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MAG-Analyse: Die Bundesliga - Umbruch oder Aufbruch?

27. Juli 2010, 12:47 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Schwere Zeiten für die Bundesliga: Auch wenn Deutschland nicht Weltmeister geworden ist, hat das Team bei der WM den mit Abstand attraktivsten Fußball gespielt. Das ist schön – hat aber auch eine Kehrseite. Denn dank der überwiegend spielfreudigen Auftritte der Nationalmannschaft sind deutsche Fußballer in den Fokus der Vereine geraten, deren wirtschaftliches Gebahren an Abkömmlinge von Dagobert Duck erinnert.

Schweinsteiger begeistert alle

Ganz oben auf den Hitlisten stehen die Bayern-Asse Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller, Bremens Leistungsträger Mesut Özil und Per Mertesacker, Sami Khedira sollte eigentlich schon abgesprungen sein, ist aber (noch) nicht wirklich soweit…das Gezerre um ihn dauert an. Auch Philipp Lahm und Lukas Podolski wird nachgesagt, Interesse bei ausländischen Vereinen entfacht zu haben. Allen voran aber steht das Interesse an Schweinsteiger. Sein Auftritt als Chef auf dem Platz, als Sechser mit Übersicht gepaart mit der Fähigkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hat seinen Wert in Dimensionen geführt, die für den Schweini von vor einem Jahr noch utopisch gewesen wären. AC-Mailand-Chef Galliani soll nach Informationen der italienischen “Tuttosport” (Anmerkung der Redaktion: einer Zeitung, die alles druckt, was Geld zahlt!) bereit sein, Hollands Topstürmer Klaas Jan Huntelaar nebst 25 Milliönchen von Euro auf die Reise zu schicken, wenn Schweinsteiger fortan die Oldie-Truppe des AC neu takten würde.
Auch Shooting-Star Thomas Müller wird Berichten zufolge mit immer neuen Vereinen in Verbindung gebracht. Nach Auskunft von Bayern-Boss Rummenigge prallen aber alle Abwerbungsversuche am Münchener Vereinsgeländezaun ab: Müller, Lahm und vor allem Schweinsteiger wurden als unverkäuflich deklariert. Sie sollen “die Bundesliga weiterhin bereichern” (Rummenigge).

Run auf Özil

Auch Werder Bremen kann täglich lesen, dass Mesut Özil im Wert steigt und steigt. Vereine wie Barcelona oder Inter Mailand sollen Özil am liebsten persönlich abholen wollen….Barcelona will angeblich sogar bereit sein, Özil jetzt zu verpflichten und noch ein Jahr an Bremen zu verleihen, damit er in der Bundesliga noch Glanz verbreiten und reifen kann. Werder-Chef Allofs hat zunächst klargestellt, dass auch Özil mit Gewalt in Bremen gehalten werden soll und seinen Vertrag bis 2011 in Bremen ausleben darf – auch wenn Bremen keine Ablöse kassieren würde. Beim Blick auf das abgemagerte Konto der Bremer hat Allofs offenbar seine Meinung verändert: Inzwischen kündigte er an, sich mit Angeboten für Özil befassen zu wollen, wenn sie jenseits der 16 Millionen-Euro-Grenze lägen. Konkretes ist nach Allofs’ Angaben aber noch nicht eingegangen, insofern dürfte Özil zunächst wieder in Bremen mit der Vorbereitung beginnen. Dass Özil tatsächlich in Bremen verbleibt, gilt unter den Fans aber als unwahrscheinlich. Schon eher wird davon ausgegangen, dass Mertesacker noch in Bremen spielt – obwohl Arsenal ihn für 12 Millionen Euro nach London holen möchte, wenn man den Zeitungen der Insel glaubt.

Die Bundesliga profitiert von dem Interesse der ausländischen Vereine. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der deutschen Legionäre eher klein gewesen, sie könnte in der kommenden Zeit ansteigen. Doch auch die Bundesliga hat nach der WM ihren Reiz, meint zum Beispiel Schalke-Trainer Felix Magath: “Durch die starken Leistungen der deutschen Mannschaft in Südafrika wird die Bundesliga noch attraktiver. Die Bundesliga hat schon lange ihren Reiz, auch wenn sie vielleicht nicht so viel zahlt wie andere Ligen.” Doch ist das tatsächlich so?

Altstars kommen in die Liga, Topstars nicht

Magath profitiert vielleicht vom Hype um die deutschen Spieler. Er hat seine Angel nach Raul ausgelegt, der Real Madrid verlässt. Zuvor hatten der HSV von sich reden gemacht, als er van Nistelrooy in sein als Söldnertruppe geschimpftes Team holte und auch Bayern, die Arjen Robben verpflichteten. Leverkusen hat Michael Ballack wieder unter Vertrag genommen. Klangvolle Namen, die der Bundesliga gut zu Gesicht stehen und Glanz verbreiten. Aber der Schein trügt. Denn van Nistelrooy ist 34 Jahre alt und war zuvor bei Real Madrid durch zahlreiche Verletzungen aufgefallen. Der noch junge Robben galt ebenfalls als Verletzung auf zwei Beinen. Auch wenn er München quasi allein zu den Erfolgen gebracht hat, gilt es als riskant, sich auf seine heilen Knochen zu verlassen. Auch Ballack wird im September 34 Jahre alt – von daher ist es fraglich, ob er tatsächlich auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit steht. Und Raul, der bei Schalke an der Angel liegen soll, ist ebenfalls 33 Jahre alt und hat sich – nüchtern betrachtet – vor geraumer Zeit von seinem Zenit getrennt.

DFL-Chef Christian Seifert passt diese Bewegung gut in den Kram. “Wir müssen aufhören, unser Licht unter den Scheffel zu stellen.” Er hofft auf den Verbleib der deutschen WM-Stars und auf den Zugang weiterer Promis (natürlich nur, um höhere Preise bei der Vermarktung einzustreichen). Vielleicht haben Seifert, Magath & Co. Recht. Denn während früher die deutsche Stärke mit Kampf, Disziplin und Moral gleichgesetzt wurde, wird die Nationalmannschaft heute mit spielerischer Stärke in Verbindung gebracht. Wenn die deutschen Nationalspieler nicht unmittelbar dem Lockruf des Geldes erliegen, hat die Bundesliga vielleicht die Chance, ihr Niveau zu steigern – auch kommerziell.


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