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Eingeworfen: Der HSV beendet das Trauerspiel um Michael Oenning - ein Kommentar

20. September 2011, 13:16 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Deutscher-Fussball.

Nach dem Treueschwüren vom Wochenende kam der Rauswurf von Michael Oenning am gestrigen Montag dann doch überraschend. Doch auch wenn viele dies als Kurzschlusshandlung einordnen und die Verantwortlichen beim HSV dabei keine gute Figur gemacht haben, die Entscheidung, das Trauerspiels um den sportlich erfolglosen Coach zu beenden, war richtig. Ein Kommentar.

Nachdem sich am Wochenende Sportdirektor Frank Arnesen trotz deutlich anzumerkender Enttäuschung über den Auftritt der Mannschaft und der erneut verloren gegangenen Bundesligapartie noch demonstrativ hinter seinen Trainer Michael Oenning gestellt hatte, änderte sich in den nächsten 24 Stunden die Gemengelage wohl soweit, dass man sich auf Seiten der Verantwortlichen doch dazu durchrang, diese Entscheidung zu revidieren. Zu groß war wohl die Angst, dass die Anzeige mit der ununterbrochenen Zugehörigkeit zur 1. Bundesliga im Stadion am Saisonende stehen bleiben könnte. Am Montag zog der HSV die Reißleine und beendete das Trauerspiel um den erfolglosen Chefcoach. Addiert man zu den nackten Zahlen – 13 Bundesligaspiele saisonübergreifend ohne Sieg und mit nur einen Punkt Tabellenletzter – das desaströse Erscheinungsbild auf dem grünen Rasen und das Ausbleiben jeglicher Fortschritte, so muss man bei allem Streben nach Konstanz diese Rolle rückwärts als richtig einordnen, eigentlich war Oennings Ende überfällig.

Längst hätten auch die Entscheidungsträger beim Bundesligadino merken müssen, dass Oenning den Ansprüchen eines Cheftrainers beim HSV nicht gerecht wird und ihn diese Aufgabe überfordert. Während Arnesen und wohl auch der Vorstand noch hinter dem gebürtigen Coessfelder standen und auf eine Wende bei der sportlichen Talfahrt hofften, hatten die Fans längst das Vertrauen verloren, sich auf ihn eingeschossen und nur noch Hohn und Spott übrig. Und eine schlimmere Form der Missachtung gibt es kaum. Witze wie: “Was ist der Unterschied zwischen einem Ö und dem HSV? Das große Ö hat zwei Punkte” strotzen nur so von Sarkasmus und haben im Web Hochkonjunktur. Gewaltiges Feedback hatte auch ein Twitteruser, der sich als Oenning ausgibt und das Original und dessen Entscheidungen durch den Kakao zieht. Den Vogel abgeschossen haben aber einige Anhänger des Stadtrivalen FC St. Pauli, die tatsächlich eine “Initiative pro Oenning” gründeten und darauf hofften, dass der HSV weiter auf ihn setzt und eben nicht aus der Krise kommt. Und immer noch ein kleines Interna. Dieser Kommentar mit dem Titel: “Warum Oenning gehen sollte”, entwickelte sich zum mit Abstand meist gelesenen Artikel unseres Magazins in den letzten Wochen – er kursierte durch sämtliche HSV-Foren. Eigentlich hat er mit den Hanseaten aber gar nichts am Hut, er wurde im Dezember 2009 geschrieben und beschreibt die damalige Situation beim 1. FC Nürnberg. Viele HSV-Fans lasen diesen Kommentar allerdings mit Erschrecken, weil sie Oennings Arbeitsweise darin eins zu eins wiedererkannten und so zusätzlich Angst geschürt wurde, was die Zukunft des HSV angeht.

Zwei Tage nach der blutleeren Vorstellung gegen Borussia Mönchengladbach, fiel der Groschen nun also auch bei der Hamburger Chefetage. Der zwangsläufig selbst verordnete Sparkurs und der daraus folgende Umbruch im Kader haben die Hamburger mehr in die Bredouille gebracht als erwartet. Der Trainer ist dabei einmal das schwächste Glied der Kette – der Rauswurf kam daher fast zwangsläufig. Natürlich ist Oenning nicht allein verantwortlich für die miserable sportliche Situation. Dabei haben auch Sportdirektor Arnesen, der sich mit Vorliebe bei seinem Exverein bedient hatte und bei der Zusammenstellung der Mannschaft einiges im Argen beließ, sowie die Spieler einen nicht unerheblichen Anteil. Gerade die erfahrenen Profis haben ihren Trainer im Stich gelassen – keiner hat auch nur annähernd sein Leistungspotenzial ausgeschöpft und schon gar keiner hat sich als Leader entpuppt, der die anderen zurechtweist und selbst in der Lage ist, die anderen mitzureißen.

Nun ist das Kapitel Oenning also beendet und der HSV hofft mit einem neuen Trainer auf einen Neuanfang und die Wende. Viel Patronen hat man bei den Hanseaten aber nicht mehr im Colt – es sollte bei der Suche nach dem Nachfolger ein Blattschuss sein.


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