Die MAG-Tops und Flops des 17. Spieltags
20. Dezember 2010, 14:26 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute dreht sich vieles um die Stürmer der Liga, dazu um einen Sportdirektor, der wahre Größe bewies, das Seelenleben eines Stadions und einiges mehr. In ihrer neuen Rubrik hat die MAG-Redaktion die Tops und Flops des Spieltags heraus gepickt und kommentiert.
Tops
Mario Gómez: An alter Wirkungsstätte zeigte der Nationalstürmer nicht zum ersten Mal in dieser Hinrunde seine gehobene Klasse. Drei Treffer und eine Torvorlage steuerte er zum 5:3-Auswärtssieg seines jetzigen Clubs über seinen alten bei und war somit der entscheidende Faktor auf dem Platz. Für Gómez endete damit eine Bundesligahalbserie auf Wolke sieben, seine insgesamt 12 Liga-Treffer hatte großen Anteil an der Kurskorrektur beim FC Bayern. Dabei hat die Saison für Gómez eigentlich erst am 7. Spieltag begonnen. Zuvor von seinem Trainer van Gaal lediglich als Joker für tauglich befunden, durfte er bei der Niederlage in Dortmund zum ersten Mal von Beginn an ran. Eine Woche später erfolgte beim 3:0 gegen Hannover 96 die Initialzündung – Gómez erzielte alle drei Tore und verbannte das Wort Ladehemmung von da ab aus seinem Wortschatz. Ein doch bemerkenswertes Comeback für den oft kritisierten Angreifer.
Bastian Reinhardt: Der Sportdirektor des Hamburger SV hatte eine turbulente Woche zu überstehen, zu der Unruhe im Umfeld und dem schwachen Auftritten der Mannschaft, gesellte sich vor dem so wichtigen letzten Spiele der Vorrunde in Mönchengladbach zu guter letzt noch öffentliche Kritik an seiner Person. Aufsichtsrat Peter Becker sprach in Bezug auf Reinhardt von einem Berufsanfänger und Fehlbesetzung – die Entscheidung, ihm den Job Sportdirektor zu geben, sei die falsche gewesen. Der so heftig Gescholtene reagierte besonnenen und parierte die Attacke gekonnt, indem er sie unbeantwortet ließ und einfach nur feststellte, dass es ihm nicht zustehe, die Meinung von einem Aufsichtsrat in der Öffentlichkeit infrage zu stellen. Bravo, Herr Berufsanfänger – das nenne ich Klasse, von dieser Haltung kann sich Herr Becker eine Scheibe abschneiden. Solche Internas gehören nicht nach außen kolportiert, so etwas muss in den Vereinen und den dazu befähigten Gremien diskutiert werden. Unterstützung erhielt Reinhardt von Frank Rost, der die Becker-Aussagen als Schande für alle HSVler empfand.
Raúl González Blanco: Der ehemalige Königliche, der im Sommer zu den Königsblauen wechselte, schoss gegen Köln seinen zweiten Hattrick in der Bundesliga. Mit seinen Toren sieben bis neun überholte der Spanier sogar seinen holländischen Sturmpartner im internen Teamduell und dürfte somit bereits mehr Tore erzielt haben, als viele seiner Kritiker ihm zu Beginn der Saison zugetraut haben. Als Geschenk für seine Kinder nahm er, wie bei seinem ersten Hattrick, wieder den Spielball mit nach Hause. Da er mit Sicherheit für jedes seiner Kinder einen Hattrickball als Geschenk mitbringen will, dürfen Schalkefans noch auf drei weitere Dreierpacks hoffen.
SC Freiburg: Guck an, die Breisgauer wohl sensationell auf dem sechsten Platz. Hand hoch, wer dies dem Sportclub vor der Saison zugetraut hatte – wir gehören nicht dazu. Woche für Woche beweist die Dutt-Elf, dass sie eine Bereicherung für die Bundesliga ist und sich dort weiter etablieren möchte. 28 Punkte hat man eingefahren und dabei neun Partien gewonnen. Zum Abschluss gelang beim 2:2 in Leverkusen ein weiterer Achtungserfolg, diesmal sogar ohne den gelbgesperrten Toptorjäger Cissé. Es passt bei Freiburg im Mannschaftsgefüge, man kann der Rückrunde äußerst gelassen entgegensehen.
Theofanis Gekas: Der 30-jährige Grieche spielte eine grandiose Hinrunde – mit 14 Treffern steht er in der Torschützenliste ganz oben. Respekt für einen Mann, dem in den letzten Jahren das Glück bei seinen Vereinen nicht unbedingt gewogen war. In Frankfurt knüpft er nun wieder an seine bärenstarke Debütsaison in Deutschland an, wo er 2006/07 im Trikot des VfL Bochum mit 20 Toren die Torjägerkanone gewann. Auch am letzten Wochenende zeigte er seine Effizienz und Wertigkeit, als er den entscheidenden Treffer zum 1:0 über den souveränen Tabellenführer Borussia Dortmund erzielte. Gekas is back!
Die Wetterbeständigkeit der Bundesliga: Schneechaos in Europa – Flüge werden reihenweise gestrichen, die Deutsche Bahn rät Bahnreisenden von Bahnreisen ab. Auch der Fußball leidet: In Englands Premier League fallen sieben von zehn Spielen dem Schnee zum Opfer, in Italien muss das Genueser Derby wegen Hagel und Schnee ausfallen, Frankreichs Ligue 1 verzeichnet ebenso Spielausfälle wegen Schnees wie Hollands Eredivisie, Schottlands Premier Leauge und Belgiens oberste Spielklasse. Nur eine “nördliche” Liga trotzt dem Schnee und den Wetterkapriolen: Die deutsche Bundesliga. Kein Spiel der obersten Spielklasse Deutschlands musste dem Wetter zum Opfer fallen, keine einzige Absage verzeichnete die erste Liga der Bundesrepublik in der Hinrunde. Das liegt auch an den hohen Standards, die der DFB Vereinen und Stadien abverlangt. Respekt!
Flops
SV Werder Bremen: Das Wort Abstiegskampf stand in den letzten Jahren beim SV Werder auf den Index, die Mannschaft bewegte sich fast ausschließlich in entgegengesetzten Tabellenregionen und spielte um einen Platz im internationalen Geschäft. Doch in diesem Jahr ist dies anders. Nach der doch irgendwie überraschenden 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern, stehen die Zeichen an der Weser auf Sturm. Ausgerechnet der Vorstandsvorsitzende Klaus Allofs schlug Alarm und nahm als erster das Unwort in den Mund: “Wir stecken im Abstiegskampf”, brachte er die prekäre Lage auf den Punkt. Zwischen den eigenen Ansprüchen und den erreichten 19 Punkten liegen mittlerweile Welten – die einst so heile Welt bei Werder hat einige klaffende Risse bekommen. Die Mannschaft präsentierte sich bislang einfach zu anfällig in der Defensive und konnte diese Schwächen auch durch die durchaus vorhandene Klasse im vorderen Bereich nicht auffangen. In Bremen regiert derzeit die Angst vor dem Sturz ins Mittelmaß, den man sich – mit der doch recht teuren Mannschaft – eigentlich nicht leisten kann. Auf den dienstältesten Trainer der Bundesliga, Thomas Schaaf, wartet eine schwierige Aufgabe. Bringt er die Truppe noch einmal auf Kurs?
Der Borussia-Park: Könnte ein Stadion etwas von seinem Seelenleben preisgeben, der Borussia-Park und würde wohl vor lauter Scham und Wut mit dem Selbstabriss beginnen. Die Auftritte “seiner Fohlen” haben ihn in der ersten Hälfte der Saison 2010/11 zutiefst enttäuscht und ihn bis in die Grundmauern erschüttert. Neun Heimspiele trug die Borussia in dieser Hinserie aus und schaffte dabei das Kunststück, keine dieser Begegnungen zu gewinnen – eine Katastrophe, und die Bilanz eines Absteigers. Bei sechs Niederlagen und drei mickrigen Unentschieden kassierte man insgesamt 22 Gegentore. Ein Albtraum! Die Gesamtbilanz mit nur 10 Punkten aus 17 Spielen und “stolzen” 47 Gegentreffern rundet das erschreckende Bild ab. Auch wenn die Entscheidungsträger im Verein dem im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Trainer Rückendeckung geben, sich gegenseitig Mut zusprechen und noch – und sei es nur gespielt – zuversichtlich in die Rückrunde gehen, trotz ins Auge gefasste Verstärkungen, die aufgrund der angespannten Personalsituation auch unabdingbar sind, haben sie diese Meinung ziemlich exklusiv. Der Großteil der Anhängerschaft und wohl auch der Borussia-Park haben sich frustriert damit abgefunden, dass es im nächsten Jahr wohl nur Zweitliga-Fußball zu sehen gibt.
Die Sportschau: Normalerweise ein Muss für viele Fußballfans. Am Samstag jedoch war von der ansonsten gut vorbereiteten und kompetenten Zusammenfassung der Spiele wenig zu merken. Bei der Zusammenfassung der Partie Schalke gegen Köln behauptete der Reporter, es wäre Rauls erster Dreierpack in der Bundesliga gewesen. Genau dieser Tonausschnitt wurde anschließend sogar in der Tagesschau wiederholte. In Wirklichkeit hatte er aber bereits am 13. Spieltag gegen Bremen drei Tore geschossen. Aus der Sportschau wurde für einen kurzen und sehr unangenehmen Augenblick “ran”, hoffen wir, dass es ein Einzelfall bleibt und man nicht weiter zum “Doppelpass” mutiert, an den die leidigen Werbeunterbrechungen immer wieder nervend und erinnern.
VfB Stuttgart: Auf internationalem Parkett hui, in der Bundesliga pfui. Die Bilanz nach 17 Spieltagen ist für die Schwaben trotz zweimaligen Trainerwechsels erschreckend – 12 Punkte und der vorletzte Platz stehen zu Buche. Selbst in der Abstiegssaison 1974/75 war man nicht so schlecht. Die Mannschaft präsentiert sich – ähnlich der Mercedes-Benz-Arena – wie eine große Baustelle. Von konstanten Leistungen ist man weit entfernt, berauschenden Fußballfesten folgten geradezu peinliche Darbietungen, bei denen das ja durchaus vorhandene Potenzial unter der Grasnarbe verschwand. Oje, VfB – man steckt tief im Abstiegsstrudel. Keine leichte Aufgabe für den neuen Trainer Bruno Labbadia, der nun in der Rückrunde seine Qualitäten als Feuerwehrmann unter Beweis stellen kann beziehungsweise muss.
Sandro Wagner: Als deutsche Sturmhoffnung kam er zu Werder Bremen, doch bisher konnte er in keinem seiner 16 ligaübergreifenden Einsätze wirklich überzeugen. Ganze 609 Minuten stand er auf dem Platz, Torbeteiligungen sucht man beim jungen Stürmer aber vergebens. Das ist im Verein bisher noch nicht dramatisch, denn man sieht, dass Thomas Schaaf weiter auf ihn als Joker setzt. Am Wochenende krönte er diese bisherige Pleiten-Saison mit dem wohl schlimmsten Spiel in dieser Saison. Eingewechselt in der 26. Minute boten sich ihm zahlreiche gute Chancen, doch jede vergab er kläglich. Zu allem Überfluss sah er fünf Minuten vor Schluss auch noch nach einem Foul die Gelb-Rote Karte und bescherte sich so eine Woche mehr Winterpause. Keine Empfehlung für einen sicheren Platz im Kader und gewiss auch die Spitze des Eisberges in dieser Hinrunde zum Vergessen. Hoffen wir, dass er mit neuem Elan und mehr Erfolg in die Rückrunde starten kann, denn sonst dürfte er wohl für einige Jahre in der Versenkung verschwinden.
Jan Schlaudraff und Guido Winkmann: Dass Mirko Slomkas Hannover nicht zu den “Kindern von Traurigkeit” zählt, ist seit Hagguis Tritt gegen den am Boden liegenden Blasczykowski bekannt. Insgesamt flogen schon fünf Hannoveraner in dieser Saison vorzeitig vom Platz. Am Samstag hätte sich zwingend ein Sechster dazu gesellen müssen. Jan Schlaudraff stieg Nürnbergs Mehmet Ekici auf die Wade, deutlich erkennbar mit purer Absicht. Hätte Schiedsrichter Winkmann hier Rot gezückt, es wäre ihm viel Ärger erspart geblieben. Denn jener Schlaudraff knallte in 75. Minute den Ball in die Nürnberger Freistoßmauer und schoss dabei Pinolas Hand an. Winkmann gab Strafstoß, die Fanseele explodierte und das zuvor faire und leicht zu leitende Spiel entglitt Winkmann in der Endphase. Vermeidbar, wenn man Treter gleich vom Platz stellt.
Borussia Dortmund: Die Krise ist da. Herbeigeredet von Verfolgern und Verfolgten gemeinsam. Eine in dieser Saison noch ungesehene Sieglos-Serie sucht den Tabellenführer heim. Nach dieser Woche hat der BVB nur noch eine Chance einen Titel zu holen. Doch diese Träume erlitten in Frankfurt einen schweren Dämpfer. Die Mannschaft geht am Zahnfleisch, ist kaum in der Lage sich zu konzentrieren. Die verdiente Niederlage ist das Zeichen der sich anbahnenden Schwäche. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die bärenstarken Leverkusener, die sich gegen hochmotivierte Freiburger einen Punkt erkämpften, Dortmund eingeholt haben. Die Krise ist da. Grins…
Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.
Weitere Artikel
- Die MAG-Tops und Flops des 22. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 21. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 18. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 16. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 15. Spieltags
« [Primera División 10/11] SpT. 16/38: Barça fegt Espanyol im Stadtderby weg | [Premier League 2010/11] So lief der Boxing Day in England »

was?…wegen einer Niederlage gegen Frankfurt ist die Krise bei Dortmund nun eigekehrt? Na das ja mal eine Aussage…
Dem muss ich ganz und gar widersprechen! Wie kommt man dadrauf? Das sollte man sich mal hinterfragen…da Dortmund selber die Chance auf einen Sieg hatte. Man vergesse nicht das Dortmund die erfolgreichste Hinserie seines Vereins gespielt hat! Na meine Meinung stehst fest :) Ein Sieg wär nicht gerecht gewesen, aber eine Krise ist das nun lange noch nicht…
mfg sL.Y
— sL.Y Dez 21, 00:42 #
Auf die Idee, dass das ironisch gemeint ist, bist du nicht gekommen… ;)
— Elbefohlen Dez 21, 11:12 #
Haha…der BVB-Flop ist doch ganz großer Sport. :D Habe mich köstlich amüsiert.
Die Bild schreibt doch schon: “Macht dieses Tor die Saison spannend?”
Schöner Konter, MAG
— Peter Dez 23, 15:47 #