Informers Abgegrätscht - Real Madrid siegt im Transferpoker um Mezut Özil
17. August 2010, 18:58 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Real Madrid ist der Transfer des Sommers gelungen: Sie haben die Angel nach Mesut Özil ausgeworfen, er hat angebissen, verlässt Werder Bremen und wechselt zu den “Königlichen” nach Madrid, die unter Startrainer José Mourinho neu formiert werden, um endlich mal wieder Erfolge feiern zu können. Denn Könige im Geldausgeben sind die Madrilenen schon längst, dennoch ärgert es sie gewaltig, dass der andere große Club namens Barcelona immer wieder kostengünstiger und sportlich erfolgreicher am Ende eines Jahres dasteht.
Özil geldgeil?
Özil folgt damit dem Ex-Stuttgarter Sami Khedira, der ebenfalls von Mourinho ausgewählt wurde, ein Königlicher zu werden. Özil erfüllt damit viele Vorurteile, die schon von Schalke in die Republik drangen und die im wesentlichen mit “geldgeil” und “herzlos” zusammengefasst werden können. Solche Meinungen kommen natürlich auf, wenn man für einen Verein schwärmt, der mit dem Jonglageniveau von Reals Finanzen nicht mithalten kann. Und natürlich würden alle die, die solche Meinungen verbreiten, an Özils Stelle nicht wechseln und statt 30 Millionen Euro in den nächsten Jahren in Aussicht gestellt zu bekommen in Bremen bleiben und vielleicht um die Champions-League-Qualifilkation mitspielen, vielleicht aber auch im Wettbewerb unaussprechlicher osteuropäischer Vereinsnamen (vulgo: Europa League) landen. Natürlich…(grins)
Mal ganz im Ernst: Wenn Madrid ruft, wer kann da von der Bundesliga schon mitmischen? Den Glanz, den Madrid bietet, verschafft einem Sportler kein Bundesligist Deutschlands mehr. Sorry an alle Münchener, die das nach dem Finaleinzug der Champions League jetzt wieder ernsthaft glauben: Ihr irrt Euch. Gegen Madrid ist auch München ein kleines Licht. Geld, Werbung, Lifestyle, Wetter…Madrid hat’s einfach besser.
Özil – geht so Bank heute?
Und da soll ein 21-jähriger Deutschtürke mit begrenztem Sprachvermögen und chronischem Artikelmangel widerstehen und sich dem Sozialpathos der Fans ergeben? Wer glaubt da wirklich dran? Vielen werden Özils Interviews fehlen. “Schabe Vertraach” zum Beispiel, Özils gelebte Respektsbekundung an ein unterschriebenes Blatt Papier. Wir werden es in Bremen nicht wieder hören. Und das ist wiederum auch positiv. Denn mit Özil sind die Fans in Bremen nie so recht warm geworden, er hat ihnen nie das Gefühl gegeben, für Bremen zu leben. Deshalb tut sein Abschied nicht weh, obwohl er sportlich einen Krater reißt, den er selbst nach Diegos Abgang gerade wieder aufgefüllt hatte.
Aber eben weil Özil sportlich mehr kann als viele andere, darum ist er von Trainer Mourinho ausgeguckt worden, die Tradition ruhmreicher deutscher Spieler in Madrid fortzusetzen. Denn wer wollte bestreiten, dass die Erinnerungen an Netzer, Breitner, Schuster oder Stielike in Madrid gut sind? Wohl keiner. Bleibt abzuwarten, ob Özil es schafft, sich durchzusetzen und auch neben einem kleinen Brasilianer namens Kaka aufzulaufen und zu spielen. Oder ob er mit seiner eher schmächtigen Statur auserwählt wird, die Bank zu wärmen. Dann könnte Özil an seine Zeit in Bremen mehr erinnert werden als er möchte. Denn auf den Bremer Trikots heißt es: So geht Bank heute. Viel Glück, Özil!
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