Eintracht Frankfurt entlässt Trainer Skibbe, Daum kommt
22. März 2011, 14:12 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Das Trainerkarussell der Bundesliga dreht sich weiter. Heute gab Eintracht Frankfurt bekannt, dass man sich mit sofortiger Wirkung von Coach Michael Skibbe getrennt hat und Christoph Daum vorerst bis Saisonende übernimmt. Im Falle des Klassenerhalts soll er bis 2014 bleiben.
Hoppla! Trotz der Erfolgsmisere in der Rückrunde kommt diese Nachricht aus Frankfurt doch ein wenig überraschend. Am Dienstagvormittag teilten die Hessen mit, dass die Zusammenarbeit mit Trainer Michael Skibbe sofort beendet wird. Als Grund gab man die “negative sportliche Entwicklung in den letzten Monaten” an. Der gebürtige Gelsenkirchener hatte die Eintracht im Juli 2009 übernommen und sie in seiner ersten Saison souverän auf Platz neun geführt. Es war nach langer Zeit mal wieder ein Spieljahr, in dem Frankfurt komplett von Abstiegssorgen verschont blieb. Auch seine zweite Saison lief zunächst sehr gut an. Nach elf Spieltagen stand sein Team noch auf Platz vier und gehörte zu den positiven Überraschungen der Liga. Am Ende der Hinrunde hatten die Frankfurter auf Rang sieben immer noch Kontakt zu den internationalen Plätzen.

Seit heute arbeitslos: Michael Skibbe./Foto: www.zaunsturm1905.de
Auch wenn es schon in der Hinserie durchaus Negativerlebnisse gegeben hatte – wie zum Beispiel das 0:4 zu Hause gegen Hoffenheim -, ist es nach wie vor ein Rätsel, was mit Skibbes Team in der Winterpause passiert ist. Der Faden war endgültig gerissen; erst am 26. Spieltag konnte das erste Rückrundentor erzielt werden. Natürlich wurde die Kritik im Umfeld immer lauter, selbst die auf dem Papier erfolgreiche Hinrunde wurde von manchen in Frage gestellt, wie beispielsweise auch auch am vorletzten Wochenende in unserem MAG im Interview mit Stefan Krieger von der Frankfurter Rundschau zu lesen war. Doch in den letzten beiden Partien zeigte die Tendenz eigentlich wieder leicht nach oben. Zuerst trafen die Hessen auf Schalke endlich wieder ins Tor – das Spiel ging aber trotzdem verloren. Dann stand der Abstiegsgipfel daheim gegen den FC St. Pauli an; ein Spiel, das auch als Endspiel für Trainer Skibbe galt. Doch seine Mannschaft siegte 2:1 und Theofanis Gekas, Erfolgsgarant der Hinrunde, hatte endlich wieder getroffen – sogar gleich doppelt. Heute wissen wir, dass auch das Skibbe nicht mehr retten konnte. Nach knapp zwei Jahren muss der Coach seinen Hut nehmen.
Von langer Hand geplant?
Insgesamt kommt die Entlassung sicherlich nicht völlig überraschend. Zu mies war die Rückrundenbilanz, zu vielseitig die Kritikpunkte. Von “schneidet das Spielsystem viel zu sehr auf Gekas zu” bis “erreicht die Mannschaft nicht mehr” war fast die ganze Bandbreite vertreten. Und trotzdem versetzt diese Nachricht viele ins Staunen. Zum einen ist der Zeitpunkt überraschend, denn nach dem Erfolg im so wichtigen Spiel gegen St. Pauli hatte man das Gefühl, Skibbe könnte den Kopf vorerst mal ein bisschen aus der Schlinge gezogen haben. Noch überraschender ist aber, dass die Vereinsführung um Heribert Bruchhagen sofort mit einem Nachfolger aufwarten konnte. Denn gleichzeitig mit der Entlassung des alten Trainers vermeldete man die Verpflichtung von Christoph Daum als Nachfolger. Dieser Umstand macht dann den Zeitpunkt wesentlich verständlicher: Offenbar hatten sich die Hessen hinter den Kulissen schon vor dem letzten Spiel für einen Trainerwechsel entschieden, konnten oder wollten diesen aber aus welchen Gründen auch immer erst jetzt unter Dach und Fach bringen. Beeindruckend hierbei die Geheimhaltung in Frankfurt, denn selbst Spieler wie Maik Franz zeigten sich überrascht über die Nachricht.
Mit Daum konnte man nun also einen namhaften Übungsleiter verpflichten, der ab Mittwoch das Training übernehmen soll. Im vergangenen Sommer war er in Istanbul arbeitslos geworden und betonte immer, dass er sich eine Rückkehr in die Bundesliga jederzeit vorstellen könnte. Nun muss er die Eintracht zunächst vor dem Abstieg bewahren. Daum hat aber bereits verlauten lassen, dass er seine neue Mission in Frankfurt nicht als Feuerwehrmann angeht. Er möchte beim Traditionsklub etwas aufbauen, sieht dort “riesiges Potenzial” und denke nicht an die 2. Liga. Ob das die richtige Herangehensweise ist? Denn die Situation ist ernst. Frankfurt steht derzeit auf Rang 14 mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, vier auf einen Abstiegsplatz. Hinzu kommt, dass die Adler eines der schwersten Restprogramme aller Abstiegskandidaten haben. In die Commerzbank Arena kommen unter anderem noch Bremen und die Bayern, außerdem stehen Reisen nach Mainz und Dortmund an. Am übernächsten Sonntag steht der nächste wichtige Abstiegsgipfel an, wenn die Eintracht beim VfL Wolfsburg mit ihrem neuen/alten Trainer Felix Magath antreten muss. Ob sie wollen oder nicht: Frankfurt wird sich wohl oder übel zumindest mit der Möglichkeit eines Abstiegs beschäftigen müssen. Auch ohne Skibbe.
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