[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] VfL Wolfsburg - zurück auf die Erfolgsspur?
4. August 2011, 09:48 geschrieben von Bojan, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Das MAG nimmt nun den VfL Wolfsburg unter die Lupe. Nach dem knapp entronnenen Abstieg in der letzten Saison ist Besserung angesagt – was kann Felix Magath diesmal bewirken?
VfL Wolfsburg
Drei Trainer und Fast-Abstieg
Mit vielen Ambitionen ging der VfL Wolfsburg in die Saison 2010/2011. Steve McClaren, der zuvor Twente Enschede zur zweiten Meisterschaft der Vereinsgeschichte in der niederländischen Eredivisie geführt hatte, konnte für die Tätigkeit als neuer Trainer von internationalem Format in der VW-Stadt gewonnen werden, dazu wechselten namhafte Spieler wie Diego, Friedrich, Cicero, Mandzukic oder Kjaer zum Deutschen Meister von 2009, der damit von allen Bundesliga-Teams am meisten in neue Spieler investierte. Die erneute Teilnahme am Europapokal war dementsprechend das Ziel der Wölfe.
Aber es kam bekanntlich ganz anders. Nach einem missglückten Start (drei Niederlagen aus den ersten drei Partien) kam der VfL nie wirklich in Tritt und beendete die Hinrunde folgerichtig nur als Tabellen-13., mit 19 Punkten nur vier Punkte vor den Abstiegsrängen und damit ganz weit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Wer zu diesem Zeitpunkt dachte, dass sich die Niedersachsen noch für die Rückrunde – ähnlich wie in der Meister-Saison, als Wolfsburg die Hinrunde nur auf Rang 9 abschloss und in der Rückrunde alles und jeden überholte – berappeln würden, der sollte irren. Mit Edin Dzeko verließ in der Winterpause der wichtigste Spieler für über 35 Millionen Euro den Verein in Richtung Manchester City, was zu einer noch größeren Krise führen sollte. Nach der 0:1-Niederlage in Hannover am 21. Spieltag bekam Engländer Steve McClaren von Manager Dieter Hoeneß schließlich den Laufpass und Co-Trainer Pierre Littbarski übernahm interimsweise. Doch der Weltmeister von 1990 machte die Sache auch nicht besser und verlor in vier von fünf Spielen. Also war es Zeit für eine kuriose Rückkehr – Felix Magath, Meister-Trainer von 2009, erst zwei Tage vorher bei Schalke entlassen, heuerte wieder in Wolfsburg an und sollte den sich anbahnenden Abstieg als Trainer und Geschäftsführer Sport in Personalunion noch verhindern, Hoeneß’ Vertrag wurde aufgelöst. Mit offenen Händen wurde der Meistermacher empfangen und die VfL-Fans waren sich sicher, dass es von nun an nur bergauf gehen könne. Aber: Auch Magath hatte Startschwierigkeiten, holte mit seinem Team aus den ersten vier Spielen nur drei Unentschieden und konnte damit nicht verhindern, dass der VfL Wolfsburg auch noch vor dem letzten Spieltag der Saison arg abstiegsgefährdet war. Frankfurt (34 Punkte), Mönchengladbach (35) und Wolfsburg (35) waren die Kandidaten für einen Abstiegs- sowie einen Relegationsplatz. Es lief bereits die 60. Minute des 34. Spieltages, als der VfL trotz bester Ausgangsposition virtuell tatsächlich auf dem 16. Platz stand, als man mit 0:1 in Hoffenheim hinten lag, während die Eintracht in Dortmund und die Fohlen in Hamburg führten. Die Lage war sehr dramatisch und sicherlich viele Fußballfans hätten sich zu diesem Zeitpunkt den Schlusspfiff gewünscht. Aber dann schlug die Stunde des Mario Mandzukic, der erst gegen Ende der Spielzeit bei seinem neuen Verein mit dem Toreschießen begann – der Kroate drehte die Partie in Hoffenheim per Doppelpack, Wolfsburg gewann am Ende mit 3:1 und war in letzter Sekunde gerettet.
| Pl. | Verein | Spiele | Tore | Punkte |
| 15. | VfL Wolfsburg | 34 | 48:51 | 38 |
| 16. | Borussia Mönchengladbach | 34 | 43:48 | 36 |
| 17. | Eintracht Frankfurt | 34 | 31:49 | 34 |
Personalien
Neue Saison, neues Glück. Auch diesmal sind dank der VW-Millionen einige neue Gesichter in Wolfsburg dabei, die den Verein wieder in die Erfolgsspur zurückbringen sollen. Für insgesamt über 16 Millionen Euro kommen Srdjan Lakic vom 1. FC Kaiserslautern für den Sturm, Christian Träsch (VfB Stuttgart), Patrick Ochs (Eintracht Frankfurt), Hasan Salihamidzic (Juventus Turin) und Mateusz Klich (MSK Cracovia) für das Mittelfeld sowie Marco Russ (Eintracht Frankfurt) für die Abwehr. Da Nationalspieler Arne Friedrich aufgrund weiter bestehenden Probleme mit der Bandscheibe zunächst wieder fehlen wird, ist Marco Russ, der für die Eintracht aus Frankfurt am ersten Spieltag in der zweiten Liga beim 3:2-Auswärtssieg in Fürth noch mitgewirkt hatte, eine logische und sinnvolle Verpflichtung. Die einzig nennenswerten Abgänge, die der VfL zu verkraften hat, sind die von Sascha Riether zum 1. FC Köln und von Ex-Torschützenkönig Grafite zu Al-Ahli Dubai, die durch Träsch und Lakic prima ersetzt werden.

Ex-Frankfurter Marco Russ soll die VfL-Abwehr stabilisieren /Foto: www.zaunsturm1905.de
Blick man auf den Sturm, so hat der VfL Wolfsburg mit Patrick Helmes, Mario Mandzukic und Srdjan Lakic sicherlich Bundesliga-Überdurchschnittliches in seinen Reihen, hinzu kommen die U-Nationalspieler Kevin Scheidhauer und Sebastian Polter. Dieumerci Mbokani, der zur Winterpause vom AS Monaco ausgeliehen wurde und anschließend auf ganzer Linie enttäuschte, gehört nicht mehr zum Kader. Das Mittelfeld ist dank der Neuzugänge überbesetzt und sollte ebenfalls nicht das Problem des VfL werden. Auf der Verteidiger-Position könnte es allerdings bei einer weiteren Verletzung eng werden, da Felix Magath ohne Arne Friedrich nominell nur auf drei Innenverteidiger (Alexander Madlung, Simon Kjaer und Marco Russ) zurückgreifen kann, wenn man mal die Spieler aus der eigenen Jugend, Robin Knoche und Bjarne Thoelke, die in den Profi-Kader aufgestiegen sind, ausklammert. Für Linksverteidiger Marcel Schäfer fehlt auch noch ein geeigneter Back-Up.
Das neue Personal ermöglicht es Felix Magath, wieder das 4-4-2-System mit Raute im Mittelfeld in Wolfsburg einzuführen, mit dem er den VfL 2009 zur Meisterschaft führte. Eine Position scheint da allerdings unterbesetzt sein, nämlich die des Spielmachers, die Zvjezdan Misimovic damals so erfolgreich besetzt hatte. Eigentlich hat man mit Diego auch heute einen genialen Regisseur im Kader – aber damit kommen wir zum Problemkind des Klubs. Weil der Brasilianer die Mannschaftssitzung vor dem Spiel gegen Hoffenheim am letzten Spieltag der letzten Saison vorzeitig verließ, als er erfahren hatte, dass er nicht in der Startelf steht, ist er bei Magath unten durch und hat keine Zukunft mehr in Wolfsburg. Gnade gibt es bei Magath trotz der Qualitäten von Diego nicht – entweder es findet sich ein Verein, der gewillt ist, die Ablöse und das horrende Gehalt des begnadeten Technikers zu bezahlen, oder er bleibt das ganze weitere Jahr über beim VfL unter Vertrag, ohne zu spielen, wozu der Verein imstande ist. Als Interessent für Diego drängt sich momentan Atlético Madrid auf.
Zugänge: Srdjan Lakic (1. FC Kaiserslautern), Patrick Ochs (Eintracht Frankfurt), Marco Russ (Eintracht Frankfurt), Christian Träsch (VfB Stuttgart), Hasan Salihamidzic (Juventus Turin), Mateusz Klich (MKS Cracovia), Michael Schule, Sebastian Polter, Bjarne Thoelke (alle von VfL Wolfsburg II), Kevin Scheidhauer, Robin Knoche (beide von der U19 des VfL Wolfsburg)
Abgänge: Karim Ziani (Al-Jaish), Fabian Johnson (1899 Hoffenheim), Grafite (Al-Ahli Dubai), Sascha Riether (1. FC Köln), Nassim Ben Khalifa (Young Boys Bern, ausgleihen), Dieumerci Mbokani (AS Monaco, war ausgeliehen)
“Ich habe keine Abwehr gesehen” (Felix Magath) – Unruhe nach Pokal-Aus
Die Saisonvorbereitung lief vielversprechend, unter anderem konnten die Wölfe ein Testspiel gegen den Hamburger SV mit 5:1 gewinnen. “Quälix” hat eigentlich allen Grund zur Freude – seine Spieler ziehen sein hartes Training voll durch (selbst der ausgemusterte Diego) und das lange Tauziehen um Wunschspieler Christian Träsch, dem Magath eine zentrale Rolle im Mittelfeld zusichert, konnte endlich beendet werden (der VfL zahlt demnach mindestens 9 Millionen Euro in das Schwabenland).
Wäre da allerdings nicht der Auftakt im DFB-Pokal… Mit 2:3 verlor das Team von Felix Magath in der 1. Runde beim Viertligisten Red Bull Leipzig und offenbarte dabei eklatante Abwehrschwächen sowie Kreativlosigkeit im Mittelfeld. Magath war bereits überzeugt, dass sein Team eine “Einheit” darstelle, also das, was es in der letzten Saison größtenteils nicht war und deshalb so unerfolgreich agierte – doch nach dem Spiel in Leipzig sieht die Sache anders aus; Magath hat noch viel Arbeit vor sich. “Ich habe keine Abwehr gesehen”, sagte der von der Leistung seines Teams erschrockene Trainer und schließt weitere Transfers nun nicht aus. Auch das Rauten-System könnte wieder ad acta gelegt und stattdessen die Doppelsechs mit Träsch und Josué eingeführt werden. Diese Variante ließ Magath in einem kurzfristig durchgeführten Testspiel gegen die Junioren des VfL bereits testen.
Das Transferfenster ist noch bis zum 31. August offen. Man darf gespannt sein, ob und welche Neuzugänge kommen und was schlussendlich mit Diego passiert.

Kann Magath den VfL wieder an die Spitze bringen? /Foto: www.zaunsturm1905.de
Prognose
Der VfL Wolfsburg hat wohl die Klasse, um für die Teilnahme an der Europa League mitzuspielen. Alles hängt davon ab, ob Felix Magath das Gebilde von individuell guten Spielern zu einer schon angesprochenen Einheit formen kann und wie die neuen Spieler in die Mannschaft integriert werden. Im Gegensatz zu seiner Tätigkeit beim FC Schalke 04 hat Magath in Wolfsburg mehr Freiheiten und wird bei seinen Runderneuerungen auf nicht so viel Widerstand treffen wie in Gelsenkirchen. Schlimmer als in den letzten beiden Jahren kann es für den VW-Klub jedenfalls kaum werden.
Prognose: Platz 6-8
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