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Deutschland experimentiert sich gegen die Ukraine in Kiew zu einem 3:3

12. November 2011, 12:59 geschrieben von Elbefohlen, abgelegt unter Int-Fussball.

Bundestrainer Joachim Löw nutzte das Testspiel gegen die Ukraine wie angekündigt für einige Experimente. Dies hatte zur Folge, dass sich seine Mannschaft beim glücklichen 3:3 teilweise präsentierte wie eine neben sich stehende, aufgescheuchte alte Jungfer vor einem Blind Date…

Ukraine 3:3 (3:1) Deutschland

Fast 70.000 Zuschauer waren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in das für sehr viel Geld für die im kommenden Jahr stattfindende Europameisterschaft in das Stadion Olympia in Kiew gekommen – und sie sollten diesem Besuch nicht bereuen. Denn der Co-Gastgeber zeigte gegen die favorisierten Deutschen eine ansehnliche und engagierte Leistung. Das 3:3 schmeichelt dabei den Gästen, denn bei etwas mehr Effizienz in Sachen Chancenverwertung wäre für die Blochin-Elf ein Sieg in greifbarer Nähe gewesen.

Joachim Löw setzte bei dieser Partie seine Ankündigungen in die Tat um und wagte einige Experimente. In Abstinenz einiger Leistungsträger wie beispielsweise Kapitän Lahm, Schweinsteiger, Neuer und Klose, sackte das Durchschnittsalter der Startformation noch einmal nach unten. So stand dann in Kiew die jüngste Startelf der deutschen Nachkriegsgeschichte auf dem Platz. In der Abwehr probierte es Löw mit einer Dreierkette – Boateng, Badstuber und Hummels. Als Kapitän fungierte in seinem 50. Länderspiel Gomez. Ein Debüt für den Bayern-Angreifer, der nominell als einzige Spitze aufgestellt war. Besonderes Augenmerk lag zudem auf dem offensiven Mittelfeld, wo sich zum ersten Mal Özil und Götze von Beginn an zusammen versuchen durften. Komplettiert wurde das Mittelfeld durch Khedira und Kroos im Zentrum, sowie Aogo und Träsch auf den Außenbahnen. Schlussendlich vertraute der Bundestrainer im Tor auf den Hannoveraner Zieler, der somit sein Debüt feierte und damit der 50. Neuling der Ära Löw wurde.

Am Ende des Tages dürfte der Bundes-Jogi tatsächlich einige Erkenntnisse gewonnen haben. Zuallererst sollte er erkannt haben, dass eine Dreierkette nur im äußersten Notfall als eine Alternative anzusehen ist. Es war manchmal abenteuerlich mit anzusehen, wie Deutschland die Ukrainer zu Kontern einlud und dabei in der Rückwärtsbewegung Lücken ließ, durch die ein Flugzeugträger problemlos schlüpfen konnte. So fielen die drei Gegentreffer in der ersten Halbzeit allesamt nach eigenen Eckstößen und danach leichtfertig hergeschenkten Ballverlusten. Bemitleidenswert dabei war Debütant Zieler zwischen den Pfosten, der dreimal den Ball aus dem Netz holen musste und sich ansonsten nicht auszeichnen konnte.

Im Mittelfeld wussten eigentlich nur Khedira, der sehr fleißig war, und Kroos zu überzeugen. Der junge Münchener zeigte einmal mehr seine Fähigkeiten als Regisseur und krönte seine Leistung mit einem tollen Tor, dem zwischenzeitlichen Anschlusstreffer zum 1:2. Von den Außen kam herzlich wenig, sowohl Aogo als auch Träsch konnten ihre Chance nicht nutzen. Auch von Kapitän Gomez war nicht viel zu sehen, er stand vorn allzu oft allein und nahm zu wenig am Spiel teil. Eine hochkarätige Torgelegenheit hatte er, fand bei seinem Flachschuss mit dem ukrainischen Keeper Rybka aber seinen Meister. Auch das mit Spannung erwartete Zusammenspiel zwischen Özil und Götze verlief nicht problemlos. Beide waren zwar bemüht, standen sich allerdings das ein oder andere Mal auf den Füßen. Die zwei kreativen Ausnahmekönner waren gestern nicht so effektiv und glanzvoll wie gewohnt, was aber nicht allzu überraschend ist. Dem neuformierten Mittelfeld fehlte es an Automatismen, der Rhythmus und die Passgenauigkeit aus der Qualifikation war am gestrigen Tage nicht zu sehen.

Erst im zweiten Abschnitt wurde es mit den von Löw vorgenommenen Wechseln etwas besser. Podolski und Müller brachten neuen Schwung mit auf den Platz. Kämpferisch kann man der deutschen Mannschaft keinen Vorwurf machen, so wurde sie dann auch mit dem Ausgleich durch Müller in der 77. Minute für ihr Engagement belohnt. Fazit: Das Gastspiel der Ukraine hat seinen Zweck erfüllt, es war ein Test für etwaige Notfallsituationen und ein Schaulaufen für einige Akteure aus der zweiten Reihe, die um ihr Ticket für die Europameisterschaft kämpfen.

Statistik

Ukraine: Rybka – Butko, Rakytskyy, Kucher, Selin – Konoplyanka (90.+2 Fedetskyy), Timoshchuk, Iarmolenko (82. Alyew) – Bezus (41. Nazarenko) – Shevchenko (67. Gai), Milevskiy (66. Devic) – Trainer: Blochin

Deutschland: Zieler – Boateng, Hummels, Badstuber – Träsch (46.Schürrle), Khedira (46. Rolfes), Aogo – Kroos (87. L. Bender), Götze (66. Müller), Ozil (66. Podolski) – Gomez (83. Cacau) – Trainer: Löw

Tore: 1:0 Jarmolenko (28.), 2:0 Konopljanka (36.), 2:1 Kroos (38.), 3:1 Nasarenko (45.), 3:2 Rolfes (65.), 3:3 Müller (77.)

Schiedsrichter: Cxrlos Velasco Carballo (ESP)
Zuschauer: 69.720 im Stadion Olympia (Kiew)
Gelbe Karten: Bezus / –


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