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Eingeworfen: Fananleihen – Fanabzocke insolventer Vereine oder seriöse Geldanlage

7. August 2010, 00:49 geschrieben von SchalkerKreisel, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Da der FC Schalke 04 jetzt eine ‚Fananleihe’ herausgegeben hat, mehren sich in Internetforen die Stimmen, die darin das nahe Ende und die Insolvenz des Vereins sehen wollen. Fast genauso oft hört man das Wort Fanabzocke oder dass der Verein sich jetzt bei den Fans Geld leihen muss, weil die Banken ihnen nichts mehr zahlen. Das MAG wirft mal einen objektiven Blick auf diese Form der Geldanlage.

Was ist eine Anleihe

Anleihen sind meist festverzinsliche Schuldverschreibungen. Bei dieser Anlageform verpflichtet sich ein Unternehmen oder ein Staat dazu, über einen festgelegten Zeitraum jährlich Kuponzahlungen [Anm. d. Red.: Zinszahlungen] zu zahlen. Diese Kuponzahlungen berechnen sich anhand eines festem Zinssatzes, den der Emittent [Anm. d. Red.: Herausgeber der Anleihe] bei der Emission [Anm. d. Red.: Ausgabe] der Anleihe festlegt. Der Emittent legt bei der Emission ebenfalls das Volumen der Anleihe fest, d.h. wie viel Geld er maximal durch die Anleihe erzielen will. So kann es vorkommen, dass Anleihen überzeichnet werden [Anm. d. Red.: überzeichnet bedeutet, dass es mehr Käufer für die Anleihe gibt als nötig wären, um den gewünschten Betrag zu erzielen]. Der kleinste Zeichnungswert [Anm. d. Red.: Kaufwert] solcher Anleihen ist gewöhnlich tausend Euro. Am Ende der Vertragslaufzeit bekommt der Käufer einer Anleihe zusätzlich zur letzten regelmäßigen Kuponzahlung noch den Nennwert seiner Anleihe zurückgezahlt. Der Zinssatz einer Anleihe hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Bonität des Unternehmens/Staates und dem damit verbundenen Ausfallrisiko. Bei besonders riskanten Anleihen werden gewöhnlich noch ein paar Prozentpunkte als Risikozuschlag auf den Zinssatz addiert.

Fananleihen im deutschen Fußball

Für viele Fans ist die sogenannte Fananleihe jetzt durch Schalke 04 in den Blickpunkt gerückt. Vielfach wird gelästert, dass die Anleihe dem verschuldeten Klub als letzter Rettungsanker dienen soll. Dafür wäre das Volumen mit 10 Mio. € allerdings zu gering.
Der erste Bundesligaverein, der sich dieser Form der Geldbeschaffung bedient hat, war Hertha BSC Berlin. Im Januar 2005 wurde dort eine Anleihe über 5 Jahre mit einem Volumen von 6 Mio. € emittiert. Gezeichnet wurden dort 4,5 Mio. € bei etwas mehr als 5%. Es bleibt abzuwarten, ob es den Berlinern gelingt, trotz des Abstiegs in die 2. Bundesliga bis zum 1. Dezember 2010 die Anleihen vollständig zurückzuzahlen.
Weitere deutsche Fußballvereine, die bereits solche Schuldverschreibungen herausgegeben haben, sind der 1. FC Köln, Arminia Bielefeld, Alemannia Aachen, 1860 München und der 1. FC Nürnberg. Sie haben alle Laufzeiten von fünf oder sechs Jahren mit Zinssätzen von 5-6,5% und Volumina von drei bis neun Millionen Euro bei ihren Anleihen gehabt.
Es ist zu beobachten, dass sämtliche Vereine angeboten haben, die Anleihe als Schmuck- sowie als global verbriefte Urkunde auszugeben. Ersteres ist ein nettes Bild, welches sich der Fan an die Wand hängen kann, zweites hingegen die übliche Form der Anleihe für eine Verwahrung im Wertpapierdepot. Darüber hinaus wurden die Nennwerte, die der Käufer zeichnen kann, an das Budget der Fans angepasst. Die kleinsten Werte, die man bei den Fananleihen zeichnen kann, liegen bisher bei 100 bzw. 150 Euro, normalerweise üblich sind in der Wirtschaft mindestens tausend Euro als kleinster Betrag. Die Gesamtvolumina der durch die Vereine emittierten Anleihen sind ebenfalls winzig. Die Schalker Anleihe mit einem Volumen von maximal zehn Millionen ist nichts im Vergleich zu Anleihen von großen Wirtschaftsunternehmen, deren Anleihenvolumen zum Teil mehrere hundert Millionen beträgt. Von Staatsanleihen mit mehreren Milliarden Euro ganz zu schweigen.
Bei der Rückzahlung der Anleihen werden wohl viele Fans auf ihr Geld verzichten und stattdessen lieber ihre Schmuckurkunde behalten, wodurch dem Verein unter Umständen weitere Millionen Einnahmen entstehen.

Zeichnen oder nicht zeichnen

Sollte man sich als Fan solch eine Anleihe von Vereinen, vorzugsweise vom eigenen, kaufen? Ein kurzer Auszug aus dem Nürnberger Wertpapierprospekt: “Die Schuldverschreibungen stellen unbesicherte, nicht nachrangige Verbindlichkeiten des Emittenten dar, die untereinander und mit allen anderen unbesicherten und nicht nachrangigen Verbindlichkeiten des Emittenten gleichrangig sind, mit Ausnahme von Verbindlichkeiten, denen durch zwingende gesetzliche Bestimmungen ein Vorrang eingeräumt wird.“ So oder so ähnlich steht es auch in den anderen Wertpapierprospekten. Um es klar zu sagen, dort steht mehr oder weniger: Wenn der Verein pleite geht, ist das Geld futsch.
In den Wertpapierprospekten steht auch viel davon, welche Risiken auf den Käufer lauern können. Im Grunde sollte man sich als Anleger nur im Klaren darüber sein, dass es sich um Sportvereine handelt und sportlicher Erfolg nur bedingt planbar ist. Wenn es für die Vereine innerhalb des Zeitraumes gut läuft, stellt die Rückzahlung vermutlich kein Problem dar, sollte es hingegen zu unerwartetem sportlichen Misserfolg – z.B. ein Abstieg – kommen, gerät die Rückzahlung eventuell ernsthaft in Gefahr.
Grundsätzlich sollte man nicht mehr in solche Anleihen investieren als man als Totalverlust abzuschreiben bereit ist. Für unabhängige Anleger, die kein Fan des entsprechenden Vereins sind, ist solch eine Anleihe eher unattraktiv, da sie nicht (Ausnahme die Anleihe von Hertha BSC Berlin) an der Börse gehandelt werden. Man kann sie also nicht vorzeitig verkaufen, bzw. müsste persönlich jemand finden, der bereit ist, sie abzukaufen. Darüber hinaus sollte man als Anleger auch beachten, welcher Verein so eine Anleihe herausgibt. Ist es ein potentieller Absteiger, eine Fahrstuhlmannschaft oder sind es finanziell sehr solide wirtschaftende Vereine wie Bayern München oder Hannover 96?
Für Fans sind die Fananleihe eine weitere Art der Fanartikel, für normale Anleger sind sie eher nicht zu empfehlen.


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