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Informers Abgegrätscht - Krise - oder was geht ab auf Schalke?

1. September 2010, 18:50 geschrieben von informer, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

“50 Jahre ohne Schale – 50 Jahre S04“….so lautet eins der bekanntesten Lieder über den blau-weißen Club aus dem Revier. Felix Magath sollte der Mann sein, der diesen unter den Schalke-Fans verhassten Refrain korrigieren sollte. Und Magath begann wie ein Dampfhammer: Mit Platz 2 wurde in der vergangenen Saison mehr als das Optimum aus dem Team geholt. Das sah auch Magath so – deshalb wollte er den Kader gezielt verändern. Mit Kuranyi, Ze Roberto II, Asamoah, Sanchez, Mineiro, Bordon, Westermann, Grossmüller, Pourie und Rafinha sowie den verliehenen Holtby, Moravek, Zambrano und Reginiussen wurden schon mal 14 (!) Spieler aus der ersten Mannschaft wegradiert. Im Zuge angekündigter Einsparungen konnte man unter anderem den geplanten zweiten Mannschaftsbus von der Auftragsliste streichen, ferner wurde einiges an Gehalt eingespart.

Bis zum zweiten Spieltag der Bundesliga.

Nach den Niederlagen gegen Hamburg und Hannover (gegen Hannover vor allem eine Heimniederlage) droht der Deckel von Schalkes Topf bis nach Dortmund zu fliegen. Denn beim letzten Abstieg verlor Schalke zum Saisonbeginn gegen exakt dieselben Teams: Hamburg und Hannover. Die Angst greift um sich.

Runderneuerung des Teams – ein Fehler!?

Nicht, dass man auf Schalke sehr abergläubisch ist. Dennoch nutzte Magath seine Machtfülle bei den Blau-Weißen und verpflichtete mal eben noch Spielmacher Jurado, Top-Scorer Huntelaar und Plestan für 27 Millionen Euro. Zuvor hatte man bereits mit Hoogland, Jendrisek, Uchida, Pourie, Raul, Papadopoulos, Esudero, Sarpei, Metzelder und Deac zehn neue Leute im Team, so dass man den zweiten Mannschaftsbus doch wieder in Auftrag geben darf.

Selbst für Felix Magath ist das ein neuer Rekord. Schon in Stuttgart und Wolfsburg zeigte er ja, dass Aufräumen à la Magath heißt, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Aber auf Schalke hat er sich selbst übertroffen. Und alles geschah mit dem Segen von Fleischzerleger Tönnies, der eigentlich nur zu gern aus der Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden austrat und gern auch mal verbal Kleinholz anrichtete. In Sachen Magath ist Tönnies zahm wie eine Schildkröte. Arbeitet Schalke an einem neuen Schulungsvideo (Titel: Wie zerlege ich eine erfolgreiche Mannschaft)??

Der Druck wird stärker

Bundesliga-Beobachter sind sich einig: Sie alle zweifeln an Magaths Konzept vom Mannschaftsumbau. Die Fans sind aufgebracht, weil Feind Metzelder (ein Dortmunder Jung!) als Stabilisator für die Abwehr geholt wurde, sich aber als Weichmacher derselben eingeführt hat. Der Druck von außen ist stärker geworden. Und wenn sogar die Jungs von S04-TV (die sonst das Zeug hätten, quergestreifte Kopfmassagegeräte auf einem Commercial-TV-Kanal an die Frau zu bringen) kritische Fragen stellen, muss auch dem letzten im Revier klar sein: Es ist etwas anders auf Schalke.

Mächtig anders.

Machtmensch Magath ist bekannt dafür, dass er 12 unbekannte Spieler pro Saison kauft. Meist schlägt einer, manchmal auch zwei ein – und damit ist die Verstärkung für das Team gefunden.
Im Fall Raul und Metzelder war das anders. Sie beide wurden geholt und sollten hohe Erwartungen erfüllen – was ihnen nach (nun erst) zwei Spielen nicht gelang. Es könnte also noch werden – aber Geduld ist auf Schalke nicht gefragt. Speziell nicht nach dem vergangenen Jahr. Und außerdem zeigt der Trend, dass Rentner Raul ebenso wenig in Form ist wie Abwehrmann Metzelder und Rechtsaußen Farfan. Leute, die dem Team Stützen sein sollten, sind Slalomstangen und erkennbar eine Belastung für das Team. Und deshalb hat man als Schalke-Anhänger Angst um das Team, das in den kommenden Wochen Prüfungen in der Liga und in der Champions League zu bestehen hat. Seit 23 Jahren ist Schalke nicht mehr so schlecht gestartet, und noch nie waren die Erwartungen an ein Schalker Team so hoch wie in diesem Jahr.

Feind Metzelder, Hoffnungsträger Huntelaar

Noch schießen sich die Fans auf Metzelder ein und ziehen – schon berechtigt – nur Magaths sportliche Souveränität in Zweifel. Wenn Schalke die nächsten Spiele in Hoffenheim, zu Hause gegen Dortmund, in Freiburg und zu Hause gegen Gladbach nicht eine deutlich bessere Leistung hinlegt, wird eine Diskussion um Magaths Zukunft im Revier nicht aufzuhalten sein.

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf Huntelaar, der nach dem Werder-Prinzip auf Schalke helfen soll. “Vorne mehr machen als hinten kassieren” – das ist Huntelaars Auftrag. Von einer funktionierenden Abwehr hat sich Magath offenbar verabschiedet (nur Plestan soll noch eingebaut werden). Magath hat sich verändert. Sonst holte er Talente und integrierte sie in ein fertiges Team. Jetzt hat er fertige Spieler geholt, aus denen er in Rekordzeit eine komplette Einheit formen muss. Man darf gespannt sein, wie Magath diese Herausforderung übersteht.


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