[U17-WM 2011] Bittere Dramatik - Gomez' Fallrückzieher in der 90. Minute bedeutet für die DFB-Bubis das Aus im Halbfinale gegen Mexiko
8. Juli 2011, 12:03 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.
Praktisch in letzter Minute kassierte die deutsche U17 gegen Mexiko das Turnieraus – per Fallrückzieher nach einer Ecke. Ein ganz bitteres Ende für die Freunde-11, die bis dahin ein so überzeugendes Turnier gespielt hatte.
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| Deutschland | 2:3 (1:1) | Mexiko |
Die erste Halbzeit – ein Spiel auf Augenhöhe
Aus der Traum vom möglichen WM-Triumph vor 100.000 Zuschauern im Aztekenstadion – ein herrlicher Treffer in der letzten Minute von Mexikos Julio Gomez sorgte für tiefe Enttäuschung und bittere Tränen auf Seiten der deutschen Nachwuchshoffnungen.
Eins vorweg, die 2:3-Niederlage gegen Gastgeber Mexiko vor 30.000 begeisterten Zuschauern im Torreón war nicht unverdient, aber sie kam extrem unglücklich zu Stande. Getragen vom Publikum waren die jungen Mexikaner über die gesamten 90 Minuten gesehen die bessere, aktivere und auch torgefährlichere Mannschaft, wie 62% Ballbesitz und mehr als doppelt so viele Schüsse auf das Tor (9-4) noch einmal unterstreichen. Und trotzdem, dass der Knock-out in der 90. Minute per Fallrückzieher nach einer Ecke besiegelt wurde, ist fast schon tragisch – das Elfmeterschießen war praktisch schon zum Greifen nahe.
Die spielentscheidende Figur auf dem Platz war Mexikos Nr. 8, Julio Gomez, der diese Partie wohl sein Leben lang nicht vergessen wird. Bereits in der dritten Minute sorgte er für den ersten Paukenschlag, als er sich nach einer Flanke von der linken Seite im Zweikampf gegen Cimo Röcker behaupten konnte und aus circa elf Metern für die mexikanische Führung sorgte. Dies war gleichbedeutend mit dem ersten Rückstand für Deutschland im gesamten Turnier. Die Schützlinge von Steffen Freund brauchten ein bisschen, um damit umzugehen. Doch nach dem ersten wirklich gefährlichen Angriff stand es plötzlich 1:1. Emre Can zog unwiderstehlich durch das Mittelfeld und spielte etwas ungenau steil in die Spitze auf den halblinks lauernden Samed Yesil. Dieser startete aus leicht abseitsverdächtiger Position und luchste einem mexikanischen Verteidiger den Ball ab, lief ein paar Schritte in die Mitte und visierte mit einem Flachschuss das linke Eck an. Mexikos Schlussmann Richard Sanchez streckte sich vergebens (10.). Für Yesil war es der sechste Turniertreffer und in seinem 20. U17-Länderspiel sein 19. Tor. Eine überragende Quote für den Leverkusener Goalgetter. Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit wäre auch noch ein weiterer Treffer für ihn möglich gewesen, doch es sollte nicht sein. Auf der Gegenseite musste auch Odisseas Vlachodimos einige Male auf der Hut sein, so parierte er in der 38. Minute eine Drehschuss von Jorge Espericueta bravourös.
Gomez’ Traumtor und deutsche Schwächen bei Standards
Mit Beginn des zweiten Abschnitts änderte sich das Szenario auf dem grünen Rasen – Mexiko übernahm mehr und mehr das Kommando und drückte die Deutschen in die eigene Hälfte. Vlachodimos war gefordert und bestand zunächst alle Prüfungen. Etwas Glück war dabei, als ein missglückter Abwehrversuch von Noah Korzowski – der für den erneut mit Magen- und Darmvirus ausfallenden Koray Günter in der Startformation stand – nur knapp am Tor vorbeistrich. Mitten hinein in die Drangphase der Gastgeber gelang den Deutschen ein echter Befreiungsschlag. Und wieder war es der Kapitän, der voran ging. Can schnappte sich die Kugel an der Mittellinie und stiefelte unaufhaltsam los in Richtung mexikanisches Gehäuse. Keiner konnte ihn stoppen, obwohl sich ihm einige Mexikaner in den Weg stellten und auch bedrängten. Im Fallen spitzelte er schließlich den Ball aus etwa 13 Metern mit der rechten Fußspitze flach ins rechte Eck (60.) – die doch etwas überraschende Führung für Deutschland zu diesem Zeitpunkt.
Man merkte den deutschen Spielern jetzt zunehmend an, dass das Turnier und der grassierende Virus viel Substanz gekostet haben. Die Schritte wurden schwerer und die Kräfte schwanden mehr und mehr. Pech hatte dann auch Can, der Mitte der zweiten Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden musste und durch Rani Khedira ersetzt wurde. Dessen Auftritt sollte allerdings äußerst unglücklich verlaufen … Kaum auf dem Feld, bekam er zunächst einen Fuß in die Rippen und musste behandelt werden. Später in der Nachspielzeit musste er erneut von den Ärzten versorgt werden, nachdem er mit einem Gegenspieler zusammenstieß und Probleme mit den Zähnen hatte.
Bei seiner ersten Behandlungspause verfolgte er von der Außenlinie mit, wie Mexiko durch einen direkt verwandelten Eckball von Jorge Espericueta in der 76. Minute zum Ausgleich kam. Der Ball war scharf getreten, Vlachodimos flog drunter durch und auch Yesil, der am langen Pfosten stand, konnte das Unglück nicht mehr verhindern. Vom Pfosten sprang der Ball ins Tor und Yesil wurde zudem von Gomez mit abgeräumt. Der Mexikaner zog sich dabei eine übel blutende Kopfwunde zu und musste erst auf und dann neben dem Platz minutenlang behandelt werden.
Erst in der 83. Minute kehrte Gomez mit einem Turban auf den Platz zurück und leitete sogleich die nächste Chancen für seine Farben ein, doch der eingewechselte Giovani Casillas konnte die gute Vorarbeit nicht verwerten. Die Zeit lief für die Deutschen, die Uhr tickte unerbittlich weiter. Noch einmal Luft anhalten: Vlachodimos rettete in der 89. Minute mit einer Glanzparade gegen den ebenfalls eingewechselten Marcelo Gracia und lenkte dessen Schuss zur Ecke ab.
Und diese Ecke wurde dann zum deutschen Verhängnis. Von rechts segelte der Ball vor das Tor und wurde am Fünfmeterraum per Kopf verlängert – am langen Pfosten schwang sich Gomez in die Luft und bugsierte das Spielgerät per wunderschönem Fallrückzieher unhaltbar ins rechte untere Eck – ein Traumtor in der 90. Minute, das letztlich diese nervenaufreibende Partie zu Gunsten der Mexikaner entschied. Der Schiedsrichter aus Ecuador ließ zwar fünf Minuten nachspielen, doch ein Ausgleichstreffer wollte bei allen Bemühungen nicht mehr gelingen. Während die mexikanische Mannschaft und die Zuschauer auf den Rängen nach dem Abpfiff ihren Erfolg natürlich frenetisch bejubelten, machte sich im deutschen Lager Enttäuschung und Frust breit. So kurz vor dem Ziel jäh gestoppt zu werden, muss man erst einmal verarbeiten.
Die deutschen Nachwuchskicker sollten sich aber nicht allzu sehr grämen – allesamt haben sie ein grandioses Turnier gespielt. Auch wenn es schwerfällt, am Sonntag 22:00 Uhr müssen sie an gleicher Stelle noch einmal ran. Beim Spiel um den dritten Platz trifft man auf keinen geringeren als Brasilien, das sein Halbfinale gegen Uruguay glatt mit 0:3 verloren hat. Montag früh um 1:00 Uhr mitteleuropäische Zeit steigt dann das große Finale in Mexiko-Stadt zwischen den Gastgebern und Uruguay.
Statistik
Deutschland: Odisseas Vlachodimos (VfB Stuttgart) – Kaan Ayhan (Schalke 04), Noah Korzowski (Schalke 04), Nico Perrey (Arminia Bielefeld), Cimo Roecker (Werder Bremen) – Emre Can (FC Bayern) (74. Rani Kehedira, VfB Stuttgart, Robin Yalcin (VfB Stuttgart) – Mitchell Weiser (1. FC Köln) (88. Marvin Dusch, Borussia Dortmund), Levent Aycicek (Werder Bremen) (65. Sven Mende, VfB Stuttgart), Okan Aydin (Bayer Leverkusen) – Samed Yesil (Bayer Leverkusen) – Trainer: Steffen Freund
*Tore:*0:1 Gomez (3.), 1:1 Yesil (10.), 2:1 Can (60.), 2:2 Espericueta (76.), 2:3 Gomez (90.)
Schiedsrichter: Omar Ponce (Ecuador)
Zuschauer: im Nuevo Estadio Corona (Torreón)
Gelbe Karten: Can / Flores
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Schade! Aber auch selber (zumindest Der, der für Gomez zunständig war) Schuld. Gomez – der beste Mexikaner – hatte im Umkreis von 7 Metern keinen Gegenspieler, bei der Ecke die das Spiel entschied!!!
— Kralle Jul 8, 16:05 #