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Die MAG-Tops und Flops des 21. Spieltags

8. Februar 2011, 21:35 geschrieben von KKE, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Von aufstrebenden Nürnbergern, der emotionalen Keule für Gladbach oder dem sogenannten Diegoismus. Auch zum 21. Spieltag hat sich die MAG-Redaktion Gedanken gemacht und die Tops und Flops des Wochenendes heraus gepickt und kommentiert…

Tops

Nervenkitzel bis ins Grenzenlose: Wer auf Spannung steht, der konnte an diesem Spieltag einen tollen Acht-Teiler sehen. Bereits im Vorfeld konnte angesichts von vier Derbys und einem direkten Duell zwischen Abstiegskandidaten einiges erwartet werden. Da sollte später auch die Spielabsage des Hamburg-Derbys der hohen Erwartungshaltung keinen Einbruch geben. Alle acht Spiele blieben bis zum Schluss offen, zwei Spiele wurden sogar nach einen 2:0-Rückstand zur Halbzeit in einen Sieg umgemünzt und Bremen kam in Mainz in den letzten Sekunden sogar noch zum Ausgleich. Da lacht das Fußballherz, sofern man nicht zu einem der großen Verlierer dieses Spieltages hält. Doch nicht nur die Spiele an sich boten viel Spannung, denn auch wenn es kaum einer noch zugibt, blickten viele nach dem Patzer des Tabellenführers Dortmund auf die Spiele der Verfolger München und Leverkusen. Hier stellte sich letztendlich heraus, dass das Unentschieden der Borussia gegen den Erzrivalen aus Schalke kein Punktverlust, sondern ein großer Punktgewinn war, denn sowohl Leverkusen als auch Bayern verloren ihre Spiele und sorgten einmal mehr für eine sich anbahnende langweilige Schlussphase im Kampf um die Meisterschaft. Das ist Fußball!

Kölns zweite Halbzeit: Nach dem Spiel gegen Bayern München sprach Christian Clemens von den besten 45 Minuten, die der 1. FC Köln in der zweiten Halbzeit seit langer Zeit gezeigt hat. Und da dürfte ihm so gut wie jeder FC-Anhänger beipflichten. Denn für den Großteil war die Begegnung nach der ersten Hälfte gelaufen. Wie sollte diese Mannschaft, die erst letzte Woche mit 0:3 bei St. Pauli untergegangen war, einen 0:2-Rückstand gegen den deutschen Rekordmeister wieder wettmachen oder gar umdrehen? Zudem hatte es zuletzt am 13. März 2002 – also vor fast neun Jahren – eine Kölner Mannschaft geschafft, ein 0:2 zur Halbzeit noch in einen Sieg umzukehren (4:2 gegen Hansa Rostock). Umso bemerkenswerter war die Leistung der Geißbockelf, die sie im zweiten Durchgang auf den Rasen zauberte. Einsatz, Willen und Leidenschaft – all das verhalf den Kölnern zu dem 3:2-Erfolg und sind zugleich Faktoren, die allzuoft in vorherigen Spielen und selbst in der ersten Halbzeit gegen den FC Bayern vermisst wurden. Jetzt wartet man in der Domstadt gespannt auf das kommende Heimspiel gegen Mainz und welches Gesicht ihr Team diesmal zeigen wird. Wieder das dieser außergewöhnlichen zweiten Halbzeit – oder, wie so oft nach guten Vorstellungen, das genaue Gegenteil, was eine blutleere und leidenschaftslose Darbeitung bedeuten würde?

1. FC Nürnberg: Als der Spielplan verkündet wurde, war das Stöhnen in Nürnberg groß. So früh in der Saison Leverkusen und Hamburg hintereinander und dann auch noch beide auswärts. Umso größer war die Überraschung, dass man am Ende mit zwei Unentschieden aus den Auswärtsspielen wieder an die Pegnitz heimkehrte. Nach dem Rückrundenauftakt mit Heimniederlage gegen Gladbach und Auswärtsremis in Freiburg hatte man sich also für die aufeinander folgenden Heimspiele nicht recht viel mehr erhofft als eine Wiederholung der zwei Punkte aus der Hinrunde. Es kam jedoch wesentlich besser. Mit taktisch hochdiszipliniertem, stark einsatzfreudigem Spiel kamen die Franken zu zwei Siegen über die höher eingeschätzten Vereine. Das besondere: Beide Spiele gingen ohne Gegentor über die Bühne, das war zuvor nur einmal in der ganzen Saison gelungen – im Hinspiel in Leverkusen. Sollte Mainz am 26. Spieltag ein Tor gegen Bayer kassieren, wird der FCN die einzige Mannschaft der Liga sein, die den Angriff der Rheinländer komplett neutralisieren konnte. Eine reife Leistung einer jungen Mannschaft, in der sich mit Wollscheid, Chandler und Mendler inzwischen einige Akteure wiederfinden, die zu Beginn der Saison noch in der Regionalliga spielten, denen Dieter Hecking aber eine Chance geben wollte. Zurecht, wie sich nun herausgestellt hat.

Manuel gegen die Horde: In Gelsenkirchen waren elf wackere Krieger aufgebrochen sich der schwarz-gelben Horde zu stellen und dem Ungeheuer den Kopf abzuschlagen. Nach einer langen und beschwerlichen Reise kam jedoch nur der kleine Manuel in der Verbotenen Stadt an. Völlig alleine musste er sich dort wieder und wieder den schnellen, überfallartigen Angriffen entgegenstellen, um sein kleines Flecken Erde zu verteidigen. Sie schickten ihm immer andere ihrer Krieger entgegen, doch es gab nicht einen, der ihn überwinden konnte. Sie kämpften, sie fluchten und sie rannten immer wieder gegen ihn an, doch umso länger der tapfere Manuel standhielt, desto verzweifelter wurden seine Gegner. Bis sie schlussendlich der Mut verließ und sie Manuel in seinem weißen Harnisch einen Waffenstillstand anboten. Erschöpft aber glücklich die Horden aufgehalten zu haben, schwor sich Manuel im nächsten Jahr wieder zu kommen und wenn die Götter ihm gewogen sind, so steht er dieses Mal nicht alleine gegen die Horde.

Flops

Dortmunds Chancenverwertung: Auch beim Tabellenführer ist nicht alles so gut, wie es in der Tabellensituation erscheint. Zwar stand ein weiteres Mal hinten die Null, doch in der Offensive läuft es immer wieder chaotisch zu. 20 Torschüsse reichten gegen Schalke nicht einmal zu einem Tor. Es war auch nicht unbedingt ausschlaggebend, dass der FC Neuer 04 einen guten Tag erwischte, denn von den 20 Schüssen gingen lediglich 8 auf das Tor. Es verwundert auch nicht, dass die Borussia mit zwei weiteren – und nun insgesamt 15 – Alutreffern den Ligahöchstwert inne hat. Die Dortmunder haben zwar die meisten Tore in der Liga (46), doch sie spielten auch die meisten Chancen heraus (172) und müssen sich vorwerfen lassen, dass nur ein Bruchteil dieser Chancen genutzt werden konnte. Nicht zum ersten Mal wurden in dieser Saison Punkte leichtfertig verschenkt. Bereits gegen Stuttgart gab es in der Rückrunde genügend Chancen den Sieg zu sichern. Ob es da gerade recht kommt, dass die Borussen beim nächsten Mal nach Lautern müssen, das sie in der Hinrunde mit fünf Toren nach Hause geschossen haben?

Gladbach und die emotionale Keule: Nachdem Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer, der bei zwei engen Szenen gegen die Borussia entschied und so einen beachtlichen Anteil an der 2:3-Niederlage gegen den VfB Stuttgart hatte, die von zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten geprägte Partie abpfiff, war die Reaktion der Gladbacher Profis unmissverständlich. Entsetzt und fassungslos sanken die Akteure mit hängenden Köpfen auf den Rasen, hielten sich das Trikot vor’s Gesicht oder starrten auf den Boden – unfassbar, dass man nach starken 45 Minuten und einer 2:0-Pausenführung, im zweiten Durchgang jegliche Ordnung verlor und am Ende wieder ohne Punkte dastand. Zum x-ten Mal wurde in dieser Saison ein Spiel aus der Hand gegeben, mittlerweile summieren sich die in dieser Art liegengelassenen Zähler auf über 20. Eine Katastrophe für das Tabellenschlusslicht, das mit einem Erfolg die Rote Laterne an Stuttgart weitergereicht hätte und in Schlagdistanz zu den anderen abstiegsgefährdeten Teams gekommen wäre.

Doch Pustekuchen, statt des Big Points setzte einen emotionalen Keulenschlag! Wie schwer dieser Wirkungstreffer war und welche Spuren er hinterlässt, ist noch nicht abzusehen. Dass die Moral gelitten hat, war an der Körpersprache deutlich abzulesen. Um wieder aufzustehen, bedarf es Charakter. Man darf gespannt sein, wie sich die Borussia am Samstag bei St. Pauli präsentiert: Nimmt sie den Kampf weiter an oder geht sie desillusioniert in Richtung 2. Liga…

Diegoismus: Wir schreiben die 80. Minute, Diego dringt in den Sechzehner ein und wird von Pogatetzt gelegt – Elfmeter. Diego nimmt sich den Ball und legt ihn auf den Punkt. Außerhalb des Spielfeldes erinnert sich der Trainer daran, dass der Neuzugang Helmes ein sehr sicherer Elfmeterschütze ist und ruft auf den Platz, dass dieser auch schießen solle. Helmes spricht Diego an, doch dieser lässt sich nicht beirren, auch die wilden Rufe von außerhalb werden gekonnt ignoriert und Diego semmelt den Ball an die Latte. Es war die große Chance auf den Ausgleich, doch dieser grenzenlose Egoismus hat Folgen: 100.000 Euro Strafe. Davon kann sich Trainer McClaren allerdings auch nichts mehr kaufen. Er wurde nach der erneuten Niederlage gefeuert. Es bleibt festzuhalten: Grenzenloser Egoismus lohnt sich nicht.

Braafheids Debüt: Wir präsentieren die rekordverdächtige Negativleistung des Spieltages. Ganze fünf Minuten benötigte Edson Braafheid nach seiner Einwechslung, um sich einen Platzverweis abzuholen. Dabei kam er für Ibisevic um die Defensive zu verstärken. Doch behakte er sich mit seinem Gegenspieler und trat liegend dann nach – Pech, dass ausgerechnet in diesem Moment Schiedsrichter Sippel das Geschehen aus nächster Nähe beobachtete. Eigentlich sollte der Neu-Hoffenheimer wissen, dass solcherlei Aktionen keinen Platz in der Bundesliga finden. Trotz Zuspruch seines Gegenspielers darf er nun zwei Spiele in sich gehen, um zu erörtern, ob sich solche Aktionen lohnen. Immerhin: Hoffenheim konnte auch ohne Braafheid den Vorsprung halten.


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