Eingeworfen: Wütende Schalker und ein kranker Trainer - ein Kommentar
22. September 2011, 14:24 geschrieben von SchalkerKreisel, abgelegt unter Deutscher-Fussball.
Nach dem Spiel der Bayern auf Schalke war der Aufschrei der Presse groß, aber die Gründe hinterfragt hat niemand. Und jetzt der plötzliche Rücktritt von Ralf Ragnick als Cheftrainer von Schalke 04. Ein Kommentar.
Wütende Schalker
Nach dem Spiel der Bayern auf Schalke war der Aufschrei der Presse groß, endlich konnte man wieder von den asozialen Schalkern schreiben. Kaum eine Zeitung ließ es sich nehmen “skandalös” oder “unter der Gürtellinie” oder andere negativ konnotierte Begriffe zu verwenden, um die Schalker Fans und deren Verhalten zu beschreiben. Dabei ließ man es sich allerdings fast nirgends nehmen, die eben noch als skandalös verunglimpften Plakate in schönen Bilderstrecken eben noch schnell mit in den Artikel einzubauen. Das Einzige, was kein einziger der Schreiberlinge, die sich Journalisten nennen, getan hat, war die Hintergründe für das Verhalten zu hinterfragen.
Was war passiert? Das Banner, über das sich in der Presse wohl am meisten echauffiert wurde, war von der UGE und enthielt ein Todesdatum für den ehemaligen Schalker Torhüter. Nach einhelliger Meinung der Presse war das natürlich ein absolutes Unding und mindestens ein Aufruf zum Mord, wenn nicht sogar noch schlimmer. Dass man bei diesem Banner aber auch eine völlig andere Interpretationsmöglichkeit gehabt hätte, schien nicht einem einzigen Mitglied der vielgerühmten deutschen Presse gekommen zu sein. Dass die Ultras Gelsenkirchen vielleicht einfach nur sagen wollten, dass der neue Bayerntorwart für sie als Schalker und ehemaliges Ultramitglied gestorben sei, war wohl eine zu komplexe Denkaufgabe. Es gab noch einige andere aus Sicht des guten Geschmacks vielleicht disskusionswürdige Plakate, aber skandalös? Nach dem Duden muss man das sogar bejahen, aber auch nur, weil die Presse die Pfiffe und Plakate zu einem “Geschehnis, das Anstoß und Aufsehen erregt” gemacht hat. Wie gut, dass die Journalisten kein Foto von der Puppe mit einer Nummer 1 gesehen haben, die an einem Strick an einer Autobahnbrücke hing, vermutlich wäre dann sofort der Ruf nach einer Änderung des Grundgesetzes laut geworden, um der Bundeswehr auch einen Einsatz im Inneren zu ermöglichen.
Was war an dem Verhalten der “asozialen” Schalker jetzt grundsätzlich so furchtbar und verdammungswürdig? Wurde ein Spielabbruch durch einen Platzsturm erzwungen, wie noch vor wenigen Monaten in Wien? Wurde der Bayernbus mit Steinen oder Flaschen angegriffen, wie z.B. der der Dortmunder letztes Jahr in Köln? Wurde ein Spieler von Fans körperlich angegriffen, wie beim Derby zwischen Hessen Kassel und Eintracht Frankfurt im letzten Jahr? Sollten nicht eher diese Ereignisse als Skandal groß in den Medien gewesen sein? Da nichts davon als großer Skandal von der Presse ausgeschlachtet wurde, besitzt es sogar eine Art pervers verdrehter Konsistenz, dass das Verhalten der Schalker Fans als Skandal bezeichnet wird. Aber das Image der asozialen Schalker ist auch viel verkaufsfördernder als ein echter Skandal.
Auch wenn es vermutlich kaum jemandem aufgefallen ist, die Gründe für die starke Anfeindung gegen den ehemaligen Schalker Tormann habe auch ich bisher nicht genannt. Er wäre von einem Teil der blau-weißen Fanszene so oder so ausgepfiffen worden, aber durch seine Aussagen nach dem Wechsel zu den Bayern und vor allem seinem ewig nervendem Rumgeeier vor dem Wechsel hat er sich nahezu jegliche Chance auf einen freundlichen Empfang genommen. Wer seinen an Oliver Kahn angelehnten Eckfahnenjubel im nachhinein nicht als Blackout oder seine Mitgliedschaft bei der UGE nur damit begründet, dass seine Freunde dort auch sind und man ja mit denen was zusammen unternehmen will und sich deshalb ‘ne Dauerkarte holt, der dürfte sich eigentlich nicht wundern, wenn seine Fans ihn fallen lassen. Dies sind nur zwei der Gründe, dass er vor ein paar Jahren im Schalker Jahrbuch schrieb, er würde niemals zu den Bayern wechseln, Schwamm drüber. Dass die deutsche Qualitätspresse und der Springerverlag es aber nicht schaffen, auch nur einen der wirklichen Gründe für die Anfeindung herauszufinden … außer dass er halt zu den Bayern gegangen ist, ist leider schon bezeichnend, denn dazu hätte es auch eine gewisse minimale Auseinandersetzung mit dem Thema bedurft. Wer braucht schon Fakten wenn man ein Klischee hat, mit dem man gute Verkaufszahlen erzielen kann?
Zum Schluss möchte ich einen älteren (ca. 60 Jahre) Schalkefan sinngemäß zitieren. Er wurde im Fernsehen dazu befragt, was er denn von dem Empfang des bayrischen Torwarts hielt. Darüber hat er sich furchtbar aufgeregt und am Ende sagte er, dass da noch viel zu wenig gewesen ist, da hätte noch viel mehr kommen müssen.
Ralf Rangnick tritt zurück
Heute morgen überraschte eine Meldung viele Fussballfans, nicht nur die Anhänger der Königsblauen wussten nicht so recht, was man davon halten sollte. Ralf Rangnick tritt wegen eines Erschöpfunssyndroms zurück. Anzeichen dafür gab es für Außenstehende keine und offenbar auch für die Schalker Führungsetage nicht, denn Clemens Tönnies war nach eigenen Worten sehr überrascht.
Jetzt kann man natürlich sagen, es habe sich angedeutet, da Rangnick die letzten Schalker Niederlagen ruhiger hingenommen hätte als früher; das halte ich hingegen für Einbildung. Denn wer krampfhaft nach Anzeichen sucht, der wird solche immer und überall finden. So bleibt es wohl dabei, Ralf Rangnick gute Besserung zu wünschen und abzuwarten, ob er wieder ins Fußballgeschäft zurückkehrt. Zu wünschen wäre es ihm. Eine kleine positive Erkenntnis bleibt nach dem Gang an die Öffentlichkeit von Rangnick allerdings, wie bereits vor einigen Wochen, als Hannovers Torwart Miller bereits offen gestand, ebenfalls das Burn-Out Syndrom zu haben und sich deshalb in Behandlung begeben hat. Während Fußballprofis und Trainer ihre Probleme früher im Alkohol ertränkt haben, gehen sie heute immer öfter den Weg an die Öffentlichkeit und nutzen die vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten.
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