[Champions League 2010/11] Barcelona lässt Manchester keine Chance und setzt sich die Krone auf
28. Mai 2011, 23:56 geschrieben von BVB-Benny, abgelegt unter Int-Fussball.
Same procedure as two years ago: Manchester United verliert wie schon 2009 in Rom das Champions League-Finale gegen die Katalanen und hatte dabei kaum den Hauch einer Chance. Die europäische Fußball scheint fester denn je in Barcelonas Händen …
| FC Barcelona | 3:1 (1:1) | Manchester United |
Nicht nur Michel Platini war sich vor dem Champions League-Finale sicher: “Das beste Endspiel, das sich die Fußball-Liebhaber vorstellen können.” Tatsächlich schien es so, als stünden sich die beiden derzeit besten Teams gegenüber, um den König des europäischen Fußballs zu bestimmen. Dabei war es auch ein Duell der Philosophien. Spanien gegen England. Kunst gegen Arbeit. Kreativität gegen Kampfgeist. Spielwitz gegen Leidenschaft. Barcelona gegen Manchester. Was hätte es für einen besseren Schauplatz für dieses Spiel geben können, als das Wembley Stadium zu London? Das Stadion, in dem es schon so viele große Partien gab, schon so viele Helden geboren wurden, schon so viele Tränen geflossen sind – ob vor Freunde oder Trauer. Fast 100.000 Fans waren live in diesem Fußballtempel zugegen und sorgten für eine Gänsehautatmosphäre.
Auch die beiden Teams, beide gerade Meister in ihrer Heimat geworden, waren bereit. Dass Puyol aufgrund seiner Knieprobleme doch zunächst auf der Bank Platz nahm, war zwar eine Überraschung, sorgte aber nicht wirklich für Sorgenfalten bei den Spaniern. Ansonsten konnten sowohl Barcelona als auch Manchester in Bestbesetzung auflaufen – sofern sie es denn wollten: Sir Alex Ferguson hatte Uniteds Topscorer aus der Premier League, den Ex-Leverkusener Berbatov, nicht mal in den Kader berufen. Doch die elf Mannen, die der Schotte zunächst auf das Feld schickte, schienen hochmotiviert. Vom Anpfiff weg ging der englische Champion aggressiv auf den Ball und setzte die traditionell in blau-rot gekleideten Fußballkünstler extrem unter Druck. Die hatten dann auch so ihre liebe Mühe, wirkten zu Beginn nicht wach und durchaus beeindruckt von der britischen Energie. In den ersten zehn Minuten gelang es Barcelona tatsächlich kaum, die gegnerische Hälfte zu betreten. Manchester war gewillt, unter Beweis zu stellen, dass sie aus der Finalniederlage 2009, als die Katalanen ihnen kaum eine Chance gelassen hatten, gelernt haben.
Manchester ohne Chance
Aber schon nach zehn Minuten gaben die Red Devils das Spiel, das sie bis dato klar kontrollierten, aus der Hand. Die katalanische Maschinerie war in Gang gesetzt und begann nun wie gewohnt mit ihren endlos scheinenden, den Gegner zermürbenden Ballstaffetten. Und spätestens, nachdem Pedro eine flache Hereingabe aus kurzer Distanz nur knapp nicht aufs Tor bringen konnte (16.), wusste Manchester, was das Stündlein geschlagen hatte. Es folgte eine Drangphase, in der Barcelona Chancen fast im Fünfminutentakt verbuchen konnte. Keine zehn Minuten dauerte es, bis sie den Gegner sichtlich entnervt und zur Hektik bei eigenem Ballbesitz verleitet hatten. Villa zunächst mit einem satten Distanzschuss (20.), eine Minute später aus dem Strafraum heraus war dann der Vorbote für das, was in der 27. Minute folgte: Xavi dribbelte zentral auf das Tor zu und gerade, als sich die Verteidigung auf ihn zusammenzog, fand er die Lücke und spielte den Ball brillant auf Pedro, der davon profitierte, dass Vidic zu weit eingerückt war und nicht dicht genug bei ihm stand. Er erwischte dann auch noch van der Sar auf dem falschen Fuß und schob zur Führung ins kurze Eck ein.
Keine Frage, dass Barcelona auch in der Folge die Kontrolle behielt, auch wenn sie nun nicht mehr so konsequent das Tor attackierten. Die Quittung gab es prompt, als Rooney nach einem Doppelpass mit Giggs viel zu viel Platz im Strafraum hatte und mühelos zum überraschenden Ausgleich schlenzte (34.). Selten kam ein Tor so sehr aus dem Nichts. Doch der Champion von 2009 schien mäßig irritiert, auch wenn er vor der Pause nur noch mit einer interessanten, einstudierten Freistoßvariante, bei der letztlich nur Busquets’ Bein zu kurz war, gefährlich wurde und den Gegner mit dem schmeichelhaften Unentschieden in die Kabine entließ. Auch dass Manchester nach dem Wechsel schon vier Minuten vor ihnen auf dem Platz stand, beeindruckte Barcelona nicht. Sofort wurde wieder die Kontrolle übernommen und der Druck auf die Defensive der Engländer stetig erhöht. Es dauerte auch nicht lang, bis das Kurzpassspiel ein weiteres Mal Früchte trug. Messi bekam den Ball auf relativ zentraler Position zugespielt, und gerade, als Manchester glaubte, die Situation unter Kontrolle zu haben, zog der kleine Argentinier kurz an und feuerte einen Flachschuss ab, der Edwin van der Sar im letzten Pflichtspiel seiner Karriere nicht gut aussehen ließ, weil er doch recht unplatziert und eher zentral in seinem Tor einschlug (54.). Möglicherweise hatte der Niederländer den Ball zu spät sehen können.
Barcelona nicht zu stoppen?
Dass Manchester ein zweites Mal ein Lucky Punch gelingen würde, schien unwahrscheinlich. Trotzdem drückte das Team von Guardiola diesmal gleich auf das nächste Tor und die Vorentscheidung. Messi drehte sich beispielsweise elegant um Ferdinand, van der Sar hatte Mühe mit seinem Schuss (63.). Auch Xavi und Iniesta hätten erhöhen können. Das besorgte dann David Villa mit einem unglaublichen Schlenzer aus dem Stand in den Winkel (70.). Mit dem 3:1 war das Spiel praktisch gelaufen. Einen Glückstreffer hätte man Manchester noch zugetraut, zwei Tore schienen angesichts der spanischen Dominanz utopisch. Bis zur totalen Demütigung des Gegners stellten die Katalanen ihr nahezu perfektes Kurzpassspiel zur Schau, bauten dabei auch immer mal wieder mit Freude den ein oder anderen Hackentrick ein. Kein Wunder, dass es in dieser Phase des Spiels die ersten gelben Karten gab. Doch auch das konnte United nicht retten, letztlich schien sich Barcelona an diesem Wochenende durch die Aschewolke aus Island mehr gefährdet zu sehen als durch den englischen Gegner. Mühelos überbrückte man die Zeit bis zum Abpfiff und nahm dann den wohlverdienten Pokal entgegen, um ihn in den klaren Londoner Abendhimmel zu recken.
Kunst gegen Arbeit. Kreativität gegen Kampfgeist. Spielwitz gegen Leidenschaft. Auf welcher Seite man steht, ist reine Geschmackssache. Spätestens seit heute Abend steht jedoch fest, wer der absolute und unangefochtene König des Fußballs ist. Barcelona setzt momentan die Maßstäbe und legt die Latte so hoch, dass nur sie selbst sie sehen können. Wenn Manchester tatsächlich das zweitbeste Team der Welt ist, so konnte man in diesem Finale entsetzt feststellen, wie weit die spanischen Virtuosen der Konkurrenz mittlerweile enteilt sind. Was für Barcelona-Anhänger traumhaft schön sein muss, ist für alle anderen zunehmend frustrierend. Denn wer die Katalanen stoppen will, muss bis auf weiteres wohl auf das Zusammenfallen mehrerer glücklicher Umstände hoffen. Bis die UEFA endlich entscheidet, dass das Team vorerst mit sieben Feldspielern auskommen muss …
Statistik
FC Barcelona: Valdes – Alves (88. Puyol), Mascherano, Piqué, Abidal – Buesquets – Xavi, Iniesta – Pedro (90.+2 Afellay), Messi, Villa (86. Keita)
Manchester United: van der Sar – da Silva (70. Nani), Ferdinand, Vidic, Evra – Carrick (77. Scholes), Giggs – Valencia, Park – Hernandez, Rooney
Tore: 1:0 Pedro (27.), 1:1 Rooney (34.), 2:1 Messi (54.), 3:1 Villa (70.)
Schiedsrichter: Viktor Kassai
Zuschauer: 98.623 im ausverkauften Wembley Stadium
Gelbe Karten: Alves, Valdes/Carrick, Valencia
Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.
Weitere Artikel
- [Champions League 2010/11] Der FC Barcelona steht nach einem 1:1 im Rückspiel gegen Real Madrid verdient im Finale
- [Champions League 2010/11] Real verliert zu Hause gegen Barca 0:2
- [Champions League 2010/11] Schalke verliert zu Hause gegen ManUtd 0:2
- [Champions League 2010/11] Auslosung - Schalke trifft auf Inter Mailand, dann möglicherweise auf Chelsea oder Manchester United
- [Champions League 2010/11] Schalke unter den besten Acht in Europa
« [Relegation 2010/11] Jubel in Gladbach - Reus' Treffer sichert der Borussia den Klassenerhalt | UEFA-Fünfjahreswertung 2010/11 »
