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Die MAG-Tops und Flops des 18. Spieltags

18. Januar 2011, 14:25 geschrieben von KKE, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Über wahrsagerische Kräfte, Bundesliga-Schreckgespenst Babak Rafati oder die beiden Demba’s, die derzeit Welten trennen. Auch zum 18. Spieltag hat sich die MAG-Redaktion Gedanken gemacht und die Tops und Flops des Wochenendes heraus gepickt und kommentiert…

Tops

Hellseher Großkreutz: Man könnte ihn ohne Probleme den Aufsteiger des Spieltages nennen. In der Hinrunde verlor er seinen Stammplatz an Götze und durfte oft nur als Joker am Spiel teilnehmen. Klopp mutmaßte ihm gegenüber, dass er diese Situation derzeit nicht ändern könne, da ihm der Zugriff auf Dinge fehle, die er benötige. In Leverkusen profitierte er nun von dem Fehlen Kagawas, doch was er in der zweiten Halbzeit leistete, dürfte mehr als nur eine Kampfansage sein. Erst wurde er dafür belohnt, dass er, wie abgesprochen, auf Fehler lauerte, danach packte er mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen noch einen zweiten Treffer drauf und als wäre dies nicht genug, holte er sich auch noch einen Assist per Grätsche. Doch das eigentlich beeindruckende wurde erst nach dem Spiel kolportiert – Vorsicht, jetzt wird’s mystisch. Mitspieler Sven Bender sagte er vor dem Spiel bereits, dass er zwei Mal einnetzen würde. Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Ist Jürgen Klopp so abergläubisch, dass er Großkreutz den Zugriff auf die Hellseherei abgesprochen hat?

Hannoverscher Schicksals-Verfolger: Der kleine HSV ist mittlerweile ganz groß im Bundesliga-Geschäft. Es muss eigentlich nicht noch einmal erwähnt werden, dass Hannover als Abstiegskandidat galt vor der Saison. Diese kuriose Saison bleibt kurios, denn während alle Dortmund-Verfolger trotz Kampfansagen patzten, kamen am Sonntag in Frankfurt die ach so kleinen Hannoveraner zu einem eindeutigen 3:0-Sieg und nehmen nun als vermeintlich ärgster Verfolger von der Borussia Platz zwei ein. Statt Abstieg sieht das Schicksal für Hannover in dieser Saison offenbar etwas vollkommen anderes vor, die Niedersachsen wird’s freuen. Selbst wenn es am Ende nicht für die Meisterschaft oder Champions-League reichen sollte, vielleicht ist mit einem Europa-League-Platz am Ende doch der ganz große Wurf gelungen.

Papiss Demba Cissé: So langsam wird es einem unheimlich mit dem 25-jährigen Senegalesen. Der Torhunger und die Effektivität des Freiburger Alleinunterhalters sind einfach unglaublich. Egal, ob Winterpause und fehlender Rhythmus, egal, ob vor heimischem Publikum oder auf fremden Platz – Cissé juckt das nicht, er trifft und trifft … und sorgt somit für Freiburger Punkte und die Fortsetzung des Höhenflugs. Stattliche 15 Tore hat er nun auf dem Konto und führt damit die Bundesliga an. In 12 seiner 17 Einsätze bugsierte er das Runde in das eckige, nur fünfmal ging er leer aus – eine beeindruckende Quote, die seine Topform und seine Wertigkeit für die Breisgauer eindrucksvoll unterstreicht.

Kellerkinder: Die drei Kellerkinder der Liga blieben am Rückrundenauftakt ohne Niederlage und setzten damit ein Achtungszeichen – Hurra, wir leben noch! Der 1. FC Köln behauptete trotz Schweinegrippe und reduziertem Kader mit einem Remis auf dem Betzenberg den Relegationsplatz. Jetzt allerdings nur noch mit einem Punkt Vorsprung, da der VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach jeweils zu knappen und glücklichen 1:0-Erfolg kamen. Die Schwaben profitierten gegen die eigentlich in vielen Belangen deutlich besseren Mainzer von einem späten Treffer ihres Jokers Harnik, die Fohlen bei ihrem Auswärtserfolg in Nürnberg vom schwachen Schiedsrichter Rafati und der Abschlussschwäche des Clubs, der selbst einen Elfmeter nicht nutzen konnte. Wie die Siege letztlich zu Stande gekommen sind, interessiert bei beiden Vereinen aber niemanden. Wichtig waren die Punkte, die für etwas Licht in den dunklen Wolken über beiden Städten sorgten.

Flops

Babak Rafati: Er muss sich angespornt gefühlt haben, der iranisch-hannoveranische Referee. Zum ersten Mal seit langem hatten die Bundesligaprofis nicht ihn gewählt, sondern einen anderen. Zum ersten Mal war nicht er zum schlechtesten Bundesligaschiedsrichter ernannt worden, sondern Wolfgang Stark. Ein Unding muss der 40-Jährige gedacht haben und setzte sofort alles daran, sich seinen Titel wieder zu holen. Sein Feldzug zur Wiedererlangung der Krone begann in Nürnberg. Im dortigen ehemaligen Frankenstadion schaffte es der Bankkaufmann in allen wichtigen Entscheidungen daneben zu liegen. Stranzl zieht Wollscheid zu Boden? Weiterspielen statt Elfmeter und Platzverweis. Idrissou fällt Wollscheid an der Strafraumkante? Weiterspielen statt Elfmeter. Heimeroth lässt den Ball fallen und Mendler kann einschieben? Foul statt regulärem Tor. Eigler hebt nach einem minimalen Schubser ab? Elfmeter statt Weiterspielen. Fügt man dazu seine jeden Spielfluss unterbindenden kleinlichst genaue Linie hat man eine Leistung die eines schlechtesten Schiedsrichters der Bundesliga würdig ist. Gratulation, Herr Rafati.

Demba Ba: Anders als sein Namensvetter und Landsmann aus Freiburg, der momentan auf Wolke sieben schwebt, steckt Ba bis zum Hals im Sumpf. Mitgefühl erntet er für seine missliche Lage allerdings nicht – und es wäre auch fehl am Platz. Um es mit Trappatonis berühmten Worten zu sagen: Was erlauben Ba? Wer trotz laufenden Vertrages seinem Verein die Pistole auf die Brust setzt, das Trainingslager boykottiert, es sich mit den Kollegen und dem Umfeld total verscherzt und so seinem Abgang forcieren will, der hat es irgendwo nicht anders verdient. Als er schon glaubte am Ziel seiner Wünsche zu sein und künftig in der Premier League auf Torejagd gehen zu können, fiel er bei Stoke City durch den medizinischen Check und der Traum zerbröselte erstmal. Da es kein Zurück ins Kraichgau – und wohl auch die gesamte Bundesliga – gibt, steht er nun vor einer ungewissen Zukunft. Vielleicht hat er das Glück, dass ihn trotz seiner Herzprobleme doch noch ein Club von der Insel einstellt und er seiner Karriere fortsetzen kann. Oder war letztlich das Problem gar nicht sein Herz, sondern sein Kopf? Dann sollte eine Behandlung Abhilfe schaffen können…

Platzbedingungen: Jut, es ist Winter und der hat in den letzten Wochen seine Krallen gezeigt wie lange nicht. Klar, dass darunter auch die Rasen den Bundesligastadien zu leiden hatten und man Mitte Januar kein sattes und ebenmäßiges Grün erwarten konnte. Doch einige Plätze glichen zum Rückrundenauftakt eher einem Kartoffelacker, der zum Fußballspielen ungeeignet ist. Liebe Greenkeeper, bitte schafft Abhilfe! So macht die Bundesliga keinen Spaß. Leider ist die WM in Katar erst im Jahre 2022. Die soll ja – geht es nach Sepp-Allmächtig im Winter stattfinden. Die Folge wäre eine Anpassung des Spielplans an das Kalenderjahr, Schnee, Eis und kahle Grasnarben währen dann bei uns Geschichte….

Elfmeter-Kollaps: Zwar sollte die „Torfabrik“ eigentlich für mehr Tore sorgen, doch ausgerechnet in dieser Saison stagniert die Quote der verwandelten Elfmeter. An diesem Spieltag wurden alle vier Elfmeter vergeben. Spitzenreiter in dieser Saison ist Rekordmeister Bayern München mit drei verschossenen Elfmetern, saisonübergreifend haben die Münchener sogar bereits sechs der letzten zehn Elfmeter vergeigt. In der letzten Saison hatte nicht ein Team mehr als einen Fehlschuss, in dieser Saison sind es bereits sieben Mannschaften. Auch der Vergleich der Trefferquote beweist eindeutig, dass in dieser Saison entweder die Torhüter über sich hinaus wachsen oder die Schützen ungewohnte Schwächen aufweisen. Genau 64% der Elfmeter wurden in dieser Saison verwandelt. In den letzten drei Jahren lag die Quote mehr als zehn Prozentpunkte darüber, selbst im Vergleich zu den letzten fünf Jahren liegt diese Saison bisher eindeutig auf dem letzten Platz (-1: 76%; -2: 76,6%; -3: 78,3%; -4: 68,65%; -5: 72,7%). Die Bundesliga-Profis haben nun aber noch 16 Spieltage Zeit, dieses Missverhältnis aufzupolieren – hoffentlich nutzen sie diese.


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