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Fußball-WM 2010 in Südafrika - das Tagebuch der Nationalmannschaft: Von steigenden Temperaturen, Glücksbringern und Orakeln

1. Juli 2010, 15:29 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter WM-2006, Int-Fussball.

Das MAG begleitet unsere Nationalmannschaft während der WM 2010 in Südafrika. Obwohl im Gastgeberland Winter herrscht, wird es auch dort zunehmend hitzig – die heiße Phase beginnt. Und beim Wettstreit der Tier-Orakel sticht Tintenfisch Paul seine Konkurrenten aus.

Liebes Tagebuch,

rund 48 Stunden vor dem Viertelfinale gegen die bislang ungeschlagenen Argentinier steigt das WM-Fieber auf neue Rekordhöhen. Als ob der Klassiker gegen die Albiceleste nicht schon “Hitzequelle” genug wäre und so manchen Kreislauf ins Schleudern bringen wird, nein, in Deutschland wurden für den Samstagnachmittag sagenhafte 37 Grad Celsius vorhergesagt. Geht’s noch da oben, depperter Petrus? Wie soll man bitteschön beim Public Viewing ohne Sonnenstich bleiben und das so spannungsgeladene Spiel genießen? Hättest mal lieber ein paar Grad nach Kapstadt rüber geschickt, wo zwar die prognostizierten 19°C perfekte Bedingungen zum Fußball spielen darstellen, aber vielleicht das zusätzliche Anheizen von Schweinsteiger überflüssig geworden wäre. Jawoll, rüde ausgeteilt hat der Basti, der ja eigentlich Herr Schweinsteiger sein möchte, gegen die Argentinier und auch gegen deren Anhänger. “Respektlos” sind sie, “nicht unbedingt fair” und, naja… “deren Mentalität halt”, machte er sich, auf die Geschehnisse beim Viertelfinale vor vier Jahren angesprochen, Luft. Gut gebrüllt, Löwe. Allem Anschein nach war ihm der “Großmeister in Sachen Attacke”, Uli Hoeneß, ein guter Lehrer. Bleibt abzuwarten, ob die Sticheleien die Argentinier irgendwie negativ beeinflussen oder der Schuss nach hinten losgeht. Erstmal reagierten die Gauchos gelassen: “Man werde die Antwort auf dem Platz geben und habe keine Zeit, an Schweinsteiger zu denken”, so Maradona.

Die “Himmelblauen” mussten eh’ nicht extra angestachelt werden, sie brennen auch so auf die Revanche für die Finalpleite 1990 und dem K.o. im Elfmeterschießen beim Viertelfinale 2006, wo allerdings das Aus zu großen Teilen auf den damaligen Coach Jose Pekerman zurückzuführen ist. Ich war seinerzeit einer der 72.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion und bekomme noch heute Gänsehaut bei den Gedanken an die einfach sensationelle Stimmung. Bei keinem anderen Spiel, das ich besucht habe, gab es eine größere Bierstanddichte und soviel feuchtfröhliche Umarmungen wildfremder Menschen. Selbstverständlich wird am Samstag das “Ich war dabei T-Shirt” aus dem Schrank geholt, ein gutes Omen hoffe ich.

Anders als ich, wird unsere Angie auch diesmal wieder live vor Ort sein und unserem Team kräftig die Daumen drücken. Ich gönne ihr die Abwechslung, die hat sie nämlich bitter nötig. Einige ihrer Gefolgsleute sehen das wohl anders und versuchten bei der Wahl des Bundespräsidenten durch Stimmabgabe beim falschen Kandidaten, den Abflug zu verhindern. Großes Kino in drei Akten, das unsere Kanzlerin spannungs- und emotionsmäßig schon top auf das samstägliche Duell eingestimmt haben dürfte. Am Ende ging’s aus ihrer Sicht doch noch gut und auch für den Flug in Richtung Tafelberg blieb genug Zeit.

Unsere Angela soll also das Glücksmaskottchen sein und mit dafür sorgen, dass es in unserer Bilanz gegen die Gauchos bei nur einer Niederlage bleibt. Fragen wir mal das “Tier-Orakel”, ob dem so ist. Nachdem mit dem Stachelschwein Leon, dem Zwergflusspferd Petty und dem Krallenäffchen Anton gleich drei “Sachsen” aus Chemnitz jämmerlich versagten und jeweils ihr Gruppenspiel falsch vorhersagten, bleibt nur Meeresbewohner Paul. Der Tintenfisch aus dem Oberhausener Sea Life Aquarium hat sich bislang als absolutes Fußballgenie erwiesen und bei den drei Gruppenspielen der Deutschen den richtigen Tipp abgeben. Vor dem Viertelfinale am Samstag hat der Oktopus nun nach reiflicher Überlegung einen Sieg der Löw-Elf gegen Argentinien prophezeit. Hoffentlich behältst du recht, Paul – Scharfe Tintenfischringe nach Peking-Art sind sehr lecker.

In diesem Sinne…


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