Fußball-WM 2010 in Südafrika - das Tagebuch der Nationalmannschaft: Geht's raus und spielt's Fußball
3. Juli 2010, 15:34 geschrieben von Mr.Mö, abgelegt unter WM-2006, Int-Fussball.
Hört auf mit kratzen, jammern, fordern und treten seid fair und spielt’s Fußball, Männer! Ein Machtwort gerichtet an all die weinerlichen “Sportsmänner”, die den Schiedsrichter täuschen wollen und auf dem Weg sind Unarten zu etablieren.
Liebes Tagebuch,
man hat es heutzutage nicht leicht als Zuschauer, als Fußball-Ästhet – als Schiedsrichter erst Recht nicht. Das Spiel der Niederlande gegen Brasilien stand gestern unter anderem auf dem Tagesplan. Ein Traum-Viertelfinale, ein Fußball-Fest! Zumindest auf dem Papier. Ballvirtuosen wie Kaká, Robinho, Luís Fabiano und Konsorten trafen auf die nicht weniger begabten Robben, Sneijder, van Persie und Co. Schöne Ballstaffeten, Hackentricks, umkämpfte Duelle, aufregende Strafraumszenen, Emotionen und natürlich viele Tore – wunderbar! Weit gefehlt. Fußball 2010 sieht anders aus. Und Holland gegen Brasilien ist kein Einzelfall.
Die Spieler konzentrieren sich vermehrt darauf zu täuschen, zu schimpfen, zu fordern und zu betrügen. Schon bei der Ballannahme wartet der Offensivspieler nur darauf, dass der Verteidiger nah genug kommt, um bei der kleinsten Berührung abzuheben, sich auf dem Boden zu krümmen, als wäre ihm der Fuß mit einem stumpfen Beil abgehackt worden, bevor der Schmerz wie verflogen scheint und die obligatorische gelbe Karte gefordert wird. Obgleich das überflüssig ist, das haben die Mitspieler schon längst übernommen. Sie sind aus allen Ecken des Spielfeldes zusammen geströmt und schmeißen mit imaginären gelbe Karten um sich (kurze unbedeutende Randnotiz: das fordern einer gelben Karte ist laut Regelwerk mit einer Verwarnung zu ahnden). Natürlich ist auch die andere Mannschaft in der kurzfristig einberufenen Versammlung vertreten. Es wäre ja alles nicht so schlimm.
In der nächsten Szene umgekehrtes Spiel: dieses Mal sind die Kläger in orange gekleidet, die Verteidigung übernimmt Team blau, der Richter bleibt schwarz. Fußball gleicht so einer Ansammlung von spontanen Flash-Mobs . Da möchte man wirklich kein Schiedsrichter sein. Wobei: ist doch auch schön im Mittelpunkt zu stehen, und wenn es Profi-Fußballer sind die sich wie Schmeißfliegen an einen ranschmeißen. Mittelpunkt ist Mittelpunkt.
Nach jedem verlorenen Kopfballduell wird dem Schiedsrichter signalisiert, der Gegenspieler hätte mit dem Ellenbogen geschlagen, bei jedem Ball der ins Aus geht, hebt jeder Spieler den Arm, möchte den Ballbesitz für sich beanspruchen. Ja, bis zu einem gewissen Maße fällt dies in die Kategorie „Clever“, aber wenn sich jeder Spieler nahezu darauf konzentriert zu betrügen hat es nicht mehr viel mit meinem Verständnis von Sport zu tun. Und ja, Ausnahmen bestimmen die Regel, aber spielt’s doch einfach Fußball, Männer! Kann doch wohl nicht so schwer sein. Ging früher doch auch. Dieses Kindergartenspiel will doch keiner auf einem Fußballplatz sehen: Heulen, pätzen, quengeln.
Jeder der in der Schulzeit gehänselt wurde, jeder dem jegliche Männlichkeit abgesprochen wurde, weil er sich nicht für das runde Leder entschieden hat, sondern lieber zum Kunstturnen oder zum Ballett ging, kann jetzt zurückschießen „Wer ist hier jetzt die Tucke?“. Zu Recht! Es sieht schließlich deutlich affiger aus, wenn Erwachsene in kurzen Hosen und knielangen Strümpfen wie Rumpelstilzchen auf eine einzelne Person zu hüpfen, um ihn herum einen Hexentanz aufführen, mit imaginären Dingen um sich werfen und dabei tatsächlich ernst genommen werden wollen, als in Strumpfhosen einen ästhetisch Bühnentanz aufzuführen. Vielleicht müssen die Fußballer aber auch einfach nur an ihrer Tanztechnik arbeiten, um besser herüberzukommen. Könnte man auf dem nächsten Klassentreffen doch gleich ein kurzes Ballett-Trainingslager mit dem alten Schulkameraden abmachen.
Das Problem wäre natürlich einfach zu lösen: Entweder fusionieren Kindergärten, Schauspielhäuser, der Fußball- und der Tanzsport oder: wer gelb fordert, bekommt selber einen gelben Karton. Dann sind die kleinen Bubis schnell ruhig. Man könnte es aber auch mit dem Schweigefuchs versuchen. Klappt im Kindergarten auch.
In dem Sinne: Geht’s raus und spielt’s einfach Fußball. Punkt. Aus.
PS: Oder klärt die Angelegenheit untereinander. Die einen fordern ununterbrochen gelbe Karten, die anderen bestrafen die Unsportlichkeiten und schießen ein Tor nach dem anderen.
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