Informers Abgegrätscht: Zwanziger will DFB-Präsident bleiben
29. Juli 2010, 13:05 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Er kann halt nicht aus seiner Haut: DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich trotz aufkommender “Sehnsucht nach dem Privaten” umentschieden – und will DFB-Präsident bleiben. Zwanziger stellt sich beim DFB-Bundestag am 21./22. Oktober 2010 in Essen voraussichtlich doch zur Wiederwahl. Der Wandel in Zwanzigers Hirn ist überraschend. Oder vielleicht auf die Tatsache zurückzuführen, dass er beim Ausloten der Möglichkeiten im “Privaten” der Erkenntnis begegnete, dass ihn da wenig erwartet.
Theos Niederlagen haben Format: Die “Demagogen”-Affäre
Zwanziger hat einige Patzer in seiner ersten Amtszeit hingelegt, die mitunter größere Wellen hervorgebracht hatten. Man könnte auch sagen, “Niederlage” ist Theos zweiter Vorname geworden. Geplatzte Verhandlungen mit Herrn Löw mit Androhung der Trennung und anschließendem Umschwenken nach schönen Spielen bei der WM gehören genauso dazu wie das Management der Schiedsrichteraffäre. Oder der missglückte Prozesskrieg gegen einen Journalisten, der Zwanziger in einem Blog als “Demagogen” tituliert hatte. In dieser Geschichte entblödete sich Zwanziger nicht, publikumswirksam den Gang durch alle Instanzen zu wagen und die Form des Bodens immer deutlicher in den Backen seines Gesäßes einzuzeichnen. Auch einen Rücktritt kündigte er an, für den Fall einer Niederlage. Sehr spitzfindig: Weil er in der Sache mehrere Niederlagen kassierte, meinte er, auf dem Posten des DFB-Präsidenten besser aufgehoben zu sein.
Der Fall Amerell
Apropos Rücktritt: Bei der Schiedsrichteraffäre hatte Zwanziger noch – ja, wie soll man sagen: witzig? scharfzüngig? entartet? geschmacklos? clever? sein wollen und die Vorkommnisse mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verglichen (Anmerkung der Redaktion: eine höchst geistreiche Aktion). Im Siegesrausch verkündete Zwanziger auch hier, dass er zurücktrete, “wenn wir diesen Prozess verlieren”. Nun sind Leser und Bevölkerung vielleicht nicht vom Fach, aber auch nicht so dumm, wie manche meinen. Die inflationäre “Drohung” von Rücktritten – einst von einem Bundeskanzler Schröder vorexerziert – ist längst keine Waffe mehr, mit der angeschlagene Personen des halböffentlichen Lebens irgendetwas bewirken könnten.
Das Feigenblatt Löw
Und bei den Verhandlungen mit Bundesjogi Löw hatte Zwanziger zunächst berechtigt die überzogenen Forderungen des überflüssig scheinenden Mister-Ex-Golden-Goal zurückgewiesen und die Weichen in Richtung Trainerwechsel gestellt, um dann nach dem erfolgreichen Spiel der Nationalelf gegen Australien (!) lauthals zu verkünden, dass er mit Löw verlängern wolle (und nonverbal hinzufügte, dass Löw deshalb einige kostspielige Extras zugestanden werden). Die Persona-non-grata Bierhoff weiter beschäftigen und bezahlen zu müssen, ist für Zwanziger allerdings eine weitere Niederlage. Richtig gewürzt wird diese Niederlage dadurch, dass der nach der WM geschasste Mediendirektor Stenger nun als Sprachrohr der Nationalmannschaft fungieren soll. Der nicht eben als beherrscht geltende Uli Hoeneß schimpfte das Krisenmanagement Löws zwischenzeitlich als “blamabel” und soll – größeren Zeitungen zufolge – sogar überlegt haben, selbst für Zwanzigers Sessel anzustehen….vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass Theo es sich noch einmal überlegt hat.
Mit Zwanziger wird nichts besser
Die körperlichen Gebrechen behandelt der 63-jährige Zwanziger mit Medikamenten unterschiedlicher Wirkweise, seine seelischen Wunden lindert er mit Auftritten im Fußballverband Rheinland, in dem er zum Ehrenpräsidenten gewählt wurde. Mit seinen ewigen Rücktrittsdrohungen steht Zwanziger in einer Erscheinung der Zeit, in der immer weniger Menschen des öffentlichen Lebens bereit sind, Widerstände für eine Sache zu überwinden. Der Unterschied: Die meisten anderen Zurückgetretenen hatten vorher nicht so eine lange Liste von Peinlichkeiten und Pleiten vorzuweisen. Insofern hätte es Zwanziger gut zu Gesicht gestanden, in seinem Fall mit dem Strom zu schwimmen. Dass er es auch hier wieder anders macht, ist keinesfalls geeignet, Lob auszusprechen. Denn unter Zwanziger bleibt der DFB eine eigenwillige Funktionärsriege, die teilweise abenteuerliche Handlungen aus Parkett legt. Erfolge sehen anders aus. Mit Zwanziger wird sich das auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
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