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[1. Bundesliga 2010/11] Labbadias Bauernopfer Ulreich - Nur Aktionismus?

22. Februar 2011, 15:53 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Nach der erneuten Niederlage am Sonntag in Leverkusen ist die Situation für den VfB Stuttgart nicht leichter geworden. Nun scheint sich Coach Bruno Labbadia zum Handeln gezwungen zu sehen. Heutigen Medienberichten zufolge scheint er für die sportliche Talfahrt personelle Konsequenzen zu favorisieren: einen Wechsel auf der Torhüterposition. Eine sinnvolle Entscheidung?

Wenn’s mies läuft…

Beim VfB Stuttgart kommt derzeit alles zusammen: Zuerst stürzt am Wochenende ein Baukran auf das Dach der Mercedes Benz-Arena, der Kranführer wird schwer verletzt. Am Sonntag kommt die Entwarnung, der Mann ist außer Lebensgefahr. Wenige Stunden später kassieren die Schwaben im Auswärtsspiel in Leverkusen die 14. Niederlage im 23. Saisonspiel und bleiben bei 19 Zählern stehen. Wieder zwei Stunden später erfolgt auf der anderen Seite des Rheins der Abpfiff: Schlusslicht Borussia Mönchengladbach hat zuhause Schalke 04 geschlagen und schließt somit nach Punkten mit dem VfB auf. Nur dank der besseren Tordifferenz steht Stuttgart in der Tabelle noch vor den Fohlen – noch.

Denn die Situation ist die vielleicht prekärste der gesamten Vereinsgeschichte. Es droht die zweite Liga im schicken neuen Stadion. Dabei scheinen die Verantwortlichen alle möglichen Register gezogen zu haben. Aber auch der zweite Trainerwechsel der Saison von Jens Keller zu Bruno Labbadia droht beinahe effektlos zu verpuffen. Seit der gebürtige Darmstädter am 12. Dezember vergangenen Jahres übernommen hat, holte er mit dem Team sieben Punkte in sieben Partien. Keine Bilanz, die zur Verhinderung des Abstiegs taugt. Und dafür, dass die Stuttgarter zuletzt in Lissabon und streckenweise auch bei der 4:2-Niederlage in Leverkusen anständige Leistungen zeigen, können sie sich nichts kaufen. Der VfB droht Nachfolger von Hertha BSC als prominenter Absteiger zu werden.

Eine Mannschaft aus besseren Zeiten: der VfB Stuttgart 2009/Foto: Andreas Reimer

Labbadia unter Zugzwang

Kurzum: Es muss etwas passieren im Ländle. Das weiß auch Bruno Labbadia. Das Hauptproblem ist verhältnismäßig schnell ausgemacht: Stuttgart hat vor allem in der Defensive Defizite, kassiert viel zu viele Gegentore. Mit 47 Treffern haben es die Gegner nur gegen Gladbach (57) noch leichter. Und nun erwägt Labbadia Konsequenzen. Wie die Stuttgarter Nachrichten heute vermelden, denkt der Coach darüber nach, am Donnerstag im Rückspiel gegen Lissabon Marc Ziegler statt Sven Ulreich das Tor hüten zu lassen. Aber ist das des Rätsels Lösung?

Der junge Ulreich spielt eine solide Saison. Er zeigt zwar hin und wieder Schwächen, beispielsweise zu sehen am vergangenen Donnerstag gegen Benfica, als er mehrfach beim Herauslaufen unsicher wirkte. Mindestens genauso oft hat er den VfB Stuttgart in dieser Spielzeit mit starken Paraden und Reflexen allerdings auch schon vor noch mehr Gegentreffern bewahrt. Ganz klar: Sven Ulreich ist nicht der Hauptschuldige für die katastrophale Defensivbilanz des Meisters von 2007. Viel mehr sorgt die mehr als wacklige Abwehr, die zugegebenermaßen in dieser Saison immer wieder durch Verletzungen gebeutelt ist und nie eine Stammformation finden konnte, durch haarsträubende Aussetzer dafür, dass Stuttgart regelmäßig ins Hintertreffen gerät.

Ist um seinen Job derzeit nicht zu beneiden: Bruno Labbadia / Foto: HSV

Warum also macht Labbadia nun möglicherweise seinen Torwart zum Bauernopfer? Die Antwort ist ebenso einfach wie ungenügend: weil ihm für Konsequenzen in der Defensive die Personalien fehlen. Egal, wer in der Defensive spielte, die Lücken blieben. Kapitän Delpierre ist nach Verletzung nach wie vor nicht in gewohnter Verfassung. Ähnlich verhält es sich bei Tasci, der schon seit vielen Monaten nicht mehr in der Form ist, die ihn zum Nationalspieler machte. Die Liste ließe sich fast endlos fortführen, die Quintessenz bleibt: Labbadia kann nur darauf warten, dass zumindest ein paar seiner Abwehrspieler bald wieder Leistung zeigen können. Aber warten allein reicht nicht im Abstiegskampf. Labbadia muss ein Zeichen setzen, vielleicht auch, um seinen Bossen zu zeigen, dass er mit seinem Latein noch nicht am Ende ist. Also kommt nur ein Wechsel auf der Torhüterposition in Frage, denn dort gibt es eine gute Alternative.

Ulreich nur ein Bauernopfer?

Womit wir auch beim zweiten Grund für den überraschenden Schritt wären: Mit dem Wechsel von Ulreich zu Ziegler verbindet Labbadia sicher auch die Hoffnung, der erfahrene Schlussmann könne seiner löchrigen Defensive in der derzeitigen Situation zumindest ein bisschen mehr Ruhe und Sicherheit bringen. Das ist hoch gepokert, schließlich fehlt es Ziegler massiv an Spielpraxis und er und die Abwehr sind kaum aufeinander eingespielt. Man könnte also auch sagen, der Trainer bringt eine ohnehin unsichere Konstellation durch seine Rochade zusätzlich durcheinander. Aber es ist die letzte Chance, die er sieht. Labbadia setzt alles auf eine Karte – ohne Rücksicht auf Verluste.

Denn für Ulreich könnte dieser Wechsel ein entscheidender Karriereknick sein. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass er in dieser Form “gedemütigt” wird. Seit 1998 ist der Keeper im Verein, zehn Jahre später erhielt er seinen ersten Profivertrag, nachdem Michael Langer nach Freiburg gewechselt war. Als Raphael Schäfer Anfang 2008 als Nachfolger von Meister-Torwart Timo Hildebrandt gescheitert war, ergab sich die Chance für Sven Ulreich. Er nutzte sie nicht, wurde nach zehn Spielen wieder gegen Schäfer ausgetauscht, bevor im Sommer Lehmann kam. Zu jung, zu unsicher zeigte er sich. Doch nach den Lehrjahren als zweiter Keeper hinter Lehmann traute man ihm den Durchbruch zu. Der Ex-Nationaltorwart selbst empfahl Ulreich als seinen Nachfolger. Und tatsächlich hatte man in diesem Jahr den Eindruck, er sei gereift und auf dem Weg zu einem zumindest überdurchschnittlichen Bundesligatorhüter. Ob er den psychischen Knacks verkraften kann, sollte er jetzt ein zweites Mal abgesägt werden, scheint fraglich.

Vielleicht kann Labbadia auch darauf keine Rücksicht nehmen. Denn es geht um den Verein, den VfB Stuttgart. Die Gefahr des Abstiegs ist längst kein Horrorszenario mehr, sondern allgegenwärtig. Es ist eine verzwickte Situation. Es scheint, als hätte er alles getan, was er als Trainer tun kann, und doch weiß er, dass er etwas tun muss. Also bleibt ihm nur, alles auf diese eine, vermutlich letzte, Karte zu setzen. Aber wie groß ist die Erfolgschance bei dem Versuch, den letzten Fels in der Abwehrbrandung des VfB Stuttgart durch einen erfahrenen, aber alternden Stein auszutauschen? Oder ist auch Ziegler noch ein Fels? Noch hat Labbadia sich nicht entschieden. Für die Schwaben kann man nur hoffen, dass er das Richtige tun wird.


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  1. Bruno muss was probieren was soll er denn machen der arme Knopf.


    — Gerd Anstätt    Feb 23, 16:03    #

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