Die MAG-Tops und Flops des 22. Spieltags
16. Februar 2011, 11:44 geschrieben von KKE, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Vom aufstrebenden Jungtalent Chandler, den plötzlich sich im Aufwärtstrend befindlichen Kölnern oder von den stark angeschlagenen Frankfurtern. Auch zum 22. Spieltag hat sich die MAG-Redaktion Gedanken gemacht und die Tops und Flops des Wochenendes herausgepickt und kommentiert…
Tops
Timothy Chandler: Es ist in dieser Saison fast schon zum Ritual geworden in Nürnberg. In regelmäßigen Abständen findet ein Spieler aus René Müllers zweiter Mannschaft oder René van Ecks U19 seinen Weg in Dieter Heckings Startelf. Zunächst war es Marvin Plattenhardt, dann Philipp Wollscheid, zuletzt Markus Mendler. Am Samstag folgte dann also der vierte Streich: Timothy Chandler, 20, Deutsch-Amerikaner. Nach zehn Minuten hat er seinen Einsatz schon gerechtfertigt, stört Molinaro so sehr, dass der den Ball nur vor Simons’ Füße köpfen kann. Simons schnappt sich den Ball, schlenzt ihn flach ins lange Eck: 1:0. Eine knappe Viertelstunde später leitet Chandler eine der Szenen des Spieltags ein, flankt punktgenau auf den Kopf von Julian Schieber. 2:0, Schieber jubelt nicht, Chandler schon. Noch mehr jubelt der im Sommer aus Frankfurt gekommene Mittelfeldspieler in der 51. Minute. Diesmal passt Schieber auf Chandler, der schiebt ein. 3:1, viertes Bundesligaspiel, erstes Bundesligator. 25 Minuten später, es steht inzwischen 4:1, geht Chandler vom Platz, hinein kommt Marek Mintál. Ein Zeichen von Generationenwechsel in Nürnberg.
Abstiegskampf angenommen: Oft gescholten, wegen seiner in dieser Saison offensichtlichen Defensivschwächen, hat Mertesacker nun allerdings den Schritt in die richtige Richtung getan. Nicht Frings war es, der als Leader mit Leistung voran ging, sondern Mertesacker: Zwei Tore in den letzten drei Spielen, die zwar auch nur einen Punkt einbrachten, aber dem sonst eher weniger torgefährlichen Bremer Abwehrspieler eine Leistungssteigerung bescheinigen. Und auch wenn seine Abwehrleistung weiterhin verbesserungswürdig bleibt, so zeigte er in einem Interview seine vorbildliche Einstellung. Statt das sinkende Boot zu verlassen, sprach er sich für mehr Dankbarkeit der Kicker gegenüber ihren Klubs aus. Gleichzeitig bedankte er sich für das Vertrauen, was ihm Bremen und der DFB schenken. Dies alles sind positive Eigenschaften, die darauf hindeuten, dass nun auch in Bremen langsam aber sicher umgedacht wird und der Abstiegskampf angenommen wurde.
Köln im Aufwind: Nur wenige der regelmäßigen Stadiongänger werden sich wohl noch daran erinnern können, wann zuletzt eine La Ola-Welle durch das Stadion in Köln-Müngersdorf schwappte. Letzten Sonntag war es wieder soweit. Mit einer erneut überragenden zweiten Halbzeit überrannte der 1. FC Köln die Gäste aus Mainz und gewann mit 4:2, was für die 05er in der Höhe noch äußerst schmeichelhaft war. Damit feierte der FC den vierte Heimsieg in Folge – das gelang zuletzt vor über elf Jahren. Frank Schaefer scheint also auf dem besten Weg zu sein, sein Team zu einer echten Heimmacht aufzubauen, denn unter seiner Leitung siegte man in sieben Partien auf eigenem Platz fünf Mal. Zum Vergleich: Vorgänger Zvonimir Soldo erreichte in seiner Amtszeit gerade mal vier Heimerfolge in 21 Spielen… .
Als wäre das nicht schon genug, treffen die Geißböcke nun auch noch das Tor. Schon elf Treffer sind es in der Rückrunde, nur Bayern München (15) traf häufiger. Der Großteil geht auf das Konto der beiden Offensivspieler, denen man bis Ende des letzten Jahres noch nachsagte, dass sie zusammen auf dem Platz nicht funktionieren könnten. Milivoje Novakovic scheint nach einer kleinen Durststrecke wieder zu alter Stärke zu finden und gehörte mit je einem Doppelpack in den letzten beiden Spielen zu den Matchwinnern. Übertroffen wird der Slowene nur noch durch Lukas Podolski, der schon fünf Treffer in der Rückrunde erzielte und ebenso wie Novakovic neun Treffer auf seinem Konto verzeichnet. Läuft es so weiter, könnte der Kölner Kapitän auch endlich an seiner persönlichen Bestmarke von 12 Toren, die auch schon fünf Jahre steht, kratzen. Bei so vielen positiven Entwicklungen ist es kein Wunder, dass man am Geißbockheim wieder vollkommen vom Klassenerhalt überzeugt ist. Vor zwei Wochen sah das noch ganz anders aus, als der FC mit 0:3 bei St. Pauli unterging. Hier liegt auch der größte Makel der Kölner – auswärts bleibt man die schwächste Elf der Liga. So ist es Frank Schaefers nächstes Ziel, auch dieses Problem in den Griff zu bekommen. Der erste Schritt hierfür soll in Hoffenheim gemacht werden.
Bayerns Offensiv-Comeback: Lang, lang ist’s her, dass diese Offensive der Bayern zusammengespielt hat. Kaum einer kann sich noch an das „Wann“ erinnern. Um auf die Sprünge zu helfen: Im Pokal-Finale 2010 standen zuletzt Ribèry, Robben und Müller auf dem Platz. Lediglich im Sturm spielt nun Gomez. Am Wochenende zeigte diese Konstellation beeindruckend, warum diese Offensive Weltklasse ist. Mit Gomez sammelten die offensiven Mittelfeldspieler sieben von acht möglichen Scorerpunkten beim 4:0-Heimsieg über Hoffenheim. Herausstechender Spieler war wie in der letzten Saison wieder Robben. Mit zwei Toren und einer Vorlage war er an drei der vier Tore direkt beteiligt. Warm anziehen dürfen sich nun Inter Mailand und Bundesliga-Zweitplatzierter Bayer Leverkusen, die es mit den Bayern nun bald direkt oder indirekt im Fernduell zu tun bekommen.
Flops
Eintracht Frankfurt: So schnell kann es gehen. Eben noch hat man den Überfliegern aus Dortmund die erste, bisher einzige Auswärtsniederlage beigebracht, den 7. Tabellenplatz eingenommen und von Europa geträumt, schon treibt das Abstiegsgespenst sein Unwesen. Denn nur fünf Spieltage später taumelt Eintracht Frankfurt sieg- und torlos dem Tabellenende entgegen. Die Fans machen sich Sorgen und das nicht ohne Grund. Gegen Leverkusen grenzte die schwache Vorstellung der Hessen in der ersten Halbzeit schon fast an Arbeitsverweigerung. Ideenlos, befallen von Lethargie, saft- und kraftlos präsentierte sich der Traditionsklub im ersten Abschnitt gegen den Tabellenzweiten. Ein zaghaftes Aufbäumen zu Beginn der zweiten Spielhälfte ist der einzige Strohhalm, an den man sich klammern kann. Bälle, die Theofanis Gekas noch vor wenigen Wochen mit Leichtigkeit verwandelt hat, spielt er zum schlechter postierten Mitspieler. Verunsicherung also auch im Sturmzentrum, dem bisherigen Prunkstück des Teams. Nach einer Antwort, weshalb es zum plötzlichen Bruch im Spiel der Eintracht gekommen ist, sucht man vergeblich. Die Stimmung ist gedrückt, nicht zuletzt deshalb, weil schon in den vergangenen Wochen einiges schief gelaufen ist. Unverzichtbare Kräfte (Ochs) flirten mit anderen Vereinen, verweigern Vertragsunterschriften (Schwegler), oder sind dauerverletzt (Chris). Alternativen gibt es keine. Diejenigen, die Druck auf die Etablierten ausüben könnten, sind entnervt abgewandert (Tosun, Korkmaz, Alvarez, Steinhöfer), oder wurden suspendiert (Amanatidis). Gerade bei letzterem gehen die Meinungen weit auseinander, denn er könnte mit seinen Anführerqualitäten in dieser prekären Notlage vielleicht die Wende herbeiführen. Eintracht Frankfurt befindet sich im freien Fall und niemand weiß wer und was ihn stoppen kann.
Schauspielerei-Einlagen: Einige mögen es das Ausnutzen einer Einladung nennen, der Großteil in Deutschland spricht allerdings wohl von Schauspielerei und Unfairness sondergleichen. Nachdem Lehmann durch eine gehörige Portion Eigeninitiative, wie seinerzeit Norbert Meier, eine rote Karte gegen De Camargo provozierte, blieben die drei Punkte in Hamburg. Alles gut? Mitnichten! Voller Stolz sprach er nach dem Spiel in die Kameras, dass man so eine Einladung annehmen muss. Den Gladbachern hilft es nicht weiter. Nach der erneuten Niederlage verlor Michael Frontzeck seinen Trainerposten und nun wurde bereits das zweite Direktduell hintereinander gegen einen Konkurrenten durch Fehlentscheidungen mitentschieden. Doch nicht nur am Tabellenkeller litt eine Mannschaft an einer provozierten Fehlentscheidung. In Kaiserslautern schlug Herr L. zu. Nicht der Herr Lehmann aus Hamburg, sondern Lakic, der beim Stande von 0:1 in einem Laufduell mit Subotic auf unfaire Art und Weise die gelb-rote Karte verursachte. Statt sich auf den Ball zu konzentrieren, suchte er den Körperkontakt mit dem Dortmunder und ließ sich fallen. Vielleicht keine klare Schwalbe, allerdings ein unverkennbarer Versuch einen unberechtigten Freistoß zu schinden, gerade im Hinblick auf die getätigte Aussage “Es war instinktiv”. Ausgerechnet der in der Hinrunde von den Bundesliga-Profis als bester Schiedsrichter gewählte Florian Meyer ließ sich foppen. Am Ende ließ sich auch dieser Platzverweis nicht kompensieren und die Borussen mussten den 1:1 Ausgleich hinnehmen.
Nach dem Start-Versager: 13 Mal ging die Borussia aus Gladbach in dieser Saison mindestens mit 1:0 in Führung. Die Punkteausbeute nach 90 Minuten verheißt allerdings etwas vollkommen anderes. Sieben dieser Spiele wurden verloren, bei zweien reichte es zumindest noch zu einem Unentschieden, immerhin vier Spiele wurden gewonnen. Die Statistik bleibt: 25 Punkte wurden nach einer Führung hergeschenkt. Die letzte Niederlage nach einer Führung gab es an diesem Wochenende gegen St. Pauli. Wie schon in der Hinrunde gelang es den Gladbachern nicht die Führung gegen die Hamburger über die Runden zu bringen. Und lag es an diesem Wochenende womöglich auch an der dezimierten Mannschaft, so lässt sich das kaum auf die anderen Spiele übertragen. Dies lässt zwei Schlüsse zu: Der Borussia geht nach einer Führung die Luft aus oder sie fühlt sich nach dieser zu selbstsicher. Sicher ist allerdings, dass mit solch einem Versagen kein Abstiegskampf gewonnen wird.
VfB Stuttgart: Wohin führt der Weg mit Bruno Labbadia? Ein Abstieg schien zuletzt ausgeschlossen, dafür sieht man jedoch zu oft Woche für Woche Himmel oder Hölle. Gab es in der Hinrunde noch eine durchaus empfindliche 3:5-Niederlage gegen Bayern München, reichte es in der Rückrunde immerhin für vier Punkte aus den Spielen gegen Mainz und Dortmund. Mit Ach und Krach und einer guten Portion Schiedsrichterglück wurde auch das Spiel gegen Mönchengladbach gewonnen. Dem gegenüber stehen aber auch die Niederlagen gegen Freiburg und Nürnberg. Nach dem tollen Comeback am 21. Spieltag gegen Gladbach hagelte es am Wochenende eine 1:4-Heimpleite gegen Nürnberg. Bei den Schwaben ist die Situation weiterhin höchst angespannt, die Ergebnisse insgesamt täuschen über die aktuelle Spielstärke hinweg und es liegt noch ein langer Weg vor dem VfB um das Abstiegsgespenst zu vertreiben.
Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.
Weitere Artikel
- Die MAG-Tops und Flops des 21. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 18. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 17. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 16. Spieltags
- Die MAG-Tops und Flops des 15. Spieltags
« [Champions League 2010/11] 1:1 beim FC Valencia - Raúl verschafft dem FC Schalke 04 eine gute Ausgangsposition | [1. Bundesliga 2010/11] Die Lage der Liga (2) »
