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[WM 2010] Uruguay schlägt Südkorea nach dramatischen 90 Minuten mit 2:1 - Suarez mit Doppelpack

26. Juni 2010, 16:48 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter WM-2006, Int-Fussball.

Die favorisierten Uruguayer setzten sich in einem packenden und nervenaufreibenden Achtelfinalspiel letztlich glücklich gegen Südkorea mit 2:1 durch und stehen zum ersten Mal seit 1970 wieder im Viertelfinale bei einer WM-Endrunde.

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Uruguay 2:1 (1:0) Südkorea

Vorgeplänkel

Nach den bisher gezeigten Leistungen bei dieser Endrunde lag die Favoritenrolle recht deutlich bei Uruguay. Wie die anderen vier Vertreter der CONMEBOL sorgte auch die Celeste für positive Schlagzeilen, alle südamerikanischen Teams schafften den Sprung ins Achtelfinale. Uruguay ging mit zwei Siegen und einem Remis als Sieger der Gruppe A hervor und kassierte dabei keinen Gegentreffer, Gastgeber Südafrika und Vize-Weltmeister blieben auf der Strecke. Auch die Statistik sprach zugunsten der Elf von Trainer Oscar Tabárez, der sich variabel zeigte und in den drei Vorrundenpartien drei unterschiedliche Systeme wählte, deren Fixpunkt allerdings immer Superstar Diego Forlàn war. Bei drei Duellen bislang hatte Uruguay immer die Nase vorn. Im Rahmen einer WM-Endrunde kreuzte man 1990 in der Gruppenphase die Klingen, wobei der 1:0-Erfolg der Celeste wertlos war, da beide die Runde der Sechzehn verpassten. Mit einem Sieg über Südkorea winkte dem zweimaligen Weltmeister der größte Erfolg seit 1970, als man letztmals ins Viertelfinale vorstoßen konnte und am Ende den vierten Platz belegte.

Südkorea, das nach dem überraschenden 4. Rang 2002 bei der WM im eigenen Land, schon jetzt mit dem Erreichen der K.o.-Spiele sein zweitbestes Ergebnis überhaupt eingefahren hat, bewies in der Vorrunde gute Moral. Letztlich hing das Weiterkommen am seidenen Faden, da man gegen Nigeria eine 2:1-Führung aus der Hand gab und dann immenses Glück hatte, dass den nigerianischen Spitzen vor dem Tor die Nerven versagten und es beim 2:2 blieb. Als Schwachstelle der nimmermüden Asiaten könnte sich die Abwehr entpuppen – die sechs Gegentore, die man in der Gruppenphase kassiert hat, sind die meisten aller für das Achtelfinale qualifizierten Mannschaften. Gefährlichste Waffe waren eindeutig die Standards, drei der fünf geschossenen Tore vielen nach Freistößen.

Ein flotter Beginn und wieder einmal ein Torwartfehler

Bei recht angenehmen Temperaturen erwischten die Südkoreaner den besseren Start und schrammten in der fünften Minute nur knapp an der Führung vorbei. Chu-Young Park, der schon gegen Nigeria einen Freistoß direkt versenkt hatte, setzte die Kugel aus halblinker Position und circa 18 Metern Torentfernung oben an den kurzen Pfosten. Pech, für den Mann vom AS Monaco.

Dieser Warnschuss weckte augenscheinlich die Celeste. Forlán konnte von der linken Seite quer durch den Strafraum passen, Koreas Keeper Sung-Ryong Jung irrte durch den selben und ermöglichte so dem sträflich allein gelassenen Suarez, aus spitzem Winkel in das leere Tor einzuschieben (8). Zufrieden mit dem munteren Beginn bedachten die rund 40.000 Besucher in Port Elizabeth beide Mannschaften mit Beifall. In der Folgezeit blieben weitere Hochkaräter vor den Toren aus. Für die Asiaten war immer wieder vor dem gegnerischen Sechzehner Schluss, während die Südamerikaner bei ihren zumeist mit Tempo vorgetragenen Gegenzügen die nötige Präzision vermissen ließen. Die knappe Führung für Uruguay nach 30 Minuten ging in Ordnung.

Für das nächste Achtungszeichen war wieder Chu-Young Park verantwortlich, der aus größerer Entfernung einfach mal abzog, den gegnerischen Kasten aber links um etwa einen Meter verfehlte. Bis zum Pausenpfiff änderte sich das Szenario dann kaum, die Celeste verwaltete ihre knappe Führung und lauerte weiter auf Konterchancen, dem sichtlich bemühten Korea mangelte es in vorderster Front einfach an Durchschlagskraft.

Verzweifeltes Anrennen der Südkoreaner

Mit einem Wechsel in der Innenverteidigung Uruguays und leicht einsetzendem Regen begann die zweite Halbzeit. Auch wenn sich die Koreaner noch einmal im Kreis zusammenfanden und sich Mut zusprachen, beim Blick in die Annalen waren die Chancen auf das Weiterkommen deutlich gesunken – Uruguay hatte noch nie eine WM-Partie verloren, bei der man zur Halbzeit vorn lag. Doch für solche Fakten aus der Vergangenheit interessierten sich die Koreaner nicht die Bohne, ein Angriff auf den nächsten rollte in Richtung Tor der Südamerikaner. Und wieder war es der Stürmer vom AS Monaco, der eine Riesenchance unüberlegt herschenkte. Anstatt das Hirn einzuschalten und den Keeper auszugucken, drosch er die Kugel mit voller Wucht über die Querstange. Uruguay gelang es in diesen Minuten kaum, für einen geordneten Spielaufbau zu sorgen. Ruckzuck war der Ball weg und die Asiaten, die jetzt deutliche Vorteile in Zweikampfverhalten hatten und auch schön über die Flügel kamen, nahmen einen neuen Anlauf – von einer verdienten Führung der Tabárez-Elf konnte jetzt keine Rede mehr sein.

Die Zeit rann von der Uhr, Koreas Coach brachte knapp eine halbe Stunde vor Ultimo nochmal einen neuen Angreifer. War das das richtige Zeichen für seine Mannschaft? Und ob! Wenig später war Muslera endlich geschlagen, der längst überfällige Ausgleich perfekt. Ausgangslage war natürlich ein Freistoß, den die Hintermannschaft der Uruguayer nicht aus der Gefahrenzone bekam. Der zur Pause eingewechselte Victorino bediente per Kopf ungewollt Chung-Yong Lee, der ebenfalls per Kopf den Ball über den herauslaufenden Torwart über die Linie drückte (68.). Kein Durchatmen, Korea marschierte weiter und hatte prompt das 2:1 auf dem Fuß. Die bislang im Turnier so souveränen Südamerikaner waren bei jetzt strömenden Regen kurzzeitig völlig von der Rolle.

Doch noch einmal wendete sich das Blatt. Plötzlich war die Celeste in Person von Suarez wieder da. Der junge Angreifer, der bei Ajax Amsterdam sein Geld verdient, ließ zunächst ein dickes Ding kläglich liegen, zeigte dann aber in der 80. Minute sein ganzes Talent. Er kam nach einer Ecke links neben dem Strafraum an den Ball, ließ zunächst zwei Gegenspieler alt aussehen und schlenzte dann wunderschön ins rechte obere Kreuzeck – ein Traumtor. Wie bitter für die im zweiten Abschnitt klar besseren und aufopferungsvoll kämpfenden Koreaner.

Wenig später ging Doppeltorschütze Suarez vom Platz, jetzt galt es für Uruguay das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Die Partie stand sprichwörtlich auf des Messers Schneide – hier war alles möglich. Schiedsrichter Stark empfahl als Nachspielzeit drei Minuten, nervenaufreibende Spannung zog die Zuschauer in ihren Bann, dann ertönte der Schlusspfiff. Der Jubel in Hellblau kannte keine Grenzen, während sich die enttäuschten Koreaner an die Köpfe fasszen und Tränen in den Augen hatten. Danke an beide Mannschaften für diese tolle Partie, die so manche dürftige Vorstellung der Vorrunde vergessen ließ.

Statistik

Uruguay: Muslera – Maximiliano Pereira, Lugano, Godín (46. Victorino), Fucile – Arévalo Rios, Pérez, Alvaro Pereira (74. Lodeiro) – Cavani, Forlán, Suarez (84. Fernández) – Trainer: Tabárez

Südkorea: Jung Sung-Ryong – Cha Du-Ri, Cho Yong-Hyung, Lee Jung-Soo, Lee Young-Pyo – Ki Sung-Yueng (85. Ki-Hun Yeom), Kim Jung-Woo – Kim Jae-Sung (61. Dong-Gook Lee), Park Ji-Sung, Lee Chung-Yong – Park Chu-Young – Trainer: Jung-Moo Huh

Tore: 1:0 Suarez (8.), 1:1 Chung-Yong Lee (68. ), 2:1 Suarez (80.)

Schiedsrichter: Wolfgang Stark (GER)
Zuschauer: 40.000 im Nelson Mandela Bay (Port Elizabeth, Südafrika)
Gelbe Karten: / Jung-Woo Kim, Du-Ri Cha, Yong-Hyung Cho


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