[Handball-WM 2011] Deutschland unterliegt nach schwacher Vorstellung Ungarn mit 25:27
24. Januar 2011, 20:59 geschrieben von Elbefohlen.
Nach dem tollen Sieg gegen Island stand heute in der Kinnarps Arena von Jönköping für die deutsche Handballnationalmannschaft das zweite Hauptrundenspiel an. Die DHB Sieben traf auf Ungarn und präsentierte sich dabei weit von ihrer Bestform entfernt. Am Ende musste man eine 25:27-Niederlage einstecken.
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Ungarn | 25:27 (10:12) | Deutschland | ![]() |
Vorgeplänkel
Anders als noch gegen die Isländer, ging Deutschland als Favorit in das Spiel gegen die Magyaren, die sich bei diesem Turnier bislang nicht mit Ruhm bekleckert hatten. Auch bei der Weltmeisterschaft 2009 in Kroatien kreuzte man die Klingen, im Spiel um Platz fünf setzte sich das Team von Heiner Brand mit 28:25 durch. Und heute? Nachdem Spanien heute Island deutlich geschlagen und sich somit für das Halbfinale qualifiziert hat, ist für Deutschland der Traum von einer Medaille praktisch geplatzt, da sich Frankreich wohl keine Blöße geben wird. Für die DHB-Auswahl ging es also darum, sich wie bei der letzten WM zumindest für das Spiel um den fünften Platz zu qualifizieren und somit einen weiteren Schritt in Richtung Olympiaqualifikation zu machen. Die letzte Niederlage gegen Ungarn liegt fünf Jahre zurück, damals ging ein WM-Vorbereitungsspiel verloren.
Deutschland tut sich schwer, Bitter hält glänzend
Heiner Brands Bauchgefühl sprach diesmal für Bitter, der Hamburger stand somit von Beginn an zwischen den Pfosten. Der Ungar Gergö Ivancsik markierte den ersten Treffer der Partie, auf deutscher Seite vergaben Hens und Preiß eigentlich ganz gute Würfe. Ungarn war dagegen hellwach und bestrafte die Unkonzentriertheiten konsequent mit zwei weiteren Toren – 0:3 lag die DHB-Sieben plötzlich hinten. Preiß brach dann aber an den Bann mit dem ersten Tor in der fünften Minute.
Doch noch war Brand alles andere als zufrieden mit der Anfangsphase seiner Truppe, nach dem 1:4 hatte er genug gesehen und nahm früh seine erste Auszeit – eine Neujustierung war von Nöten (8.). Die Maßnahme verfehlte die erhoffte Wirkung nicht, hinten packte man jetzt aggressiver zu und gewann die Bälle, die man vorn zu leichten Toren nutzen konnte. Pfahl, Preiß und Sprenger stellten den Ausgleich her, Pfahl dann die erste Führung, die Gensheimer dann mit zwei weiteren Treffern auf 7:4 ausbauen konnte – sechs Tore in Folge für Deutschland nach der Auszeit (13.). Brand nahm erste Wechsel vor, Kaufmann kam für Hens und Klein für Gensheimer. Dies machte sich sofort bemerkbar, wie zu Beginn wurden die Bälle leichtfertig vertändelt, im gebundenen Spiel lief in dieser Phase kaum etwas. Doch auf Jogi Bitter war Verlass, er hielt Deutschland mit seinen Paraden im Match. Nach 20 Minuten führte Deutschland mit 8:5.
Drei Minuten später hieß es dann aber 8:8 – unglaublich, wie schwach sich die Deutschen plötzlich im Angriff präsentierten und die Bälle geradezu herschenkten. Kaufmann mit Gewalt, gleich zweimal nahm sich der Rückraumkanonier das Herz in die Hand und schoss seine Farben wieder mit zwei Toren in Führung – 10:8 ( 25.). Kraus legte vom Siebenmeterpunkt nach, der Ungar Schuch kassierte für sein Vergehen bereits die zweite Zweiminutenstrafe. Die letzten Minuten der ersten Halbzeit waren unglaublich hektisch und von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägt, Kampf und Krampf überwinden – schöner Handball war das nicht. Der Halbzeitpfiff stellte fast eine Erlösung gar, praktisch zeitgleich mit dem Signal markierte Grötzki das 12:10.
Unkonzentriertheiten und Unvermögen sorgen für die Pleite
Man durfte hoffen, dass Heiner Brand in der Kabine die richtigen Worte gefunden hat. Der Auftritt Deutschlands hatte wenig von dem, was die Mannschaft beim Spiel gegen Island auf das Parkett gezaubert hat. Einzig Bitter bewies Extraklasse, mit neun Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter hatte er den größten Anteil an der Drei-Tore-Führung zur Pause. Im Angriff lief längst nicht alles rund, man hatte doch einige Probleme mit der kompakten Abwehr des Teams von Lajos Mocsai.
Wie im ersten Abschnitt hatten die Ungarn den besseren Start und verkürzten auf 11:12. Auch der 13. Treffer, den Kraus mit einer schönen Einzelleistung erzielte, konnte die Nerven zunächst nicht beruhigen. Gensheimer vergab völlig freistehend einen Tempogegenstoß, Preiß kassierte eine Zweiminutenstrafe und Ungarn kam durch Harsany vom Siebenmeterpunkt erneut zum Anschluss – 12:13 (35.). Der oftmals kritisierte Kraus übernahm jetzt Verantwortung, in Unterzahl traf er per Siebenmeter. Seine Mitspieler produzierten allerdings weiter Fehler in Serie, nach 40 Minuten stand es 15:15. Deutschland musste den Kampf annehmen und sich auf allen Positionen steigern, wenn man hier als Sieger von der Platte gehen wollte.
Die Partie stand jetzt auf Messers Schneide, die Ungarn behaupteten eine knappe Führung und beide Mannschaften schenkten sich nichts. Glandorf mit Licht und Schatten, seinen Treffern folgten regelmäßig misslungener Aktionen. Die Männer vom Balaton wirkten einen Tick entschlossener, eine Viertelstunde vor Schluss lagen sie nicht unverdient mit zwei Toren vorn – 20:18 (46.). Selbst in Überzahl tat sich Deutschland schwer, Heinl sorgte vom Kreis wenigstens für ein Tor. Schon der nächste Angriff ging wieder flöten, weil Hens den nächsten Ballverlust produzierte – Auszeit Brand (49.). Ruhig und sachlich redete der Bundestrainer auf seine Jungs ein und führte ihnen die Fehler vor Augen. Vergebens, Kraus etwas zu übermotiviert aus der Rückraummitte, kein Problem für den ungarischen Torwart.
Was wäre Deutschland ohne seine Keeper? Bitter wurde dringend gebraucht, und er war zur Stelle. Wieder fischte er einen Strafwurf und verhinderte einen höheren Rückstand. Endlich knallte es auch wieder mal auf der Gegenseite: Kaufmann und Glandorf hämmerten den Ball aus dem Rückraum ins Netz zum Ausgleich – 21:21 (52.). Ein Krimi deutete sich an. Nun hatte auch noch Bitter Pech, ein haltbarer Ball rutschte ihm durch die Hosenträger. Perez, der fast 40-jährige “Handballopa”, zeigte zum wiederholten Mal seine enorme Wurfkraft bei seinen Treffern fünf und sechs. Kaufmann tat es ihm auf der anderen Seite gleich und verkürzte für Deutschland.
Die letzten fünf Minuten brachen an – und Deutschland lag hinten. Wer hätte das gedacht, nachdem starken Spiel gegen Island. Die letzte Gelegenheit für Heiner Brand, seinen Jungs noch mal ins Gewissen zu reden war die Auszeit der Ungarn. Doch die konnten die Marschroute ihres Trainers umsetzen – 25:23 und nur noch 2 Minuten zu spielen. Glandorf und wuchtete den Ball ins rechte Eck zum Anschlusstreffer. Doch: Oje, der heute zumeist indisponierte Gensheimer leitete den Knock-out ein. Anstatt einen Tempogegenstoß zum Ende zu laufen, wollte er noch mal auf Sprenger ablegen und verlor den Ball. Das war’s, Deutschland kassiert am Ende eine ganz bittere 25:27-Pleite gegen die Ungarn, deren Folge noch nicht abzusehen ist. Der Stachel der Enttäuschung saß tief, das war ein Rückfall in die Vorrunde. Zu viele einfache Fehler, Unkonzentriertheiten und auch eine dicke Portion Unvermögen, die DHB-Auswahl zeigte sich von ihrer schwache Seite.
Statistik
Deutschland: Bitter, Heinevetter; Hens, Gensheimer (3), Roggisch, Klein, Pfahl (2), Preiß (2), Heinl (1), Glandorf (4), Christophersen, Groetzki (1), Kraus (4/3), Sprenger (2), Kaufmann (5), Haaß (1)
Ungarn: Fazekas, Mikler; Ilyes (2), Csaszar (2), Mocsai (4), Gal, Gergö Ivancsik (5/1), Tamas Ivancsik (5), Harsanyi (3/3), Törö, Nagy, Perez (5), Katzirz, Zubai (1), Schuch, Lekai
Schiedsrichter: Olesen/Pedersen (Dänemark)
Zuschauer: 2500
Siebenmeter: 3/3:6/4 (Bitter hält gegen Csaszar und Harsanyi)
Zeitstrafen: 8:10 Minuten (Preiß/zwei, Sprenger, Gensheimer – Schuch, Mocsai/jeweils zwei, Zubai)
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