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[MAG-Bundesligavorschau 2011/12] Borussia Dortmund - Saisonziel: Internationaler Platz!

5. August 2011, 10:52 geschrieben von KKE, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Nach Jahren ohne Saisonziel hat Borussia Dortmund sich wieder festgelegt. Kann der BVB den hohen Erwartungen gerecht werden? In der MAG-Saisonvorschau wird die Situation des amtierenden deutschen Meisters genauer beleuchtet.


Borussia Dortmund

Rückblende – groß, größer, Dortmund

Anders fällt es schwer die letzte Saison der Borussen zu charakterisieren. Nach der 0:2-Auftaktniederlage gegen Leverkusen waren zunächst selbst die Optimisten auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Das Team schien zu jung, um sich mit den vermeintlich Großen der Liga zu messen. Was dann folgte, dürfte zu den einmaligsten Meisterleistungen in der gesamten Bundesliga-Geschichte gehören. Bis zur Winterpause wurden 43 Punkte herausgespielt (14 Siege, 1 Unentschieden, 2 Niederlagen). Dies reichte zudem zu einem sehr komfortablen 10-Punkte-Vorsprung vor den Verfolgern Mainz und Leverkusen. Jeder Spieler wuchs über sich hinaus. Herausragende Spielerpersönlichkeiten waren Kagawa, Götze, aber vor allem wohl der neue Taktgeber Nuri Sahin.
Dies schmeckte weder den Verfolgern aus Leverkusen, noch dem amtierenden Meister aus München. Die ersten Rechenspiele wurden über die Medien geführt. Druck aufbauen war schon immer ein beliebtes Instrument in solchen Situationen, zumal der gesamte BVB die Erwartungen stets zügelte. Zwischen den Medien und dem Ballverein entstand ein regelrechtes Wettspiel daraus, dem zu diesem Zeitpunkt vermeintlich größten Favoriten endlich das ‘M-Wort‘ zu entlocken. Die Borussen blieben standfest, zeigten sich unbeeindruckt von den Kampfansagen der Konkurrenten. Auch ohne den beim Asien-Cup weilenden Kagawa wurde Bayer 04 Leverkusen in nur fünf Minuten auseinander genommen. Die drei Tore zu Beginn der zweiten Halbzeit reichten zu einem 3:1-Sieg und die Konkurrenz verstummte vorerst wieder nach dieser schon teils unheimlichen Vorstellung der jungen Rasselbande.

Als der BVB in den folgenden Spielen etwas glückloser agierte als zuvor und sich auch noch der wuselige Kagawa wegen eines Mittelfußbruchs im Halbfinale des Asiens-Cups für die Rückrunde abmelden musste, keimten die Hoffnungen erneut auf. Immer wieder wurden in den Medien Rechnungen vorgeführt. Doch spätestens nach dem höchst beeindruckenden 3:1-Sieg in München, im Übrigen der erste Auswärtssieg gegen die Münchener seit 19 Jahren, wurde auch dem letzten Zweifler klar, dass sich diese Borussia nur schwer den Titel noch abnehmen lassen würde.

So kam es dann auch am Ende. Bereits am 32. Spieltag wurde die Meisterschaft eingefahren, neun Jahre nach dem letzten Meistertitel. Damit hätte wohl niemand nach den finanziell äußerst schwierigen Jahren gerechnet.

Verpasste mit 22 Gegentoren Oliver Kahn’s Rekord um nur einen Treffer: Roman Weidenfeller /Foto: www.zaunsturm1905.de

Personalien – wer kann Taktgeber Sahin ersetzen?

Die Zeit der Meisterfeiern ist vergangen und die Borussia hat einen großen Verlust zu verschmerzen. Nuri Sahin, von seinen Bundesliga-Kollegen zum Spieler der Saison gekürt, will den nächsten Schritt in seiner Karriere machen und heuerte dazu bei Real Madrid an. Ein Abgang, der nicht Eins-zu-Eins ersetzt werden kann. Die Spielweise wird sich ohne Sahin ändern, so kündigte es unter anderem Sportdirektor und BVB-Ur-Gestein Michael Zorc an.

Im Vergleich zu den letzten Jahren, wo höchstens ein größerer Transfer getätigt wurde, konnten für die kommende Saison gleich zwei größere Transfers umgesetzt werden. Als vermeintlich erster Aspirant für den frei gewordenen Platz im defensiven Mittelfeld auf der offensiven Sechs gilt Ilkay Gündogan, der vom Bundesliga-Konkurrenten Nürnberg gewonnen werden konnte.

Der folgende Transfer ließ dann sicherlich einige Augen vor Staunen groß werden. Nicht wegen des Namens des Spieler, Ivan Perisic ist in Deutschland und auch international noch ein eher unbeschriebenes Blatt, aber die Transfersumme von geschätzten 5,5 Millionen € stellt die höchste seit der Verpflichtung von Torsten Frings dar. Die neun Jahre Dauer, bis ein solcher Transfer wieder getätig werden konnte, steht symbolisch für die finanziell klamme Zeit des Ruhrpott-Klubs. Der Mittelfeld-Star, bester Torjäger und ausgezeichnet als bester Spieler der belgischen Liga, kann auf allen offensiven Mittelfeldpositionen spielen und stellt eine ausgezeichnete qualitative sowie quantitative Verstärkung in der Breite des Dortmunder Kaders dar.

Bereits in der vergangenen Saison konnte sich Borussia Dortmund nach Sven Bender die Dienste eines weiteren 1860-Talents sichern: Moritz Leitner. Nach einer halbjährigen Ausleihe an Augsburg trifft der talentreiche Mittelfeldspieler nun erstmals auf Klopp und seine Jungs. Zurückgekehrt ist auch Julian Koch. Als Rechtsverteidiger wurde der Jugendspieler an den MSV Duisburg ausgeliehen und avancierte schnell trotz seines jungen Alters zu einem der wichtigsten Führungsspieler in Duisburg. Dabei rückte er zwischenzeitlich auch in das defensive Mittelfeld und nahm diese neue Position gut an. Ein Kreuzbandriss sowie das Kompartmentsyndrom lassen sein Comeback in weite Ferne rücken. Frühestens zur Rückrunde wird Koch wieder ins Spielgeschehen eingreifen können.

Der linke Außenbahnspieler Chris Löwe, Marvin Bakalorz von den eigenen Amateuren sowie Mustafa Amini vollenden die Zugangsseite. Amini wird allerdings erst nächstes Jahr zur Borussia stoßen. Aufgrund seiner Nationalmannschaftstätigkeiten in Australien wurde von einer frühen Verpflichtung Abstand genommen, sodass er an seinen Ex-Klub, die Central Coast Mariners, für ein weiteres Jahr ausgeliehen wurde. In dieser Zeit soll er zudem an seiner Robustheit arbeiten.

Kein Grund zur Sorge: Jürgen Klopp geht mit hervorragenden Neuzugängen in die neue Saison/Foto: www.zaunsturm1905.de

Durchaus prominent sieht die Liste der Abgänge aus. Neben dem bereits genannten Sahin reihen sich Feulner und Hajnal ein, die sich unter Klopp nicht ernsthaft durchsetzen konnten. Ein weiteres Opfer ist BVB-Legende Leonardo Dedê. Nachdem ihm in der letzten Saison Marcel Schmelzer endgültig seinen Stammplatz als Linksverteidiger abgelaufen hatte, sucht er nun im Anschluss an seine sehr sentimentale Abschieds-Tournee rund um die Meisterfeierlichkeiten eine neue Herausforderung. Diese liegt in der Türkei bei Eskisehirspor, wo er auf seinen Ex-Trainer Thomas Doll und BVB-Amateur Mehmet Boztepe trifft.

Darüber hinaus wurden, wohl auch wegen der guten Erfahrungen in der letzten Saison, gleich drei junge Talente in die zweite Liga verliehen, die sich allesamt bereits bei ihren neuen Klubs bewiesen haben. Etwas anders ist die Lage bei Dimitar Rangelov. Seine letztjährige Ausleihe brachte keinen Erfolg. Dieses Jahr wagt er einen erneuten Versuch bei seinem Ex-Klub Energie Cottbus.

Zugänge: Ivan Perisic (FC Brügge), Ilkay Gündogan (1. FC Nürnberg), Mustafa Amini (Central Coast Mariners), Chris Löwe (Chemnitzer FC), Marvin Bakalorz (Borussia Dortmund II), Julian Koch (MSV Duisburg, war ausgeliehen), Moritz Leitner (FC Augsburg, war ausgeliehen)

Abgänge: Leonardo Dede (Eskisehirspor), Markus Feulner (1. FC Nürnberg), Tamás Hajnal (VfB Stuttgart), Nuri Sahin (Real Madrid), Mustafa Amini (Central Coast Mariners, ausgeliehen), Marco Stiepermann (Alemannia Aachen, ausgeliehen), Daniel Ginczek (VfL Bochum, ausgeliehen), Dimitar Rangelov (FC Energie Cottbus, ausgeliehen), Lasse Sobiech (FC St. Pauli, ausgeliehen)

Vorbereitungsphase – Dortmund schnell in Frühform

Auf Erfolgen ausruhen? Fehlanzeige! Die Dortmunder Borussen zeigten sich bereits früh von ihrer besten Seite und waren selbst zu Zeiten des Trainingslagers für ihre Testspielgegner eine unangenehme Aufgabe. Die ersten ernstzunehmenden Herausforderungen waren sicherlich die Spiele beim Liga-Total-Cup gegen Mainz (1:0) und Auftaktgegner Hamburg (2:0) sowie das Supercup-Spiel gegen den Rivalen aus Gelsenkirchen (3:4 i.E.). Alle Spiele wurden dominiert, der BVB zeigte sich wie in der letzten Saison. Das große Problem ist weiterhin die Chancenauswertung, wenn die Elfmeter-Schwäche außen vor gelassen wird. Trotzdem reichte es meist zu mindestens einem Tor und die Defensive zeigte sich abermals bombenfest, sodass davon ausgegangen werden kann, dass der BVB mit viel Elan die Bundesligasaison angehen wird.
In den Vorbereitungsspielen glänzten zunächst vor allem Shinji Kagawa sowie Kevin Großkreutz. Letzterer konnte seine zwischenzeitlich großartige Form nicht ganz halten, Kagawa zeigt sich jedoch weiterhin von seiner besten Seite, als wäre er nie verletzt gewesen. Auch Mario Götze bewies, dass er bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wenn es einen Spieler gibt, der Sahin in seiner Spielerpersönlichkeit ersetzen kann, so dürfte dies Mario Götze sein. Trotz der unterschiedlichen Positionen zeigte sich Deutschlands aktuell wohl meist-gehyptes Talent ballfordernd mit gutem Blick für die Mitspieler.

Fragezeichen stehen noch hinter drei Meisterhelden. Marcel Schmelzer musste weite Teile der Saisonvorbereitung wegen Knieproblemen aussetzen und wird den Saisonstart verpassen. Für ihn konnte sich überraschend Chris Löwe aufrdrängen, der mit seinem ausgeprägten Offensivdrang zu überzeugen wusste. In der Defensive wird er allerdings sicherlich noch ein wenig Zeit brauchen, um sich auf Augenhöhe mit Nationalspieler Schmelzer duellieren zu können.

Sven ‘Manni‘ Bender musste nach seiner Knieoperation ebenfalls etwas kürzer treten und kam zwar zuletzt wieder in das Mannschaftstraining, konkurriert nun allerdings auch um einen Platz in der Startelf, weil sich neben Gündogan auch der bestätigte Kapitän Sebastian Kehl für diesen Platz empfahl. Wie die zukünftige Besetzung aussieht, ist offen. Nicht zuletzt wegen Moritz Leitner, der trotz seines jungen Alters seine Qualitäten auf verschiedenen Mittelfeldpositionen bewies. Für den Anfang sollten Bender und Gündogan die Nase vorn haben, aber beide dürfen sich von Kehl und Leitner unter Druck gesetzt fühlen.

Der größte Problempunkt sitzt allerdings im Sturm. Torjäger Barrios verletzte sich im Finale der Copa America auf unglückliche Art und Weise. Die von den paraguayischen Ärzten kolportierte Verletzungsdauer von 2-3 Wochen stellte sich allerdings als falsch heraus. Vielmehr wurde nun in Dortmund festgestellt, dass Barrios weitere 5-6 Wochen aussetzen muss. Dadurch wird Lewandowski sicherlich erstmals ernsthaft auf die Probe gestellt als reiner Stürmer. Vermissen wird das junge Team sicherlich nicht nur Barrios’ hohe Torgefahr, sondern auch seinen für einen Stürmer großartigen Blick für seinen Mitspieler. Diese Qualität kann Lewandowski sicherlich nicht ersetzen, doch zeigte er sich bereits im DFB-Pokal mit zwei Toren ausgesprochen torfreudig und bewies zumindest zeitweise Fortschritte in Eins-gegen-Eins-Situationen, in denen er in der Vorsaison häufiger am Torwart scheiterte.

Auf den drei offensiven Mittelfeldpositionen darf man sich auf Rotation einstellen. Nach der Rückkehr von Kagawa und den Neuzugängen von Perisic und Leitner finden sich 7-8 Spieler, die diese Positionen bekleiden können. Dabei ist es auch von Vorteil, dass nahezu jeder dieser Spieler auf mehreren oder allen der drei Positionen einsetzbar ist. Zum Saisonstart dürfen Götze, Kagawa und Großkreutz erwartet werden. Zwar wird gemeinhin vermutet, dass Großkreutz sich dem direkten Duell mit Perisic stellen wird, doch wird dabei gerne vergessen, dass es kaum einen Spieler im Dortmunder Kader gibt, der besser zu Jürgen Klopps System passt. Ob läuferisch, im Pressing, in der Defensivarbeit oder hinsichtlich der Torgefahr sowohl als Vorbereiter oder Torschütze, Kevin Großkreutz weist Qualitäten auf, die ihn in der Summe nahezu unverzichtbar für die Borussen-Elf machen.

Die voraussichtliche Stamm-Elf der kommenden Saison dürfte daher wie folgt aussehen:

Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Götze, Kagawa, Großkreutz – Barrios

Verein und Umfeld – Das Dreigestirn in Harmonie mit den Fans

Die Väter des durchaus überraschenden Erfolges sind Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Teamchef Jürgen Klopp. Zwar stand Jürgen Klopp in der vergangenen Saison zu Recht stärker im Fokus, doch auch seine zwei Kollegen aus der Führungsetage sowie natürlich auch das gesamte Trainerteam dürften einen nicht minderschweren Anteil am Erfolg gehabt haben. Das Dreigestirn und ihre Helfer verstanden es auf unnachahmliche Art und Weise, Borussia Dortmund wieder eine Philosophie zu geben, nach der konsequent gehandelt wurde.

Gerade die Konsequenz zahlte sich in der letzten Saison voll aus, sodass auch die Fans komplett hinter ihrem Verein standen. Unliebsame Entscheidungen wie zuletzt Schmelzer einem Dedê vorzuziehen oder auch zuvor Verkäufe von Publikumslieblingen wie Petric oder Frei waren spätestens nach dem großartigen Zusammenwirken in der vergangenen Saison vergessen.

Teamzusammenhalt par excellence: Die wohl größte Stärke des BVB /Foto: www.zaunsturm1905.de

Daraus resultierte es, dass das ehemalige Westfalenstadion zu einem lange nicht mehr dagewesenen Tollhaus avancierte. 13 Mal war das Stadion ausverkauft, der Zuschauerrekord wurde zum wiederholten Mal übertroffen.

Das steigende Interesse weckte auch Sponsoren und Dortmund darf sich nach einigen neuen Champions-Partner-Verträgen, einem neuen Ausrüster in der kommenden Saison und Verbesserungen im Trainingsgelände für den Profi- und Jugendbereich mittelfristig sowohl sportlich als auch finanziell als richtig gut aufgestellt betrachten.

Saisonziele- und Prognose – Erstmals wieder eine Zielsetzung

Nach Jahren ohne Zielsetzung – erstmals unter Klopp – wurde entschieden eine Zielsetzung publik zu machen. Man befand es als unglaubwürdig, als Meister ohne eine Zielsetzung in die Saison zu gehen. In der Tat dürfte ein Verein wohl belächelt werden, nach einer solch überragenden Saison keine Zielsetzung auszugeben. Ob sich die Medien damit begnügen, dass kleine Brötchen gebacken werden und das Ziel „internationaler Platz“ eine äußerst vorsichtige Formulierung darstellt; dies sei dahingestellt. Fakt ist, Dortmund gilt sicherlich als einer der größeren Titelanwärter. In den Saisonprognosen wird Bayern München nach den Verstärkungen in der Defensive (Neuer, Boateng, Rafinha) allerdings ohne Frage als größter Favorit herausgestellt. Doch während sich die Münchener Defensive erst finden werden müssen, kann Dortmund auf ein eingespieltes Team setzen und die Titelverteidigung in Angriff nehmen. Auch Leverkusen wird im Titelkampf wohl eine nicht unbedeutende Rolle spielen, mit Überraschungsmannschaften sollte auch in der kommenden Saison gerechnet werden. Dortmund darf mit großem Selbstbewusstsein die Champions-League-Plätze anpeilen.

Prognose: Platz 1-3


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