[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] 1. FSV Mainz 05 - viel Neues
29. Juli 2011, 09:42 geschrieben von Bojan, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute geht es in der MAG-Saisonvorschau um eines der Überraschungsteams der vergangenen Saison: Mainz 05. Neue Spieler, neuer Wettbewerb, neues Stadion – auf das Team von Thomas Tuchel wartet eine interessante, aber auch schwierige Saison.
FSV Mainz 05
Erneut nach Europa
Wie bereits in der Saison nach dem Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga, als der 9. Platz (08/09) belegt werden konnte, wurde der FSV Mainz 05 in der abgelaufenen Saison zu einem der Überraschungsteams in der höchsten deutschen Spielklasse. Der eigene Vereinsrekord wurde zum zweiten Mal in Folge übertroffen – am Ende standen diesmal sensationelle 58 Punkte zu Buche, was Rang 5 und damit die zweite Qualifikation für den europäischen Wettbewerb in der Vereinsgeschichte bedeutete. Im Gegensatz zu der Saison 2005/06, als man als Fair-Play-Gewinner im UEFA Cup spielte und am späteren Sieger FC Sevilla scheiterte, gelangten die 05er nun also auf dem “normalen” Weg nach Europa – wer hätte das vor der Saison erwartet?
Grundlage für diese starke Saison war der atemberaubende Start. Mainz gewann die ersten sieben Spiele am Stück (darunter der 2:1-Auswärtssieg beim FC Bayern) und stellte damit den Bundesliga-Startrekord des 1. FC Kaiserslautern und des FC Bayern ein. Nachdem die Hinrunde schließlich mit 33 Punkten auf Platz 2 abgeschlossen werden konnte, punktete man in der Rückrunde – vor allem aufgrund der eingetretenen Heimschwäche (zwischenzeitlich magere 2 Punkte aus 6 Spielen am Bruchweg) – nicht mehr so fleißig. Dennoch blieb das Team von Trainer Thomas Tuchel weiterhin stets unter den ersten Fünf der Tabelle und konnte den 1. FC Nürnberg, den zuletzt einzig noch verbliebenen Mitkonkurrenten um die EL-Plätze, dank eines guten Endspurts (13 Punkte aus den letzten fünf Spielen) letztendlich deutlich distanzieren und krönte damit eine bisher einzigartige Saison.
| Pl. | Verein | Spiele | Tore | Punkte |
| 4. | Hannover 96 | 34 | 49:45 | 60 |
| 5. | FSV Mainz 05 | 34 | 52:39 | 58 |
| 6. | 1. FC Nürnberg | 34 | 47:45 | 47 |
Personalien
Mainz 05 war gezwungen, sich für die neu anstehende Spielzeit wieder neu zu erfinden, zumindest was das Spielerpersonal betrifft. Mit Andrè Schürrle (Leverkusen), Lewis Holtby (Schalke) und Christian Fuchs (Schalke) haben schließlich drei wichtige Stützen der vergangenen Saison den FSV verlassen. Manager Christian Heidel durfte sich demnach wieder auf dem Fußballmarkt nach talentierten Spielern umgucken, die in die Spielphilosophie des Karnevalsverein hineinpassen. Dank der Schürrle-Millionen – Leverkusen überwies für den Nationalspieler eine Ablöse in Höhe von mindestens 8 Millionen Euro – und der Einnahmen aus dem Fuchs-Transfer (über 3,8 Millionen Euro) waren mehr Möglichkeiten als sonst vorhanden und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Unter den zahlreichen Neuzugängen befinden sich zumeist junge Spieler mit viel Potential, die sich in Mainz weiterentwickeln können. Aus der 2. Liga kommen Zoltán Stieber (22 Jahre, mit 10 Toren und 15 Vorlagen einer der Top-Scorer der letzten Zweitliga-Saison) von Alemannia Aachen und Nicolai Müller (23, 7 Tore, 6 Vorlagen) von Greuther Fürth, die beide als Flügelspieler im Mittelfeld aktiv sein werden. Für weitere Verstärkung im zentralen defensiven Mittelfeld soll der Österreicher Julian Baumgartlinger (23, 9 Länderspiele) sorgen, der von Austria Wien zu den 05ern wechselt. Hinzu kommt Mönchengladbach-Talent Yunus Malli (19), der seine Qualitäten im offensiven Mittelfeld als Spielmacher besitzt. Dank dieser Neu-Verpflichtungen und dem bereits vorhandenen Personal um Elkin Soto, Marcel Risse, Andreas Ivanschitz, Eugen Polanski und Marco Caligiuri (nur Routinier Miroslav Karhan und der zuletzt bedeutungslose Jan Simak verlassen den Verein) ist das Mittelfeld des FSV Mainz 05 zumindest in der Breite gut besetzt. Ob die Neuzugänge an die Qualität eines André Schürrle oder eines Lewis Holtby zumindest heranreichen werden, bleibt abzuwarten.
Auch der Sturm bekam interessanten Zuwachs. Von Lillestrøm SK wechselt Anthony Ujah (20) für eine Ablöse von 2,3 Millionen Euro nach Mainz. Der Nigerianer besitzt zweifelsfrei Torjägerqualitäten, was seine Quote von 27 Toren aus 36 Partien in der norwegischen Liga beweist. Möglicherweise hat der Verein in ihm einen verspäteten Bancé-Ersatz gefunden. Neben Ujah kommen noch Eric Maxim Choupo-Moting (22) vom Hamburger SV und Deniz Yilmaz (23) von den Bayern-Amateuren jeweils ablösefrei in die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und erhöhen somit das Potential auf der Sturmposition. Auf dieser Position ist durch Sami Allagui, Adam Szalai (nach dem Kreuzbandriss allerdings noch nicht ganz fit), Petar Sliskovic und den zum Stürmer umfunktionierten Florian Heller ebenfalls genügend Breite vorhanden, was zu fördernden Konkurrenzkämpfen führen wird.

Anthony Ujah aus Nigeria – der neue Mainzer Goalgetter? /Foto: www.zaunsturm1905.de
Dass der FSV Mainz 05 in der letzten Saison so erfolgreich war, lag vor allem auch an der Abwehrleistung – in 34 Spielen kassierte man 39 Gegentore. Das klingt zwar nicht sehr überragend, war aber der zweitbeste Ligawert, nur der Meister aus Dortmund kassierte (deutlich) weniger (22). Aus dem eingespielten Mainzer Defensivverbund um Radoslav Zabavnik, Niko Bungert, Bo Svensson, Kapitän Nikolce Noveski und Christian Fuchs verlässt nur letzterer den Verein zum FC Schalke 04. Ein herber Verlust für den FSV, der allerdings durch den endgültigen Kauf von Malik Fathi (schon seit Januar 2010 bei Mainz tätig) von Spartak Moskau und der Verpflichtung von Fabian Schönheim (24) als Linksverteidiger von Wehen Wiesbaden aus der dritten Liga solide aufgefangen wird. Zumindest Malik Fathi wird keine Eingewöhnungszeit brauchen und bringt schon reichlich Bundesliga-Erfahrung mit. Erfahrung – dafür steht auch der 32-jährige tschechische Neuzugang Zdenek Pospech, der aus den insgesamt zehn Neuzugängen des FSV Mainz 05 in diesem Jahr aufgrund seines hohen Alters hervorsticht. Der offensive Rechtsverteidiger kommt ablösefrei vom FC Kopenhagen, hat also bereits Champions League gespielt und soll der jungen Mannschaft mit seiner Ruhe weiterhelfen, vor allem in Bezug auf die Doppelbelastung, der sich die Mainzer durch die Teilnahme an der Europa League aussetzen müssen, falls sie sich für die Gruppenphase qualifizieren können.
Bei der Position des Torhüters gibt es keinen Neuzugang zu vermelden. Der 39-jährige Martin Pieckenhagen, der zur letzten Saison aufgrund des Kreuzbandrisses von Heinz Müller verpflichtet wurde und immerhin zu einem Bundesliga-Einsatz kam, geht wieder andere Wege. Um die Position der Nummer eins streiten sich momentan Christian Wetklo und Heinz Müller – Tuchel will sich noch nicht festlegen.
Zugänge: Denis Yilmaz (FC Bayern II), Eric Maxim Choupo-Moting (Hamburger SV), Anthony Ujah (Lillestrøm SK), Zoltán Stieber (Alemannia Aachen), Nicolai Müller (Greuther Fürth), Julian Baumgartlinger (Austria Wien), Fabian Schönheim (Wehen Wiesbaden), Yunus Malli (Borussia Mönchengladbach), Zdenek Pospech (FC Kopenhagen), Malik Fathi (Spartak Moskau)
Abgänge: Miroslav Krahan (Spartak Trnava), Martin Pieckenhagen (unbekannt), Zsolt Löw (unbekannt), Jan Simak (Carl Zeiss Jena), Filip Trojan (Dynamo Dresden), André Schürrle (Bayer Leverkusen), Lewis Holtby (Schalke 04), Christian Fuchs (Schalke 04), Stefan Bell (Eintracht Frankfurt, ausgeliehen)
Saisonvorbereitung
Die Mainzer Vorbereitung verlief wechselhaft. Das erste Testspiel zur neuen Saison gegen den SV Darmstadt 98 ging mit 1:4 verloren, gefolgt vom 1:0-Erfolg gegen Eintracht Braunschweig. Im Rahmen des Trainingslagers im österreichischen Flachau verlor der FSV mit 0:2 gegen den österreichischen Zweitligisten SV Grödig und besiegte anschließend den polnischen Pokalsieger Legia Warschau mit 3:0. Vom Auftreten des neuen Mainzer Teams im Liga Total! Cup in der neuen Coface Arena konnte sich jeder selbst ein Bild machen – einer schlechten Leistung gegen Borussia Dortmund (0:1), als die nötige Aggressivität fehlte und das Umschalten von der Defensive auf die Offensive und umgekehrt mangelhaft war (Tuchel: “Ich kann keinen Universalgrund für diese Leistung nennen, aber ich weiß, unser Anspruch ist natürlich ein anderer.”), folgte erneut eine Leistungssteigerung gegen den FC Bayern, dem man nach einem 2:2 nach 2 × 30 Minuten im Elfmeterschießen unterlag. Thomas Tuchel konnte also genügend Eindrücke sammeln, Spieler wie Müller, Ujah, Malli oder Pospech konnten jedenfalls schon gute Eindrücke hinterlassen. Es lief zwar nicht alles rund und es muss noch viel gearbeitet werden, um ein ähnlich funktionierendes Team wie in der Vergangenheit zu formen, aber Tuchel ist “fest davon überzeugt”, dass sein Team “eine konkurrenzfähige Truppe” bleiben wird.
Erfreulich ist, dass fast keiner die Vorbereitungsphase aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung verpasst oder sich während dieser etwas zugezogen hat – das sah bei Mainz 05 schon mal ganz anders aus.
Verein und Umfeld
Etwas ganz besonderes erwartet den Verein und seine Fans in dieser Saison. Das Stadion am Bruchweg ist Geschichte, dafür ist das neue Stadion fertig, die Coface Arena, die über 34.000 Menschen Platz bietet und damit die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit des Vereins in der Bundesliga erhält. Die Arena wurde bereits feierlich eröffnet und konnte bereits im Rahmen des Liga Total! Cups als Austragungsort präsentiert werden. Für Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz geht damit ein Traum in Erfüllung; auf dieses Ziel haben sie lange hingearbeitet und nun steht es da, das schmucke Kästchen, das laut Strutz “die Philosophie des Vereins – Nähe, Leidenschaft, Herz und Enthusiasmus – hervorragend repräsentiert.” Dass der FSV Mainz 05 in der ersten Saison in der Coface Arena ausgerechnet auch noch in der Europa League spielt und möglicherweise attraktive Gegner (Atlético, Sevilla, Celtic, AS Rom, Tottenham und wie sie alle heißen…) warten, ist natürlich perfektes Timing.

Die neue Coface Arena während der Eröffnungsfeier /Foto: www.zaunsturm1905.de
Die Saisonziele, Prognose
Der FSV Mainz 05 musste zwar sehr gute Spieler abgeben, konnte die Abgänge durch zahlreiche Transfers von jungen und talentierten Spielern allerdings gut kompensieren. Die schon angesprochene Breite auf den verschiedenen Positionen ermöglicht es Thomas Tuchel, sein berüchtigtes Rotationsprinzip durchzuführen und seine Elf Woche um Woche auf die unterschiedlichen Gegner anzupassen. Ein klares Saisonziel gibt es nach dem 5. Platz in der vergangenen Saison nicht. Man bleibt realistisch und betont in Form von Christian Heidel nach wie vor, dass es für den Verein immernoch etwas Besonderes ist, in der 1. Fußball-Bundesliga spielen zu können. Das wird auch 2012/2013 so sein, denn es ist schwer vorstellbar, dass die 05er in diesem Jahr in ernsthafte Abstiegsnöte geraten, da einige Teams der Bundesliga schwächer besetzt sind. Ein Problem könnte allerdings die nicht gekannte Doppelbelastung aufgrund der Teilnahme an der Europa League für das unerfahrene Team darstellen. Dabei wird es darauf ankommen, wie weit Mainz in diesem Wettbewerb vorstoßen wird. Kommt ein ähnlicher Run zustande wie der des FC Fulham bei seinem EL-Debüt 2009/2010, als der Londoner Vorortklub sensationell das Finale erreichte (etwas Wunschdenken seitens des Autors… ), dann würde dies eine unglaublich tolle Sache für den Verein sein, sich aber höchstwahrscheinlich negativ auf die Bundesliga-Platzierung auswirken. Aus diesem Grund kann man wohl eine erneute Platzierung im oberen Tabellendrittel ausschließen.
Prognose: Platz 9-12.
Teile uns deine Meinung zu diesem Artikel über das Kontaktformular mit.
Weitere Artikel
- MAG-Analyse: Der Kölner Abstieg - wie konnte es so weit kommen?
- [1. Bundesliga 2011/12] Der 1. FC Köln steigt ab - ein Tag zum Vergessen
- [1. Bundesliga 2011/12] Der komplette Spielplan - Ergebnisse, Tabelle und alle Ansetzungen
- [1. Bundesliga 2011/12] Der VfB marschiert weiter Richtung Europa - klarer 4:1-Sieg gegen Bremen
- [1. Bundesliga 2011/12] Totalausfall Robben bringt Dortmund auf den Weg
« [Europa League 2011/12] 1:1 gegen Gaz Metan Medias - das Abenteuer der 05er in der Europa League beginnt unglücklich | [MAG-Bundesligavorschau 2011/12] Hertha BSC Berlin - die Hauptstadt ist wieder erstklassig »
