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[Basketball-WM 2010] Vorbericht zur Basketball-WM 2010 in der Türkei

23. August 2010, 14:26 geschrieben von BVB-Benny.

Am 28. August beginnt die FIBA Basketball-WM in der Türkei. Ist das Team USA auch ohne Superstars Turnierfavorit? Welche Rolle kann das deutsche Team spielen? Das MAG liefert fünf Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft eine Vorschau.

Anderthalb Monate nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika messen sich ab kommendem Samstag die besten Nationalteams im Basketball, um ebenfalls den Weltmeister zu ermitteln. Auch wenn das Turnier im Vergleich zur Fußball-WM nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit erhält: Die Basketball-Welt blickt 16 Tage lang gebannt in die Türkei. Wie stark ist das Team der USA? Wie werden sie ohne ihre Superstars auftreten? Wer sind die sonstigen Favoriten auf den Titel? Reicht es für das deutsche Team zum Einzug ins Achtelfinale? Ist sogar mehr drin? Das MAG versucht, einige dieser Fragen zu beantworten.

Das Turnier

Wie auch beim Fußball findet alle vier Jahre eine FIBA-Weltmeisterschaft statt. Das Turnier 2010 startet am 28. August mit der Vorrunde, zu der vier Gruppen, A bis D, mit jeweils sechs Mannschaften eingeteilt wurden. Erstmals seit 1986 nehmen somit wieder 24 Nationalteams teil. Jede Gruppe ist an einen Austragungsort gebunden; die deutsche Mannschaft trägt ihre Vorrundenspiele beispielsweise in Kayseri, im Kadir Has Spor Salonu aus, der mit einer Hallenkapazität von 7.700 Zuschauern der kleinste Austragungsort der WM ist. Die ersten vier Mannschaften jeder Gruppe qualifizieren sich für das Achtelfinale, in dem jeweils die Gruppenersten gegen die -vierten und die Gruppenzweiten gegen die -dritten spielen. Der weitere Turnierverlauf erfolgt in den K.O.-Spielen so, wie man es auch von der Fußball-WM gewöhnt ist, mit dem Unterschied, dass ab dem achten Rang alle Platzierungen in den sogenannten Platzierungsspielen ausgespielt werden. Da es ein FIBA-Turnier ist, wird natürlich auch nach FIBA-Regeln gespielt, was unter anderem bedeutet, dass beispielsweise mit einer Viertellänge von zehn Minuten wie in der BBL und nicht – wie in der NBA – von zwölf Minuten gespielt wird.

Während der Vorrunde finden drei Spiele pro Tag statt, die jeweils um 15.30, 18.00 und 20.30 Uhr beginnen. Der deutsche Free-TV-Sender Sport1 überträgt insgesamt 22 Partien live, darunter alle Spiele ab dem Viertelfinale, ausgenommen die Platzierungsspiele, sowie alle Duelle mit deutscher Beteiligung.

Das Team Deutschland – nur ein Außenseiter?

Wie schon bei der EM 2009 muss die deutsche Basketballnationalmannschaft auch bei der WM 2010 auf NBA-Superstar Dirk Nowitzki verzichten. Der Würzburger entschied sich, seine Pause in der deutschen Auswahl, die er Mark Cuban, Besitzer von Nowitzkis Dallas Mavericks, versprochen hatte, noch um ein Jahr zu verlängern. Er möchte der jungen deutschen Mannschaft die Möglichkeit geben, sich bei diesem Turnier weiter einzuspielen, um im nächsten Jahr gemeinsam mit ihm eine gute Europameisterschaft zu spielen und sich dort für die Olympischen Spiele 2012 in London zu qualifizieren. Das ist – übrigens ähnlich wie im Handball – das große Ziel des nationalen Verbandes. Die kommende WM scheint eher als ein intensiver Lehrgang für 2011 und 2012 zu dienen, was aber nicht bedeutet, dass man das Turnier nicht ernst nimmt.

Nach der Entscheidung von Dirk Nowitzki, auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu verzichten, sagte auch der zweite NBA-Star der deutschen Auswahl, Chris Kaman von den L.A. Clippers, sein Mitwirken ab. Das Fehlen dieser beiden bedeutet natürlich eine erhebliche Schwächung, ist aber gleichzeitig die Chance für einige junge Talente, auf sich aufmerksam zu machen und sich vielleicht sogar in den Fokus zu spielen. Die größten Hoffnungsträger im Team von Dirk Bauermann (kompletter Kader: siehe unten) sind der erfahrene Point Guard Steffen Hamann, der ebenso erfahrene Shooting Guard Demond Greene sowie der hoffnungsvolle Nachwuchs-Center Tibor Pleiß, der vor wenigen Wochen im NBA-Draft in New York City vom aufstrebenden Team der Oklahoma City Thunder an 31. Stelle, also als erster Pick der zweiten Runde gezogen wurde. Auch in Robin Benzing und Elias Harris, letzterer spielt in der amerikanischen Collegeliga NCCA, werden Erwartungen gesetzt. Schließlich wollen sich beide im nächsten Jahr für den NBA-Draft anmelden.

Ohne seine großen Stars hat die deutsche Mannschaft unter normalen Umständen keine Chance auf eine vordere Platzierung, allerdings erwischte man eine Gruppe, die das Erreichen des Achtelfinales durchaus möglich erscheinen lässt. Voraussichtlich wird man sich mit Angola um den vierten Platz streiten müssen. Ist man dabei erfolgreich, könnte im Achtelfinale schon das Team USA auf die DBB-Auswahl warten. Doch viel wichtiger als die Platzierung wird das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft sein. Kann Heiko Schaffartzik seine gute Turnierleistung von der EM 2009 wiederholen? Kommt Robin Benzing rechtzeitig zum WM-Beginn aus seinem Formtief heraus? Deutschland schickt ein junges, unerfahrenes, aber durchaus talentiertes und mit viel Potenzial ausgestattetes Team an den Start, dass in der Türkei zeigen muss, wie weit es schon ist und woran es bis zur EM 2011 in Litauen noch zu arbeiten gilt, damit es mit der Qualifikation für Olympia klappt. Dann aber mit Nowitzki und Kaman.

Das Team USA – auch mit B-Team gut genug für den Titel?

Denkt man an Basketball, so fällt vielen als erstes die NBA mit ihren vielen Superstars ein und nicht wenigen drängt sich der Gedanke auf, die USA hätten die uneingeschränkte Vorherrschaft in diesem Sport. Bei weitem nicht alle Sportinteressierte wissen, dass der letzte Weltmeistertitel der Vereinigten Staaten schon 16 Jahre her ist. 1994 im Nachbarland Kanada gelang es dem Team USA zuletzt, bei diesem Turnier unter Beweis zu stellen, dass sie die Besten der Besten sind. Damals fiel das Ergebnis gegen Russland mit 137-91 zugegebenermaßen mehr als deutlich aus, doch in der Folge konnte das Dream Team diese Dominanz nicht bestätigen. 1998 und 2002 sicherten sich Serbien und Montenegro den Titel, vor vier Jahren war Spanien der strahlende Sieger. Schlimmer noch: Nicht eine einzige Finalteilnahme sprang für die USA bei diesen drei Turnieren heraus.

Das soll sich zwar ändern, allerdings nicht um jeden Preis: Ohne die ganz großen Superstars reisen die Amerikaner in die Türkei. Kobe Bryant, LeBron James, Dwayne Wade und alle anderen großen NBA-Helden, die 2008 in Peking olympisches Gold gewannen, bleiben zu Hause bei ihren Teams, um sich auf die neue NBA-Saison vorzubereiten. Der Basketball-Weltmeisterschaft wird in den USA einfach nicht die große Bedeutung zugemessen, wie man es angesichts der Beliebtheit dieses Sports in den Staaten eigentlich erwarten würde. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wissen die Amerikaner, dass sie in diesem Sport die unangefochtene Nummer eins sind. Man mag ihnen deshalb Arroganz vorwerfen, aber das Spiel wird auf der anderen Seite des Atlantiks einfach in einer ganzen anderen Dimension gespielt. Da sind wir auch schon beim zweiten Grund, warum die USA das WM-Turnier überraschend distanziert verfolgen: Ihnen sind die FIBA-Regeln schlichtweg ein wenig suspekt. Dass von der FIBA geförderte Set-Play macht das Spiel einfach deutlich langsamer als man es von der NBA gewöhnt ist, weshalb die Amerikaner es oft als “Soft Basketball” verspotten.

Trotz dieser geringen Wertschätzung des WM-Turniers und dem Fernbleiben der ganz Großen liest sich das Aufgebot des Team USA immer noch wie das einer Spitzenmannschaft (kompletter Kader: siehe unten): Kevin Durant ist wohl der größte Star im Team und hat mit seinen erst 21 Jahren noch eine große Zukunft vor sich. Er soll das junge Team, das praktisch eine U24-Auswahl ist, anführen. Dafür wurden ihm die zwei erfahrenen Chauncey Billups und Lamar Odom zur Seite gestellt. Die beiden sind die einzigen Ü-30er. Die Erwartungen an die Mannschaft sind nicht allzu groß; selbst der eigene Coach Jerry Colangelo gab nicht den Titel als konkretes Ziel aus, sondern sprach nur davon, ein gutes Turnier spielen und sein Land gut vertreten zu wollen. Er halte es für möglich, mit seiner Mannschaft den ein oder anderen zu überraschen. In diesen Aussagen schwingt zwar doch eine Portion beabsichtigtes Understatement mit, dennoch: Topfavorit sind die USA in der Türkei nicht. Vor allem, weil man am Brett mit Dirk Nowitzkis Teamkollegen Tyson Chandler als einzigem Center einfach zu schwach besetzt ist.

Viele Bewerber, doch am Ende nur ein Sieger

Dem Gastgeber selbst werden hingegen gute Chancen zugerechnet. Auch die Spanier, die als Titelverteidiger anreisen, gehören – selbst ohne Lakers-Star Pau Gasol – zu den Favoriten. Desweiteren muss man Argentinien, die mit Manu Ginobili auch auf einen ihrer Besten verzichten müssen, sowie Griechenland auf dem Zettel haben. Hinzu kommt vielleicht noch Serbien, sodass sich fünf bis sechs Teams um den Weltmeistertitel streiten und für 16 Tage Spannung in der Türkei sorgen werden. Das MAG wünscht wie immer allen Zuschauern packende Spiele und einen würdigen Sieger des Turniers.

Die Gruppen

Gruppe A (Kayseri): Argentinien, Serbien, Deutschland, Australien, Angola, Jordanien

Gruppe B (Istanbul): USA, Brasilien, Kroatien, Slowenien, Iran, Tunesien

Gruppe C (Ankara): Griechenland, Türkei, Russland, Puerto Rico, China, Elfenbeinküste

Gruppe D (Izmir): Spanien, Frankreich, Litauen, Kanada, Neuseeland, Libanon

Interessante Infos

Turnierdauer: 28. August bis 12. September

Titelverteidiger: Spanien

Kader Team Deutschland:

Steffen Hamann (PG, FC Bayern), Heiko Schaffartzik (PG, Türk Telekomspor), Per Günther (PG, Ratiopharm Ulm),
Demond Greene (SG, FC Bayern), Philipp Schwethelm (SG, Eisbären Bremerhaven), Lucca Staiger (SG, Alba Berlin)
Elias Harris (F, Gonzaga University), Robin Benzig (Ratiopharm Ulm), Konrad Wysocki (F, Turów Zgorzelec), Yassin Idbihi (F, Alba Berlin), Tim Ohlbrecht (F, Telekom Baskets Bonn), Jan Jagla (F, Asseco Prokom Gydnia)
Tibor Pleiß (C, Brose Baskets), Christopher McNauhghton (EWE Baskets Oldenburg)

Kader Team USA:

Chauncey Billups (PG, Denver Nuggets), Rajon Rondo (PG, Boston Celtics), Derrick Rose (PG, Chicago Bulls), Russell Westbrook (PG, Oklahoma City Thunder), Stephen Curry (PG, Golden State Warriors)
Kevin Durant (SG, Oklahoma City Thunder), Eric Gordon (SG, L.A. Clippers)
Rudy Gay (F, Memphis Grizzlies), Lamar Odom (F, L.A. Lakers), Andre Iguodala (F, Philadelphia 76ers), Danny Granger (F, Indiana Pacers), Kevin Love (F, Minnesota Timberwolves)
Tyson Chandler (C, Dallas Mavericks)

Die deutschen Gruppenspiele:

28.08., 20.30 Uhr Deutschland – Argentinien
29.08., 18.00 Uhr Serbien – Deutschland
30.08., 18.00 Uhr Australien – Deutschland
01.09., 18.00 Uhr Deutschland – Angola
02.09., 20.30 Uhr Jordanien – Deutschland
(alle in Kayseri und live von Sport1 übertragen)


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