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1. FC Köln - Das Problem Wolfgang Overath

29. Oktober 2010, 10:30 geschrieben von tofu87, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Der 1. FC Köln schlingert mal wieder am Abgrund entlang. Auf der Position des Trainers wurde schon gehandelt, mit Frank Schaefer hat man – zumindest vorläufig – einen neuen Mann für den Posten gefunden. Doch ist es mit der Entlassung Soldos getan? Die Problemfälle sitzen auch an anderer Stelle. Denn in Köln stinkt der Fisch vom Kopf. Und das ist Wolfgang Overath…


Neue Besen kehren gut, sagt man gerne nach einem vollzogenen Trainerwechsel und hofft darauf, dass jeder Spieler unter dem neuen Coach mehr leisten will und sich die Erfolge, möglichst kurzfristig, wieder einstellen. In Köln scheint dies zumindest für das DFB-Pokalspiel gegen 1860 München gereicht zu haben. Unter Frank Schaefer gelang der Truppe ein, in der Höhe nicht ganz verdienter 3:0-Erfolg, der zugleich der erste Sieg seit dem 12. September 2010 war. Spielerisch war das sogar unter dem Niveau der letzten Heimspiele der Soldo-Ära, aber mit dem nötigen Quäntchen Glück in der Defensive und der zuvor zumeist fehlenden Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. Logisch, denn viel kann Schaefer zusammen mit seinem Assistenten Dirk Lottner in den 50 Stunden, die er bis zum Anpfiff im Amt war, noch nicht geändert haben. Aber der negative Trend der letzten Wochen wurde wenigstens gestoppt – aus sportlicher Sicht.

Meier am Pranger

Denn weder Michael Meier noch Wolfgang Overath werden für diesen gelungenen Wechsel des sportlichen Leiters gefeiert werden. Im Gegenteil, wer am Dienstagabend sich im RheinEnergieStadion aufhielt oder das Spiel am heimischen Fernseher verfolgte, konnte deutlich die „Meier raus“-Rufe des Publikums vernehmen, die in dem verantwortlichen Geschäftsführer für den sportlichen Bereich den Sündenbock für die Talfahrt des Vereins in der Bundesliga und die heikle finanzielle Lage sehen. Zudem sollen viele der Transfers unter Meier – in seiner mittlerweile knapp fünf Jahre andauernden Amtszeit waren dies insgesamt 58 Transfers – entweder unnötig, überteuert oder einfach nur schlecht gewesen sein. Eine These, die auch der Präsident des Vereins stützt. Denn am Tage der Entlassung Zvonimir Soldos attestierte Wolfgang Overath Michael Meier eine teilweise unglückliche Einkaufspolitik. Nicht zu vergessen das unglückliche Bild, das Meier in den letzten Wochen in der Presse abgab. Angefangen bei der Aussage, das Soldo „kein Medienfuchs“ sei, bis hin zur nicht allzu professionellen Handhabung der Vorfälle um Faryd Mondragon und Lukas Podolski. Trotzdem hält der Vorstand weiter an Meier fest. Und dies aus gutem Grund: Denn der Manager ist im Grunde nichts anderes als Overaths Marionette, um direkten Einfluss auf das sportliche Geschehen zu nehmen.

Man denke mal an Overaths Versprechen zurück, als er 2004 zur Wahl des Präsidenten antrat. Er wollte den sportlichen Bereich total umkrempeln, und jeder Transfer würde über seinen Tisch laufen, sprich: er würde den Verein intensiv kontrollieren. Letztes Jahr äußerte der FC-Präsident sich völlig anders, er hätte gar keine Möglichkeit, in das Tagesgeschehen einzugreifen, und wolle dies auch nicht. Wie erklären sich dann allerdings zum Beispiel Berichte, in denen von Overaths Veto zum Transfer von Tom Starke, damals noch beim MSV Duisburg, geschrieben wurde, obwohl sowohl Manager als auch Trainer mit dem Spieler einig waren und ihn als notwendige Verpflichtung ansahen? Zudem muss man sich fragen, wohin der ominöse Fünfjahresplan Overaths den Klub hinführen sollte. Denn eine positive Entwicklung gab es die letzten sechs Jahre nicht, eher im Gegenteil, auch wenn aktuell drei Jahre Bundesliga in Folge zu verzeichnen sind. Der dauerhafte Kampf um den Klassenerhalt war aber sicher nicht das Ziel.

Amateurhaftes Personal und Klüngel

Hinzu kommen fragwürdige Personalentscheidungen. Michael Meier wurde schon genannt, ein anderes Beispiel ist Christopher Lymberopoulos, seines Zeichens Pressesprecher des 1. FC Köln. Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Medienvertretern tendiert gegen Null, Interviewanfragen werden auf die lange Bank geschoben, Informationen von Belang stellt man lieber selbst auf die vereinseigene Homepage. Und welcher Pressesprecher hätte einen Spieler, in diesem konkreten Fall Faryd Mondragon, eine Pressekonferenz einberufen lassen, die zu einer Farce verkommt und in abstrusen Vergleichen („Jesus“) gipfelt? Und das Interview Podolskis, das in der Sport-Bild abgedruckt wurde, wäre unter einem kompetenten Medienfachmann sicherlich nicht in dieser Form genehmigt worden. Des Weiteren installierte der Präsident an wichtigen Stellen gute Freunde bzw. Mitspieler aus früheren Tagen. Ein Jürgen Glowacz darf sich Vizepräsident nennen, keiner kann genau sagen, was ihn dazu befähigt. Stephan Engels ist Jugendkoordinator, der frühere Kurzzeittrainer des FC wäre bei jedem Verein schon vor die Tür gesetzt worden, nur in Köln findet sich doch noch irgendwie ein lauschiger Büroplatz. Der kölsche Klüngel in seiner Reinform…

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen (Fanbeauftragter, Catering Service etc.). Gehandelt wurde jedoch nicht, stattdessen muss der 1. FC Köln erst kurz vor dem totalen Absturz stehen, bis auch bei den handelnden Personen die Alarmglocken schrillen. Die Frage, ob Wolfgang Overath der richtige Mann für einen internen Umbruch ist, stellt sich nicht mehr. Unter seiner Führung stagniert der Verein, hat Verbindlichkeiten in Höhe von 21 Millionen Euro angehäuft, bietet ein groteskes Bild in der Presse und spielt den schlechtesten Fußball der Vereinsgeschichte, wie Hannes Linßen beim FC-Stammtisch so treffend kritisierte. Abgesehen von seinen guten Kontakten in die Wirtschaft ist Overath eine Fehlbesetzung, da ihm anscheinend das nötige Verständnis für den heutigen Fußball fehlt.

Große Namen – kein Ertrag

Denn so bleibt ein altbekanntes Problem beim FC bestehen: Anstatt auf Qualität wird auf große Namen gesetzt. Meier, Daum, Ishiaku, Maniche usw. – alle kosten den Verein mehr als sie dem Verein einbringen. Und loswerden kann man die meisten nicht. Ein Ishiaku sitzt seinen gut dotierten Vertrag lieber ab, anstatt sich einen neuen Klub zu suchen, bei dem er Spielpraxis sammeln kann (Albert Streit lässt grüßen). Und ein Meier, der dank des Drucks der Fans und der Medien schon bedenklich wackelt, hat wie erwähnt noch die Unterstützung des Vorstands und einen im letzten Sommer neu ausgehandelten Vierjahresvertrag im Rücken, was ihn in eine noch bessere Ausgangslage versetzt. Denn eine Auflösung des Vertrags wird sich der 1. FC Köln in seiner prekären Lage, in der jeder Euro dringend benötigt wird, wohl kaum leisten können.

Overath muss weg – leichter gesagt als getan…

Egal wohin man schaut, überall finden sich Probleme. Um die anzupacken und aus der Welt zu schaffen, ist der Führungswechsel unumgänglich. Bloß: Den Vorstand wird man kurzfristig kaum los, da auf der Jahreshauptversammlung 2009 Wolfgang Overath und Anhang mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt und gefeiert wurden, trotz Gruselfußballs und mickrigen zwölf Punkten aus zwölf Spielen. Und sollte doch jemand versuchen, auf der diesjährigen JHV Stimmung gegen das Präsidium zu machen, wird derjenige gnadenlos abgekanzelt. Denn zum einen ist Meinungsfreiheit in diesem Verein zumeist ein Fremdwort, zum anderen kann Overath auf die Unterstützung Ewiggestriger setzen, die gedanklich in den Siebzigern hängengeblieben sind und nichts auf ihre Ikone kommen lassen.

Lange wird das nicht gut gehen. Vielleicht schafft man in dieser Saison trotz aller Unwägbarkeiten den Klassenerhalt. Aber dann muss ein Neustart erfolgen! Der 1. FC Köln verkommt zu einem Witzverein, der deutschlandweit eigentlich nur belächelt und (mit etwas Glück) bemitleidet wird. Da bleibt nur zu wünschen, dass Overath die Zeichen der Zeit erkennt. Und dies schon lieber gestern als heute!


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  1. Hallo,
    ich bin seit 1966 Anhänger des FC und Wolfgang Overath war zu seiner aktiven Laufzeit mein grosses Idol.
    Was allerdings in den letzen Jahren beim FC in Bezug auf Spieler-/Trainerverpflichtungen gelaufen ist, spottet jeder Beschreibung. Wer solche charakterlosen Spieler einkäuft, müsste eigentlich nach solch langer Zeit Erkennen, was er da geleistet hat und schleunigst seinen Hut nehmen.
    Ich habe 45 Jahre meines Lebens Fußball gespielt und nach Rückständen nie aufgegeben. Mannschaften wie Mainz oder auch andere mit kleinstem Budget sind doch in der Lage guten und erfolgreichen Fußball zu spielen und sich in der Liga zu halten.
    Ich bin sehr enttäuscht über die Leistungen angefangen vom Vorstand bis zur Mannschaft !!


    — indiana    Nov 13, 19:21    #

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