[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] FC Schalke 04 - Was kommt nach der Leistungsachterbahn?
28. Juli 2011, 12:17 geschrieben von SchalkerKreisel, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute in der MAG-Saisonvorschau: FC Schalke 04. Der königsblaue Pokalsieger und Champions League-Halbfinalist wurde in der Liga nur Vierzehnter und verdankt es einzig dem Pokalsieg, dass die Mannschaft auch diese Saison wieder international mit dabei ist. Was darf diese Spielzeit von den Knappen erwartet werden – die schwachen Leistungen aus den Ligaspielen oder die Galaauftritte der Pokalspiele?
FC Schalke 04
Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – ein kurzer Rückblick
Wie bewertet man die zurückliegende Spielzeit der Schalker? In der Liga mit Platz 14 mehr oder weniger knapp dem Abstieg entkommen, dafür in der Champions League erst im Halbfinale gegen Manchester United gescheitert und den DFB-Pokal gewonnen. War es eine gute Saison, eine schlechte oder eine durchwachsene? Schwer zu sagen, eines jedoch hat die Mannschaft letzte Saison gezeigt: Sie ist in der Lage, überragende Spiele abzuliefern wie beim 5:2-Erfolg über Inter Mailand in der CL, ebenso wie sie zu wahrlich furchtbaren Grottenkicks wie dem 0:5 in Kaiserslautern fähig ist.
Damit dürfte auch schon eine Ursache für diese merkwürdigen Ergebnisse gefunden sein. Die Mannschaft der Knappen war zu enormen Leistungsschwankungen in der Lage. Was man früher eher von den Bremern kannte, sah man diesmal auch bei den Schalkern, nur dass bei den Gelsenkirchenern die Schwankungen scheinbar auch noch vom jeweiligen Spielmodus abhingen. Die Liga wurde gefühlt nur so nebenbei abgeschenkt, während man in den beiden Pokalwettbewerben auf den Punkt konzentriert war und dort eine gute Leistung abrief.
Dass es unter den Anhängern der Blau-weißen trotz dem schlechtem Abschneiden in der Liga verhältnismäßig ruhig blieb, lag nicht zuletzt an den Erfolgen in den Pokalspielen. Die Entlassung des Trainers und Managers Felix Magath lag ja auch weniger an den sportlichen Ergebnissen, die man ja auch nicht so ohne weiteres als unerfolgreich bezeichnen kann, sondern an internen Problemen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Den neuen Schalker Coach Ralf Rangnick wird es sicherlich ein Stück weit gefreut haben, dass er von nun an Pokalsieger 2011 in seine Vita aufnehmen kann, obwohl er sicherlich nur einen kleinen Teil dazu beigetragen hat.
Schalker Personalien

stehend v.l.: Kyriakos Papadopoulos, Christian Fuchs, Tim Hoogland, Sepp Eichkorn (Co-Trainer), Christoph Moritz, Edu, Mathias Schober, Chistoph Metzelder, Joel Matip, Lars Unnerstall, Enrico Heil (Zeugwart), Hans Sarpei, Benedikt Höwedes, ?, Bernd Dreher (Torwarttrainer), Markus Zetlmeisl (Konditionstrainer), Ruwen Faller (Fitnesstrainer), Ragnick (Chef-Trainer)
kniend v.l.: Atsuto Uchida, Jan Moravek, Alexander Baumjohann, Julian Draxler, Anthony Annan, Lewis Holtby, ?, Peer Kluge, Ralf Fährmann, Klaas-Jan Huntelaar, Marco Höger
es fehlen: Raúl, Jefferson Farfan, Jermaine Jones, Levan Kenia, Mario Gavranovic, Sergio Escudero, Jurado/Foto: revier04
Fast alle Leistungsträger der letzten Saison spielen auch diese Spielzeit wieder in königsblau, daher hoffen die Fans der Knappen auf einen besseren Saisonstart als im letzten Jahr, wo man nach dem massiven Umbruch des Kaders erst kurz vor der Winterpasue wirklich in Tritt gekommen war.
Eine besondere Freude bietet Raúl, der innerhalb von kürzester Zeit zum absoluten Publikumsliebling geworden ist, den Fans. Nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz freut es einen, Spieler von diesem Format in der Mannschaft zu haben. Obwohl er längst eine Vertragsverlängerung vorliegen hat, will er jedoch mit der Unterschrift vorerst noch warten, ob sein Körper auch ein weiteres Jahr seinen eigenen Ansprüchen genügt, um erstklassigen Fussball zu spielen. Aber auch, dass er gemeinsam mit dem ehemaligen Schalker Tormann und dem DFB-Pokal, nach dessen Gewinn, in die Fankurve lief, zeigt seinen Wert, denn er wusste, dass es sich kein Schalker trauen würde einen Spieler wie ihn auszupfeiffen … zu Recht. In diesem Sinne hoffen wir auf eine weitere Saison mit einem Großen des internationalen Fussballs.
Raúl ist aber nicht der einzige Publikumsliebling auf Schalke, auch der junge Grieche Papadopoulos hat mit seiner teilweise etwas ungestümen Art das Herz der Schalker gewinnen können und scheint momentan drauf und dran, den angeschlagenen und eigentlich zu langsamen Metzelder aus der Innenverteidigung zu verdrängen. Einen weiteren Kampf um einen Stammplatz liefern sich Joel Matip und der in der letzten Spielzeit sehr starke Peer Kluge. Momentan scheint der jüngere Matip die Nase um den Platz im defensiven Mittelfeld etwas vorne zu haben, allerdings wird er seine noch zu häufigen Abspielfehler abstellen müssen.
Der kürzlich erst Papa gewordene Klaas-Jan Huntelaar hatte es bisher auf Schalke recht schwer. Zu Beginn der letzten Saison netzte er zwar noch regelmäßig, aber danach kam eine relativ lange Durststrecke und auch in den Vorbereitungsspielen machte er des Öfteren keine allzu gute Figur. Besonders wenn sich noch ein Wechsel von Edu nach Japan anbahnt, wonach es momentan aussieht, dürfte noch mindestens ein Stürmer kommen, um Huntelaar Konkurrenz um die Stelle in der Sturmspitze zu machen.
Ein Wendehals fliegt gen Süden – Spielerabgänge
Der große Schalker Kader wurde von Horst Heldt bereits beachtlich ausgedünnt. So wurden die Verträge von Danilo Avelar, Ali Karimi, Angelos Charisteas und Christian Pander nicht verlängert. Einzig der Weggang von Christian Pander könnte als spielerischer Verlust gesehen werden, wenn er denn gesund bleibt. Da er allerdings in den letzten Jahren überaus verletzungsanfällig war, kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass er eine ganze Spielzeit fit bleibt.
Mangels Kaufinteressenten wurden Ciprian Deac und Vasilios Pliatsikas jeweils für ein Jahr verliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Deac wird fortan für Rapid Bukarest und Pliatsikas für den MSV Duisburg die Stiefel schnüren.
Aber Horst Heldt hat auch aktiv den Kader verkleinert, indem er viele von den Magath’schen Transfers rückabwickelt und viele der nie oder nur selten eingesetzten Spielern wieder an andere Vereine transferiert hat. So hat Bogdan Müller den S04 Richtung Karlsruher SC verlassen, Tore Reginiussen ging zu Odense BK, Marvin Pachan zum VfB Hüls, Marvin Pourie zu Silkeborg IF und Nicolas Plestans Vertrag wurde aufgelöst. Alle diese Spieler wurden nur in der zweiten Mannschaft eingesetzt und dürften daher keinen Verlust an spielerischer Qualität bedeuten.
Die einzigen Spieler, die Schalke verlassen haben und auch wirklich in der ersten Mannschaft zum Einsatz kamen, sind die beiden Ergänzungsspieler Lukas Schmitz, der zu Werder Bremen ging, und Hao Junmin, der wieder zurück in China ist und nun bei Luneng Taishan spielt sowie Manuel Neuer, der zu Bayern München wechselte.
Gezielte Kaderverstärkungen – Neuzugänge
Eine ganze Reihe an ausgeliehenen Spielern stehen diese Saison wieder im Kader der Gelsenkirchener. So kommt Jan Moravek vom 1. FC Kaiserslautern ebenso zurück wie Lewis Holtby vom 1. FSV Mainz oder Jermaine Jones von den Blackburn Rovers. Besonders von Lewis Holtby wird nach seiner sehr guten Saison bei Mainz einiges erwartet. Dass er sehr talentiert ist, wusste man bereits vor seinen Leihen nach Bochum und Mainz, nach seinem Reifeprozess in der Fremde wird nun erwartet, dass er auch in Königsblau zum Lestungsträger im Mittelfeld wird. Bei Jermaine Jones scheint es allerdings noch nicht endgültig zu sein, ob er auf Schalke bleibt. Rangnick würde ihn wohl gerne noch abgeben und auch Jones hätte wohl nichts dagegen gehabt auf der Insel zu bleiben.
Eigentlich müsste man Gerald Asamoah, der vom FC St.Pauli zurückkehrte, auch nennen, doch sein Spieler- sowie sein Anschlußvertrag wurden im beiderseitigen Einverständnis aufgelöst. Momentan hält sich der Schalker Publikumsliebling beim – vom ehemaligen Schalker Olaf Thon trainierten – VfB Hüls fit.
Kommen wir also zu den vier richtigen Neuzugängen. Zum einen ist da der Rückkehrer Ralf Fährmann, der von nun an das Tor der Knappen hüten wird. Nachdem er bei Eintracht Frankfurt nur zum Schluss der Saison wirklich zeigen konnte, warum man ihn verpflichtet hatte, knüpft er in blau-weiß wieder da an, wo er vor seinem Weggang aufgehört hatte. Der Rückhalt der Fans ist ihm von Anfang an sicher gewesen und mit der nötigen Unterstützung vom Trainer ist Fährmann dazu in Lage, zu einem sehr guten Torhüter zu werden. Beim Sieg im Supercup über den Meister Borussia Dortmund konnte er schonmal sein Potential zeigen.
Der zweite große Zugang dürfte Christian Fuchs vom FSV Mainz sein. Nach vielen Jahren, wo die Schalker linke Abwehrseite nur provisorisch besetzt wurde, in der Hoffnung, dass Christian Pander gesund bleibt und zu alter Form zurückfindet, ist endlich ein echter Linksverteidiger da. Aus sportlicher Sicht war es längst überfällig einen Ersatz für Pander zu verpflichten, da dieser bekanntlicherweise äußerst verletzungsanfällig ist. Mit Christian Fuchs wurde dieses Versäumnis nun behoben. Der ehemalige Mainzer und österreichische Nationalspieler, der einen guten Teil an der sehr erfolgreichen Mainzer Saison beitrug, soll nun eine feste Instanz in der königsblauen Viererkette werden.

Werden in dieser Saison zusammen um den Ball kämpfen – Jerfferson Farfán und Christian Fuchs/Foto: www.zaunsturm1905.de
Weitere Zugänge sind Marco Höger, der von Alemannia Aachen kam. Aus der zweiten Mannschaft der Königsblauen aufgestiegen ist das Stürmertalent Andreas Wiegel, um nun etwas Bundesligaluft zu schnuppern. Zumindest Marco Höger durfte sich bereits in mehreren Testspielen der Vorbereitung beweisen und scheint auch im Training starken Druck auf Uchida auszuüben, sodass es bisher nicht ausgeschlossen scheint, dass ein harter Kampf um den Stammplatz als rechter Verteidiger entbrennt.
Wer kommt, wer geht? – Zu- und Abgänge
Zugänge: Jan Movarek (war ausgeliehen an 1. FC Kaiserslautern), Lewis Holtby (war ausgeliehen an 1. FSV Mainz 05), Jermaine Jones (war ausgeliehen an Blackburn Rovers), Gerald Asamoah (war ausgeliehen an FC St. Pauli), Ralf Fährmann (Eintracht Frankfurt), Christian Fuchs (1. FSV Mainz), Marco Höger (Alemannia Aachen), Andreas Wiegel (FC Schalke 04 II)
Abgänge: Danilo Avelar (Karpaty Lwiw), Ali Karimi (Pirouzi Teheran), Angelos Charisteas (vereinslos), Bogdan Müller (Karlsruher SC), Ciprian Deac (ausgeliehen an Rapid Bukarest), Vasilios Pliatsikas (ausgeliehen an MSV Duisburg), Gerald Asamoah (vereinslos), Manuel Neuer (Bayern München), Tore Reginiussen (Odense BK), Marvin Pachan (VfB Hüls), Lukas Schmitz (Werder Bremen), Christian Pander (Hannover 96), Marvin Pourie (Silkeborg IF), Nicolas Plestan (vereinslos), Hao Junmin (Luneng Taishan)
Passspiel statt Medizinbälle – Vorbereitungsphase
Wie schon im letzten Jahr hat der FC Schalke 04 zwei Trainingslager zur Vorbereitung absolviert. Eines auf der Insel Rügen und das zweite wieder in Österreich. Nachdem unter Felix Magath noch ein Testspielmarathon von 14 Spielen abgearbeitet wurde, so lagen die acht Vorbereitungsspiele von diesem Jahr eher im Bereich des Üblichen. Während die ersten Testspielgegner unter die Kategorie Spaß- oder Thekenmannschaften zusammengefasst werden können und dementsprechend die Ergebnisse teilweise auch zweistellig ausfielen, so traf man mit dem Regionalligist Holstein Kiel, dem russischen Erstligist FC Anzhi Makhachkala und dem tschechischen Erstligisten Sigma Ölmütz in der späteren Vorbereitungsphase auch auf ernstzunehmendere Gegner. Alle diese Spiele konnten die Knappen für sich entscheiden.
Darüber hinaus gelang noch ein Sieg über den Reviernachbarn Borussia Dortmund, der im Zuge des Supercups in der Verltins-Arena gastierte. Das letzte Testspiel dieser Vorbereitung war ein Jahr und zwei Tage nach der Loveparade-Tragödie in Duisburg und war das Benefizspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem FC Schalke zugunsten der Opfer und deren Hinterbliebenden der Loveparade-Tragödie.
Nach den Aufstellungen aus den Testspielen könnte die Stammformation unter Ragnick in etwa so aussehen:
Fährmann – Uchida/Höger, Höwedes, Papadopoulos, Fuchs – Matip/Kluge, Holtby – Farfán, Raul, Baumjohann/Draxler – Huntelaar
Die Saisonprognose
Mit diesem Kader muss man von Ralf Ragnick und seiner Mannschaft einfach erwarten, dass sie besser als zuletzt auf Platz 14 abschließen. Auch die Doppel- und Dreifachbelastung durch DFB-Pokal und Europa League sollte der auch in der Breite gut besetzte Kader wegstecken können. Vor allem aber muss eine konstantere Leistung über alle Wettbewerbe gezeigt werden und nicht so eine Achterbahn wie in der Vorsaison. Wenn es Ralf Ragnick gelingt, seine Vorstellung vom Spiel umzusetzen und langwierige Verletzungen von mehreren Leistungsträgern ausbleiben, sollte man so um die internationalen Plätze mitspielen.
Prognose: Platz 2 – 6
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Für Schalke wird es in dieser Saison schwer vorn mitzuspielen, davon bin ich überzeugt. Ob es trotzdem klappt, werden wir sehen.
— Bundesliga Tickets Aug 2, 12:04 #