[FA Cup 2010/11] ManUtd empfing den FC Liverpool, bei dem Kenny Dalglish nach 20 Jahren auf die Trainerbank zurückkehrte
9. Januar 2011, 16:39 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.
Bei der dritten Runde im FA Cup kam es zum prestigeträchtigen Duell zwischen Manchester United und dem FC Liverpool, bei dem, neben dem sportlichen Aspekt, vor allem Kenny Dalglish im Mittelpunkt stand, der, nach der Entlassung von Roy Hodsgon, nach 20 Jahren auf die Trainerbank bei den Reds zurückkehrte. Mit zwei Paukenschlägen in der ersten Halbzeit nahm sein Debüt allerdings einen denkbar schlechten Verlauf…
| Manchester United | 1:0 (1:0) | FC Liverpool |
Vorgeplänkel
Das Highlight der dritten Runde im FA Cup fand zweifelsfrei im altehrwürdigen Old Trafford statt, wo Manchester United den Erzrivalen FC Liverpool erwartete. Die zwei höchstdekorierten Clubs Englands, die sich gegenwärtig beide Rekordmeister nennen dürfen, standen sich bislang 180-mal gegenüber (70 Siege Manchester/60 Liverpool/50 Remis) und wie alle Duelle vorher, erwartete man auch heute ein brisantes Spiel. Doch dieses 181. Derby hatte eine ganz besondere Note. Im Blickpunkt stand die Rückkehr von Kenny Dalglish, der, nach der Demission des glücklosen Roy Hodgson, zum Cheftrainer aufstieg und die Reds aus der sportlichen Krise führen soll. Für King Kenny, wie der Schotte in Liverpool in Hochachtung für seine Verdienste kurz und prägnant genannt wird, hieß es back to the roots. Unter seiner Regie gewann der FC Liverpool 1990 seine letzte Meisterschaft. Im Frühjahr 1991 folgte sein überraschender Rücktritt und der Abschied von der Anfield Road, an die er 2009 zurückkehrte und in die Jugendarbeit des Vereins eingebunden wurde. Jetzt, nach fast genau 20 Jahren, wo der mittlerweile 59-Jährige zunächst einmal bis zum Saisonende wieder für die sportlichen Geschicke der Reds verantwortlich sein soll, schloss sich der Kreis.
Dalglish krempelte seine Mannschaft, nach dem nahezu desaströsen 1:3 bei den Blackburn Rovers, gleich auf fünf Positionen um. So mussten, unter anderem, Joe Cole und Glenn Johnson ihren Platz räumen. Auf der Gegenseite musste Sir Alex Ferguson auf Wayne Rooney und Edwin van der Sar verletzungsbedingt verzichten.
Ein Knalleffekt zum Auftakt
Die Partie hatte kaum begonnen, da stand es auch schon 1:0 für die favorisierten Gastgeber. Nach einem langen Ball aus dem Mittelfeld drang Berbatov rechts in den Strafraum ein und kam nach einer leichten Berührung von Agger zu Fall – Schiedsrichter Webb zögerte nicht und entschied auf Strafstoß, der nicht unbedingt zwingend, aber letztlich doch vertretbar war. Mit Ryan Giggs nahm sich der erfahrenste Red Devil den Ball und verwandelte unhaltbar für Reina. Scharf geschossen schlug das Spielgerät genau neben dem rechten Pfosten ein (2.). Dieser frühe Gegentreffer war natürlich ein Schock für die Gäste. So hatte sich das der neue Trainer gewiss nicht vorgestellt. Doch Liverpool behielt den Kopf zunächst mal oben und konnte in der Folgezeit das Match recht ausgeglichen gestalten. Große Torgelegenheiten gab es bei mäßigem Tempo und überschaubarem Niveau bis zur 30. Minute auf beiden Seiten nicht mehr.
Dann folgte der nächste Genickschlag für den FC Liverpool – der Kapitän flog mit glatt Rot vom Platz (32.). Und wieder stand der Schiedsrichter im Fokus, denn das Einsteigen von Gerrard gegen Carrick beim Kampf um den Ball, war zwar durchaus hart, aber musste nicht zwingend mit dem Ausschluss bestraft werden. In Anbetracht der Tatsache, dass zuvor schon einige nicklige Foulspiele völlig ungeahnt blieben, erschien die rigorose Maßnahme noch unverständlicher. Ohne große Höhepunkte verliefen dann die letzten Minuten bis zur Pause. Erst in der nach Spielzeit tat sich noch einmal etwas. Nach einer Ecke setzte der aufgerückte Evans einen Kopfball an den linken Pfosten und verpasste so das 2:0 für die Hausherren, was dann sicherlich die Partie vorzeitig entschieden hätte.
Die zweite Halbzeit
Mit denkbar schlechten Vorzeichen, einem Rückstand und noch dazu in Unterzahl, waren die Gäste gegen den in der Liga noch ungeschlagenen Tabellenführer nun gefordert, sich zu beweisen. Unverändert gingen beide Mannschaften in den zweiten Abschnitt, in dem der Gastgeber sofort die Kontrolle übernahm und auf das zweite Tor drängte. Trotz etwas mehr Zielstrebigkeit im Angriffsspiel, ergaben sich aber keine wirklich gefährlichen Torraumszenen, bis auf einen Schuss von Berbatov, der über das Gehäuse ging. Knapp eine Stunde war gespielt, da zeigten die Gäste ihr erstes Lebenszeichen im zweiten Durchgang. Der bis dato blasse Torres zog aus circa 18 Metern einfach mal ab, sein Schuss wurde aber von Ferdinand mutig geblockt. Diese Aktion beflügelte die 10 verbliebenen Liverpooler. Dalglish versuchte mit einem Doppelwechsel zusätzlich neue Impulse zu setzen. In der 65. Minute kam sie dann, die große Chance zum Ausgleich. Aurelio führte einen Freistoß aus halbrechter Position und etwa 19 Metern Torentfernung aus – Kuszczak war allerdings auf dem Posten und fischte die Kugel aus dem kurzen Kreuzeck.
Die Ferguson-Schützlinge merkten, dass sie mehr tun müssen, um hier nicht noch ein böses Erwachen zu erleben. Und das taten sie dann. Plötzlich waren sie da und zündeten im Strafraum des Konkurrenten ein Feuerwerk – nur mit Glück und Geschick verhinderten die Gäste einen höheren Rückstand. Beide Trainer änderten nochmal ihre Startformation. Eine Viertelstunde vor Schluss wurde der Ex-Liverpooler Michael Owen bei den Hausherren aufs Feld beordert und wenig später verließ auf der anderen Seite der alles in allem enttäuschende Torres den grünen Rasen.
Die Schlussphase brach an und hier ließen die Red Devils nichts mehr anbrennen. Gegen die sich tapfer wehrenden Gäste gab es in Überzahl immer wieder Lücken, in die man konsequent vorstieß und sich so das Geschehen größtenteils um den gegnerischen Sechzehner abspielte. Ein paar mal hatte das freudig erregte Publikum noch mal einen Torschrei auf den Lippen, doch letztlich blieb es bei dem einen Treffer aus der 2. Minute.
Am Ende Muss man den Sieg der Heimelf auch als verdient einordnen, da sie ein deutliches Chancenplus besaß und das deutlich kreativere Team war. Liverpool bewies zwar Moral, konnte sich aber von den zwei Nackenschlägen aus dem ersten Durchgang nicht wirklich erholen und bot in der Folgezeit zu wenig an Offensivspiel. So ging das Debüt von Dalglish in die Hose. Auf den Schotten wartet viel Arbeit.
Statistik
Manchester United: Kuszczak – Evra, Ferdinand, Evans (84. Smalling), Rafael Da Silva – Giggs, Carrick, Nani, Fletcher (63. Anderson) – Berbatov, Hernandez (75. Owen) – Trainer: Ferguson
FC Liverpool: Reina – Agger, Kelly, Skrtel, Aurelio – Raul Meireles (60. Shelvey), Gerrard, Maxi (60. Babel), Lucas – Torres (77. Ngog), Kuyt – Trainer: Dalglish
Tore: 1:0 Giggs (2.)
Schiedsrichter Howard Webb (South Yokshire)
Zuschauer: im Old Trafford (Manchester)
Gelbe Karten: Fletcher, Anderson /
Rote Karte: Gerrard (32.)
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