. Doch auch 1998 als Bierhoff Deutschland erst vier Minuten vor Schluss in die nächste Runde schoss oder 1994 als Mexiko erst im Elfmeterschießen an Bulgarien scheiterte, waren Viertelfinalteilnahmen außerhalb des eigenen Landes in greifbarer Nähe.

Dass das Elfmeterschießen nicht der Freund der Mexikaner ist zeigte sich selbst im eigenen Land. 1986 scheiterte El Tri in der Elfmeterlotterie an Deutschland, das andere Aus auf heimischem Boden war unspektakulärer: Italien schlug die Gastgeber mit 4:1. Jene Viertelfinalteilnahme wurde damals als Quantensprung gefeiert, schließlich war zuvor immer in der Vorrunde Schluss gewesen. Dem Quantensprung aber folgten magere Jahre, verpasste Teilnahmen 1974 und 1982, ein weiteres Vorrundenaus 1978 und wäre man 1986 nicht für Kolumbien, die eigentlich die WM zugesprochen bekommen hatten, eingesprungen, wäre womöglich auch 1986 nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Besonders schlimm allerdings war die WM-Qualifikation für 1990. Von dieser war Mexiko ausgeschlossen worden, weil man in der Olympiamannschaft gegen die Altersbeschränkungen verstoßen hatte. Der Aufruhr war groß, da viele Mexikaner es als ungerecht empfanden, dass auch ihre A-Nationalmannschaft von Sanktionen betroffen war und nicht nur die Olympiaauswahl. Nachdem man seitdem allerdings stets die Vorrunde überstanden hat, könnte man zynisch behaupten, dass die Sperre einen heilsamen Schock für die Mittelamerikaner darstellte.

Dass die Mannschaft spielerisch für den nächsten Schritt nach vier Achtelfinalniederlagen in Folge bereit ist, kann man nicht in Abrede stellen. Der Qualitätssprung ist auch der Tatsache geschuldet, dass inzwischen mehr mexikanische Spieler den Sprung nach Europa weg von der kuscheligen, gut bezahlten, aber international wohl zweitklassigen Primera División Mexicana wagen. Waren es 2006 lediglich vier Spieler des WM-Kaders, die im Ausland spielten, dürfte sich diese Zahl 2006 womöglich verdoppeln. Einer der damals wie heute im Ausland spielt, damals wie heute sogar beim selben Verein, ist Rafael Marquez vom FC Barcelona. Der 30-jährige ist Kapitän der Tri und mit seiner Kopfballstärke und Übersicht wichtige Stütze im Abwehrverbund. Mit seinen zwei Champions League-Siegen und vier nationalen Meistertiteln (drei mit Barca, einer mit Monaco) dürfte auch der international erfolgreichste Mexikaner seiner Generation sein.

Ebenfalls im Ausland tätig, wenn auch nur im nördlichen Nachbarland Mexikos, ist Cuauhtémoc Blanco. Der 36-jährige war bereits 1998 Teil des WM-Kaders und beeindruckte in Frankreich durch eine innovative Technik den Ball am Gegner vorbeizubringen. Er klemmte den Ball zwischen den Füßen ein und sprang dann mit dem Ball über den grätschenden Gegner. Die Aktion, inzwischen nach ihm Cuautemiña genannt, brachte ihm viel Aufmerksamkeit, die der extrovertierte Blanco gerne in Anspruch nimmt. Seine Persönlichkeit hat dem in Mexiko-Stadt geborenen Blanco immer wieder Ärger mit seinen Trainern eingebracht, so verpasste er die WM 2006 wegen eines Disputs mit Trainer Ricardo La Volpe und auch Sven Göran Eriksson griff in seiner kurzen Zeit als Nationaltrainer kaum auf Blanco zurück, erst unter Javier Aguirre wurde Blanco wieder eine feste Größe in der Tri. Er dankte Aguirre das Vertrauen mit einigen wichtigen Toren, die zeigten, dass er trotz seines fortgeschritten Fußballeralters immer noch ein wichtiger Teil der Mannschaft sein kann.

Neben den Veteranen des internationalen Geschäfts spielen aber auch einige jüngere Kräfte eine zunehmend wichtigere Rolle in der mexikanischen Nationalelf. Die Talente Giovani Dos Santos (Tottenham) und Carlos Vela (Arsenal) sind mit ihren 20 Jahren bereits mehr als zwanzigfache Nationalspieler für Mexiko und stellen die Hoffnung der Mexikaner auf eine goldene Zukunft dar. Beide sind technisch hochgradig begabte und torgefährliche Stürmer, die mit ihrer Wendigkeit besonders unbewegliche Abwehrreihen vor einige Probleme stellen können. Den deutschen Fans dürften neben den genannten vor allem Ricardo Osorio und Pavel Pardo bekannt sein, die den VfB Stuttgart 2007 zur Meisterschaft führten. Während Osorio noch in Stuttgart unter Vertrag steht, dort aber momentan keine Rolle spielt, ist Pardo im Januar dieses Jahres nach Mexiko zurückgekehrt und kickt dort in Mexiko City für seinen Ex-Verein America.

Bei jenem Verein begann auch die Spielerkarriere des mexikanischen Nationaltrainers, Javier Aguirre. Der 50-jährige war bereits bei der WM 2002 der Trainer der Tri und übernahm im April 2009 erneut die Amtsgeschäfte. Der mexikanische Verband sah dies als nötig an, da die Mannschaft unter Aguirres Vorgänger Sven Göran Eriksson so desolat spielte, dass selbst die WM-Teilnahme in Gefahr geraten war. Aguirre selbst war erst zwei Monate zuvor von seinem alten Arbeitgeber Atletico Madrid entlassen worden und kam so schnell wieder in Lohn und Brot. Aguirre – wegen seiner familiären Wurzeln auch “Baske” genannt – kann auf eine stolze Trainerkarriere zurückblicken und war daher auch so etwas wie der logische Nachfolger Erikssons.

1999 wurde er mit Pachuca mexikanischer Meister, zwischen 2002 und 2006 war er bei Osasuna tätig und führte den Provinzverein bis in die Champions League-Qualifikation. Diese überstand der Verein gegen den HSV nicht, 2008 hingegen konnte er sich mit seinem neuen Verein, Atletico Madrid, gegen den deutschen Vertreter in der Champions-League-Quali durchsetzen. Es sollte sein letzter großer Erfolg mit den Madrilenen sein, die er zuvor zweieinhalb Jahre lang erfolgreich trainiert hatte. Aguirres Erfolg als Vereinstrainer wird vor allem seinem Fleiß und seiner pedantischen Arbeitsweise zugeschrieben und weniger der Tatsache, dass er ein genialer Taktiker ist. Jenen Fleiß erwartet er auch von seinen Spielern, wodurch er in seiner Vereinskarriere immer mal wieder Probleme mit Stars und selbst ernannten Stars hatte, die sich weniger durch Fleiß als durch Starallüren hervor taten. Kein Wunder also, dass sein (dem Kicker gegenüber geäußertes) Credo für seine Spieler lautet: “Solidarisch mit seinen Mannschaftskameraden sein – das ist es, was ich von meinen Spielern erwarte.” Möglichst so solidarisch, dass für Mexiko dieses Mal mehr als das Achtelfinale herausspringt, obwohl man nicht auf eigenem Boden antritt.

Kader

Tor: Luis Michel (Deportivo Guadalajara), Guillermo Ochoa (America), Oscar Perez (Jaguares Chiapas)

Abwehr: Paul Aguilar (Pachuca), Jose Magallon (Deportivo Guadalajara), Hector Moreno (Alkmaar), Ricardo Osorio (VfB Stuttgart), Francisco Javier Rodriguez (Eindhoven), Rafael Marquez (FC Barcelona), Carlos Salcido (Eindhoven), Jorge Torres (Atlas Guadalajara)

Mittelfeld: Israel Castro (Pumas UNAM), Andres Guardado (La Coruna), Efrain Juarez (Pumas UNAM), Alberto Medina (Deportivo Guadalajara), Gerardo Torrado (Cruz Azul)

Angriff: Carlos Vela (Arsenal), Giovani Dos Santos (Galatasaray), Guillermo Franco (West Ham), Adolfo Bautista (Deportivo Guadalajara), Cuauhtemoc Blanco (Veracruz), Javier Hernandez (Deportivo Guadalajara), Pablo Barrera (Pumas UNAM)


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USA

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß-blau
FIFA-Weltrangliste: 14
WM-Teilnahmen: 1930, 1950, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Dritter (1930)
Kontinentalmeister: 1991, 2002, 2005, 2007

Rekordnationalspieler: Cobi Jones (164 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Landon Donovan (42 Tore)
Trainer: Bob Bradley

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Seit 1990 waren die US-Amerikaner bei jeder WM dabei, 2010 in Südafrika wird keine Ausnahme werden. Eine Bilanz, die neben den Fußballgroßmächten Brasilien, Deutschland, Italien, Argentinien und Spanien nur noch Südkorea aufweisen kann. Die Endrunden-Ergebnisse in dieser Zeit waren jedoch oft wenig erfreulich, drei Mal (1990, 1998, 2006) scheiterten The Stars & Stripes bereits in der Vorrunde. 1994 war auf eigenem Boden im Achtelfinale gegen den späteren Weltmeister Brasilien Schluss, 2002 in Südkorea sogar erst im Viertelfinale gegen die DFB-Auswahl. Betrachtet man die Ergebnisse so scheint es fast so als würden die US-Boys auf europäischem Boden versagen, außerhalb der “alten Welt” jedoch besser zu Rande kommen. Ein positives Zeichen für die WM in Südafrika?

Immerhin rührt der größte Erfolg der US-Nationalmannschaft ja auch von einer WM außerhalb Europas her. 1930 hatte sie die Gruppenphase mit zwei 3:0-Siegen gegen Paraguay und Belgien bravourös überstanden und waren so ins Halbfinale gegen Argentinien eingezogen. Dort gab es eine 1:6-Klatsche gegen Argentinien. Da es damals kein Spiel um Platz Drei gab, besteht bis heute ein kleiner Disput darüber, ob nun die USA oder Jugoslawien, die im Halbfinale ebenfalls mit 1:6 untergegangen waren, als WM-Dritter gelten sollte. Die FIFA löste den Streit so, dass sie den dritten Platz der USA zusprach, da diese über das gesamte Turnier verteilt, die (um ein Tor) bessere Bilanz vorweisen konnte. In den Annalen wird also die USA als WM-Dritter von 1930 geführt.

Auch bei zwei weiteren der frühen Weltmeisterschaften traten The Stars & Stripes an. 1934 verloren sie in der ersten Runde gegen den späteren Titelträger Italien mit 7:1, 1950 scheiterten sie in der Vorrunde an Spanien, schockten aber die Welt als sie England in einem der Gruppenspiele mit 1:0 schlagen konnten. Das Spiel gilt bis heute als eines der größten der US-Fußballgeschichte. So groß, dass es 2005 unter dem Titel “The Game of their Lives” sogar mit Gerard Butler (300), Patrick Stewart (Star Trek: Das nächste Jahrhundert) und John Rhys-Davies (Der Herr der Ringe) verfilmt wurde.

Diejenigen, die heute dafür sorgen sollen, dass wieder ein legendäres Spiel zustande kommt, verdienen ihr Geld überall auf dem Globus verteilt. Der in Deutschland bekannteste Spieler dürfte Landon Donovan sein. Immerhin hat sich der 27-jährige Rekordtorschütze seines Landes nun schon zweimal in Deutschland versucht. Konnte man seinen ersten Versuch in Leverkusen noch unter jugendliche Anpassungsprobleme verorten, so zeigte der zweite beim FC Bayern München im vergangenen Frühjahr, dass Donovan nicht das Niveau hat, um in Europa dauerhaft bei Clubs der oberen Mittelklasse oder darüber hinaus Fuß zu fassen. Für den US-Fußball an sich war diese Erkenntnis durchaus schmerzhaft, da der Kalifornier im eigenen Land als Aushängeschild des us-amerikanischen Fußballs gilt. Kritiker lästerten daher auch im Anschluss an den Ausflug nach München, dass seine exponierte Stellung im US-Fußball weniger seinen Fähigkeiten als seinen Ellbogen und Marketingstrategen geschuldet sei. Sie verwiesen stattdessen auf Spieler wie Oguchi Onyewu, Jozy Altidore oder Michael Bradley, die von ihren Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit her eher als Aushängeschilder der US-Soccer gelten sollten.

Doch auch für diese vier Spieler gilt, dass sie den großen europäischen Durchbruch nicht geschafft haben, auch wenn Onyewu inzwischen beim AC Milan unter Vertrag steht. Der bullige Innenverteidiger hat sicherlich viele Voraussetzungen dafür auch in Italien wie in Belgien (bei Standard Lüttich) einen Stammplatz im Abwehrzentrum zu erarbeiten, doch in dieser Saison hat er außer einem Champions League-Einsatz gegen den FC Zürich noch keine Spiele für die Rossoneri vorzuweisen. Ähnlich wie Onyewu geht es Jozy Altidore. Der Stürmer steht zwar seit 2008 bei Villarreal unter Vertrag, kam dort aber nur zu wenigen Kurzeinsätzen. Stattdessen verliehen ihn die Spanier zweimal, zuerst nach Xerez, wo er verletzungsbedingt kein Spiel machte, darauffolgend nach Hull, wo er momentan regelmäßig als Einwechselspieler zum Einsatz kommt. Altidore kann mit seiner Durchsetzungsfähigkeit vor dem Tor und seiner körperlichen Präsenz sicher zu einem guten Stürmer auch auf europäischer Ebene werden. Momentan aber ist der 19-jährige noch nicht soweit, dass er ein Team tragen könnte, so dass er selbst im Nationalteam bisweilen noch die zweite Geige hinter weniger talentierten Akteuren wie dem Ex-Dortmunder Conor Casey (Colorado Rapids) spielen muss.

Casey gehört, wie auch die genannten Bradley und Donovan, zu einer Reihe von Spielern der Stars & Stripes, die bereits in Deutschland aktiv waren oder sind. Der Hannoveraner Steven Cherundolo gehört ebenso dazu wie Kenny Cooper von 1860 München und Luis Robles vom 1. FC Kaiserslautern; ebenfalls Bundesligaerfahrung haben der Ex-Leverkusener Frankie Hejduk (Columbus Crew) und der ehemalige Hannoveraner Heath Pearce (FC Dallas). An den Vereinen der ehemaligen Bundesligaspieler sieht man bereits eine generelle Tendenz für us-amerikanische Kicker, schaffen sie es in Europa nicht, gehen sie in die heimische MLS zurück. Kein gutes Zeugnis für die Liga, die sich stetig bemüht, das eigene Profil und die eigene Qualität zu heben. Trotz der geringeren Qualität der MLS kann sich US-Coach Bob Bradley nicht nur auf in Europa aktive Spieler verlassen, dafür ist noch nicht die nötige Dichte im Netz der US-Spieler auf den europäischen Kontinent erreicht.

Bradleys Aufgabe ist also keine leichte, doch der 51-jährige meistert sie bislang in durchaus anerkennenswerter Weise. Immerhin stehen für den Fußballehrer ein 2007 gewonnener Gold Cup (Nordamerikameisterschaft), zwei Vizetitel 2009 beim Confederations Cup und beim Gold Cup, sowie die WM-Qualifikation zu Buche. Damit hat Bradley sein Soll seit der Amtsübernahme im Jahr 2006, als er Bruce Arena nach der enttäuschenden WM in Deutschland ablöste, erfüllt; auch wenn einige Kritiker im Lande ihn als zu verkopft, stoisch und zu wenig extrovertiert bezeichnen. Bedenken, die auch die Verbandsspitze bei seiner Ernennung 2006 zu teilen schien, Bradley bekam den Job erst als Jürgen Klinsmann abgesagt hatte. Er ist sicherlich ein akribischer Arbeiter, der weniger durch Worte als durch Taten auffällt. Auch von der anfänglichen Kritik, dass er seinen Sohn Michael ungerechtfertigter Weise ins Nationalteam berufen hätte, ließ sich Bradley nicht beeindrucken, inzwischen ist der junge Bradley ein integraler Bestandteil des US-Teams und die Entscheidung des alten Bradley wird nicht mehr kritisiert.

Die anfängliche Kritik war sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass Bob Bradley selbst nie Profi-Sportler war – im Gegensatz zu seinem Bruder Scott, der Baseball für die Chicago White Sox, Seattle Mariners, New York Yankees und Cincinnati Reds spielte. Er wechselte nach den vier Jahren aktiven Spielens an der Universität in Princeton sofort die Seiten und wurde bereits mit 23 Co-Trainer der University of Virginia. Nur drei Jahre später wurde er Cheftrainer an seiner alten Alma Mater und blieb dort elf Jahre lang, bevor er mit der Gründung der MLS in den Profibereich wechselte und dort bei vier verschiedenen Vereinen – Washington (Co-Trainer), Chicago, New York, Chivas USA (alle Chef-Trainer) – tätig war. Bradley kann also trotz seiner 51 Jahre bereits auf fast 30 Jahre Trainererfahrung zurückgreifen. Eine Routine, die man ihm im Umgang mit den Spielern und den Medien oft anmerkt, die ihm aber eben auch den Ruf des abgeklärten, etwas kühlen Taktikers einbringt. Kritik, die verstummen sollte, wenn es außerhalb Europas mal wieder über die Vorrunde hinaus gehen sollte.

Kader

Tor: Brad Guzan (Aston Villa), Tim Howard (Everton), Marcus Hahnemann (Wolverhampton)

Abwehr: Carlos Bocanegra (Rennes), Jonathan Bornstein (Chivas USA), Steve Cherundolo (Hannover), Jay DeMerit (Watford), Clarence Goodson (IK Start), Oguchi Onyewu (AC Milan), Jonathan Spector (West Ham United)

Mittelfeld: DaMarcus Beasley (Rangers), Michael Bradley (Mönchengladbach), Ricardo Clark (Houston Dynamo), Clint Dempsey (Fulham), Maurice Edu (Glasgow Rangers), Benny Feilhaber (Aarhus), Stuart Holden (Bolton), Jose Torres (Pachuca)

Angriff: Jozy Altidore (Hull City), Landon Donovan, Edson Buddle (beide Los Angeles Galaxy), Robbie Findley (Real Salt Lake), Herculez Gomez (Puebla)


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CAF – Afrika

Algerien

Steckbrief:

Trikotfarbe: grün-weiß
FIFA-Weltrangliste: 30
WM-Teilnahmen: 1982, 1986
Kontinentalmeister: 1990

Spitznamen: Les Fennecs (Die Wüstenfüchse)
Rekordnationalspieler: Mahieddine Meftah (107 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Abdelhafid Tasfaout (36 Tore)
Trainer: Rabah Saâdane

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika wird die dritte WM-Endrundenteilnahme für Algerien sein. Bereits 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko waren die Nordafrikaner im Teilnehmerfeld und konnten auf sich aufmerksam machen. Vor allem die Deutschen werden sich nicht so gerne an die Begegnung mit den Wüstenfüchsen erinnern: Zum Auftakt der WM 1982 verlor die DFB-Elf gegen Algerien mit 1:2. Die Treffer erzielten Rabah Madjer und Lakhdar Belloumi, die in ihrer Karriere jeweils einmal zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt wurden. Für das Erreichen der nächsten Runde reichte es nach der 0:2-Niederlage gegen Österreich und dem 3:2-Sieg gegen Chile jedoch nicht. Grund: Man fiel dem „Nichtangriffspakt von Gijon“ zwischen Deutschland und Österreich (1:0) zum Opfer und musste deshalb aufgrund des schlechteren Torverhältnisses vorzeitig die Heimreise antreten. 1986 konnte Algerien nicht an diese Leistungen anknüpfen und schied als Tabellenletzter aus (1:1 gegen Nordirland, 0:1 gegen Brasilien, 0:3 gegen Spanien).

Die Algerier mussten einen längeren Weg als die anderen afrikanischen WM-Teilnehmer gehen, um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. In der Gruppe 3 der CAF-Qualifikation waren sie nach 6 Spielen nämlich punkt- und torgleich mit dem Afrikameister aus Ägypten, wobei auch der direkte Vergleich zwischen den beiden Nationalmannschaften gleich war (Algerien gewann zu Hause mit 3:1, Ägypten gewann am letzten Spieltag zu Hause mit 2:0, das entscheidende 2:0 fiel dabei erst in der Nachspielzeit). Die Folge war ein Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Sudan, aus dem die Algerier mit 1:0 (Torschütze Anthar Yahia) als Sieger hervorgingen und sich letztendlich doch für die Endrunde qualifizierten. Überschattet wurden die Spiele in Kairo und in Omdurman durch Krawalle, als einige Menschen verletzt worden waren.

Ein Kuriosum lässt sich auf der Trainerbank finden – der 64-jährige Rabah Saâdane trainiert den Afrikameister von 1990 bereits in seiner fünften Amtszeit und verfügt für die WM 2010 über einen durchaus guten Kader. 21 Spieler des vorläufigen 25-Mann-Kaders verdienen in Europa ihr Geld, darunter die Bundesliga-Profis Karim Ziani (VfL Wolfsburg), der Star des Teams, Karim Matmour (Mönchengladbach) und Anthar Yahia (VfL Bochum). Auch die Abwehrspieler Nadir Belhadj (FC Portsmouth) und Madjid Bougherra (Rangers) als wichtige Stützen des Teams dürften bekannt sein. Dieses Team hat beim diesjährigen Afrika Cup, als man den vierten Platz belegte, bereits bewiesen, dass es Fußball spielen kann. Vor allem beim Sieg im Viertelfinale gegen den Topfavoriten aus der Elfenbeinküste (3:2 n.V.) spielten die Algerier technisch stark und glänzten durch mannschaftliche Geschlossenheit. Schaffen sie dies auch in den Duellen mit England, der USA und Slowenien, dann könnte der Außenseiter für eine Überraschung sorgen. So etwas wie die „Schande von Gijon“ wird sich zumindest nicht wiederholen können.

Kader

Tor: Fawzi Chouachi (ES Setif), Lounes Gaouaoui (ASO Chlef), Raïs M’Bolhi (Slavia Sofia)

Abwehr: Abdelkader Laifaoui (ES Setif), Madjid Bougherra (Glasgow Rangers), Carl Medjani (Ajaccio), Rafi Halliche (Nacional Madeira), Anthar Yahia (Bochum), Haib Belaid (Boulogne), Nadir Belhadj (Portsmouth)

Mittelfeld: Hassan Yebda (Potsmouth), Mehdi Lacen (Racing Santander), Yazid Mansouri (Lorient), Adlane Guedioura (Wolverhampton), Ryad Boudebouz (Sochaux), Djamel Abdoun (Nantes), Foued Kadir (Valenciennes), Karim Ziani (Wolfsburg), Djamel Mesbah (Lecce)

Angriff: Abdelkader Ghezzal (Siena), Rafik Djebbour (AEK Athen), Rafik Saifi (Istres), Karim Matmour (Mönchengladbach)


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Elfenbeinküste

Steckbrief:

Trikotfarbe: orange-weiß
FIFA-Weltrangliste: 27
WM-Teilnahmen: 2006
Größter Erfolg: Vorrunde (2006)
Kontinentalmeister: 1992

Rekordnationalspieler: Didier Zokora (80 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Didier Drogba (44 Tore)
Trainer: Sven-Göran Eriksson

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Mit der erfolgreichen Qualifikation für die Titelkämpfe auf dem eigenen Kontinent haben sich Les Éléphants zum zweiten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Die erste Teilnahme liegt nicht sehr lange zurück; es war vor drei Jahren in Deutschland als die Ostafrikaner ihr Debüt feiern konnten. Ein Debüt, das trotz ausgezeichneter Leistungen bereits in der Vorrunde endete, da man das Pech hatte mit Holland und Argentinien in einer Gruppe zu landen. Gegen beide Mannschaften verloren die Elefanten trotz ansehnlicher Spielweise mit 1:2. Zum Abschluss der WM allerdings konnte die Elfenbeinküste doch noch ein Spiel gewinnen; in einem packenden und ereignisreichen Spiel schlug das Team Serbien & Montenegro mit 3:2. Im kommenden Turnier wollen die Ivorer nun möglichst an diesen Erfolg anknüpfen und dieses Mal die Vorrunde überstehen.

Dass der erste WM-Auftritt der Elfenbeinküste erst 2006 kam, verwundert bei genauer Betrachtung ein wenig. Immerhin war das Land 1992 Afrikameister und galt bereits zu dieser Zeit als eines der besten afrikanischen Länder. Doch als es drauf ankam, schafften Les Éléphants den Einzug in die Finalrunde der WM nie. Am nähesten kamen sie den Welttitelkämpfen im Jahre 1994. Denn nur die schlechtere Tordifferenz im Vergleich zu Nigeria verhinderte die Qualifikation. Dass diese schlechte Tordifferenz einer 1:4-Niederlage in Nigeria geschuldet war, machte die Sache besonders bitter. Man hatte im entscheidenden Moment versagt. Auch in der Qualifikation für die Weltmeisterschaften 2002 verhinderten spät versagende Nerven die WM-Teilnahme. Zusammen mit Tunesien stritten sich die Elefanten um den Gruppensieg, die beiden direkten Duelle waren Unentschieden ausgegangen, was hieß, dass man punktgleich in die letzten beiden Spiele (jeweils gegen die Republik Kongo und die Demokratische Republik Kongo – das ehemalige Zaire) ging. Tunesien löste die Pflichtaufgaben mit 3:0 und 6:0, die Elfenbeinküste hingegen spielte 1:1 gegen die Republik Kongo und verlor gegen die DR Kongo mit 1:2. Man blieb zuhause, Tunesien flog zur WM in Japan und Südkorea. Umso bitterer als sich die Republik Kongo schon für die WM 1998 als Stolperstein für die Ivorer erwiesen hatte, damals war man bereits in der ersten Runde an den Zentralafrikanern gescheitert. Auch die meisten anderen der Qualifikationskampagnen der Ivorer, die seit 1970 an Weltmeisterschaften teilnehmen, endeten in der KO-Runde. Eine Tatsache, die gegen die nervliche Belastbarkeit der Nationalmannschaft sprechen könnte.

Dass sich diese gebessert hat, liegt sicherlich daran, dass inzwischen sehr viele der Spieler der Elefanten bei europäischen Spitzenteams untergekommen sind. Bereits bei der WM 2006 stand kein einziger Akteur im Kader der Ivorer im eigenen Land unter Vertrag, die Elfenbeinküste war damals das einzige Land auf das dies zutraf. Auch jetzt stehen ausnahmslos alle Feldspieler des Teams bei europäischen Vereinen unter Vertrag. Sicherlich der bekannteste jener Spieler ist Didier Drogba. Der Torjäger des FC Chelsea muss als einer der gefährlichsten Stürmer der Welt gelten. Seine Torausbeute in der Premier League kann sich ebenso sehen lassen, wie die für seine Nationalmannschaft. Natürlich ist der 31-jährige Rekordtorschütze seines Landes und führt das Team als Kapitän aufs Feld. Der in der Hauptstadt Abidjan geborene bullige Stürmer nimmt die Rolle als Führungsspieler gerne an, auch wenn er bisweilen etwas zu forsch und temperamentvoll auftritt. Eine Tatsache, die er nach dem Champions-Leauge-Aus gegen den FC Barcelona im Frühjahr eindrucksvoll unterstrich als er den Schiedsrichter der Partie wüst beschimpfte.

Doch Didier Drogba muss längst nicht alle Last des Teams alleine schultern. Schließlich gibt es weitere Akteure in der Mannschaft, die über herausragende internationale Erfahrung verfügen. Allen voran die Touré-Brüder. Der ältere Kolo (28) ist im Sommer von Arsenal zu Manchester City gewechselt und organisiert dort die Abwehr genau wie in der Nationalmannschaft mit Übersicht und Kopfballstärke. Der jüngere Yaya (26) hat im Frühjahr mit Bracelona die Champions-League geholt und gilt wie sein Bruder als ein Spieler mit großere Übersicht, hat aber zusätzlich noch eine hohe Spielintelligenz, die ihn für seine Rolle vor der Abwehr prädestiniert. Zu den Stützen des Teams gehört darüber hinaus auch Didier Zokora vom FC Sevilla. Der 28-jährige, der vor der Saison aus Tottenham nach Spanien gewechselt ist, verleiht dem Mittelfeld der Ostafrikaner mit seiner Zweikampfstärke und Ballsicherheit zusätzliche Stabilität.

Auch einige (ehemalige) Bundesligaprofis gehören regelmäßig zum Kader der Elfenbeinküste. Allen voran der Hamburger Guy Demel und der Stuttgarter Arthur Boka, die beide Teil des von Kolo Touré geleiteten Abwehrverbunds sind. Aber auch die Hannoveraner Didier Ya Konan und Constant Djakpa waren in den letzten Monaten Teil des Teams, ebenso wie der Gladbacher Steve Gohouri, der Fürther Stephan Loboué und der ehemalige Bremer Boubacar Sanogo, der inzwischen für den französischen Rekordmeister AS St.Etienne am Ball ist.

Die Aufgabe des Zusammenstellens des über ganz Europa verteilten Kaders fällt Vahid Halilhodžić zu. Der Bosnier ist Nachfolger von Uli Stielike, der im April 2008 aus einer Mischung aus persönlichen und professionellen Gründen aufgeben musste. Halilhodžić ist nicht zum ersten Mal Trainer auf dem afrikanischen Kontinent, der 57-jährige war bei Raja Casablanca 1997 und 1998 in Marokko, wo er zweimal den Landesmeistertitel holte. Der europäischen Öffentlichkeit ist der – wie Hasan Salihamidzic – in Jablanica geborene Fußballlehrer allerdings eher durch seine Tätigkeit im französischen Fußball ein Begriff. Dort war er bereits als Spieler für Nantes und PSG aktiv gewesen. In der ersten Hälfte des gerade ablaufenden Jahrzehnts war Halilhodžić dann Trainer in Lille, Rennes und Paris; er erzielte eine achtbare Erfolge, darunter einen Aufstieg (mit Lille), einen Pokalsieg und einen Vizemeistertitel (beide mit Paris St. Germain). Nach der Station bei PSG war er noch als Coach in Trabzon (Türkei) und Dschidda (Saudi-Arabien) tätig, bevor er dann die Aufgabe als ivorischer Nationaltrainer übernahm. Sollte Halilhodžić bis zur WM Trainer der Elefanten bleiben, so wäre es nicht die erste WM-Teilnahme für den Bosnier. 1982 kam er in Spanien als Spieler zu zwei WM-Einsätzen für Jugoslawien. Als Coach der Ivorer kommen keine hinzu, er musste Platz machen für Sven-Göran Eriksson.

Kader

Tor: Boubacar Copa (Sporting Lokeren), Daniel Yeboah (ASEC Abidjan), Aristides Zogbo (Maccabi Netanya)

Abwehr: Souleymane Bamba (Hibernian Edinburgh), Arthur Boka (VfB Stuttgart), Brou Angoua (Valenciennes), Guy Demel (Hamburger SV), Emmanuel Eboue (FC Arsenal), Steve Gohouri (Wigan Athletic), Kolo Toure (Manchester City)

Mittelfeld: Jean-Jacques Gosso (AS Monaco), Emmanuel Kone (Curtea de Arges), Romaric (FC Sevilla), Siaka Tiene (Valenciennes), Cheik Tiote (Twente Enschede), Yaya Toure (FC Barcelona), Didier Zokora (FC Sevilla)

Angriff: Aruna Dindane (FC Portsmouth), Didier Drogba (FC Chelsea), Salomon Kalou (FC Chelsea), Abdelkader Keita (Galatasaray Istanbul), Gervinho (Lille), Seydou Doumbia (YB Bern)


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Ghana

Steckbrief:

Trikotfarben: weiß-schwarz
FIFA-Weltrangliste: 32
WM-Teilnahmen: 2006
Größter Erfolg: Achtelfinale 2006
WM-Gastgeber: –
Kontinentalmeister: 4 (1963, 1965, 1978, 1982)

Rekordnationalspieler: Abedi Pele (73 Einsätze)
Rekordtorschütze: Abedi Pele (33 Tore)
Trainer: Milovan Rajevac

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Die Geschichte Ghanas bei WM-Endrunden ist eine eher kurze, sie umfasst lediglich die letzten Titelkämpfe im Sommer 2006 in Deutschland. Obwohl die Black Stars schon vorher eine der afrikanischen Nationen waren, die früh und viele Spieler in Richtung Europa exportiert hatte, dauerte es bis ins 21. Jahrhundert, bis die Mannen von der Goldküste das erste Mal bei einer Endrunde auftauchten. In den Qualifikationen zuvor hatte Ghana bislang stets versagt: Man war zwar desöfteren in die letzte Runde der Qualifikation vorgestoßen (2002, 1998), der Abstand zur Nation, die sich qualifizierte war jedoch stets ein gewaltiger. Eine Tatsache, die auch viele Experten für den und auf dem afrikanischen Kontinent nicht erklären konnten.

Umso erstaunlicher war dann, dass die Qualifikation für eine WM ausgerechnet dann klappen sollte, als man mit Südafrika eine Nation in die Qualifikationsgruppe zugelost bekommen hatte, die sich zuvor zweimal in Folge qualifiziert hatte. Trotz dieses psychologischen und erfahrungsmäßigen Nachteils setzten sich die “schwarzen Sterne” in ihre Qualifikationsgruppe damals mit fünf Punkten Vorsprung durch und durften nach Deutschland reisen.

Dort angekommen, sorgten die Afrikaner in der Vorrunde für Furore, als sie sich in der Gruppe gegen EM-Halbfinalist Tschechien und WM-Viertelfinalist USA durchsetzten und das Achtelfinale erreichten. Bei ihren Auftritten gewannen die Ghanaer durch ihren Offensivfußball die Herzen vieler “neutraler” Zuschauer, besonders in Erinnerung blieben die Anfeuerungsrufe des Kölner Publikums gegen die Tschechische Republik. Das Turnier endete für die Black Stars in Dortmund, wo sie gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien mit 3:0 unterlagen. Trotz der deutlichen Niederlage wurden die Ghanaer auch aus dem Westfalenstadion mit stehenden Ovationen verabschiedet.

Dass man damals der Selecao nicht mehr Paroli bieten konnte, durfte seinen Grund auch darin gehabt haben, dass der Star der Black Stars, damals wie heute, in dieser Achtelfinalpartie gesperrt war: Michael Essien. Der 26-jährige vom FC Chelsea ist der unbestritten beste Spieler in den Reihen Ghanas. Kampf- und zweikampfstark, ballsicher mit hervorragender Antizipation und vielseitig einsetzbar, ist der in der Haupstadt Accra geborene Essien wohl der kompletteste Spieler, der je aus dem Afrika südlich der Sahara gekommen ist.

Kapitän ist jedoch nicht er, sondern Stephen Appiah. Der 28-jährige ist mit 53 Länderspielen der momentan erfahrenste Akteur der Ghanaer, blickt aber auf eine lange Leidenszeit zurück. Auf Grund einer schweren Knieverletzung, an die sich mehrere Komplikationen anschlossen, ist Appiah seit Mitte 2008 vereinslos. Mehrere Vereine, darunter der russische Meister Kazan und Tottenham Hotspur, hatten den Mittelfeldregisseur zu Probetrainings eingeladen, jedoch von einer Verpflichtung aus medizinischen Gründen Abstand genommen. Obwohl er damit seit dem 1.12.2007 kein Vereinsspiel mehr bestritten hat, ist Appiah noch immer eine Stütze der Nationalmannschaft, für die er regelmäßig gute Leistungen abliefern kann.

Die Schwäche der Black Stars stellt, wie bei der WM in Deutschland, die Defensive dar. Ist die Offensive mit einigen Spielern von internationaler Klasse bestückt, so fehlt diese in der Verteidigung quasi vollends. Stammtorwart Richard Kingson ist bei seinem Verein Wigan Athletic nur die Nummer zwei und auch Hans Sarpei (Leverkusen), Isaac Vorsah (Hoffenheim), Eric Addo (Roda Kerkrade), John Mensah (Sunderland) oder John Paintsil (Fulham) stellen kaum internationales Mittelmaß dar.

Trainiert werden die Mannen von der Goldküste von einem Serben. Milovan Rajevac coacht die Mannschaft seit August 2008. Der 53-Jährige hatte das Amt von Claude Le Roy übernommen, der im Mai zurückgetreten war, nachdem er Ghana im Februar im eigenen Land zu einem dritten Platz beim Afrikacup geführt hatte. Der Serbe war als Spieler und Trainer bei Roter Stern Belgrad aktiv und kann neben Serbien auch Schweden, China und Katar als Stationen seines Trainerlebens vorweisen. In Interviews betont Rajevac immer wieder, wie wichtig es für ihn ist, dass er in Afrika tätig sein kann, da er dort die Zukunft des Fußballs sieht. Nach der Qualifikation für die WM sagte er, dass er zuversichtlich hinsichtlich der Chancen Ghanas bei der WM sei. Bislang hielt sich das Team unter seiner Leitung weitgehend schadlos (einzige Pflichtspielniederlage gegen Libyen im September 2008, seitdem fünf Zu-Null-Pflichtspielsiege in Folge), hält dieser Trend an, könnten sich die Black Stars erneut in die Herzen der “neutralen” Anhänger spielen.

Kader

Tor: Richard Kingson (Wigan), Daniel Agyei (Liberty Professionals), Stephen Ahorlu (Hearts of Lions)

Abwehr: Samuel Inkoom (Basel), Jonathan Mensah (Granada), Lee Addy (Bechem Chelsea), Hans Sarpei (Bayer Leverkusen), John Mensah (Sunderland), John Paintsil (Fulham)

Mittelfeld: Sulley Muntari (Inter Milan), Derek Boateng (Getafe), Anthony Annan (Rosenborg), Kwadwo Asamoah (Udinese), Stephen Appiah (Bologna), Kevin-Prince Boateng (Portsmouth), Rahim Ayew (Zamalek), Isaac Vorsah (Hoffenheim)

Angriff: Matthew Amoah (NAC Breda), Asamoah Gyan (Rennes), Prince Tagoe (Hoffenheim), Dominic Adiyiah (AC Milan), Dede Ayew (Arles), Quincy Owusu Abeyie (Portsmouth)


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Kamerun

Steckbrief:

Trikotfarbe: grün-rot
FIFA-Weltrangliste: 19
WM-Teilnahmen: 1982, 1990, 1994, 1998, 2002
Größter Erfolg: Viertelfinale 1990
Kontinentalmeister: 1984, 1988, 2000, 2002

Rekordnationalspieler: Rigobert Song (133 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Samuel Eto’o (44 Tore)
Trainer: Paul Le Guen

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Wenn es eine Nationalmannschaft gibt, die in Europa als stellvertretend für den afrikanischen Fußball gilt, so ist dies wahrscheinlich die von Kamerun. Mit ihrem unglaublichen Lauf im Jahre 1990 bei der WM in Italien spielten sich die unzähmbaren Löwen in die Herzen vieler Europäer. Besonders dafür ausschlaggebend dürfte das Eröffnungsspiel jener WM gewesen sein, als die Kameruner den amtierenden Weltmeister Argentinien mit 1:0 bezwingen konnten, obwohl sie am Ende nur noch mit neun Mann agierten. Nachdem sie auch noch das zweite Gruppenspiel gegen Rumänien mit 2:1 gewannen, hatten sie endgültig die Herzen der Zuschauer erobert. Es war in diesem Spiel, in dem der legendäre Roger Milla mit zwei Toren die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gelangte, acht Jahre zuvor war er in seinen drei WM-Spielen für Kamerun torlos geblieben. Auch die 0:4-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen die UdSSR – das letzte Spiel einer sowjetischen Mannschaft bei einer WM – verhinderte nicht, dass Kamerun die Gruppenphase als Sieger abschloss.

Im Achtelfinale war erneut Milla-Time, der damals bereits 38-jährige erzielte beide Tore im 2:1-Sieg über Kolumbien. Eines davon ist bis heute Teil des WM-Gedächtnisses: Er nahm dem wie immer mitspielenden Torwart René Higuita den Ball im Zweikampf ab und dribbelte den Ball ins leere Tor. Den Treffer feierte er dann mit einem Tanz an der Eckfahne; ein Bild, das bis heute in kaum einer WM-Geschichte fehlt. Auch im Viertelfinale gegen England schafften es die unzähmbaren Löwen in die Verlängerung. Platts Führungstreffer hatten Kundé (per Elfmeter) und Ekéké gedreht, ehe Lineker per Elfmeter sieben Minuten vor Ende der Partie den Ausgleich erzielte. In der Verlängerung dann brachen die Kameruner ein, der Kräfteverschleiß des Turniers führte zu Unkonzentriertheiten und einem weiteren Foulelfmeter für England. Lineker trat an und obwohl wahrscheinlich die ganze Fußballwelt außerhalb Englands hoffte, dass er verfehlen würde, traf der WM-Torschützenkönig von 1986. Kamerun war nach einem großen Turnier ausgeschieden und hatte die Herzen vieler neutraler Fans erobert.

Dass die Kameruner keine Laufkundschaft im internationalen Fußball waren, hatten sie bereits acht Jahre zuvor in Spanien unter Beweis gestellt. Keines der drei Gruppenspiele hatten sie damals verloren, allerdings auch keines gewonnen. So kamen nicht die Zentralafrikaner (3 Punkte, 1:1 Tore), sondern die späteren Weltmeister aus Italien (3 Punkte, 2:2 Tore) weiter. Auch bei den drei WM-Teilnahmen nach 1990 kamen die unzähmbaren Löwen nie über die Gruppenphase hinaus. Nicht 1994 in den USA, wo auf ein viel versprechendes 2:2 gegen Schweden (später WM-Dritter), ein 0:3 gegen Brasilien (später Weltmeister) und ein 1:6 gegen Russland (schied mit Kamerun aus) folgte. Jenes Spiel gegen Russland nimmt bis heute einen besonderen Platz in der WM-Geschichte ein. Kameruns Tor erzielte Roger Milla, der damit der älteste WM-Torschütze aller Zeiten wurde; fünf der sechs russischen Tore kamen von Oleg Salenko, der damit der einzige Spieler ist, der je in einem einzigen WM-Spiel fünf Tore erzielt hatte. Salenko hatte zuvor bereits ein Tor erzielt und wurde, obwohl er nur drei Spiele gemacht hatte, zusammen mit dem Bulgaren Hristo Stoichkov Torschützenkönig. Möglich gemacht hatte dies vor allem eine völlig indisponierte Kameruner Abwehr, die unter akuten Auflösungserscheinungen litt, nachdem sie vom schwedischen Führungstreffer gegen Brasilien gehört hatte, der alle Hoffnungen aufs Weiterkommen, zunichte machte.

Vier Jahre später in Frankreich, holte man zwar doppelt so viele Punkte wie in den USA, schied aber dennoch in der Vorrunde aus. Zwei 1:1-Unentschieden gegen Chile und Österreich waren zu wenig, nachdem man zwischendrin mit 0:3 gegen Italien verloren hatte. 2002 in Japan verdoppelte man erneut die Punktzahl des vorhergehenden Turniers und errang sogar den ersten WM-Sieg außerhalb Italiens – ein 1:0 gegen Saudi-Arabien, Torschütze Samuel Eto’o. Dennoch scheiterten die Kameruner, ein 1:1 gegen Irland hatte sie in die Situation gebracht gegen Deutschland gewinnen zu müssen. Sie taten es nicht, stattdessen gewann Deutschland durch Tore von Bode und Klose. Gar keine Chance auf die erneute Verdoppelung der Punktzahl des vorigen Turniers hatten die unzähmbaren Löwen dann 2006. In der Qualifikation für das Turnier in Deutschland scheiterten sie am letzten Spieltag. Ein Sieg zuhause in Yaounde gegen Ägypten hätte genügt, doch stattdessen gab es nur ein 1:1, da die Elfenbeinküste gleichzeitig im Sudan gewann, fuhren die Elefanten nach Deutschland, die Löwen mussten zu Hause bleiben. Es war erst das zweite Mal seit 1982, dass sich Kamerun nicht für eine WM qualifizieren konnte, in der Qualifikation für das Turnier 1986 in Mexiko war man ebenfalls gescheitert, damals aber schon in der zweiten Qualirunde, nach einer 1:4-Niederlage in Sambia.

Dafür gesorgt, dass es nicht zu einem erneuten Verpassen der WM kam, hat eine illustre Runde an Spielern, von denen viele in Europa einen hervorragenden Ruf genießen. Besonders auffällig ist, dass keiner der Kameruner auf dem eigenen Kontinent aktiv ist. Der herausragende Star ist sicherlich Samuel Eto’o. Der 28-jährige Stürmer von Inter Mailand ist Kopf und Kapitän der Mannschaft und gleichzeitig auch Rekordtorschütze der unzähmbaren Löwen. Die Frage, ob der schnelle, technisch beschlagene Eto’o oder der bullige, direkt spielende Didier Drogba der beste Stürmer Afrikas ist, ist eine der heiß diskutiertesten Fragen des afrikanischen Fußballs. Während Eto’o die Stütze des Angriffs ist, übernehmen in den anderen Mannschaftsteilen mit Geremi (Newcastle) und Song (Trabzonspor) zwei weitere international sehr erfahrene Akteure die Rolle des Anführers von Mittelfeld beziehungsweise Abwehr. Sowohl Geremi als auch Song sind jenseits der 30 Jahre und auch jenseits der 100 Länderspiele.

Neben den alten Hasen, die dem Spiel der Zentralafrikaner eine enorme Sicherheit verleihen haben aber auch jüngere Kräfte den Weg ins Nationalteam gefunden. Egal ob Alexandre Song (22, Arsenal), Stephane Mbia (23, Marseille) oder André Bikey (24, Burnley), nahezu alle der jungen Nationalspieler spielen in den großen europäischen Ligen. Dies gilt auch für den erst 25-jährigen Keeper der unzähmbaren Löwen, Carlos Kameni. Der 54-malige Nationalspieler steht bei Espanyol Barcelona unter Vertrag und ist dort die unumstrittene Nummer Eins. Er ist damit der einzige afrikanische Torwart in einer der vier großen Ligen Europas.

Übungsleiter all dieser Talente und Routiniers ist der Franzose Paul Le Guen. Der 45-jährige hatte im Juli dieses Jahres den Job vom deutschen Otto Pfister übernommen, nachdem die Verantwortlichen des Verbands die WM-Qualifikation in Gefahr sahen. Kein Wunder, standen die Kameruner doch zu diesem Zeitpunkt auf dem letzten Platz ihrer Qualifikationsgruppe, doch unter Le Guen gewannen sie alle vier noch ausstehenden Wm-Qualifikationsspiele und fahren nun doch nach Südafrika. Für den ehemaligen französischen Nationalspieler ist es die erste Station als Nationaltrainer. Zuvor war Le Guen als durchaus erfolgreicher Vereinstrainer bekannt, vor allem seine Zeit bei Olympique Lyon sorgte für den guten Ruf des Fußballlehrers. In jeder der drei Spielzeiten, die Le Guen Lyon trainierte wurde Olympique Meister. Nach diesen drei Jahren trat er freiwillig zurück und nahm sich ein Jahr Pause, nach diesem Jahr wurde er Trainer der Glasgow Rangers.

Hier jedoch kam Le Guen überhaupt nicht zurecht und seine Reputation erlitt erste Kratzer, nach nur knapp sechs Monaten wurde der Übungsleiter nach einem Streit mit Kapitän und Rangers-Idol Barry Ferguson beurlaubt. Nur zehn Tage nach seiner Beurlaubung in Glasgow hatte Le Guen einen neuen Job gefunden, er übernahm das Training bei Paris St. Germain, dem Verein für den er als Spieler aufgelaufen war. Mit PSG gewann er in seiner ersten Saison zwar den Ligapokal und qualifizierte sich damit für den UEFA-Cup, in der Liga jedoch rettete sich der Verein erst kurz vor Saisonende vor dem Abstieg. Nachdem auch die zweite Saison wechselhafte Ergebnisse und keine Rückkehr in die Spitze des französischen Fußballs bedeutete, entschied sich der Verein dafür Le Guens Vertrag nicht zu verlängern, dies ermöglichte Le Guen das Engagement in Kamerun. Dort ist er, wie schon bei anderen Trainerstationen durchaus nicht unumstritten, sein hartes Durchgreifen gegen die „Partyatmosphäre (…), die lange Zeit die Treffen der Nationalmannschaft charakterisierte.“(so die Website der FIFA), die Professionalisierung der Strukturen des Verbands und die Ablösung Rigobert Songs als Kapitän haben dem Franzosen nicht nur Freunde beschert. Doch wenn sich die Kameruner in Südafrika wieder in die Herzen der Zuschauer spielen, ist all dies sicherlich vergessen.

Kader

Tor: Hamidou Souleymano (Kayserispor), Idris Carlos Kameni (Espanyol Barcelona), Guy Roland Ndy Assembe (Valenciennes FC)

Abwehr: Benoit Assou-Ekotto (Tottenham Hotspur), Sebastien Bassong (Tottenham Hotspur), Gaetan Bong (Valenciennes FC), Aurelien Chedjou (OSC Lille), Geremi Njitap (Ankaragücü), Stephane Mbia (Olympique Marseille), Nicolas Nkoulou (AS Monaco), Rigobert Song (Trabzonspur)

Mittelfeld: Achille Emana (Betis Sevilla), Enoh Eyong Takang (Ajax Amsterdam), Jean Makoun (Olympique Lyon), Georges Mandjeck (1. FC Kaiserslautern), Joel Matip (Schalke 04), Landry Nguemo (Celtic Glasgow), Alexandre Song (FC Arsenal)

Angriff: Vincent Aboubakar (Coton Sport Garoua), Eric Choupo-Moting (1. FC Nürnberg), Samuel Eto’o (Inter Mailand), Mohamadou Idrissou (SC Freiburg), Pierre Webo (RCD Mallorca)


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Nigeria

Steckbrief:

Trikotfarbe: grün-weiß
FIFA-Weltrangliste: 21
WM-Teilnahmen: 1994, 1998, 2002
Größter Erfolg: Achtelfinale 1994, 1998
Kontinentalmeister: 1980, 1994

Rekordnationalspieler: Mudashiru Lawal (86 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Rashidi Yekini (37 Tore)
Trainer: Lars Lagerbäck

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

“Einmal aussetzen” hieß es für die Nigerianer seitdem sie sich 1994 erstmals für eine Fußball-WM qualifizieren konnten. Dieses eine Mal war bei der vergangenen WM 2006, die sie im Fernsehen verfolgen mussten, nachdem sie in der Qualifikationsgruppe 4 sensationell an Angola gescheitert waren. Für die Super Eagles war die verpasste Qualifikation ein Desaster, eine tiefe Erschütterung im Selbstverständnis als eine der führenden Nationen des afrikanischen Fußballs. Ein Selbstverständnis, das allerdings eher aus der Anzahl der im Ausland tätigen Spieler herrührt als aus den Erfolgen der Nationalmannschaft. Trotz des guten Spielmaterials errangen die Nigerianer erst zweimal den Titel des Afrikameisters, 1980 im eigenen Land und 1994 in Tunesien. Zwischen den beiden Triumphen lagen zusätzlich drei zweite Plätze, was deutlich macht, dass es oft in entscheidenden Momenten an Glück oder Können mangelte. Trotz dieser Schwächen deuten diese Resultate natürlich auf eine Stärkephase des nigerianischen Fußballs in den 1980ern und 1990ern hin.

Es ist daher durchaus erstaunlich, dass die erste WM-Teilnahme erst 1994 gelang. Betrachtet man die Qualifikationsversuche bis dahin stellt man fest, dass die Super Eagles immer wieder knapp scheiterten: 1990 verhinderte eine Niederlage am letzten Spieltag gegen Kamerun den Einzug in die Playoffs, hätte Nigeria dieses Spiel gewonnen, hätte der sensationelle Lauf der Kameruner bei der WM in Italien nie stattgefunden. Auch 1986 scheiterte man an der vorletzten Hürde, trotz eines 1:0 im Hinspiel des Qualifikationshalbfinals gegen Tunesien, schieden die Westafrikaner nach einem 0:2 im Rückspiel aus. Noch knapper an der Qualifikation schrammten sie 1982 vorbei, erst im Qualifikationsfinale gegen Algerien zog man den Kürzeren. Algerien war dabei, besiegte bei der WM in Spanien Deutschland und wurde Opfer der “Schande von Gijon”.

Auch 1978 stand Nigeria in der letzten Qualifkationsrunde und hätte man das Heimspiel gegen Tunesien gewonnen, man wäre anstelle der Gäste nach Argentinien gefahren, die bei der WM immerhin ein 0:0 in der Gruppenphase gegen Deutschland erreichten. Vier Jahre zuvor war eine Reise nach Deutschland nicht an den eigenen Fähigkeiten gescheitert, sondern daran, dass die eigenen Fans das Quali-Spiel gegen Ghana zum Abbruch brachten und somit das Ausscheiden der eigenen Mannschaft besiegelten. In der Qualifikation für das Turnier in Mexiko vier Jahre zuvor war Nigeria wie so oft erst an der letzten Hürde gescheitert. Zwei Unentschieden gegen den Sudan in der entscheidenden Gruppenphase sorgten dafür, dass Marokko zur WM fahren durfte.

In Anbetracht dieser Vielzahl von Beinahequalifikationen war der Jubel 1994 umso größer, als sich die Nigerianer erstmals für eine WM qualifizieren konnten. Als die Super Eagles dann auch noch die Gruppenphase als Erster der Gruppe D abschlossen, kannte der Jubel zuhause keine Grenzen mehr. Um dies zu erreichen hatte die Mannschaft Griechenland mit 2:0 und Bulgarien, immerhin am Ende Vierter des Turniers, mit 3:0 geschlagen und nur gegen Argentinien mit 1:2 verloren – ein Spiel mit fußballhistorischer Bedeutung; es war das 21. und letzte Spiel von Diego Maradona bei einer Fußball-WM. Im Achtelfinale wartete Italien und bis zur 88. Minute schnupperte Nigeria an einer Sensation. Nach 25 Minuten waren die Westafrikaner in Führung durch Emmanuel Amunike gegangen und hatten den Vorsprung mit großem Kampf verteidigt. Doch zwei Minuten vor Schluss zirkelte Roberto Baggio einen Freistoß ins Tor der Nigerianer und erzwang die Verlängerung. Derselbe Baggio erzielte in jener Verlängerung dann auch das 2:1 per Elfmeter und sorgte für das Aus der Super Eagles.

Auch vier Jahre später in Frankreich zog Nigeria in die Runde der letzten 16 ein, erneut als Gruppensieger, erneut mit zwei Siegen (3:1 gegen Spanien, 1:0 gegen Bulgarien) und einer Niederlage (1:3 gegen Paraguay), erneut scheiterte man daraufhin im Achtelfinale. Allerdings war dieses Achtelfinale keine knappe Angelegenheit, mit 1:4 schickten die Dänen die Nigerianer nach Hause. Bereits nach 12 Minuten hatte es 2:0 für die Skandinavier gestanden. Bei der bislang letzten Teilnahme 2002 schließlich war den Super Eagles das Losglück gar nicht hold, sie landeten in der “Todesgruppe” mit Schweden, Argentinien und England. Nach zwei knappen Niederlagen gegen Argentinien (0:1) und Schweden (1:2), errangen sie zumindest noch ein Remis gegen England (0:0) zum dritten Achtelfinaleinzug bei der dritten WM-Teilnahme reichte es allerdings nicht.

Dafür, dass es 2010 wieder zu einer solchen Teilnahme reicht, soll eine Reihe von hochkarätigen Spielern in Reihen der Super Eagles sorgen. Die hierzulande bekanntesten Namen im Kader sind sicherlich Mikel John Obi (Chelsea), Nwanko Kanu (Portsmouth), Obafemi Martins (Wolfsburg) und Chinedu Obasi (Hoffenheim). Betrachtet man diese Liste so fällt schnell ins Auge, dass die bekanntesten Nigerianer allesamt Offensivspieler sind. Dies deckt sich mit dem Ruf der Westafrikaner als technisch elegant und schön spielende Ballkünstler, der Ruf als “Brasilianer Afrikas” kommt nicht von ungefähr. Damit einher geht jedoch auch das Problem einer nicht immer sattelfesten Defensive. Zwar sind auch in der Abwehr mit Joseph Yobo (Everton) und Taye Taiwo (Marseille) Akteure mit von der Partie, die bei europäischen Mittelklasseteams spielen, doch auf dem selben Level wie die Offensivkräfte sind die Verteidiger nicht.

Hinter der Abwehrreihe spielt zwar mit Vincent Enyeama (Hapoel Tel Aviv) einer der besten afrikanischen Torhüter, wie groß dieses Qualitätsmerkmal allerdings ist, ist ob der oft schauderlichen Leistungen afrikanischer Torhüter durchaus fraglich. Besonders auffällig an den Spielern, die in den letzten Jahren für Nigeria aufliefen ist, dass außer Kapitän Kanu keiner von ihnen die 30 Jahre überschritten hat. Skeptiker, wie der italienische Afrika-Kenner Filippo Maria Ricci schieben dies zwar eher auf geschickte Passfälschungen, dennoch ist der Generationswechsel seit der letzten WM-Teilnahme 2002 gelungen und Spieler wie Jay-Jay Okocha, Taribo West oder Mutiu Adepoju sind nicht mehr Teil der Nationalelf.

Verantwortlich für diese Kaderzusammenstellungen ist seit April 2008 der 51 Jahre alte Shaibu Amodu. Amodu hat zum vierten Mal die Verantwortung für das Team, bereits in den Jahren 1994/95, 1996/97 und 2000-02 war Amodu Nationaltrainer gewesen. Jedoch war er noch nie bei einer WM-Endrunde in Verantwortung, 2002 war er vor dem Turnier in Japan und Südkorea durch Festus Onigbinde ersetzt worden, nachdem man im Januar beim Afrika-Cup nur Dritter geworden war. Amodu ist in Nigeria geboren und nigerianischer Staatsbürger und damit einer der wenigen afrikanischen Nationaltrainer auf dem Kontinent. Übernommen hat er das Amt von Berti Vogts, der in seinem Jahr in Verantwortung meist unglücklich agierte und wenig Erfolg mit der Mannschaft hatte. Amodu war selbst kein erfolgreicher Fußballer und wird auch deshalb von einem Trio ehemaliger Nationalspieler, das aus Daniel Amokachi, Alloy Agu and Fatai Amoo besteht, unterstützt. Ob Amodu und sein Trio allerdings bei der WM noch im Amt sind oder ob Amodu dasselbe Schicksal wie 2002 erreicht, bleibt abzuwarten. Ein schwacher Afrika-Cup 2010 in Angola und für Amodu heißt es “Einmal aussetzen” trotz geschaffter WM-Qualifikation. Und genau so ist es gekommen, neuer Trainer Nigerias ist bei der WM ist der Schwede Lars Lagerbäck.

Kader

Tor: Vincent Enyeama (Hapoel Tel Aviv), Dele Aiyenugba (Bnei Yehuda), Austin Ejide (Hapoel Petah Tikva)

Abwehr: Taye Taiwo (Olympique Marseille), Elderson Echiejile (Stade Rennes), Chidi Odiah (ZSKA Moskau), Joseph Yobo (FC Everton), Daniel Shittu (Bolton Wanderers), Ayodele Adeleye (Sparta Rotterdam), Rabiu Afolabi (RB Salzburg)

Mittelfeld: Kalu Uche (UD Almeria), Dickson Etuhu (FC Fulham), John Obi Mikel (FC Chelsea), Sani Kaita (Alanija), Lukman Haruna (AS Monaco), Yusuf Ayila (Dynamo Kiew)

Angriff: Yakubu Ayegbeni (FC Everton), Chinedu Obasi (1899 Hoffenheim), Nwankwo Kanu (FC Portsmouth), John Utaka (FC Portsmouth), Obafemi Martins (VfL Wolfsburg), Victor Obinna (FC Malaga), Peter Odemwingie (Lokomotive Moskau)


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Südafrika

Steckbrief:

Trikotfarben: gelb-grün
FIFA-Weltrangliste: 83
WM-Teilnahmen: 1998, 2002 (Aus in der Vorrunde)
Kontinentalmeister: 1 (1996)

Rekordnationalspieler: Aaron Mokoena (99 Einsätze)
Rekordtorschütze: Benni McCarthy (35 Tore)
Trainer: Carlos Alberto Parreira

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Achtzehn Mal fand bisher eine WM statt und eines hatten alle achtzehn Turniere gemeinsam: Der Gastgeber überstand die Vorrunde. In Südafrika geht spätestens seit der Gruppenauslosung die – nicht unberechtigte – Angst um, dass die Bafana Bafana die erste Mannschaft sein wird, die bei einer Heim-WM nach der Vorrunde die Segel streichen muss. Es spricht tatsächlich recht wenig für die Südafrikaner. Weder die WM-Historie, noch die aktuelle Form, noch der Kader. Nur der Trainer, der ist weltmeisterlich. Schließlich war Carlos Alberto Parreira bereits Weltmeister: 1994 mit Brasilien.

Für den 67 Jahre alten in Rio geborenen Parreira ist es die sechste Weltmeisterschaft als Trainer. Erstmals nahm er 1982 mit Kuwait an einer WM teil, acht Jahre später war er erneut als Trainer eines arabischen Lands (Vereinigte Arabische Emirate) bei den Welttitelkämpfen dabei. Seinen ersten Sieg als Trainer bei einer WM erlangte er jedoch erst im siebten Spiel. 1994 mit Brasilien, das er zum Titel führte, auch wenn er für seine Spielweise im eigenen Land viel Kritik einsteckte. Zynisch und ergebnisorientiert, europäisch und unbrasilianisch sei sie gewesen.

Es hinderte den brasilianischen Verband nicht daran, ihn vor vier Jahren in Deutschland erneut auf die Bank der Selecao zu setzen. Diesmal wurden die Brasilianer unter Parreiras Führung jedoch nicht Weltmeister, sondern schieden im Viertelfinale gegen Frankreich, jetzt Gruppengegner von Parreiras Südafrikanern, aus. Zwischen den beiden Einsätzen für Brasilien saß Parreira noch ein weiteres Mal bei einer WM auf der Bank. Doch an die Titelkämpfe 1998 in Frankreich erinnert sich der Brasilianer sicher ungern. Nach zwei Niederlagen seiner saudi-arabischen Nationalelf wurde er entlassen. Beim letzten Gruppenspiel gegen Südafrika saß mit Mohammed Al Kharashy schon ein anderer auf der Bank.

Jenes Spiel gegen Saudi-Arabien, es endete 2:2, war für die Bafana Bafana übrigens der zweite Punktgewinn bei einer WM. Den ersten hatte sechs Tage zuvor gegen Dänemark bei einem 1:1 gegeben, nachdem es im allerersten WM-Spiel (gegen Frankreich, 0:3) noch nicht mit Punkt oder Tor geklappt hatte. Das Tor in jenem spiel schoss im Übrigen Benni McCarthy, bis heute im Aufgebot der Südafrikaner und inzwischen auch Rekordtorschütze der Bafana Bafana. Trotz nur einer Niederlage in drei Spielen kamen die Südafrikaner damals nicht ins Achtelfinale und auch vier Jahre später war nach der Vorrunde Schluss.

Auch 2002 in Südkorea verloren die damals von der südafrikanischen Fußballlegende Jomo Sono trainierten Südafrikaner nur ein Spiel, es war jedoch das entscheidende. Nach einem Remis im ersten Gruppenspiel gegen Paraguay – einer der Torschützen war der heutige Kapitän Aaron Mokoena – und einem Sieg gegen Slowenien, verloren die Bafana Bafana ihr letztes Gruppenspiel gegen Spanien mit 2:3, einer der Torschützen: Benni McCarthy. So schieden sie mit 4 Punkten und 5:5 Toren aus während Paraguay mit 4 Punkten und 6:6 Toren weiterkam.

Es verwundert beim Betrachten der WM-Historie Südafrikas vermutlich ein wenig, dass jemand, der vor zwölf Jahren das erste WM-Tor Südafrikas überhaupt schoss, auch heute noch von Bedeutung für das Team ist. Doch Benni McCarthy ist auch im Alter von 32 Jahren noch ein integraler Bestandteil des Teams. Nicht unbedingt aus eigener Stärke heraus, der gebürtige Kapstädter kam in der englischen Liga in dieser Saison nur auf neunzehn Einsätze, die noch dazu im Schnitt nur ungefähr 45 Minuten dauerten, und schoss gerade einmal ein Tor. Doch da sich weder unter den im Ausland tätigen Südafrikanern noch in der heimischen PSL ein Ersatz auftut, bleibt McCarthy auch bis auf weiteres gesetzt und das obwohl er zeitweise bereits deutlich gemacht hatte, gar nicht mehr die rechte Lust auf Nationalmannschaft zu verspüren.

Beim Blick auf die Qualität des Kaders mag dieser Gedanke für den Außenstehenden sogar nachvollziehbar sein. Eine handvoll Ersatzspieler von europäischen Mittelklasseteams (Mokoena, Portsmouth; Moon, Saloniki; Dikgacoi, Fulham; Sibaya, Kazan; Parker, Twente), gepaart mit jeder Menge Spieler aus der eigenen Liga (Booth, Mamelodi Sundowns; Teko Modise, Orlando Pirates; Siphiwe Tshabalala, Kaizer Chiefs; um noch die bekanntesten zu nennen) und einem Spieler, der auf oberster Ebene mithalten kann: Steven Pienaar. Der Ex-Dortmunder ist bei Everton zu einem echten Spieler von internationalem Format gereift und muss nun die Hoffnungen der Nation tragen.

Obwohl in Johannesburg geboren erfuhr der 28-Jährige seine fußballerische Ausbildung in Kapstadt. Bei Ajax Cape Town, einem „Farmteam“ von Ajax Amsterdam wurde er geschult, ehe er mit 19 dann zum Mutterverein nach Holland wechselte. Es folgte fünf Jahre später der Wechsel nach Dortmund, wo er sich nie zurecht fand und nach eigener Aussage nie im Teamgefüge aufgenommen wurde. Ganz anders sei dies bei Everton und zumindest seine Leistungen auf der blauen Seite Liverpool sprechen dafür, dass er sich dort wesentlich wohler als im Ruhrgebiet fühlt. Er ist zu einem der einflussreichsten Akteur der Toffees gereift und wurde von den Fans in der abgelaufenen Saison zum „Everton-Spieler der Saison“ gekürt. Nun soll er auch bei der südafrikanischen Nationalelf Einfluss und Führung zur Geltung bringen. Ganz so wie sein Namensvetter, Francois Pienaar, der war 1995 Kapitän der Rugbynationalmannschaft, die auf eigenem Boden überraschend Weltmeister wurde. Ganz so weit wird es nicht gehen, doch für die Bafana Bafana wäre schon ein Überstehen der Vorrunde ein kleiner WM-Titel.

Kader

Tor: Itumeleng Khune (Kaizer Chiefs), Moeneeb Josephs (Orlando Pirates), Shu-Aib Walters (Maritzburg United)

Abwehr: Matthew Booth (Mamelodi Sundowns), Siboniso Gaxa (Mamelodi Sundowns), Bongani Khumalo (SuperSport United), Tsepo Masilela (Maccabi Haifa), Aaron Mokoena (Portsmouth), Anele Ngcongca (Racing Genk), Siyabonga Sangweni (Golden Arrows), Lucas Thwala (Orlando Pirates)

Mittelfeld: Surprise Moriri (Mamelodi Sundowns), Lance Davids (Ajax Cape Town), Kagisho Dikgacoi (Fulham), Teko Modise (Orlando Pirates), Reneilwe Letsholonyane (Kaizer Chiefs), Siphiwe Tshabalala (Kaizer Chiefs), Thanduyise Khuboni (Golden Arrows), Steven Pienaar (Everton), MacBeth Sibaya (Rubin Kazan)

Angriff: Katlego Mphela (Mamelodi Sundowns), Siyabonga Nomvethe (Moroka Swallows), Bernard Parker (FC Twente)


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AFC – Asien

Australien

Steckbrief:

Trikotfarben: gelb-grün
FIFA-Weltrangliste: 20
WM-Teilnahmen: 1974, 2006
Größter Erfolg: Achtelfinale 2006
WM-Gastgeber: —-
Kontinentalmeister: 4 (1980, 1996, 2000, 2004, alle in Ozeanien)

Rekordnationalspieler: Alex Tobin (87 Spiele)
Rekordtorschütze: Damian Mori (29 Tore)
Trainer: Pim Verbeek

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Australien nimmt zum dritten Mal an einer Weltmeisterschaft teil, zum ersten Mal tut es das bei einer WM, die nicht in Deutschland stattfindet. Die letzten beiden Teilnahmen waren dementsprechend 1974 und 2006. Während man 1974 noch in der Vorrunde nach Niederlagen gegen die BRD und die DDR und einem 0:0 in Berlin gegen Chile ausschied, erreichte man 2006 das Achtelfinale. Dazu trug der bislang einzige Sieg bei einer WM, das 3:1 gegen Japan in Kaiserslautern, ebenso bei wie das 2:2 gegen Kroatien in Berlin, das dadurch berühmt wurde, das der in Australien geborene Kroate Josip Simunic dreimal in einem Spiel die gelbe Karte sah. Im Achtelfinale schieden die Socceroos dann gegen den späteren Titelträger Italien durch einen umstrittenen Foulelfmeter in der 93. Minute aus. Nachdem man sich zu beiden Weltmeisterschaften in Deutschland als Vertreter Ozeaniens qualifiziert hatte, treten die Australier dieses Mal für Asien an. Der australische Verband hatte die Konföderation gewechselt, weil man sich erhoffte, in Asien mit seinen 4,5 Startplätzen größere Qualifikationschancen zu haben als in Ozeanien, dem nur 0,5 Startplätze zur Verfügung stehen. Eine Rechnung, die aufgegangen ist, 2010 ist Australien erneut dabei.

Kapitän der Socceroos ist West Hams Innenverteidiger Lucas Neill. Der Sohn eines nordirischen Ex-Profis gilt als integraler Bestandteil der Defensive der Australier, er ist sicher einer der Gründe dafür, dass die Männer von „Down Under“ in ihren zwölf bisherigen Qualifkationsspielen erst drei Gegentore kassierten und in der vierten Runde noch komplett ohne Gegentor sind. Wie Neill spielen fast alle der für die Qualifikationsspiele berufenen Akteure im Ausland. Für die Spiele im Juni gegen Katar, Bahrain und Japan wurden mit Jacob Burns (Perth Glory) und Jason Culina (Gold Coast United) nur zwei Spieler aus der heimische A-League berufen, aus den englischen Ligen dagegen elf, darunter mit Chris Coyne (Colchester) sogar einer aus der dritten englischen Liga. Aus diesem Kontingent ragen vor allem Torwart Mark Schwarzer (Fulham, früher Kaiserslautern), der sicherlich zu den besten Torhütern der Premier League gehört und Tim Cahill, der als zentraler Mittelfeldmann eine Schlüsselrolle bei Everton einnimmt, heraus. Deutschland stellt, zusammen mit Italien, mit jeweils drei Akteuren den zweithäufigsten Arbeitsplatz der Spieler dar, die im Moment für Australien unterwegs sind. Alle drei haben in diesen Wochen die Liga gewechselt, Joshua Kennedy stieg mit dem KSC ab, Matthew Spiranovic und Dario Vidosic mit dessen altem Arbeitgeber, dem 1. FC Nürnberg auf.

Trainer Australiens ist der Holländer Pim Verbeek, der bis 2007 noch die ebenfalls qualifizierten Südkoreaner trainiert hatte. Zuvor war der geborene Rotterdamer sowohl unter Guus Hiddink als auch unter Dick Advocaat Co-Trainer jener Südkoreaner gewesen. Ein Auszug aus den restlichen Trainerstationen des 53-jährigen liest sich bisweilen abenteuerlich: 2005 Co-Trainer der Vereinigten Arabischen Emirate, 2004 Nationaltrainer der Niederländischen Antillen, 2003 Abstieg aus der J-League mit Kyoto Sanga, 1998/99 Trainer des japanischen Zweitligisten Omiya Ardija. Zusätzlich war er unter Dick Advocaat auch Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach gewesen. Der einzig renommierte Job, den der Holländer vor seiner Nationaltrainerkarriere innehatte, war 1989 bis 1991 bei Feyenoord Rotterdam. Zu Beginn der Saison noch alleinverantwortlich, wurde Verbeek der Schwede Gunder Bengtsson zur Seite gestellt. Die beiden waren gemeinsam Cheftrainer und erreichte 1989/90 lediglich den elften Platz, Feyenoord war in der Eredivisie nie schlechter platziert. In der folgenden Saison wurden die beiden nach einem 0:6 gegen den PSV Eindhoven von ihren Aufgaben entbunden, Verbeek rückte zurück ins zweite Glied. Nicht nur auf Grund seiner eher mittelmäßigen Trainerlaufbahn steht Verbeek in Australien immer wieder in der Kritik, auch seine oft als langweilig bezeichnete Spielweise und schlechte Meinung über die Qualität der australischen A-League machen den Holländer nicht zum beliebtesten seiner Landsleute auf der anderen Seite der Erde. Dies ist bis heute der Mann, der Australien zur WM 2006 und dort ins Achtelfinale geführt hatte: Guus Hiddink.

Kader

Tor: Mark Schwarzer (FC Fulham), Adam Federici (FC Reading), Brad Jones (FC Middlesbrough)

Abwehr: Lucas Neill (Galatasaray Istanbul), Craig Moore (vereinslos), David Carney (Twente Enschede), Luke Wilkshire (Dynamo Moskau), Mark Milligan (JEF United), Michael Beauchamp (Al-Jazira)

Mittelfeld: Tim Cahill (FC Everton), Mark Bresciano (US Palermo), Vince Grella, Brett Emerton (beide Blackburn Rovers), Jason Culina (Gold Coast United), Harry Kewell (Galatasaray Istanbul), Brett Holman (AZ Alkmaar), Carl Valeri (Sassuolo), Mile Jedinak (Antalyaspor), Dario Vidosic (MSV Duisburg), Scott Chipperfield (FC Basel)

Angriff: Joshua Kennedy (Nagoya Grampus Eight), Richard Garcia (Hull City), Nikita Rukavytsya (Roeselare)


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Japan

Steckbrief:

Trikotfarben: blau-weiß
FIFA-Weltrangliste: 45
WM-Teilnahmen: 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Achtelfinale 2002
WM-Gastgeber: 2002 (mit Südkorea)
Kontinentalmeister: 3 (1992, 2000, 2004)

Rekordnationalspieler: Masami Ihara (122 Spiele)
Rekordtorschütze: Kunishige Kamamoto (75 Tore)
Trainer: Takeshi Okada

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Für die Blue Samurai ist es die vierte WM-Teilnahme in Folge und auch die vierte insgesamt. Erst 1998 in Frankreich war Japan das erste Mal bei einer WM dabei. Die Bilanz bei diesen Weltmeisterschaften ist durchwachsen. Außerhalb des eigenen Landes haben die Japaner noch kein Spiel gewonnen, ein einziges 0:0 gegen Kroatien in Nürnberg steht auf der Habenseite, dem gegenüber stehen fünf Niederlagen gegen Argentinien, Kroatien, Jamaika (alle 1998 in Frankreich), Australien und Brasilien (beide 2006 in Deutschland). Die Japaner, deren nationale Liga gemeinhin als die beste Asiens gilt, auf jeden Fall aber die bekannteste ist, hoffen natürlich, dass sich diese Bilanz im nächsten Jahr Südafrika aufhellt.

Die Stützen mit denen das gelingen soll, sind vor allem Kapitän Yuji Nakazawa (Yokohama F. Marinos) und Celtic Glasgows Shunsuke Nakamura. Auch dank Nakazwa, dessen Spiel der Innenverteidigung die nötige Stabilität verleiht, schaffte es Japan in den Qualifikationsspielen immerhin auf einen Gegentorschnitt von 0,5. Dies ist kein absoluter Spitzenwert (Australien liegt bei 0,25, Norkorea bei 0,38), doch auf asiatischer Ebene zählt die Abwehr um ihren Kapitän zu den stärkeren. Nakamura hingegen ist für die Kreativität nach vorne verantwortlich. Der 30-jährige, der seit 2002 in Europa spielt, ist das bekannteste Gesicht des japanischen Fußballs und mit 23 Treffern der torgefährlichste momentan aktive Nationalspieler Japans; sein gefährlicher linker Fuß zeigt sich vor allem bei Freistößen. Zum Kreis der Nationalmannschaft gehören mit Makoto Hasebe, Yoshito Okubo (beide Wolfsburg), Junichi Inamoto (Eintracht Frankfurt) und Shinji Ono (Bochum) auch vier Bundesligaprofis.

Trainer Nippons ist Takeshi Okada, der Japan schon 1998 zur WM in Frankreich führte und die Mannschaft dort betreute. Seitdem hat er, der während seiner Trainerausbildung bei Benno Möhlmann trainierte, einen besonderen Status im japanischen Fußball inne, viele Japaner halten ihn für den besten einheimischen Trainer. Das Amt hat der 24-malige Nationalspieler seit 2007 wieder inne, als er Nachfolger von Ivica Osim wurde, der wegen eines Schlaganfalls das Amt aufgeben musste. Erfolge feierte der 52-jährige vor allem mit den Yokohama F. Marinos, die er zwischen 2003 und 2006 trainierte und mit denen er zweimal japanischer Meister wurde.

Kader

Tor: Seigo Narazaki (Nagoya Grampus), Eiji Kawashima (Kawasaki Frontale), Yoshikatsu Kawaguchi (Jubilo Iwata)

Abwehr: Yuji Nakazawa (Yokohama F-Marinos), Tulio (Nagoya Grampus), Yasuyuki Konno (FC Tokio), Daiki Iwamasa (Kashima Antlers), Yuichi Komano (Jubilo Iwata), Yuto Nagatomo (FC Tokio), Atsuto Uchida (Kashima Antlers)

Mittefeld: Makoto Hasebe (VfL Wolfsburg), Shunsuke Nakamura (Yokohama F-Marinos), Yasuhito Endo (Gamba Osaka), Kengo Nakamura (Kawasaki Frontale), Junichi Inamoto (Kawasaki Frontale), Yuki Abe (Urawa Reds), Keisuke Honda (ZSKA Moskau), Daisuke Matsui (FC Grenoble)

Angriff: Shinji Okazaki (Shimizu S-Pulse), Keiji Tamada (Nagoya Grampus), Yoshito Okubo (Vissel Kobe), Takayuki Morimoto (Catania), Kisho Yano (Albirex Niigata)


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Nordkorea

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 105
WM-Teilnahmen: 1966
Größter Erfolg: Viertelfinale 1966
WM-Gastgeber: –
Kontinentalmeister: –

Rekordnationalspieler: unbekannt
Rekordtorschütze: unbekannt
Trainer: Kim Jong-hun

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Nordkorea stellt in vielerlei Hinsicht eine große Unbekannte dar. Durch die rigide Informationspolitik des Regimes um Kim Jong Il dringt wenig über das Land im Allgemeinen und den Fußball dort im Besonderen nach außen. Umso interessanter wird es sein, wie die Verantwortlichen in den folgenden Monaten mit dem wachsenden Medieninteresse umgehen werden. Das bekannteste am nordkoreanischen Fußball ist seine WM-Geschichte. Diese ist zwar mit einer einzigen Teilnahme 1966 recht kurz, dafür aber erfolg- und ereignisreich. Denn in England erreichte die nach einem mythischen Pferd Chollima genannte Mannschaft das Viertelfinale. Ausschlaggebend dafür war der wohl größte Moment in der Fußballgeschichte des kommunistischen Landes. Nach einem 0:3 gegen die Sowjetunion und einem 1:1 gegen Chile, mussten die Nordkoreaner das Abschlussspiel in Middlesbrough gegen Italien gewinnen, um als Gruppenzweiter ins Viertelfinale einzuziehen. Dies schien ein aussichtsloses Unterfangen, doch als Pak Doo-Ik in der 41. Minute Enrico Albertosi im italienischen Tor überwand, begannen die Asiaten zu träumen. Dank einer starken Abwehrleistung wurde der Traum unter frenetischem Beifall der englischen Zuschauer wahr und man gewann das Spiel. Die Italiener waren damit ausgeschieden und wurden bei ihrer Ankunft zuhause mit Tomaten beworfen, die Nordkoreaner dagegen standen im Viertelfinale.

Dort traf man auf Portugal und stand kurz vor der nächsten Sensation. Nach 25 Minuten führte die Chollima mit 3:0, doch im Gegensatz zum Gruppenspiel gegen Italien konnten die Ostasiaten dieses Mal die Führung nicht halten. Vier Treffer durch Eusebio – darunter zwei Elfmeter – und eines durch José Augusto drehten das Spiel und Portugal zog ins Halbfinale ein, wo es gegen den späteren Weltmeister, Gastgeber England, ausschied. Dennoch reisten die Kicker erhobenen Hauptes zurück in die Heimat, wo der Triumph und vor allem die Tatsache, dass die Engländer gegen Italien Nordkorea angefeuert hatten, propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Bis zum heutigen Tag war jenes Spiel im Goodison Park von Liverpool das letzte WM-Spiel Nordkoreas. Zwar nahm man an den Qualifikationen für die Turniere 1974, 1982, 1986, 1990, 1994 und 2006 teil, doch zum großen Wurf reichte es nie, obwohl man einige Male die letzte Phase der Qualifikation erreichen konnte.

Dass dies in diesem Jahr anders ist, liegt zum einen an der Heimstärke der Nordkoreaner; keiner Mannschaft gelang es, in den beiden Gruppenphasen ein Tor im Kim Il Sung-Stadion von Pjöngjang zu erzielen. Das einzige “Heimgegentor” kassierte Nordkorea durch die Erzfeinde aus dem Süden der koreanischen Halbinsel, dieses Spiel fand aber – da Nordkorea sich weigerte, die südkoreanische Flagge zu hissen und die Hymne des Nachbarlands zu spielen – in Shanghai statt. Zum anderen kassierte die Chollima in beiden Gruppenphasen nur fünf Gegentore und zeigte damit, dass die Stärke der Mannschaft im Abwehrverbund liegt. Unterstützt wird diese These von der Tatsache, dass die elf Tore aus vierzehn Spielen nicht dafür sprechen, dass Nordkorea mit einem herausragenden Sturm gesegnet ist.

Auf Grund der die Freizügkeit seiner Bürger einschränkenden Politik des Regimes in Pjöngjang spielen die meisten Spieler der Nationalmannschaft in der heimischen Liga. Lediglich die in Japan geborenen Koreaner, die so genannten Zainichi, die sich dafür entscheiden, für das Land ihrer Eltern zu spielen, dürfen im Ausland Fußball spielen. Der bekannteste dieser Spieler, so man bei den Nordkoreanern überhaupt von bekannt sprechen darf, ist Choe Myong-Ho (20), der für den aktuellen Tabellenvierten der Russischen Premjer-Liga, Krylia Sovetov Samara, spielt. 2005 wurde der “nordkoreanische Cristiano Ronaldo” (wie er von der russischen Journalistin Maria Priatkina bezeichnet wurde) als bester Jungprofi Asiens ausgezeichnet. Diese Ehre war auch schon den Bundesligaprofis Mehdi Mahdavikia und Shinji Ono zu Teil geworden. Neben Choe spielt nur Hong Yong-Jo in einer höchsten europäischen Spielklasse. Der 27-jährige Stürmer steht beim russischen Erstligaaufsteiger FK Rostov unter Vertrag, wo er regelmäßig zum Einsatz kommt und im April den Siegtreffer beim Überraschungserfolg des Aufsteigers bei ZSKA Moskau erzielen konnte. Trainiert wird die Mannschaft von Kim Jong-Hun, der seinen großen Auftritt vor Weltöffentlichkeit im April diesen Jahres hatte, als er nach der Niederlage in Südkorea behauptete, drei seiner besten Akteure seien von den Gastgebern vergiftet worden.

Kader

Tor: Kim Myong Gil (Amrokgang Phenian), Kim Myong Won (Amrokgang Phenian), Ri Myong-Guk (Pjöngjang City Club)

Abwehr: Cha Jong-Hyok (Amrokgang Phenian), Kim Yong-Jun (Pjöngjang City Club), Nam Song-Chol (April 25), Pak Chol-Jin (Amrokgang Phenian), Ri Jun-Il (Sobaeksu), Ri Kwang-Chon (April 25), Ri Kwang-Hyok (Kyonggongop)

Mittelfeld: An Yong-Hak (Omiya Ardija), Ji Yun-Nam (April 25), Kim Kyong-Il (Rimyongsu), Mun In-Guk (April 25), Pak Nam-Chol I (Amrokgang Phenian), Pak Nam-Chol II (April 25), Ri Chol-Myong (Pjöngjang City Club), Pak Sung Hyok (Sobaeksu)

Sturm: An Chol-Hyok (Rimyongsu), Choe Kum-Chol (April 25), Hong Yong-Jo (FK Rostow), Kim Kum-Il (April 25), Jong Tae-Se (Kawasaki Frontale)


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Südkorea

Steckbrief:

Trikotfarben: rot-weiß
FIFA-Weltrangliste: 47
WM-Teilnahmen: 1954, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006
Größter Erfolg: Halbfinale 2002
WM-Gastgeber: 2002 (mit Japan)
Kontinentalmeister: 1956, 1960 (Asien)

Rekordnationalspieler: Hong Myung-Bo (136 Spiele)
Rekordtorschütze: Cha Bum-kun (55 Tore)
Trainer: Huh Jung-Moo

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Südkorea nimmt 2010 zum achten Mal an einer Weltmeisterschaft teil, einsamer Rekord unter den asiatischen Nationen. Seit 1986 haben die Taegeuk Warriors keine Endrunde mehr verpasst. Insgesamt 24 Spiele bestritten die Südkoreaner bei Weltmeisterschaften, mit mäßigen Erfolg, außerhalb des Heimatlands steht nur ein Sieg zu Buche: Ein 2:1 gegen Togo in Frankfurt im Juni 2006. So verwundert es auch nicht, dass die Roten nur 2002 im eigenen Lande die Vorrunde überstanden. Zweimal trafen die Koreaner bei einer WM auf Deutschland, 1994 verlor man in der Vorrunde 2:3, 2002 im Halbfinale 0:1. 1954 war man zwar wie 1994 in derselben Gruppe, spielte aber auf Grund des komplizierten Modus nicht gegeneinander.

Kapitän und Star der Mannschaft ist Park Ji Sung von Manchester United. Der 78-malige Nationalspieler ist als dreimaliger englischer Meister und Champions League-Sieger der erfolgreichste südkoreanische Fußballer der letzten Jahre, zuvor war er bereits zweimal niederländischer Meister mit dem PSV Einhoven geworden. Mit 28 ist der Flügelstürmer im besten Fußballeralter und die südkoreanischen Fans setzen große Stücke darauf, dass er die Bilanz bei Weltmeisterschaften außerhalb der Heimat verbessert. Neben Park sind mit Kim Do-Heon (West Bromwich), Shin Young-Rok (Bursaspor), Park Chu-Young (AS Monaco), Cho Won-Hee (Wigan), Oh Beom-Seok (Samara), Kim Dong-Jin (Zenit St. Petersburg) und dem Dortmunder Lee Young-Pyo sieben weitere Europalegionäre im Kreise der Nationalmannschaft. Lee ist der einzige noch aktive Feldspieler, der mehr als 100 Länderspiele für Südkorea bestritten hat. Im momentanen erweiterten Kader hat lediglich Torwart Lee Woon-Jae, der schon 1994 im WM-Kader war, mehr Einsätze als der Linksverteidiger.

Trainer der Mannen von der koreanischen Halbinsel ist Huh Jung-Moo, der einen ganz besonderen Platz in der Fußballgeschichte des Landes einnimmt. Sein Tor im Relegationsspiel gegen Japan war es, das 1986 letztlich das Ende der Durststrecke von 32 Jahren ohne WM-Teilnahme für Südkorea besiegelte. Insgesamt 25-mal traf der als rechte Mittelfeldspieler aktive Huh in seinen 84 Länderspielen für sein Land. Wie sein Star Park Ji-Sung war auch er als Spieler beim PSV Eindhoven aktiv. Der 54-jährige ist zum dritten Mal Trainer der Südkoreaner. 1995 war er für ein Spiel Nationalcoach und damit einer von fünf Trainern, die 1995 die Taeguk Warriors betreuten; seine zweite Amtszeit kam zwischen 1998 und 2000. Nach der WM hatte er das Amt von Cha Bum-kun übernommen und konnte in den zwei Jahren wenig erreichen, ganz im Gegenteil zu seinem Nachfolger, Guus Hiddink. Dass er ein drittes Mal Nationaltrainer wurde, hat Huh letztlich Gerard Houllier und Mick McCarthy zu verdanken, die beiden sagten nach Pim Verbeeks Rücktritt als Nationalcoach ab, so dass der koreanische Verband sich erneut an Huh wandte, obwohl dieser in der abgelaufenen K-Leauge-Saison nur den 10. Platz mit seinem Verein Chunnam Dragons erreicht hatte. Deshalb und auf Grund seiner durchwachsenen zweiten Amtszeit wird der Trainer von vielen in der Heimat skeptisch gesehen.

Kader

Tor: Lee Woon-jae (Suwon), Kim Young-kwang (Ulsan), Jung Sung-ryong (Seongnam)

Abwehr: Cha Du-ri (Freiburg), Kim Hyung-il (Pohang), Lee Jung-soo (Kashima), Lee Young-pyo (Al Hilal), Kang Min-soo (Suwon), Oh Beom-seok (Ulsan), Cho Yong-hyung (Jeju), Kim Dong-jin (Ulsan)

Mittelfeld: Kim Nam-il (Tom Tomsk), Ki Sung-yong (Celtic), Kim Jung-woo (Gwangju), Park Ji-sung (Manchester United), Lee Chung-yong (Bolton), Kim Jae-sung (Pohang), Kim Bo-kyung (Oita Trinita)

Angriff: Lee Seung-yueng (Seoul), Ahn Jung-hwan (Dalian Shide), Park Chu-young (Monaco), Lee Dong-guk (Jeonbuk), Yeom Ki-hun (Suwon)


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OFC – Ozeanien

Neuseeland

Steckbrief:

Trikotfarbe: weiß
FIFA-Weltrangliste: 78
WM-Teilnahmen: 1982
Größter Erfolg: Vorrunde (1982)
Kontinentalmeister: 4 (1973, 1998, 2002, 2008)

Rekordnationalspieler: Ivan Vicelich (66 Länderspiele)
Rekordtorschütze: Vaughan Coveny (28 Tore)
Trainer: Ricki Herbert

WM-Historie, aktuelle Spieler und Trainer:

Mit dem 1:0 im Rückspiel gegen Bahrain in den Asien-Ozeanien-Play-Offs sicherten sich die All Whites die zweite WM-Teilnahme ihrer Geschichte. Die bisher einzige Teilnahme geschah im Jahr 1982, als man in der Qualifikation Australien, China und Saudi-Arabien hinter sich ließ und so erstmals zu einer WM reisen durfte. Das Abenteuer Fußball-Weltmeisterschaft allerdings war kein sehr erfolgreiches für die Neuseeländer. Die Gruppenphase zu überstehen hatten die Ozeanier nicht erwartet, doch mit 2:5 (Schottland), 0:3 (UdSSR) und 0:4 (Brasilien), alle drei Spiele hoch zu verlieren, setzte der Euphorie im Lande, in dem Rugby klar die Sportart Nummer Eins ist, ein jähes Ende. Dennoch ist das WM-Team von 1982 auch noch der Bezugspunkt im neuseeländischen Fußball, der seit dem Wechsel Australiens in den asiatischen Fußballverband die klare Führungsmacht des ozeanischen Fußballs ist.

Zu sehen ist dies auch daran, dass Neuseeland die WM-Qualifikation in Ozeanien, die gleichzeitig als Kontinentalmeisterschaft diente, fast nach Belieben dominierte und klar gewann. Im vergangenen Sommer durften die All Whites daher auch schon einmal beim Confederations Cup in Südafrika Probe spielen. Allerdings endete auch dieser Ausflug in die weite Welt des Fußballs mit einem eher ernüchternden Ergebnis. Man errang zwar den ersten Punkt bei einem interkontinentalen Turnier (die beiden vorhergehenden Ausflüge zum Confed-Cup waren jeweils mit drei Niederlagen beendet worden), doch gelang den Neuseeländern kein einziger Torerfolg, so dass am Ende ein 0:5 (Spanien), ein 0:2 (Südafrika) und ein 0:0 (Irak) zu Buche standen. Damit zeigt sich auch das ganze Dilemma des Fußballs in Neuseeland. Im eigenen Kontinentalverband ist man nach dem Abgang Australiens unangefochten und ohne ernsthafte Konkurrenz, auf der nächst höheren Ebene hingegen ist man kaum konkurrenzfähig. Bestrebungen den ozeanischen Verband im asiatischen aufgehen zu lassen und diesen danach in einen “Zentralasien”- und einen “Pazifik”-Verband zu teilen, werden daher größtenteils in Neuseeland positiv angesehen.

Wie weit der neuseeländische Fußball von der internationalen Spitze entfernt ist, lässt sich auch erkennen, wenn man den Kader der All Whites betrachtet. Nur ganz wenige Akteure verdienen ihr Geld außerhalb der australischen A-League, der mit Wellington Phoenix auch ein neuseeländisches Team angehört, oder der neuseeländischen Liga. Lediglich drei Spieler spielen Erstligafußball in Europa: Steven Old (Klimarnock), Ryan Nelsen (Blackburn Rovers) und Chris Killen (Celtic). Die beiden letztgenannten sind auch integrale Bestandteile der Mannschaft. Nelsen versucht als Kapitän und Abwehrchef den Defensivverbund der All Whites zu lenken und verleiht der Defensive mit der Routine seiner 32 Jahre eine gewisse Sicherheit. Gegen stärkere Gegner reicht Nelsens Erfahrung jedoch auch nicht, um zu verhindern, dass sich die Schleusentore öffnen.

Der 28-jährigen Killen spielt am anderen Ende des Spielfelds und ist einer der beiden Sturmhoffnungen der Neuseeländer. Seinen Durchbruch hatte Killen 2006/07 als er für Hibernian Edinburgh 13 Tore in 18 Spielen erzielte und somit das Interesse von Celtic wecken konnte. Dort hat sich der bei Manchester City ausgebildete Stürmer jedoch bis heute nicht richtig durchsetzen können, lediglich zwei Tore stehen seit 2007 auf dem Konto des gebürtigen Wellingtoners. Sein Sturmpartner, Shane Smeltz, ist der andere “kleine Star” im Team der All Whites. 2008/09 wurde er im Trikot von Wellington Phoenix Torschützenkönig der A-League und schaffte so den Wechsel von Neuseeland nach Australien, zum neu gegründeten Team von Gold Coast United. Dort setzte er seine gute Form fort und führt nach 14 Spieltagen die Torjägerliste mit 11 Treffern an. Der, wie Jürgen Klinsmann, in Göppingen geborene Smeltz hat bereits eine Zeit als Profi in England hinter sich, spielte allerdings in dieser Zeit nur für unterklassige Team: In der vierten Liga für Mansfield Town, in der fünften Liga für Halifax Town und in der sechsten Liga für den AFC Wimbledon. Auch an Smeltz’ Karriere wird schnell deutlich wie groß die Leistungsunterschiede des neuseeländischen Fußballs im Vergleich zum europäischen sind.

Ebenfalls einen Ausflug ins englische Profigeschäft hat der Trainer der All Whites hinter sich. Ricki Herbert, 48, verbrachte als Spieler zwei Saisons bei den Wolverhampton Wanderers. Allerdings wird sich Herbert sportlich nur sehr ungern an seine beiden Spielzeiten bei den Wolves erinnern. Als er 1984 dort ankam, war Wolverhampton gerade aus der ersten Liga abgestiegen, als er zwei Jahre später den Verein wieder Richtung Neuseeland verließ, war man in die vierte Liga abgestiegen. Der eisenharte Verteidiger war darüber hinaus 1982 auch Teil des WM-Teams gewesen. Herbert hat also für einen neuseeländischen Fußballer eine enorme internationale Erfahrung und ist daher auch im eigenen Land und bei den Spielern hoch angesehen und beliebt. Mit der geschafften Qualifikation für die WM in Südafrika hat er diesen Platz in den Herzen der Neuseeländer sicher weiter zementiert. Neben den All Whites, die er seit 2005 trainiert, trainiert Herbert auch noch das A-League-Team Wellington Phoenix, wodurch er mit einer Vielzahl seiner Nationalspieler auch im Tagesgeschäft zusammenarbeiten kann. Womöglich ein Vorteil in der Vorbereitung auf die WM 2010, von der sich die Neuseeländer erhoffen, dass es nach dem ersten Confed-Cup-Punkt auch den ersten WM-Punkt gibt. Alles andere wäre vermessen, wenn man die Qualität des neuseeländischen Fußballs betrachtet, das wissen auch die Neuseeländer selbst.

Kader

Tor: James Bannatyne (Team Wellington), Glen Moss (Melbourne Victory), Mark Paston (Wellington Phoenix)

Verteidigung: Andy Boyens (New York Red Bulls), Tony Lochhead (Wellington Phoenix), Ryan Nelsen (Blackburn Rovers), Winston Reid (FC Midtjylland), Ben Sigmund (Wellington Phoenix), Tommy Smith (Ipswich Town), Ivan Vicelich (Auckland City)

Mittelfeld: Andy Barron (Team Wellington), Leo Bertos (Wellington Phoenix), Jeremy Brockie (Newcastle Jets), Tim Brown (Wellington Phoenix), Jeremy Christie (Tampa Bay Rowdies), Aaron Clapham (Canterbury United), Simon Elliott (ohne Verein), Michael McGlinchey (Central Coast Mariners), David Mulligan (ohne Verein)

Angriff: Rory Fallon (Plymouth Argyle), Chris Killen (Middlesbrough), Shane Smeltz (Gold Coast), Chris Wood (West Bromwich Albion)


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