[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] FC Bayern München - mit Jupp Heynckes wieder an die Spitze?
4. August 2011, 14:34 geschrieben von Francescoli, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Heute in der MAG-Saisonvorschau: Rekordmeister FC Bayern München. Fans, Medien und Experten sehen gespannt nach München und fragen, ob es dem alten neuen Trainer Jupp Heynckes gelingen wird, die Bayern wieder in die Erfolgsspur zu führen.
FC Bayern München
Nach der aus Münchner Sicht enttäuschenden Vorsaison, die man nur mit Platz drei abschloss, kann das Ziel in diesem Jahr nur heißen: Gewinn der deutschen Meisterschaft.
Transfers
Der FC Bayern investierte etwa 44 Mio. Euro in neue Spieler, davon allein 22 Mio. für Manuel Neuer, der einen Vertrag bis 2016 erhielt. Maximilian Riedmüller rückte als dritter Torwart von den Amateuren in den Profikader hoch. Die Abwehr wurde mit Rechtsverteidiger Rafinha (FC Genua, bis 2014) und Jérôme Boateng (Manchester City, bis 2015) verstärkt. Für das Mittelfeld kam das 19-jährige japanische Talent Takashi Usami von Gamba Osaka zunächst für ein Jahr auf Leihbasis. David Alaba, der an die TSG Hoffenheim ausgeliehen war, kehrte nach München zurück. Der Sturm wurde mit Nils Petersen (bis 2014), Zweitligatorschützenkönig von Energie Cottbus, aufgerüstet. Den Klub verließen Miro Klose (Lazio Rom), Hamit Altintop (Real Madrid), Andy Ottl und Thomas Kraft (beide Hertha BSC) sowie Mehmet Ekici (Werder Bremen).
In München verzichtete man auf verrückte Transferausgaben. Manuel Neuer, jüngst zum Fußballer des Jahres gewählt, hätte den FC Schalke in einem Jahr zwar ohne Ablöse verlassen können; ob er dann aber noch nach München gewechselt wäre, war allerdings unsicher. So schlugen die Bayern sofort zu und haben damit dafür gesorgt, dass der Platz zwischen den Pfosten wieder von einem unumstrittenen Topkeeper besetzt ist. Möglichen Akzeptanzproblemen, wie sie eine Reihe von Medien vermuten, wird Manuel Neuer souverän begegnen. Er weiß, wie Utràs ticken und wird entsprechende Arrangements finden.
Der Trainer
Louis van Gaal scheiterte in München bereits in seinem zweiten Jahr. Sein Nachfolger heißt Jupp Heynckes, der die Verhältnisse bei den Bayern aus den Jahren 1987 bis 1991 und 2009 (als Interimstrainer) bereits bestens kennt. Seine Verpflichtung kam nicht überraschend. Heynckes gilt zum einen als guter Freund von Uli Hoeneß und personifiziert durch seine verlässliche und loyale Art die Hoffnung, dass wieder mehr Ruhe zwischen der sportlichen Leitung und den Klubbossen einzieht. Zum anderen genießt Don Jupp fußballerisch einen sehr guten Ruf, er kennt die Bundesliga genauestens und bringt durch seine langjährige Tätigkeit in Spanien und Portugal große internationale Erfahrungen mit. Dass der 66-Jährige zuletzt Bayer Leverkusen auf Platz 2 der Bundesliga (68 Punkte) brachte und dem BVB, der Übermannschaft der vergangenen Saison, lange Paroli bieten konnte, imponierte den Münchner Bossen. Gleichzeitig markiert die Entscheidung für den neuen alten Trainer Heynckes das vorläufige Ende des Versuches, einen neuen Fußballstil zu etablieren. Gewagte und mitunter eigensinnige Experimente, wie sie Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal einleiteten, sind von Jupp Heynckes nicht zu erwarten. Zwar blieb van Gaals Co-Trainer Andries Jonker dem Klub erhalten, doch er übernimmt die Amateure (U23), während Jupp Heynckes in der Auswahl seiner Assistenten auf Kontinuität setzt, indem er Peter Hermann aus Leverkusen mitbrachte und weiter auf das Münchner Urgestein Hermann „Tiger“ Gerland setzt. Etwas überraschend ist allein die Personalie Toni Tapalovic; der 30-jährige Kroate, zuletzt bei den Mainzer Amateuren unter Vertrag, wird neuer Torwarttrainer.
Die Mannschaft
Jupp Heynckes gab die Devise aus, in dieser Saison vor allem die Balance zwischen dem Offensiv- und dem Defensivspiel verbessern zu wollen. Dies betrifft nicht nur die viel gescholtene Innenverteidigung, sondern alle Mannschaftsteile. Nimmt man die Vorbereitungsspiele und das Pokalduell gegen Eintracht Braunschweig (3:0) zum Maßstab, dann werden die Bayern auch in der neuen Bundesligasaison mit nur einer nominellen Spitze in einem flexiblen 4-2-3-1-System spielen. Zentrale Schaltstelle im Spiel der Bayern ist Bastian Schweinsteiger. Um den Platz neben ihm im zentralen defensiven Mittelfeld kämpfen vor allem Anatoliy Tymoshchuk und Luis Gustavo. Beide sind erfahrene Spieler mit hoher Antizipationsfähigkeit und aggressivem Zweikampfverhalten. Für Gustavo dürften sein vergleichsweise präziseres Passspiel und seine größere Torgefahr sprechen.

Anatoliy Tymoshchuk wird um seinen Platz kämpfen/Foto: www.Zaunsturm1905.de
Die Defensivabteilung
Da die Suche nach einem qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Linksverteidiger erfolglos blieb, stellten die Bayern ihre Viererabwehrreihe um. Philipp Lahm wird wie schon zu Beginn seiner Profikarriere nach links rücken, auf rechts wird Rafinha verteidigen – eine nachvollziehbare Lösung, von der in erster Linie die offensiven Außen Ribéry und Robben profitieren werden, da beide wieder gut abgesichert sind und so ihr mitunter riskantes Offensivspiel voll entfalten können. In der Innenverteidigung verspricht sich Heynckes mehr Stabilität durch Jérôme Boateng. Der aus Manchester gekommene deutsche Nationalspieler ist sehr schnell, kopfballstark und technisch beschlagen. Neben ihm dürfte Holger Badstuber seinen Platz behaupten. Beide Innenverteidiger bilden eine viel versprechende Innenverteidigung, die ihre defensive Rolle solide ausfüllt und auch für einen schnellen und präzisen Spielaufbau sorgt. Der Belgier Daniel van Byuten und der häufig verletzte Brasilianer Breno, dem man zudem Motivationsprobleme nachsagt, werden nach gegenwärtigem Leistungsstand ebenso wie das Eigengewächs Diego Contento wohl zunächst auf der Bank Platz nehmen und als Ergänzungsspieler nur gelegentlich ins Geschehen eingreifen, wenn die Stammbelegschaft aufgrund der von Heynckes angekündigten moderaten Rotation oder aufgrund von Verletzungen pausieren wird.

Sollen die Defensive stärken: Luis Gustavo und Holger Badstuber/Foto: www.Zaunsturm1905.de
Zusammen mit Manuel Neuer dürften also Schweinsteiger und Gustavo im zentralen Mittelfeld und Rafinha, Boateng, Badstuber und Lahm in der Verteidigung auflaufen und schon allein aufgrund ihrer individuellen Klasse eine wieder solide Defensive garantieren.
Die Offensivabteilung
Im modernen Fußball entscheidet die Herrschaft über den engen Raum in der Mitte des Feldes über Sieg oder Niederlage. Dort hat der FC Bayern mit Bastian Schweinsteiger und Luis Gustavo zwei strategisch exzellent agierende Spieler, wobei insbesondere der technisch brillante Schweinsteiger mit Raum- und Ballgefühl glänzt, während Gustavo sehr gut antizipiert und bissig im Zweikampf arbeitet. Beide Sechser sind in der Lage, viel Druck von der Verteidigung fernzuhalten und in der Offensivbewegung ständig neue Situationen zu schaffen, die den Gegner permanent unter Druck halten. Dabei sind die Außen erstklassig durch Arjen Robben und Franck Ribéry besetzt. Sind beide einsatzfähig, ist das Spiel der Bayern unberechenbar. Eine wichtige Rolle könnte dabei Toni Kroos einnehmen. Der technisch brillante Ex-Rostocker, der wie kaum ein zweiter deutscher Spieler überraschende und präzise Pässe in die Tiefe spielen kann, genießt das Vertrauen des Trainers und könnte in dieser Saison auf der 10er-Position den endgültigen Durchbruch in München schaffen. Im Raum zwischen dem zentralen Mittelfeld und der Sturmspitze ist auch Thomas Müller, der diese Rolle jedoch mehr als hängende Spitze ausfüllen würde, eine Klasse für sich. Zudem kann Müller beide Außenpositionen besetzten. Als Backup für Franck Ribéry steht zudem neben David Alaba auch der vielseitige Danijel Pranjić bereit. Gleiches gilt für Takashi Usami, der bereits in der Vorbereitung sein fußballerisches Potential zeigen konnte.

Thomas Müller präsentiert sich in der Vorbereitung wieder sehr stark/Foto: www.Zaunsturm1905.de
Die Bayern verfügen über eine Ansammlung hochklassiger Mittelfeldspieler. Jupp Heynckes kann aus dem Vollen schöpfen und in jeder Lage unter verschiedenen Varianten wählen, um in vorderster Reihe Mario Gómez bedienen zu lassen. Der Ex-Stuttgarter hat sich in der vergangenen Saison eindrucksvoll durchgebissen und ist trotz seiner unübersehbaren Mängel im Kombinationsspiel aus der Stammelf nicht mehr wegzudenken. Interessant wird sein, wie sich Neuzugang Nils Petersen in München entwickeln wird. Der Ex-Cottbusser hat das Zeug, sich einige Einsätze zu erarbeiten und mit Toren auf sich aufmerksam zu machen.
Der Klub und sein Umfeld
Der FC Bayern wird in dieser Saison alles daran setzen, negative Schlagzeilen zu vermeiden. Zumindest scheint mit der Personalie Jupp Heynckes dafür gesorgt, dass mögliche Unstimmigkeiten konsequenterweise intern ausgehandelt werden. Entscheidend dafür ist in erster Linie der sportliche Erfolg. Gelingt es den sportlich Verantwortlichen um Heynckes, aus der Ansammlung erstklassiger Fußballer eine funktionierende Mannschaft zu formen, wird es an der Säbenerstraße und im deutschen Blätterwald wieder ruhiger zugehen. Die Umstrukturierungen in der Vereinsführung – Uli Hoeneß wechselte ins Präsidentenamt, sein Nachfolger auf dem Managerposten Christian Nerlinger hat sein erstes Lehrjahr hinter sich gebracht – sind vorläufig abgeschlossen. Die Bayern sind wirtschaftlich kerngesund, das Merchandising boomt, jedes Heimspiel ist ausverkauft. Gelingt die Qualifikation für die Champions League (Playoff-Spiele am 16./17.08.2011 und 23./24.08.2011), können die Münchner wieder ein sportlich und finanziell erfolgreiches Jahr hinlegen.
Saisonziele, Prognose
Auch für die neue Bundesligasaison gilt: Alles andere als der Gewinn der Meisterschaft würde in München mit Enttäuschung hingenommen werden. 16 der 18 Erstliga-Trainer trauen dem FC Bayern den Titel zu, zehnmal wurde Titelverteidiger Dortmund genannt. Sechs Trainer sehen Bayer Leverkusen zumindest als Mitfavoriten. Die Zuschauer dürfen gespannt sein. Vor allem Titelverteidiger Dortmund ist ein Meisterschaftskonkurrent, der die Bayern mindestens auf Augenhöhe herausfordern wird. Da die Gelb-Schwarzen jedoch ihren Taktgeber Nuri Sahin an Real Madrid verloren und sich in diesem Jahr zudem der anspruchsvollen Champions League stellen müssen, könnten am Ende die größere Erfahrung der Bayern und deren in der Breite besser besetzte Kader den Ausschlag geben.
Die MAG-Prognose lautet daher: Meister wird der FC Bayern.
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