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[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] FC Augsburg - das Abenteuer kann beginnen

27. Juli 2011, 12:29 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Mit dem Aufsteiger FC Augsburg startet das MAG in diesem Jahr die Saisonvorschau der 18 Bundesligisten. Für den FCA ist die 1. Liga Novum und Abenteuer zugleich – können Luhukay & Co. im Oberhaus bestehen?

Wir bedanken uns bei unserem Gastredakteur huggi, der voller Vorfreude auf die Bundesliga blickt und die Vorschau für “seinen” FCA verfasst hat.


FC Augsburg

Nächster Halt 1.Liga – Der FC Lummerland vor seiner ersten Bundesligasaison

Augsburg am 08.05.2011 um 15:18 Uhr: Der FC Augsburg hat soeben am 33.Spieltag im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt den ersten Aufstieg, in die Fußball Bundesliga, in der Vereinsgeschichte perfekt gemacht. Die ganze Stadt bricht in Jubel aus und es entsteht eine Vorfreude und Begeisterung um den FC Augsburg, die bis jetzt anhält und deren Ausmaß sich niemand in Augsburg erträumen konnte. 17.500 Dauerkarten wurden verkauft (10.000 mehr als im Vorjahr), die Anzahl der Vereinsmitglieder wurde innerhalb weniger Wochen mehr als verdoppelt und steuert mittlerweile auf die 9.000 Mitglieder zu. Man kann davon ausgehen, dass sämtliche Heimspiele der nächsten Saison ausverkauft sein werden und sich Augsburg als großartiger Gastgeber in der Bundesliga zeigen wird. Ob der FCA auch der von vielen erwartetet Punktelieferant und Absteiger Nummer 1 sein wird, muss sich allerdings noch zeigen…

Rückblende

Am 14.04.2009 präsentiert der FCA den wohl wichtigsten Baustein für den jetzt vollzogenen Aufstieg. Jos Luhukay übernimmt den FC Augsburg mitten im Abstiegskampf von Trainer Holger Fach. Eigentlich wollte man mit dem Holländer erst zur neuen Saison einen Umbruch einläuten. Die akute Abstiegsgefahr lässt die Verantwortlichen allerdings sofort handeln. Luhukay retten den FCA vorzeitig vor dem Abstieg und führt die Mannschaft in seiner ersten Saison sofort auf Platz 3 der 2. Bundesliga und ins DFB-Pokal Halbfinale gegen Werder Bremen. In der Relegation hat man dann allerdings gegen den 1. FC Nürnberg keine Chance und muss zu Beginn der abgelaufenen Spielzeit einen neuen Anlauf in Richtung Bundesliga nehmen. Dieser scheint schon früh zum Scheitern verurteilt. Der FCA verliert nach gutem Start vier Spiele in Folge und findet sich nach dem achten Spieltag auf Rang elf mit neun Punkten Rückstand auf Platz zwei wieder. Doch in Augsburg schafft man die Trendwende und gibt in der restlichen Hinrunde nur noch vier Punkte ab. So steht man zu Weihnachten sogar auf Platz 1 punktgleich mit der großen Hertha aus Berlin (Anmerkung: Der eigentliche Herbstmeister Aue hat zu diesem Zeitpunkt ein Spiel weniger auf dem Konto).

Jos Luhukay – nimmt im Oberhaus seinen zweiten Anlauf und bekam vom Verein einen Persilschein /Foto: Andreas Reimer

Auch zum Ende der Saison steht man auf dem wertvollen zweiten Platz und steigt somit nach fünf Jahren 2. Bundesliga mit 65 Punkten (19 Siegen, 8 Unentschieden, 7 Niederlagen) verdient ins Fußballoberhaus auf. Herausragend war in der Aufstiegssaison vor allem die Defensivabteilung, die mit 27 Gegentreffern zusammen mit Fürth die beste der Liga war. Besonders hervorheben muss man wohl Keeper Simon Jentzsch, der mit all seiner Routine und Erfahrung den Laden hinten zusammen gehalten hat und zurecht vom Kicker auch zum besten Torhüter der 2. Liga gewählt wurde. Vor ihm lief meist das IV-Pärchen Uwe Möhrle und Gibril Sankoh flankiert von den grundsoliden Paul Verhaegh und Marcel de Jong auf. Das Mittelfeld lief über große Zeit der Saison sehr kompakt mit einer Doppelsechs und zwei schnellen Außenspielern auf. Nando Rafael (14 Tore, 6 Assists) und als hängende Spitze Michael Thurk (9 Tore, 9 Assists) sorgten für die nötige Torgefahr.

Personalien

Der FC Augsburg geht mit einem Etat von 30 Mio. Euro in die neue Saison. Zum Vergleich: Der FC St.Pauli hatte letztes Jahr einen Etat von 40 Mio. Euro. Deshalb ist es nur logisch, dass die Aufstiegself nur punktuell mit günstigen Neuzugängen verstärkt wurde. Stars wird man in Augsburg keine finden. Die Mannschaft wird die Klasse nur über das Kollektiv halten können.

Die Abwehrreihe wird wohl auch in der Bundesliga ziemlich ähnlich aussehen, auch wenn Uwe Möhrle nicht mehr der Schnellste ist. Schon allein seine Erfahrung wird ein wichtiger Pluspunkt im Kampf um die Stammplätze sein. Gibril Sankoh dagegen ist für mich absolut gesetzt. Da wird sich auch Neuzugang Sebastian Langkamp erstmal hinten anstellen müssen. Auf links ist der FC Augsburg personell dünn besetzt. Denn die einzige Alternative zu Marcel de Jong ist im linken Mittelfeld eingeplant: Axel Bellinghausen. Es könnte sein, dass der FCA hier noch was auf dem Transfermarkt macht. Rechts kehrt der Langzeitverletzte Dominik Reinhardt zurück, der aber nach über einem Jahr Verletzung zunächst wohl noch keine Konkurrenz für Paul Verhaegh darstellt.

Uwe Möhrle – auf den Kapitän und Abwehrchef dürfte viel Arbeit zukommen/Foto: www.zaunsturm1905.de

Im Mittelfeld haben die Abgänge von Ibrahima Traore und Moritz Leitner die wohl größten Lücken im Augsburger Kader hinterlassen. Gerade in der kreativen Schaltzentrale ist noch Handlungsbedarf, was auch das Augsburger Interesse an Charles Takyi erklärt. Da allerdings kaum finanzieller Spielraum bleibt, wird Jos Luhukay wohl mit dem aktuellen Kader auskommen müssen. Deshalb erwarte ich den FCA mit einer Doppelsechs, auf der neben Jan-Ingwer Callsen-Bracker gerade Neuzugang Lorenzo Davids von NEC Nijmegen die Nase vorn zu haben scheint. Als Alternativen stehen Daniel Brinkmann, der Japaner Hajime Hosogai, der wiedergenesene Andrew Sinkala und Neuzugang Dominic Peitz zur Verfügung, was Jos Luhukay sehr viele Möglichkeiten zur Rotation bietet. Die linke Außenbahn wird wohl Pferdelunge und Kämpfer Axel Bellinghausen beackern. Als Ersatz steht Tobias Werner parat und falls alle Stricke reißen könnte Lorenzo Davids diesen Part auch übernehmen. Auf Rechts wir der dribbelstarke, aber oft noch zu verspielte Marcel Ndjeng wohl den Vorzug vor Daniel Baier erhalten, der allerdings in einem möglichen 4-2-3-1 System, das Luhukay in den Vorbereitungsspielen relativ oft getestet hat, die erste Alternative für die kreative Zentrale ist. In der Hinterhand hat der Trainer noch die beiden Talente Akaki Gogia und Moritz Nebel.

Michael Thurk – traf in dreieinhalb Jahren 51 Mal für den FCA in Liga zwei/Foto: www.zaunsturm1905.de

Im Sturm wird Luhukay zunächst Nando Rafael und Michael Thurk das Vertrauen schenken – Rafael im Sturmzentrum und Thurk als “spielender Stürmer” dahinter. Aufstiegsheld Stephan Hain, der neben seinem “Aufstiegstreffer” noch neun weitere Male ins Schwarze traf, wird wohl meist als Joker von der Bank kommen. Ich erwarte, dass vor allem Sascha Mölders – immerhin 15 Treffer für den FSV Frankfurt – im Laufe der Saison Druck auf die beiden Etablierten ausüben wird. Momentan ist er allerdings aufgrund von verletzungsbedingtem Trainingsrückstand noch keine Alternative für die erste Elf. Mit Drittligatorschützenkönig Patrick Mayer vom 1. FC Heidenheim ist noch ein weiterer treffsicherer Stürmer im Angebot. Der kopfballstarke Thorsten Oehrl muss dagegen aufgrund einer Innenbandverletzung im rechten Knie bis Ende November pausieren und wird somit keine Alternative für die Hinrunde sein.

Zu- und Abgänge

Zugänge:

Langkamp, Sebastian (Karlsruher SC), Mayer, Patrick (1. FC Heidenheim), Peitz, Dominic (Union Berlin), Kapllani, Edmond (SC Paderborn), Davids, Lorenzo (NEC Nijmegen), Gogia, Akaki (VfL Wolfsburg), Mölders, Sascha (FSV Frankfurt), Gelios, Joannis (U19 FC Augsburg)

Abgänge:

Kwakman, Kees (FC Groningen), Traoré, Ibrahima (VfB Stuttgart), Bertram, Sören (Hamburger SV), Sinkiewicz, Lukas (VfL Bochum), Leitner, Moritz (Borussia Dortmund), Rudolph, Thomas (TSV Gersthofen), Framberger, Daniel (TSV Neusäß), Woltmann, Benjamin (TSV Aindling)

Verein und Umfeld

Um sich die rasante Entwicklung, die der FC Augsburg in den letzten Jahren genommen hat, vor Augen zu halten, gehe ich zurück ins Jahr 2000. Dem FC Augsburg wird die Lizenz für die Regionalliga entzogen und er spielt daraufhin in der Bayernliga (4. Liga) vor ein paar Hundert Zuschauer im maroden Rosenaustadion, das im Jahr 1949 gebaut wurde. In diesem Jahr stieg Walter Seinsch als neuer Vorstandsvorsitzender beim FC Augsburg ein. Er hatte schon damals das Ziel, ein modernes Fußballstadion zu bauen und den FC Augsburg in die 1. Liga zu führen. Dazu hat er sich schrittweise erfahrene und fähige Leute um sich geschart.

Die hierbei wichtigste Personalie ist Geschäftsführer Andreas Rettig, der nicht nur für die Verpflichtung von Jos Luhukay, und mit ihm für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich ist, sondern auch schon von Beginn an den Finger in die Wunde gelegt hat, um aufzuzeigen, wo man noch nicht professionell aufgestellt ist. Am 26. Juli 2009 wurde dann endlich die neue Arena in Augsburg eingeweiht. Die SGL Arena bietet jetzt 30.000 Zuschauern Platz und ist ein richtiges Schmuckkästchen. Auch der Fanzuspruch hat sich radikal geändert. Wo sich früher eine Handvoll treuer Anhänger in der Rosenau einfanden, pilgern jetzt Zehntausende in die Arena. Der Zuschauerschnitt betrug im letzten Jahr 20.481 (Nummer drei in der 2. Bundesliga). Im nächsten Jahr kann man davon ausgehen, dass jedes Heimspiel ausverkauft sein wird.

Diesem rasanten sportlichen Aufstieg konnte der FCA nicht überall folgen. Deshalb gibt es noch einiges hinter den Kulissen, das verbesserungswürdig ist. Die Geschäftsstelle zum Beispiel ist der eines Bundesligisten nicht würdig. Um die Situation zu verbessern, soll diese in die Räumlichkeiten der SGL Arena verlegt werden. Zusätzlich soll ein neues Trainingsgelände an der Arena entstehen, was gerade auch der Jugendabteilung zu Gute kommen soll. Es gibt also noch einiges zu tun in Augsburg…

Saisonziel und Prognosen

Der FC Augsburg wird als Abstiegskandidat Nummer 1 in die neue Saison gehen. Man hat den Kader nur unwesentlich verstärkt, weil finanziell kein Risiko eingegangen werden soll. So muss die Mannschaft fehlende Klasse durch Kampf, Disziplin und Zusammenhalt weg machen. Nur so wird der FCA eine Chance haben die Klasse zu halten. Dessen ist man sich allerdings auch bei Fans und Verantwortlichen bewusst. Jos Luhukay hat schon vor dem ersten Spiel eine Jobgarantie erhalten und auch die Fans gehen sehr realisitisch an das erste Bundesligajahr der Vereinsgeschichte heran. Ein Abstieg wäre zwar sehr schade, aber kein Weltuntergang. Das Ziel ist, den FCA auf Dauer unter den besten 20 Vereinen in Deutschland zu etablieren. Als Vorbild dienen der SC Freiburg und Mainz 05.

Ich persönlich hoffe, der FCA schafft Platz 15. Das wäre ein Riesenerfolg für den Verein. Realistischerweise muss man allerdings klar sagen, dass der FCA im besten Fall bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen kann.


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