[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] Hannover 96 - Euphorie in Niedersachsen
1. August 2011, 10:17 geschrieben von tofu87, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute nimmt sich die MAG-Saisonvorschau das Überraschungsteam der letzten Saison vor: Hannover 96. Zu was ist die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka nach Platz vier in der Lage?
Hannover 96
Starke Saison mit Qualifikation für die Europa League als Belohnung
Nach dem Last-Minute-Klassenerhalt in der Vorsaison wurde Hannover 96 2010/11 nur wenig bis gar nichts zugetraut. Und zu Anfang schien das Team dies zu bestätigen, als es in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Regionalligisten SV Elversberg nach Elfmeterschießen schon zum Ausscheiden kam. Direkt war Trainer Mirko Slomka ganz nach oben auf der Liste der Rauswurfkandidaten gerutscht, zudem schien die Chemie zwischen ihm und Manager Jörg Schmadtke gar nicht zu stimmen. Doch straften die Niedersachsen in der Bundesliga alle Kritiker Lügen. Nach einem ordentlichen Start mit 16 Punkten aus den ersten 11 Spielen begann Hannover eine eindrucksvolle Siegesserie und gewann fünf Begegnungen in Folge, die das Team zum Hinrundenende auf Platz vier und in Reichweite der Champions-League-Plätze spülten.
Aus Sicht der meisten Fußballinteressierten sollte das allenfalls eine Momentaufnahme bleiben, kaum einer traute 96 einen Verbleib auf einem der ersten fünf Plätze zu. Doch weit gefehlt: Mit dem starken Sturmduo Abdellaoue / Ya Konan, dem gut aufgestellten Mittelfeld um Schmiedebach und Pinto und der meist sicher stehenden Abwehr, die ab der Rückrunde von Torwart Ron-Robert Zieler dirigiert wurde, bestätigte man die Hinrundenleistungen. Zeitweise sah es sogar aus, als könnte Ligaprimus Bayern München auf Abstand gehalten werden und der dritte Platz möglich sein – doch leider reichte es am Ende nicht ganz. So schloss Hannover die Saison als Vierter mit starken 60 Punkten ab, die die Teilnahme an der Europa League bedeuteten – eine Wohltat nach den schwierigen letzten Jahren. Doch kann in der neuen Saison die Leistung bestätigt werden, oder folgt gar der Absturz in der Tabelle?
Personalien
Den freien Fall wollen Mirko Slomka und Jörg Schmadtke zumindest verhindern, und dafür konnte einiges getan werden, was eine solide Bundesligasaison möglich erscheinen lässt. Kein Leistungsträger musste abgegeben werden, einziger nennenswerter Abgang ist Florian Fromlowitz, der nach seiner Degradierung zum Ersatztorwart hinter Zieler keine Zukunft an der Leine sah und zum MSV Duisburg wechselte. Als neuer Keeper wurde Samuel Radlinger verpflichtet, der sich hinter Zieler und Markus Miller als Nummer drei einreiht. Hannover suchte aber nicht nur für den Posten zwischen den Pfosten einen neuen Mann, sondern versuchte vor allem Spieler für in der Breite dünn besetzte Positionen zu verpflichten. So kam Christian Pander ablösefrei von Ligakonkurrent FC Schalke 04. Was der frühere Nationalspieler nach seinen vielen und vor allem langen Verletzungspausen zu leisten im Stande ist, bleibt erstmal abzuwarten. Einen soliden Ersatz für Linksverteidiger Christian Schulz kann Pander allemal darstellen.

Sergio Pinto wird auch diese Saison eine Schlüsselrolle einnehmen /Foto: www.zaunsturm1905.de
Für das zentrale Mittelfeld wurde Henning Hauger nach Niedersachsen gelotst, der zuletzt in der heimischen norwegischen Tippeligaen bei Stabaek IF spielte. Der 21-malige norwegische Nationalspieler soll als Alternative zu Sergio Pinto und Manuel Schmiedebach dienen, die nach ihrer herausragenden Leistung in der Vorsaison aber noch einen leichten Vorsprung haben sollten. Ab wann Artur Sobiech, vierter und letzter Neuzugang, für Slomka als mögliche Variante im Sturm in Frage kommt, ist noch unsicher. Der Pole litt während der Vorbereitung unter Knieproblemen, soll aber bald schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Seit kurzem ist da auch erst wieder Toptorjäger Didier Ya Konan dabei, der wegen eines Muskelfaserrisses den gesamten Juli fehlte. Mit ein wenig Glück könnte der Ivorer allerdings schon am ersten Spieltag gegen 1899 Hoffenheim im Kader stehen. Die letzte zu klärende Personalie machte Slomka Mitte Juli im Trainingslager in Bad Radkersburg klar, Steve Cherundolo wird weiterhin Kapitän der 96er bleiben.
Zu- und Abgänge
Zugänge: Erdal Akdari, Jannis Pläschke (eigene Jugend), Deniz Aycicek (Hannover 96 II), Henning Hauger (Stabæk IF), Christian Pander (FC Schalke 04), Samuel Radlinger (SV Ried, zuletzt an Union St. Florian verliehen), Artur Sobiech (Polonia Warschau)
Abgänge: DaMarcus Beasley (Puebla FC), Felix Burmeister (Arminia Bielefeld), Constant Djakpa (Eintracht Frankfurt, war von Bayer 04 Leverkusen ausgeliehen), Henrik Ernst (RB Leipzig), Willi Evseev (SC Wiener Neustadt, zur Leihe), Florian Fromlowitz (MSV Duisburg), Valdet Rama (Örebrö SK), Mikael Forssell, Tim Hofmann (beide unbekannt)
Saisonvorbereitung
Abgesehen von den bereits genannten verletzungsbedingten Ausfällen von Didier Ya Konan und Artur Sobiech verlief die Vorbereitungsphase für Hannover 96 mehr als ordentlich. Nach den Pflichtsiegen gegen die unterklassigen Gegner VfR Osterode (9:1), SC Uchte (13:0), TSG Emmerthal (22:1) und TSV Limmer (21:0) gab es die ersten Härtetests während des Trainingslagers in Bad Radkersburg. Den Auftakt bildete ein beachtliches 3:3 gegen den österreichischen Meister Sturm Graz, der zu dem Zeitpunkt schon kurz vor dem ersten Pflichtspiel stand. Nachdem man sich gegen den tschechischen Erstligisten Banik Ostrau (4:0) keine Blöße gab, folgte zum Ende des Trainingslagers hin gegen Hapoel Tel Aviv die erste Niederlage. Mit 1:2 unterlag 96 den Israelis, was zum Teil auch an der Müdigkeit nach den intensiven Trainingseinheiten lag. Laut Mirko Slomka lieferte die Begegnung aber auch einen „Vorgeschmack auf das, was uns auf internationaler Ebene erwartet – und da müssen wir uns eben steigern.“

Mirko Slomka hatte letzte Saison viel zu lachen – dieses Mal auch? /Foto: www.zaunsturm1905.de
Es sollte allerdings die einzige Pleite bleiben. Im vorletzten Testspiel gegen den FC Sunderland, gegen die Slomka seine Mannschaft im ungewohnten 4-2-3-1-System spielen ließ, überzeugten die Niedersachsen mit großer Effektivität vor dem Tor und bezwangen die Engländer mit 3:1. Den abschließenden Test bestritt Hannover gegen den französischen Topklub Olympique Lyon, in dem besonders die Defensivreihen auf beiden Seiten glänzen konnten, das 0:0-Unentschieden war die logische Konsequenz. Die einzige große Erkenntnis, die aus der Vorbereitung gezogen werden konnte, ist, dass die erste Elf aus der Vorsaison auch dieses Jahr erstmal den Vorzug bekommen wird. Bis Ya Konan voll auf der Höhe ist, wird der Ivorer durch Jan Schlaudraff im Angriff vertreten.
Verein und Umfeld
In Hannover ist die Euphorie nach der erfolgreichen Bundesligasaison mit dem Erreichen des vierten Platzes und der Qualifikation für die Europa League spürbar. Dementsprechend sind in der Stadt auch die Erwartungen gestiegen, denn es wird sicher nicht mehr reichen, sich nur im Niemandsland der Tabelle aufzuhalten. Ähnliches lässt Mirko Slomka verlauten, der in Hannover 19 Jahre nach der letzten Europapokalteilnahme die Möglichkeit sieht, sich dauerhaft im oberen Tabellenbereich zu etablieren. Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist dem Fußballlehrer allerdings bewusst, mit einer Platzierung unter den Top Ten wäre er dieses Jahr schon zufrieden. Das spiegelt auch der Etat wieder, der wie 2010/11 unverändert bei 55 Millionen Euro liegt. Europa League und DFB-Pokal werden als nette Zugabe gesehen, wo der sportliche Erfolg realistischerweise nicht eingeplant werden kann.
Saisonprognose
Auf Hannover 96 wartet eine spannende Saison. Durch die zusätzliche Belastung in der Europa League, falls die Play-Off-Spiele überstanden werden, könnte ein Problem entstehen, da der Großteil der Spieler den veränderten Spielrhythmus und die größere Anzahl an Begegnungen nicht gewohnt ist. Der große Vorteil der Hannoveraner ist hingegen, dass das Gesicht der Mannschaft gleich geblieben und auch eingespielt ist, quantitativ hat man auch noch dazugewonnen. Entscheidend für die Bundesliga wird der Saisonstart sein, der mit drei Heimspielen in den ersten vier Partien aufwartet. Gelingt es die Heimstärke zu kompensieren, könnte durch einen guten Auftakt einiges an Druck von der Mannschaft genommen werden. Trotzdem ist eine Saison wie die letzte fast auszuschließen, eine erneute Qualifikation für den Europapokal nur mit einem optimalen Saisonverlauf und ein wenig Glück machbar. Hannover dürfte sich eher im oberen Tabellenmittelfeld wiederfinden, eine einstellige Position ist im Bereich des Möglichen.
Prognose: Platz 8-11
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